IT Gresser Wochen--Blatt / Hum. XsiVll.
noch ein besonderes Wesen wohnen/ aus welchem diese Wirkungen/ so die Kräfte eines Cörpers weit übersteigen / herfliessen. Es war mir bey diesen Gedanken ganz bange. Bald rechnete ich mich unter Die Hofen Cörper? bald wurde ich auf einmal in einen Nofen Geist verwandelt. Mein Gemürh/ so zu keiner völligen Gewißheit gelangen konnte, war voll Unruhe. Ich fassete Den Schluß? mich ins künftige nicht wieder in diese Materie einjulassen/ sondern vielmehr in einem belaubten Walde an den wilden Thieren/ (so sich an ihrem blossen Daser-n vergnügen) mich ein wenig zu ergötzen/ in Der angenehmen Hsfnung Die Zufriedenheit von ihnen zu erlernen. Kaum hatte ich etliche hundert Schritte in demselben zurück geleget? so erblickte ich in der Ferne/ unter dem Schatten eines Dickbelaubten Baumes/ ein Geschöpf/ welches allerlei) wunderliche Stellungen machte. Ach verdoppelte meine Schritte/ und da ich näher herzukame/ so wurde gewahr / daß dieses einem Menschen ähnliche Geschöpf ganz traurig war. Ich stutzte/ und wüste nicht/ was ich aus ihme machen/ und ob ich es anreden solte. Das Thier sähe mich mit unverwandten Augen in meiner Bestürzung an/ als wolte es fragen/ was fehlet Dir? Endlich fassete ich das Herz/ amd sagte zu ihm: nehme mir es nicht übel / daß ich mich Deiner Person und Standes erkundige/ da ich sehe/ daß Du mit eben solchen Gliedmassen Der Sinnen/ als ich / von der Natur verftben bist. Wie heissest Du / wo kommst du her/ und was ist dein Geschäfte in diesem Gesträuche? Das Thier bezeugte sich auf meine beherzte Anrede ganzffrölich/ und antwortete: mein Herr/ da ich das erste mal dich in meiner Einsamkeit zu sehen/ das Glück habe / und aus deinem freundlichen Zuspruch erken. ne/ daß du als ein Mensch mich arme ßeftie nicht verachtest/ so will ich dir von meinem Stand/ und ganzen Wesen eine vollständige Nachricht mit Dem grösten Vergnügen meiner Seelen ertheilen. Ich bin eine Bertie, mein Nähme ist Aff/ ich bin aus Demjenigen alten Geschlecht Der Affen entsprossen / welche Durch ihre artige Con- duite und lustiges Humeur sich bet) den Königen und Grossen in diesem Lande sehr beliebt gemacht/ und in grossen Gnaden gestanden haben. Daß aber nichts verändere sicher als Die Gnade Der Fürsten und Herren seye/ Dieses haben meine vor etlichen Jahren verstorbene Eltern zu ihrem grösten Leidwesen erfahren. Da sie ihrer treu» geleisteten Diensten ohnei achtet/ blos wegen eines andern Affen/ Der seine Person in etwas besser spielen mochte/ von Dem Königlichen Hof vertrieben worden/ wo sie nun die Noch zwange/ sich mit mir in meiner zarten Kindheit wiederum in diesen Wald iu begeben/ woraus sie sich durch ihre ruhmvolle Geschicklichkeit/die sie sich mit uner# müdetem Fleis erworben/ bis an Den Posten eines königlichen AffenS (oder wie sie nun heissen wollen) eines lustigen und kurzweiligen RathS geschwungen hatten. Hier lebe ich nun in Der Stille/ und denke meinem unerbittlichen Schicksal öfters Mik m< nigsier Betrüdniß nach.
Antwort des Mohren.
In Wahrheit mein lieber Aff/ Dein Zustand ist Mitleidens würdig. Ma» hatte die Verdienste Deiner Ahnes nicht so leicht vergessen? oder doch wenigstens dich?


