Giesser Wochenblatt. Drcizehentes Stück.
Dienstags den rseen März 1771.
Mit Hochfürstl. Hessen Lannstädtjscher guädigsien Erlaubnis.
Todesbetracheung eines Atheisten.
- - - furchtbare doch ruhige Gräber auf die ich hier tret- te! empfindungslos werden die wesentlichen Theile meiner Brüder von dem Wind umhergetrieben; und eben so gleichgültig ist dieser Rest eines Gebeines, welchen ich in dem Augenblick mit meinem Fuß dorthin schleudere - - Wie viel Jahre habe ich noch zu Men, so werden diese meine Gebeine, dieser belebte Staub eben so gleichgültig seyn, wer sie mit Fusen tritt. Dorten liegt ein Hirnschadel, in dessen Eröfnungen nicht mehr die empfindende Augen sind; er beschliefet nicht mehr das Gehirn das sich eine Welt vorstellte, und der Sitz des Schmerzens und der Freude wäre, r^ch will also meineTage gebrauchen so lange ich noch da bin; von dieser so schöne Natur, die in Bergen und Thäler vor mir ausgehreitet ist, will ich Vergnügen einathmen, so lange noch sich Lebensgeister in mir bewegen. Furchtbar ist mir freylich der Augenblick da ich aufhüren soll zu seyn - - ich soll aufhören zu seyn - nicht mehr drucken, nicht mehr empfinden - nicht mehr diese angenehme Thaler durchschauen, nicht mehr den Gesang der Freude hören, nicht mehr mich über das Glück der Meinen vergnügen - Hat der Todt meine Augen einmal verschlossen, so werde ich nie wieder einen Blick auf die Welt thun dürfen, - - ewig - ewig ist mein Dascyn verlohrcn - doch ich werde mich nicht darüber können grämen; ich werde seyn gleich denen, die jetzo die Gräber verschliefen, die sich unbewust einem sorglosen Schlummer überlassen sind. Beruhige dich mein Herz: bin ich nicht


