Ausgabe 
17.3.1750
 
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Ii Giesser w-chen-Blatt/ Num. XL

<ine Pastetenkrust oder nach Belieben in einen Trunk Burgunder Mein verwandelt werden Dort ist der Ort/ wo ein jeglicher sagen kann / was geschehen soll und wo der abgeschmackte Eigensinn eines jeden vergnüget werden kann. Allein in einer durch die unendliche Vernunft regierten Welt/ wo auf eines jeden Wohlfahrt gesehen und vor alle zugleich/ ohne widersprechende Dinge zuzulassen / auf eine solche Weise gesor- oet wird / daß man den Zusammenhang der unbegreiflich vielen Mitteln und Absichten EOtres nicht übersehen kann / muß man nicht verlangen Regent zu seyn. Wer aus­serhalb dem vorbenamiten Traumlande zu einer wahren unwandelbaren Glückseligkeit und Gemütsruhe gelangen will/ der thue unverdrossen/ was seine Schuldigkeit ist und betrübe sich über nichts/als über die Fehler/ die von ihm und andern begangen werden/ der nehme das Unangenehme/ so ihm wieder fahret/ mit Gelassenheit an und danke GOtt/ daß er ihm kein grösseres Uebel/ wie er wohl verdienet hätte / zugeschlcket; er geniesse das Gute mit frohem Herzen / ohne Wunsch / daß hätte grösser aussal- len mögen / uird gehe seinem künftigen Schicksal getrost und mit gutem Muthe ohne Furcht und Hofnung entgegen; kurz zu sagen / er thue das seine und sey übrigens mit allem zufrieden/wie es kommt. _ K , .. o ,f

Wenn wir uns nicht sehr men / so wird der Leser bey dem Ende dieser Zeile denken: das lasset sich wohl und geschwind sprechen: allein wie ists möglich / baß man mit allem zufrieden ist/was einem begegnet ? denen Leuten / die solche Regeln vorschrer- den/ muß nicht viel widriges zugestoffen fevn/ sonst wurden sie erfahren haben / daß mehr dazu gehöret/ als sie sich einbilden. Allein die Antwort ist ; unsre eigne Erfah­rung bestärket und in dem/ das wir kaum vorgeschlagen ; und lieber/ wenn du etwas mehr erforderst / sage was hast du je mit deiner Ungedult in Widerwärtigkeiten aus- Eichtet/ und um wie viel hast du dein nach deinem Urtheile zu geringes Gluck mit der Unzuiriedenheit vergrösserk?du hast nichts mit beydem gewonnen/ vielmehr hast du dich mit unnöthigemKummer umsonst gemartert/ und das mäßige Vergnügen/ das!dirbesche» ret war / mit Füssen von dir getretten/ weil du nicht des grössern theNhaftig werden können. Hast du dich etwa bestrebet dem bevorstehenden Ungemache zu entkommen / o- der den erlittenen Schaden wieder einzubringen; hast du dich bestrebet dich alle Tage in bessere Umstände zu setzen: so wisse/ daß du/ wenn du den Ausgang deiner Be­mühung mit einer gelassenen Zufriedenheit der Vorsicht GOltes anheim gestellet/ Nichts mehr gethan hast/ als was wir in unsrer Regel fordern: thue das deine und / was ge­schieht/lasse dir Wohlgefallen. ., ,, .

Verschiedene haben verschiedene Mitte! zu dieser schweren Tugend zu gelan­gen vorgeschlagen. Man war der Meinung / man solle bedenken/ daß alle unsreUn- ruhe die Dinge nidjt hindern / daß sie ihren Gang gelM/ den sie gehen sollen. Was kommen soll / bas kommt; was ausdleiben soll / bleibt auS: es mag mrr nun recht seyrv oder nicht. Wenn ich mit Zorn/ Angst/ Verzweifelung u- d. g. machen könnte / daß ein Unglück vor mir vorüber gienge; wenn ich mir hoffen/ wünschen u. f. tv. erpres­sen könnte/ daß mit das Verlangte zu theil würde»so wäre es noch -er Muhewmh.