f72 Gl'esiev w-chM ♦ Blatt/ Nurn. XIVII.
Menschen als Thieren müssen einfache Wesen seyn / die nicht wie die Cörper aus Theilen bestünden/ eben deswegen / weilen sie eine Kraft zu gedenken hätten- Wird nun dieses von Leuten/ so die Lehre von der Seele wohl verstehen/ brstättiget/ warum wollen dann Menschen von geringerer Einsicht meine Seele zu einer Materie machen/ die verwesen / verflattern und untergehen soll/ da sie doch auch eine Kraft zu gedenken besitzet/ und eben deswegen ein einfaches Wesen seyn muß/ das unverweslich ist/ oder durch die Auflösung seinen Untergang nicht finden kann. Ist aber meine Seele unverweslich/ bleibt sie ihrer Natur und Wesen gemäß nach dem Tode meines Leibes übrig/ und kann sie auch GOtt nicht vernichten/ ober aus dem Stand der Wirklichkeit in das Land der Hofen Möglichkeit versetzen, ohne daß nicht eine grosse Veränderung in der ganzen Natur aller Dingen erfolgen solte; So wird sie ja GOtt/ der sie zur Verherrlichung seines Namens erschaffen hat/ nicht nach diesem kurzen Leben vernichten/ oder im Schlafe/der ein Bild des Todes ist/ liegen lassen/ sondern vielmehr in andere Umstände versetzen/ da sie bess.r Gelegenheit finden wird/ ihre Kräfte zur Verherrlichung G-vttes zu zeigen/ **) als in diesem/ ansonsten sie G-Otl in dem ersten Zustand wür de gelassen haben.
______ ________ _ Ant-
**) Diejenigen/ die über die Seelen des Viehes nachgedacht / find durch verschiedene falschen Gründe zu verschiedenen Irrrhümern veranlasset worden. Einige haben dem Vieh die Seelen glatt abgesprochen; andere haben sie fast über die menschliche erhoben. Jene spracherr: schreibt man dem Vieh cörperlichr Seelen zu/ so stehet selbst die immaterielle Natur der menschlichen Seele in Gefahr / und man kann nicht ausmachen/ ob diese nicht auch selbst ein solcher etwas feiner denkender Cörper sey; schreibet man ihm uncörperliche Seelen zu/ so muß man diese vor Geister/ vor unsterbliche Wesen gelten lassen/ womit man der Religion und dem Vorzüge der menschlichen Seelen zu nahe trätte. Diese beobachteten die Handlungen des Viehes/ und fanden Dinge darin/ die sie nichts anders als einer Vernunft/ und zwar einer aufgeklärten und sorgfältig gebrauchten Vernunft zu zu schreiben wüsten. Nachdem aber, mehr Licht in der Weltweisheit aufgegangcn hat man gefunden / daß die Seelen des Viehes zwar uncörperlich aber dennoch keine Geister sind/ sondern solche einfache Wesen/ die mit einer Kraft zu denken versehen/ welche keinen Verstand imt> daher auch keine Vernunft und keinen freyen Willen in sich fasset. Man schliesset daraus mit Grunde/ daß dieselben nicht mit dem Cörper verwesen/ noch auch bei) dem Tode dieses natürlicher Weise aufhören. Wie es aber nachdem mit ihnen gehen wird/ ist um so mehr ungewiß: je mehr man gestehen muß / daß die bloss Weltweisheit noch zur Zeit den Zustand selbst der menschlichen Seele nach dem Tode zwar mit dem höchsten Grade der Wahrscheinlichkeit/ aber nicht mit völliger Uuwidersprechlichkcit/ die wir hier aus der göttlichen Offenbarung haben/ bestimmen könne. Unterdessen aber ist so viel richtig; weil GOtc alles zur Verherrlichung fernes Nameys geschaffen hat und schält/ so müs- sey auch die Seelen Der Thlere jetzo und in Zukunft zu diesem Ende vorhanden feyn.


