812, Giesser Wochenblatt/ l^um. XU.
suchte den Ausspruch des scharfsinnigen Swifts hier zu applkiren / indeme man den Herrn von Loen vor einen Mann von grossem Verstand hielte/ weilen sich die kleinen Geister an ihn machten. Diesen ruhigen Zustand / worinnen Herr von Loen und seine Freunde lebten/ siöhrte unvermuthet ein neuer Beschützer des guten alten Herkommens/ nemlich der wegen seiner gründlichen Gelehrsamkeit und Eifer vor die Ehre G-Vttes in der Welt genugsam bekannte Dr. und Superintendent Benner zu Giessen. Erzeigte der Welt in einer kurzen Schrift/ daß sie von dem neuen Friedens-Tempel/ so Herr von Loen bauen wolte/ weder Nutzen noch Vergnügen haben würde / weilen fr nach einer solchen Art zu bauen eingerichtet / daß er nicht würde können bewohnet werden: Er habe nemlich nur Fundament» gelegt/ die übrige Bau-Materialien aber/ als Holtz / Kalck/ Ziegel rc. lägen in der grösten Unordnung untereinander/ und glichen einem verwünschten und vcrstohrten Schloß. Die Ursach dieses mißlungenen Tempelbaues se»e die Hindansctzung des Regelmäsigen. Herr von Loen habe den Riß zu seinem Friedens-Tempel in allzugrosser Eil gemacht/ ohngeacht er sich hatte fin anderer Exempel spiegeln können / denen diese Arbeit schon mißlungen i|t. Herr Benner beschreibt uns seinen Entwurf etwas umständlich / und zeiget überhaupt/ daß man keine lächerlichere 8a^te machen fönte/ als wenn man dasjenige/ was Herr von Loen aus Edelmanns unschuldigen Wahrheiten/ Arnolds Ketzer Historien/' pufen-- dorft Fapatu geborget / von seiner Schrift ausmullerre/ und denn das übrige nach 'der Denkart Henn Dr. Baumgartens oder Reufchii übersetzte/ weilen man alsdann solche -8akus solle gewahr werden/ über welche nicht leicht die alleifiüchtigste Gems vom Schweitzer-Gebürge setzen würde. Ein Freund von Herrn Loen hö>t Vi sen neuen Propheten/ welcher ihrem Vornehmen keinen guten Ausgang verkündigte. Ec geräth in einen hessligen Paroxyfmum, welcher seiner Gesundheit würde gefährlich gewesen seyn/ wenn ihm die Verfertigerder gelehrten Berichte in Frankfurt nicht erlaubt hätten/ seine Galle auf ihre gewistenhaffre und unpartheyische Blätter zu speyen. Er schimpft uiid will Feuer vom Himmel fallen lassen / er will Herrn Benner um Ehre und Dienst bringen/ und dann zuletzt auölacheu und seinen Muthwillen mit ihm treiben. Er fällt hierauf in Raserei) / und da fallen ihm die -Ohrengehäng seiner Amafia ein/ hierüber wird er sinnreich und vergleicht ihre -Ohirn mir Herrn Benners Zunge/ die Douclen aber mit feiner Religion. Es war noch nicht genug / in dieser Tollheit riß er die Fundaments seines Tempels völlig aus / und machte dadurch so gar seinen Freunden den Verdruß/ das man sie vor Betrüger hielte/ da sie die Grundfeste ihres Tempels selbst umkehrten. Diese unbesonnene Aufführung und das erregte Zetterge« schrei) legte der Welt einen klaren Beweis vor Augen/ daß die Wunde sehr tief müsse gewesen fern/ welche Herr Benner diesem Verwegenen angebracht / machte aber auch zugleich Herrn Benners vorrressche Erfahrung derW-lt bekannt / wie man die Pillen einrichten müsse/ wenn sie das Gisst und die Unreinigkeit abführen sollen. Alle Redliche werden mit mir wünschen/ daß dieser so glücklich curütePatient ins künftige eine gute Dmt beobachten möge / um nicht wiederum in seinen vorigen Paroxyfmum zu ver falle» / denn ich nicht gut davor seyn kam t ob Herr Benner sich die Mühe geben werde/ um diesem Unbesonnenen eine Nach-Cm zu halten. Wer von dieser Sache
etwas


