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Wochenblatt. -2-

des grün gerauften Flachses zurück gebliebene sogenannte Grause, notb* . wendiger Weise eine Zerbrechlichkeit des Bastes zuwege bringen müßte' wenn sie dadurch , daß man den Flachs in seinem vollen Safte rauft, in eine Art von Stockung geriethe. Dieser lScdluß hat so viel natürliches an sich, daß wenn sie auch den augenscheinlichen Vortheil, bey der Ver- schüneruna des Flachses nicht achten, sie dennoch um einen dem Rigaischen vollkommen gleichen Lein zu erndten, jenes Vorurcheil leicht überwinden werden, daß es nothwendig sey Den Flachs grün zu ziehen. Doch dieses alles ist noch nicht genug; so geschwind sie dort mit ihrem grünen Flachse zur Rode laufen, um ja kein Zäserchen weniger zu bekommen, so langsam verfährt Der Liefländer in diesem Stücke. Gemeiniglich wird er erst im folgenden Frühlinge die Arbeit des Rodens , oder die Absonderung deS Bastes sürnehyien. Wie würden ihre alten haushälterschen Nachbarn über sie lachen, wenn sie hiemit die Probe machten - Doch lassen sie die­se immer lachen, sie thun eS öfters, aber sie beruhigen sich bald , wenn ihre Erwartung fehl schlägt. Ist ihnen in diesen Stücken die Anführung der Liefländer nicht genug, so kann ich versichern, daß auch die Jrrländer sich dieser Methode bedienen, und wenn mein weniges Veyspicl etwas gilt, so kann ich ihnen sagen, daß ich seit zwey Jahren niemals mehr im Herb­ste, sondern jedeSmal im folgenden Frühlinge roden lasse, und bis dahin mein Flachs aus einem luftigen Boden aufqeschobert habe. Ich gewinne in der That dadurch mehr, als ich anfangs glaubte, denn ob ich zwar wie natürlich ist, etwas weniges an der Materie des Flachses einbüße, (weil wegen deS AuötrockenS viele Zäserchen verloren gehen,) so gewinnen sie doch in der That, da mein Flachs allezeit einen sehr ansehnlichen Grad der Feinheit, vor dem nach der alten Methode grün gerodeten Flachse mei­ner Nachbarn behauptet. Doch dieses ist noch nicht der ganze Vortheil- den sie durch Beobachtung meines Vorschlages zu erwarten haben. Sie wissen wie viel wir Landleute auf die Zeit rechnen, und wie beschwerlich und kostbar eS uns fällt, wenn viele Beschäftigungen auf einmal unS überhäu­fen. Dieser Fall findet sich allemal, sowohl bey der frühen alS späten Flachserndte, und wenn wir alle?abey nütbiqe Beschäftigungen, daS Raulen, Rotten, und übrige Zubereitung verrichten wollen, so übereilt unö Die ErnDte Dabei), und höchstens geschiehet alles nur halb. Wie be­quem kann Dagegen der LanDmann Dieses Geschäft im Frühlinge abwar­ten? Es fällt in eine Zeit wo er von Den meisten andern Feldarbeiten ftey ist, und er ist im Stande weit mehr Fleiß und Sorgfalt daran zu wen*

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