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Dienstag den i$tcn May i7fo> ifp

merksam zu überlegen. Man muß die Eilfertigkeit ablegen / und sich Zeit neh­men/ daß man sich besinne / was man zu thun hat/ wie es am vernünftigsten anzu- fangen/ wie es sich zu unfern Umstand schicke/ ob es mit den Gesetzen übereinkomme/ u. o. g. und alsdenn erst zur Thac fclbit schreiten. Wmn man heftige Triebe bei) sich fühlet/ so muß man die Sache eine Meile bey Seite legen und warten/ bis man wie­derum von allen Äst' cten ftey ist/ und gleichsam sich selbst ganz übersehen kann. End­lich so ist das lezte dieses/ man muß fein imGedächtniß behalten / was wir vor Bewe­gungsgründe bei) unfern Handlungen ehedem überleget / und was sie vor einen Aus­gang gewonnen haben; damit man inskünftige bey einem jeden Vorfall in der Ge­schwindigkeit ein wahres Urtheil von dem was zu thun und zu lassen ist falle und keine verkehrte Lust uns übereile. Dieses leztere und überhaupt alle Bemühungen/ die aufdie Verbesserung deS Geschmackes zielen / dienem um selbst die sinnliche Lust auf die rechte Bahn zu bringen/ und also zu erhalten / daß sie mit dem vernünftigen Willen einig wird. Die Beyspiele andrer/ welche man aus den Geschichten lernen kann/ auch wohl gut ersonnene Erdichtungen / Fabeln und ausgesuchte Romanen sind hier von grossem Nutzen; sie sind lebhafter als Regeln / und rühren daS Herz nachdrücklicher. Das beste / was von den Menschen zu gewarten ist / ist die gute Kinderzucht. Denn der zarte Zweig läßt sich biegen/wie man will; das alte Holz aber springt/ ehe es nachgiebt. Der Jugend kann man die verdorbene Begierden beyzeiten abgewöhnen und ihr so wohl ei­nen Haß dagegen / als eine Freude am löblichen beybringen; und alsdenn hat der er­wachsene und nun auf seine weitere Verbesserung bedachte Mensch vor denen einen gros­sen Vorsprung / welche/ nachdem sie die Bosheit mit sich erwachsen lassen/ den alten Adam/ der zur männlichen Stärke gediehen und sich mächtig zu wehren weis/ auf ein­mal mit Gewalt zu ersauffen.

Allein was wir vor uns selbst allein thun/ ist nicht hinreichend. Dem oben angeführten Cottfiiclus / war es so ernst / als je einem Menschen/ und er that alles/ was er konnte und seine Natur half ihm/ hatte auch viele Zeit / indem er zu einem ho­hen Alter gelanget/ welches ohnehin die Eigenschaft hat/ daß einen darin die Begier­den selbst verlassen; aber er mußte gestehen / daß er bey weitem nicht erreichet / waS er zu erhalten sich bestrebet. Gottes Geist isks / der in uns würfen muß / von dem haben wir die völlige Heiligkeit zu erwarten. Wer also begehret / seine Seele in den bisher beschriebenen beglückten Umstand zu fetzen/ der hat kein besseres Mittel / als daß er den Heil. Geist um seinen gnädigen Beystand gnflehet/ und ein dessen Rührungen folgsames Herz bey sich finden läffet.

Sterbfälle allhrer.

Den n.May i?fo. verstarballhier der geschickte und gelehrte HerrIoh. Jeremias Herr J-ü.l. Hochfürssl- Hessen-Därmstädtischer RegierungS- und con- fiftorial-