eil Gresser Wochenblatt / Num. XVI.
klebe; ob unter uns einer und die andre mit etwas ähnliches angestecket sey/ und wie weit/ mit welcher und wie viel Würkung/ Verstellung u. d.g. wollen wir jetzo nicht untersuchen- Noch viel weniger aber lassen wir uns in den Streit einiger belehrten «in/ ob die Ungörrerey/oder der grobe Aberglaube an sich ärger und dem gemeinen Wesen schädlicher sey; sondern merken davon im Vorbeygehen an/ wie ein sehr ver- «ünstiger Weltweiser sich ausdrücket/ es sey eben so zu antworten/ als wenn uns je» mand fragte: ob es schlimmer sey/ sich mit einer» Federmesser/ oder mit einem Raufdegen tot) zu stechen?
Die Aberglauben von der geringer» Art feiten der Vorwurf unsrer gegenwärtigen Ueberlegung sey»/ unter welchen wir eine aus Unwissenheit entspringende keichtglaubigkett verstehen / traft derm man gewissen Dingen eine theils gute/^lbeilS böse Würkung oder Bedeutung zuschreibet/ mit welcher sie nicht die geringste Ver- knüpfung haben. Z. E- die Traumdeuterey beruhet aus einem solchen Aberglauben/ wovon man voitteflich überführet werden kann/ wenn man das erneuerte und viel vermehrte Traumbüchlein/ wie man rc. zu durchtesen sich d e Mühe giebt/oder auch nur aus der Vorrede desselben erlernet/ durch was vor Kunstgriffe man die Auslegungen heraus gebracht. Denn darin stehet/ man habe die Deutung daher/ daß man wahrgenommcn / wie ein Traum einem solchen oder andern Ding / so uns selbst »der andre Leute anbetrifft/ vergliche,r werden möge. So soll der Traum von einem Löwen / wenn ihn ein grosser Herr hat/ ibn selbst-, wenn ihn ein geringer hat/ fernen Herr» bedeute». Warum? 2l!nS)ort: Weil der Löwe ein König aller Thier« Kenennet wird. Sonst soll er auch Fcuersnoth/ pestilentialische Krankheiten und hi- tziae Fieber bedeuten. Fragst du: Warum i|l Denn der Löwe so ein trauriger Vor- bvtlx ? so bekommst du die tröstliche Antwort: darum/ daß dieses Thier unter des Gestirnes Zeichen hitzig geachtet wird. C das sind herrliche Beweisgründe/ die eben so schön schliessen/ als immer die Vergleichung jenes ungeschickten Redners passet/ der sich also vernehmen ließ: Gleichwie der Löwe ein grimmiges Thier ist; also lasset un- in einem neuen Leben wandeln.
Es wäre vielleicht vielen Lesern angenehm / wenn sie hier ein Verzeichniß der meisten in unsrer Gegend herrschenden Aberglauben finden wü: den. Allein die Kürze des Raums worinn unsre gegenwärtige Gedanken eingeschloffen werden müssen/ erlaubet uns nicht dieselbe zu vergnügen/ so wie uns auch einige Furcht/ daß wir etwa manche von vielen vor höchstwichtig angesehene Grundsätze mit unter diesen Titel brin- ßen möchten/ davon abhält. Man darf atich nur ein wenig auf die Unterredungen gemeiner und anderer schlecht unteind;reter Leuten acht geben/ so ka» man sich bald eine beträchtliche Sammlung machen. Einen kleinen Anfang dazu wollen wir mittbei- len. Die arme unschuldige Grillen / die zu ihrem grossen Leidwesen mit dem Grase von dem Felde in Die Häuser getragen werden/ werden als He-olde unglücklicher Begebenheiten verabscheuet/ und gleichwohl hat man nicht das Herz/ das man sie tödtet. Ein vor Die Thim geschlossener Hund/ der mit seinem unangenehmen Geheule vis
Nach-


