Einzelbild herunterladen

1O$

Wochenblatt.

Man kann nicht in Abrede stellen daß alle Nationen, die an dem Meer wohnen, immer eine Art von Schiffarth haben, so gering sie auch sevn mag. Wie leicht war es bey der Unvollkommenheit derselbigen mög­lich, daß ein geringer Theil von Menschen, und dazu ist oft nur ein paar derselben nöthig, durch einen Sturm auf die amerikanische Küste verschla­gen wurden.

Dieses ist um so mehr begreiflich, wenn man überlegt, daß zwischen Asien und Amerika nur eine kleine Meerenge ist. Und wenn auch gleich diese Gegenden wie man sagt allzustürmisch wären, daß keine Schiffarth daselbst von Bestand seyn könne so ist doch noch erst die Frage ob solches in allen Jahrszeiten statt findet, welches noch nicht untersucht worden ist. Und hernach brauchen wir auch keine große Schiffe. Ein grönländischer elender Kahn, eine so genannte Canor, oder ein ausgehölter Baum, des­sen sich die Wilden, noch heutiges Tages bedienen ist hierzu hinlänglich vielleicht hat sich eine kleine Parthie dadurch von denen ihnen nacheilenden Feinden gerettet: denn man weiß aus der alten Geschichte, daß viele Co­lonien auf diese Art nach Griechenland Italien und Afrika gekommen sind. Vielleicht hat die Neugierde Leute veranlaßt auf kleine Entdeckungen aus­zugehen: Vielleicht hat auch eine kleine Handlung, die man auf den Kü­sten getrieben hat, Gelegenheit gegeben. Genug daß ähnliche Vewegungs- grüude in alten und neuern Zeiten gar oft zu würklichen Seereisen veran­laßt haben. Ist man nun, wie es immer zu vermuthen ist, zu weit ver­schlagen worden, so hat man den Rückweg, den man heutiges Tages aus Amerika nach Europa gewiß nicht ohne Compaß finden würde, den man aber damals nicht hatte, nicht wieder finden können. Man Harbleiben müssen, wo man war, und da man sich nicht mit Vorsatz auf eine solche Reise begeben hat, so hat man auch weder Vieh, noch Saamen, noch Werkzeug zum Ackerbau bey sich gehabt, zumahl wenn die neue Colo- nie aus einem ohnehin noch ziemlich wilden Volk abstammte. Man hat sich also genöthigt gesehen von Wurzeln zu leben, auf die Jagd und Fl- scherey auszugehen, und mit einem Wort wild zu werden, wenn man auch gleich von einer gesitteten Nation entsprungen wäre. Was können einige wenige Leute ausrichten, die auf eine unbewohnte Insel verschlagen werden? Wie sollen sie Ackerbau und Künste treiben , wenn ihnen alle Materialien und Instrumenten mangeln, ja noch mehr, wenn ihnen in ei­nem schlechten Land, das wenig hervorbringt, die Zeit zum Nachsinnen fehlt,