Messer Wochen-Makt,
Num. XXX.
Dienstag bett 28. Jul. 1770.
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■1- Mir Hochfürstl. Hessendarmstädtnscher xnädi§st«n Erlaub inß.
Von der Tapferkeit.
' ., . und den entgegen gesetzten Lasierst.
8ü?Iiele Wer erwerben sich Freunde/ weil sie den Schein der Tugend haben; ge- xVV meiniglich wendet man auch diejenige Aufmerksamkeit nicht an / di« den Um» ^7 terscheid dieser von jenen entdecket. Denn/ wiewohl man nicht überhaupk saaen kann/ daß jede Tugend in der Mitte zwischen zweoen einander entgegen gesetzte« Lastern stehe / so trifft eS doch bey vielen Arten derselben ein / und eS ist alsdenn der Müde werth/ die genaue Gränzen abzusterken/ zwischen welchen die Tugend wohiitt, und deren U«berschreirung in das Laster stürzet. Die Tapferkeit schüret allerdings hierher/ und man hat nicht nüthig in der Welt sich gar weit umzusehen/ wenn man über- leuat sevn will, daß ein unrechter Begriff von derselben den meisten bewohnt/ durch welchen sie angetrieben werden/ Handlungen vorzunehmen/ die mit einem weisen Wans del übel usammen hangen. Aus der Ursache haben wir vor dienlich gehalten / in gegenwärtigem Blatte von dieser Sache zu handle» und / was die gesunde Vernunft davon sagt/in der Kürze zu entwickeln.
Die Tapferkeit ist dielemge Tugend / die man m der Gefahr beweiset. Die Okfahr nämlich stellet und ein Uebel vor / das uns betreffen will/ und diese Vorstel- kung bringet ihrer Natur zufolge Furcht hervor. Wie eine jede Gemmhsbewegung muß im Zügel gehalten werden / wenn sie nicht Unheil anrichten soll; so muß auch di« Kurcht in ihre Schranken eingeschlossen werden / daß sie weder unmäßig / noch auch mviel unterdrücket und alle Gefahr verachtet werde. Geschiehet das/ fo rhut man/ was das Gefetz der Natur post Ws fordert/ und ist tugendfam; diese Tugend selbst aber/
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