Giesser Wochenblatt. Sechs und Dreisigstes Stück.
Dienstag» bett 8. Sept. 177-.
Mit Hochfürst!. Hesse» Darmstädtjfcher gnädigster Erlaubnis.
Die Staarskuttff-
Staatskunst ist die Erkenntniß der Mittel, die zu einem gewissen Endzwecke führen. Sie darf keine andere, als ehrbare Gegen» öS) n^nde zu ihrem Augenmerke haben, und nur rechtmäßige Mittel anwenden. Sie ist die Seele der Staaten und Regierungsformen; sie ist die Wissenschaft de« Verstandes; diejenige, welche ihr am meisten übet- sie allein erfodert mehr Gaben, als viel andre zusammen-
Man darf sich nicht verwundern, wenn es s» wenig gut« Staats« verständige (liebet; es gehören zu deren Bildung Eigenschaften, die selten vereiniget sind; eine lebhafte Scharfsinnigkeit, unö eine gründliche Beur, «Heilung; viel Erkenntnisse und die Kunst, sie m Werth zu setzen; em of. fenherziges Ansehen und verborgene Gedanken ; Erfindung und Gelassen» beit , die Menschen zu erforschen, ohne daß sie es wahrnehmen; ihrer E'» genliebe zum Nachtheile der seinigen schmeicheln; Geduld und Unverschämt» beit haben; weise se»n, und es nicht allezeit scheinen; sie nicht für das auS» «eben, was man ist, ohne daß man sich für das ausgiebet , was man nicht ist; die Menschen ihres wahren Nutzens, trotz der heftigen Leiden, schäften, die davon entfernen, überzeugen; solche Begriffe bey ihnen er» Mcken, welchen sich ihr Verstand widersetzet, und sie unvermerkt derge. stalt daran gewöhnen, daß sie denselbenft>igen, als wenn sie derselben Ur»


