Ausgabe 
10.9.1771
 
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Wochenblatt.

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Abend ssen genöthiget. Es war eine ganz gewöhnliche Mahlzeit, der gu­te Alte wollte es sich aber gar nicht ausreden lassen, daß der Wirth nicht Hochzeit noch Kindrause hielte. Von den wenigsten Speisen wollte er essen, weil er sie nicht kannte, und endlich erregte er ein allgemeines Gelachter, wie er sich am Ende der Mahlzeit ein Glas Malvasier ausbat. Mein Gott sag­te er bey unsrer Zuhausekunst, wie haben sich die Zeiten hier gebefferc- Mein Vater hatte eben die Bedienung worin der Mann steht , den wir heute besucht haben. Er behalf sich in jenem kleinen Hause, worin jetzt ein Alkfiicker wohnet, unsre Mutter die nur ein Mädchen hielt, greng selbst aufs Markt und kaufte Lebensmittel ein , im ganzen Hause waren nur zwey kleine Spiegel, Brettschemels, und für Fremde, zwey mtt Leder be­schlagene Lehnstühle, die ich noch jetzt gebrauche. Von dem Aufwande der diesen Abend gemacht ist, hätten meine Aeltern einen Monat Haus gehalten, dennoch fanden sie bey aller ihrer Sparsamkeit wenig mehr als ihr tägliches auskommen. Sagen Sie mir doch , woher kommt der Ue- berfiuß den man hier allenthalben siebt; ist eine Goldgrube entdeckt, wor­aus ein jeder schöpfen kann, oder besitzt man hier die Kunst Gold zu ma­chen^ Keines von deyden sagte ich ihm, allein wir sind klüger geworden als unsere Vorfahren Wir haben das Geheimniß von der Circulation des Geldes zur Vollkommenheit gebracht, und dadurch gelernt, oft aus nichts etwas zu machen. Diejenigen, die Capitalia von ihren Aeltern ge- erbt haben, lassen sie circuliren, anstatt daß jene solche in einem Kasten verschlossen, oder aufZinsen ausliehen. HundertMdere werden hierdurch in den Stand gesetzt" dieses Geld weiter circuliren zu lassen. Diese Cir- eulation geht nun zwar etwas unregelmäßig, und es kommt selten an den Ort wieder zurück, wo es ausgelmfen ist. Allein wenn die Quelle er­schöpft ist; so giebt es jetzt unzählige Mittel diesen Mangel zu ersetzen» Hat man kein Geld, so hat man Credtz. Der Weinhändler, der Flei­scher, der Becker, der Künstler, der Kaufmann, sind gutherzig genug den Staat eines Mannes, dessen Taschen schon seit langer Zeit leer gewesen sind, auf Hoffnung zu unterhalten; sie schreyen ein wenig wenn sie am ' Ende um ihre Forderungen kommen, sie werden aber doch nicht klüger.

Andere deren eigenes Vermögen sich bereits sämmtlich im Kreisläufe befin­det, lassen Gelder circuliren, die ihnen zur Verwahrung anvertraut sind; und noch andere, denen nichts anvmrauet ist, wissen Mittel andere Leute ru bewegen, daß sie ihnen gestatten müssen ihr Geld in Circulation zu brmaen. Sie leihen, gewinnen, oder heyrathen es ihnen ab, oder zwin- . " gen