Giesser "
Wochenblatt.
Neuntes Stück.
Dienstags den iSten Sehr* 1771.
Mit Hochfürst!. Hessen B)armstädtlscher gnädigsten Erlaubnis.
Leben Herrn D. Franz Justus Rdreholts, ersten Professors der Rechte und Vice.Canzlers auf der Universität Giessen.
Morose Talente haben allemal auf Bewunderung die gerechtesten An- lprüche, und ertheilen denen, welche sie besitzen, einen inneren Wertb, welcher weder geraubet, noch durch ciusern Rang und Titel erreicht werden kann. Sind sie nun noch^über dieses durch Erziehung und Gelehrsamkeit ausgebildet worden»; haben sie von der grosen Welt ihre Politur empfangen: werden sie durch ein rechtschaffenes Herz und Religion veredelt ; so wird der Mann in welchem sich solche vereinigen-ein Ge. schenck der Vorsehung an seine Familie, an das Vaterland, ja an die Welt. Da must man in demselben den erhabenen Gelehrten, und den grosen Mann bewundern; den Menschenfreund und Patrioten lieben und hochachten: und den Christen verehren. Dieses wak unser Äortbolt Er war es , das sagen uns die Klagen der Musenföhne, der Lieblinge der Wissenschaften, der Menschenfreunde, * dH,Patrioten, der Verehrer der Religion. Diese sind das unausbleiblicbeLlpfer, wann ein groser Mann, von diesen edlen Zügen geschmücket, entrißen wird. Doch wir schreiben 3 keine
• 2» dem unvergleichlichen Gedicht, welches einer unsrer akademischen Herrn Mitbürger, der wahres Genie verrath, Herr Schneider aus Darmstadt n» Namen der übrigen gemacht hat, wieder auch mit dem seligen Gellert veralt, chen, nicht weil er in diesem Fach bekannt wäre, aber eben dessen menschenfreundliches Herz, dte so seltene Tugend groser Gelehrten, besagte.


