erste Probe. y
welchem keine, oder ganz geringe in die Augen fallen ; der Mensch seye also durch die Narur vor GOTT und seinem Gewissen verbunden, sorgfältig und behutsam mit denselben umzugehen.
Ich laugne nicht, daß es sich selbst gleichgültige Handlungen gibt. Man muß aber wissen, daß dieser Nabme bloß diejenige bedeutet, die überhaupt und äusser allen umständen, z. E. der Zeit, des Orts betrachtet, weder gut, noch böse sind. Das Spatzieren gehen ist von der Art, denn an sich ist es weder gut noch böse. Weil aber die Handlungen nicht überhaupt , sondern in ihren völlig eingeschränkten Umständen, d. i. zu der Zeit, an dem -Ort, bey dieser Gelegenheit, von und vor der Persohn u. s. w. vollzogen werden ; so werden sie niemahls in sofern sie gleichgültig , sondern in so fern sie durch die Umstände gut oder böse worden und ihre Wichtigkeit erhalten, ausgeübet. Der Arzt sündiget, der spa* tzieren gehet, wenn ihn sein Amt verbindet, dem Kranken in der Gefahr beyzuste- hen. Ein andrer thut wohl, der nach langem Sitzen und Nachdenken spatzieren gehet, um seinen Geist aufzumuntern und dem Leibe eine vorträgiiche Bewegung zu machen. Die Umstände sind also etwas hauptsächliches, und machen/ daß es nicht'einerlei ist/ wenn diestr rhuk/ was jener thut.
Der Zusammenhang aller Dinge in der Welt, vermöge besten alles , auch das mit einander verknüpft ist, wovon man es am wenigsten denket, vermöge dessen also unseres ringste Handlungen über langem oder kurzem etwas Gutes oder Böses nach sich ziehen, gibt zwar einen leichten Bewuß an die Hand , daß nicht eine einzige Thar in denen Umständen , worinnen sie geschieht, gleichgültig seye, und die Erfahrung lehret, daß es manchen heute reuet, daß er vor zwanzig Jahren einem damahls schlechten Manne einen kleinen Gefallen zu thun sich geweigert, der unterdessen zu grossem Ansehen gelanget, und der vorigen Begebenheiten an» »och eingedenk ist : Allem ich will dieses bey Seite sitzen , und zum Überfluß ein- mahl annehmen , daß gewisse Unternehmungen in gänzlich bestimmten Umständen weder gut noch böse siyen. Wenn dieses wahr ist, so vervindet uns das Gesetz der Natur, dergleichen nicht zu thun, und sie sind also eben deßweqen doch böse, weil sie nicht gut sind. Denn GOTT will haben , daß unser Wandel weise seye- Ein Weiser thut nichts ohne Absichten. Die Absicht ist das Gute, so man durch seine Thaten erhält, oder zu erhalten gedencket. Wenn also aus unfern Handlungen nichts gutes folgen kan , so bestehlet GOTT , daß wir solche unterlassen sollen. Wer also dergleichen so genannte ganz-gleichgültige Hand-- lungen verrichtet / sündiget wieder GOttes Befehl, und rhur in der Th«t Böses.
Hierzu kommt noch mehreres. Man hätte nehmlich in diesen Umständen Az statt


