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merksam zu überlegen. Man muß die Eilfertigkeit ablegen / und sich Zeit nehmen/ daß man sich besinne / was man zu thun hat/ wie es am vernünftigsten anzu- fangen/ wie es sich zu unfern Umstand schicke/ ob es mit den Gesetzen übereinkomme/ u. o. g. und alsdenn erst zur Thac fclbit schreiten. Wmn man heftige Triebe bei) sich fühlet/ so muß man die Sache eine Meile bey Seite legen und warten/ bis man wiederum von allen Äst' cten ftey ist/ und gleichsam sich selbst ganz übersehen kann. Endlich so ist das lezte dieses/ man muß fein imGedächtniß behalten / was wir vor Bewegungsgründe bei) unfern Handlungen ehedem überleget / und was sie vor einen Ausgang gewonnen haben; damit man inskünftige bey einem jeden Vorfall in der Geschwindigkeit ein wahres Urtheil von dem was zu thun und zu lassen ist falle und keine verkehrte Lust uns übereile. Dieses leztere und überhaupt alle Bemühungen/ die aufdie Verbesserung deS Geschmackes zielen / dienem um selbst die sinnliche Lust auf die rechte Bahn zu bringen/ und also zu erhalten / daß sie mit dem vernünftigen Willen einig wird. Die Beyspiele andrer/ welche man aus den Geschichten lernen kann/ auch wohl gut ersonnene Erdichtungen / Fabeln und ausgesuchte Romanen sind hier von grossem Nutzen; sie sind lebhafter als Regeln / und rühren daS Herz nachdrücklicher. Das beste / was von den Menschen zu gewarten ist / ist die gute Kinderzucht. Denn der zarte Zweig läßt sich biegen/wie man will; das alte Holz aber springt/ ehe es nachgiebt. Der Jugend kann man die verdorbene Begierden beyzeiten abgewöhnen und ihr so wohl einen Haß dagegen / als eine Freude am löblichen beybringen; und alsdenn hat der erwachsene und nun auf seine weitere Verbesserung bedachte Mensch vor denen einen grossen Vorsprung / welche/ nachdem sie die Bosheit mit sich erwachsen lassen/ den alten Adam/ der zur männlichen Stärke gediehen und sich mächtig zu wehren weis/ auf einmal mit Gewalt zu ersauffen.
Allein was wir vor uns selbst allein thun/ ist nicht hinreichend. Dem oben angeführten Cottfiiclus / war es so ernst / als je einem Menschen/ und er that alles/ was er konnte und seine Natur half ihm/ hatte auch viele Zeit / indem er zu einem hohen Alter gelanget/ welches ohnehin die Eigenschaft hat/ daß einen darin die Begierden selbst verlassen; aber er mußte gestehen / daß er bey weitem nicht erreichet / waS er zu erhalten sich bestrebet. Gottes Geist isks / der in uns würfen muß / von dem haben wir die völlige Heiligkeit zu erwarten. Wer also begehret / seine Seele in den bisher beschriebenen beglückten Umstand zu fetzen/ der hat kein besseres Mittel / als daß er den Heil. Geist um seinen gnädigen Beystand gnflehet/ und ein dessen Rührungen folgsames Herz bey sich finden läffet.
Sterbfälle allhrer.
Den n.May i?fo. verstarballhier der geschickte und gelehrte HerrIoh. Jeremias Herr J-ü.l. Hochfürssl- Hessen-Därmstädtischer RegierungS- und con- fiftorial-


