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Giesser Wochen-Blatk/ Nurn» XXVIII.
eße Erfindungen und zum Leben nöchige Bewegungen. Zu allem Glück aber sind diese zwey Gilt« einander zu wider und so genau mit einander verknüpft / daß eins die Würkung des andern aufhebt / und daher ist diese Verknüpfung zweyer Gifte kein Gift mehr. Gleichwohl zeigen sich doch die Würkungen davon noch im kleinen. Denn von dem ersten kommt die purgierende und Brechen erregende / von dem andern aber die schlafmachende Kraft des Tabacks her.
Dieses Kraut hat allerdings feinen grossen Nutzen/ habet) aber auch nicht geringen Schaden. Wir wollen so wohl jenen / als diesen erzählen. Er hat die Kraft/ den Hunger zu vertreiben / und thut also dem Soldaten im Felde / wenn er nichts zu Essen und zu Trinken haben kann/ grosse Dienste- Die Erfahrung lehrts/ und die Ursache ist nicht schwer zu begreifen. Denn obwohl der Taback nichts in Magen bringt/ so vermindert er doch die Empfindung/ woraus der Hunger entspringt; er führet auch den Speichel ab/ der dazu das seinige beyttägt. Weil aber der Speichel zur Verdauung erforderlich ist/ so siehst man/ daß es übel ist/ kurz vor ooer kurz nach teni Essen zu rauchen. Mit Trinken kann mans wenigstens nicht wieder gut machen/denn dadurch bekommt man wohl Feuchtigkeit / aber nicht Speichel in Magen- Ferner ist der Taback allem Ungeziefer der^Tod r er heilet die Krätze / wenn man auf seine Blatter warmes Wasser giesset und sich damit / wenn es kalt worden ist / waschet; ec vertreibt auch das Zahnweh / vielleicht alles aus einerlw Ursache. Denn man will durch Vergrösserungsgläser wahrgenommea haben/ daß in den Krätzblasen / so wohl als in faulen Zahnen sich Würmer aufhalten/die den Schmerz hervor bringen und vom Taback sterben müssen, lieber dieses hält er den Leib offen/ zci theilctdie Flüsse und thut noch mehr andre ersprießliche Dienste, unter tvelchen nicht Der geringste ist / daß auf dem Felde das Kraut vor dem Ungeziefer bewahret wild/ wenn man Taback dazwischen pflanzet-
Hingegen schickt er sich gar nicht für junge vollblütige Leute. Er fetzt das Geblüt in Wallung und verursachet Kopfschmerzen. Er tauget nicht vor trockene und cholerische Personen/ Deren Blut sich mit der gissten Lebhaftigkeit und Heftigkeit beweget. Aber er ist phlegmatischen Leuten eine heilsame Arzneo. Denn es ist gut/ daß ihr Blut einen lebhaften Umlauf bekommt/ und ihr Cörper ist Dergestalt mit wässerich» tcn Feuchtigkeiten erfüllt / Daß es ihnen nicht schädlich seyn kann / wenn sie habet) auswerfen. Hieraus und aus der Aufmerksamkeit auf sich selbst / wird einjeder sehen / ob derTaback/ und wie viel ihm gut und schädlich fty.
Als am ersten Iulii gewöhnlicher Weise im grossen Hörsale Des Universitäts- Hauses Die Gesetze öffentlich verlesen wurden / hielt der zeitige Redor Magnificus, Hm. Dr.Rolhi Hochw. eine zierliche Rede von der Unschuld der Marburgischcn Lutherischen ProfeHorum Theologie , welche von Landgraf Mauritio unter dem Vorwand/ daß sie von der reinen Lehre sbwiechen / vertrieben worden. Zu Anhörung derselben invltirte St Magnificcnz durch ein Programma dc Acadcmia Giflcnfis ante hos centum anno« rcftaura.rx Redete primo. Am
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