Ausgabe 
28.7.1750
 
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Giesser Wochen-- Blüte/ Nüm. xxx.

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die in Mäßigung der Furcht bey der Gefahr bestehet / führt den Namen der Tapfer­keit oder Herzhaftigkeit- , .> , ' >

Di« Tapferkeit ausscrt sich also zwar / aber nicht allein, tn dem Falle / da Wir von Unferm Feinde mit Gewalt angegriffen werden. Wir sind alsdenN-freylich in Gefahr/ und können folglich durch Ausübung-dessm/ was die Natur hefichlet/ unsre Herzhaftigkeit beweisen- Allein es flieht hundert andre Gattungen der Gefahr/ die öfters noch viel grösser sind/ als die angeführte.. Nicht nur Leib und Leben können Durch andre Umstände eben so heftig angegriffen werden; sondern die Ehre/ di« jenem aleichgeschätzet zu werden billig verdient / daö Vermögen und vieles andre kann auf utizahliae Arten Schaden nehmen. Die Gefahr habe nun Namen/ wie sie will/ wenn man sich darin tugendhaft auffnhret / so ist man tapfer i wiewohl nicht geläugnet wer­den darf/ daß die verschiedene Grade der Gefahr aiich verfchiedene-GrabeDer Herzhaf­tigkeit beweisen. Denn obgleich z- E- um zur Ader zu lassen einige geringe.StaMgf- tiakeit erfordert wird/ womit man die furchtsame Vorstellung einer etwa gelahmten Nerve u.d.g. überwindet r so reichet doch dieselbe lange nicht an diejenige / womit ein rechtschaffener Soldat ausgerüstet ftyn muß/ wenn er mit der gehörigen Gemuthöbe- schaffenheit ftinemKinde ich Treffen unter dje Augen tretten soll. ,

Das wichtigste/ worauf man hier zu sehen hat/ ,st dieses, daß die Tapferkeit eine Tugend ist. Mit diesem einigen Worte wird überaus viel gesagt. Die Tugend ist eine Fertigkeit seine Handlungen nach dem Gesetze der Natur einzurlchten / und die­ses Gesetz fordert gar viel von uiik. Es will haben / wir sollen mit Vorsichtigkeit un­tersuchen / wie groß die Gefahr ist / um weder an der nöthigen Behutsamkeit etwas abgehen/ noch auch von einer ungeschickten Furcht sich übernehmen zulasten; es Mel­det eine eifrige Begierde vor/ w, überhaupt/ so auch in dieser- Gefahr/ nichts wider den Willen Gottes vorzunehmen; es bestehlet/ daß wir mit Klugheituntersuchen/ durch was vor'Mittel man sich retten könne/ wie sicher ein jedes / wie gelmd oder scharf/ wie leicht oder schwchr u.s.w./ welches von dem Gesetz erlaubt/ ja welches ihm am acmastesten fei); es verordnet/ daß wir unsre Kräfte prüfen/ und wissen/ wieweit sie reichen/ daß wir dieselbe geziemend anwenden/ mit aller Macht angrcrffen/ und unter dem erbettenen und sicher erwarteten Göttlichen Bevstande getrost und mit gu­tem Muthe daneben aber auch mit dem Entschlüsse / den etwa über uns verhängten Übeln Ausgang in Gedult zu ertragen / das Böse zu überwinden trachten. Man muß also in einer besiändigen und einen jeden Umstand und Vorgang überlegenden Gelassen- beit bleiben; nicht aber in eine Verwirrung und dadurch entweder in ^afenfurqjt_ot>er in eine viehische Tollheit gebracht werden. Das gute Gewisten muß uns Trost zu- sprechcn/.und die gerechte Sache muß scheinen ihre Kräfte mit unsern ju vereinigen. Aus dieser Ursache nicht aus Unbedachtsamkeit/ aus Geringschätzung des UebelS/ oder aus allzugrostem Vertrauen gegen sich selbst muß man sich den tsieg versprechen / und denselben alödenn zu weiter nichts brauchen wollen/ als wozu man chn ohne Verletzung der Tugend anwenden kann- b