Ausgabe 
(28.12.1915) 305. Erstes Blatt
Seite
176
 
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0* Oberhessischer Wunstverein. Bei der heutigen Verkofung von Anrechtscheinen auf Kunstwerke fielen folgende auf nachbenannte Mitglieder des Kunstvereins, Ge⸗ winn Nr. 1 im Werte von 150 Mk. auf Dr. Reif zu Lang⸗ Gewinn Nr. 2 im Werte von 100 Mk. auf Frau Dr. loch ⸗Gießen, Gewinn Nr. 3 im Werte von 75 Mk. auf chla direktor Dr. Modde, Gewinn Nr. 4 im Werte von 50 Mk. auf Professor Dr. Leutert, Gewinn Nr. 5 im Werte von 50 Mk. auf Professor Stork, Gewinn Nr. 6 im Werte don 25 Mk auf Generalleutnant Klingelhöffer, Gewinn Nr. 7 im Werte von 25 Mk. auf Geheimerat Dr. Usinger, Vewinn Nr. 8 im Werte von 25 Mk. auf Bildhauer Ködding. * Postanweisungen an Kriegsgefangene in Frankreich. Die französische Regierung hat angeordnet, daß vom 1. Januar 1916 ab bis auf weiteres von einem Absender an einem Tage nicht mehr als 180 Franken auf Kriegsgefangenen⸗ Postanweisungen nach Frankreich abgesandt werden dürfen. Die bekannte Kartenschläger in Frau Dorothea Moritz 9 gestern in der medizinischen Klinik im 80. Le⸗ bensjahre. Sie wurde als Stadtarme in die Klinik eingeliefert, ihr treuer Begleiter war ein gut verschlossenes Handkörbchen, das sie sorglich behütete. Heute wurde nun der Schleier der über diesem Körbchen schwebte, gelüftet, und siehe da, man fand über 1000 Mk. bares Geld, davon 920 Mk. in 20 Mark⸗Goldstückchen, ein

seltener Anblick! 7 4 Landkreis Gießen. f. Großen⸗Buseck, 28. Dez. Dem Reservisten Friedrich Fuhr und dem Gefreiten Gustav Keil von hier, beide bei dem be wen 217, wurde die Hessische Tapferkeits⸗ medaille verliehen. 1 e. Londorf, 28. Dez. Ein seiner alten Heimat auch überm roßen Teich Treugebliebener ist der in seiner Jugend von hier nach merika ausgewanderte Justus Laub. Er hat es verstanden sich durch Fleiß und Ausdauer zu einem reichen Manne empor⸗ zuschwingen der auch die Achtung und das Zutrauen seiner Mit⸗ bürger genießt. Dies beweist wohl die Wahl seines Sohnes zum Bürgermeister der Stadt Akron im Staate Ohio, einer Stadt mit über 100 000 Einwohnern, in der dieser mit über 1000 Stimmen Mehrheit als Kandidat der Republikaner den Sieg davontrug. Justus Laub besuchte kurz vor Ausbruch des Krieges seine alte eimat und ließ zu Weihnachten an die Witwen Gefallener von ier namhafte Geldbeträge durch Verwandte verteilen. Er hat ver⸗ prochen bei Kriegsende diese Spenden zu wiederholen.

Kreis Alsfeld. e. Homberg, 28. Dez. Dem Finanzamtsbureauvorsteher Karl Born, Homberg, z. Zt. Kompagnieseldwebel im Landwehr Inf.-Regt. 116, wurde am 24. Dezember das Eiserne Kreuz

verliehen. s Kreis Lauterbach.

M. Lauterbach, 27. Dez. Seit Weihnachtsabend wird der tm 70. Lebensjahr stehende Weber Kolb von hier vermißt. Sehr wahrscheinlich ist er beim Verlassen seiner Wohnung infolge des starken Sturmes in den vor dem Hause vorbeifließenden, zurzeit stark angeschwollenen Seitenarm der Lauter sogen. Kanal gestürzt und ertrunken. Die starke Strömung dürfte die Leiche weit fortgeführt haben, da ein mehrfaches Absuchen der Lauter bis Salzschlirf keinen Erfolg hatte.

Kreis Schotten.

[UI Laubach, 28. Tez. Im hiesigen Lazarette fand am Vor⸗ abend vom Weihnachtsfest eine schöne Feier für die Verwunde⸗ ten statt. Pfarrer Nebel hielt die Andacht ab. Daran schloß sich die reiche Bescherung, wobei warme Kleidungsstücke, Zigarrenetuis und Brieftaschen zur Verteilung kamen. Einer der Verwundeten prach im Namen der Kameraden herzliche Dankesworte für all

s Empfangene aus. Die Pflegerinnen wurden durch eine Photo⸗ graphie von der Gräfin⸗Mutter und den gräflichen Kindern sehr erfreut. Fast alle verwundeten Soldaten konnten andern Tags einen Heimurlaub antreten. An die Ostpreußen ging vor Weihnachten eine größere Weihnachtskiste mit warmen Kleidungs⸗ stücken und Spielsachen von der hiesigen Handarbeitslehrerin Fräu⸗ 06843] 2 fein möbl. Zimmer (Wohn⸗ und Schlafzimmer) zu verm. Goethestr. 23 II.

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lein Scriba ab. Die Kleidungsstücke waren mit großem Fleiß von den Schülerinnen der Volksschule unter Leitung von Fräulein Scriba angefertigt worden; durch freiwillige Gaben konnten Spiel⸗ sachen beigesteuert werden. Sicher haben die schönen Liebesgaben den von Haus und Hof Vertriebenen viel Freude gebracht.

Starkenburg und Rheinhessen.

ch. Bingen, 28. Dez. Der Rheinwasserstand hat seit vorgestern noch eine Erhöhung von 35 Zentimeter erfahren und steht heute nachmittag auf 3.15 Meter am hiesigen Pegel. Am Oberrhein befindet er sich noch im Steigen und sicher wird er noch eine weitere Erhöhung erfahren, da es anscheinend mit der regnerischen Witterung noch nicht zu Ende gekommen ist. Die Nahe ist noch weiter gestiegen. Sie fließt jetzt im unteren Laufe langsamer, da sich ihr Wasser gegen die Fluten des hochgehenden Rheins stemmt und sich staut. Da es vorgestern nicht so stark ge⸗ regnet hat, läßt das Steigen der Fluten etwas nach. Auch gestern herrschte kein Regen, wenigstens nicht sehr viel, immerhin sieht es nach weiterem Regen aus. Damit aber dürfte auch der Wasser⸗ stand sich fernerhin erhöhen.

ch. Bingen, 28. Dez. Der Leiter des hiesigen Wasserwerkes, Schöckler, konnte im Laufe dieses Jahres drei Feiern begehen. Er stand 25 Jahre im Dienste der Stadt Bingen, hatte Silberne Hochzeit und wurde 50 Jahre alt. 5

= Rüsselsheim, 28. Dez. Auf der hiesigen Station geriet ein Bremser unter einen Güterzug. Er wurde über⸗ fahren und getötet.

Kreis Wetzlar.

ra. Wetzlar, 28. Dez. Das Ergebnis der Sammlung zur Beschaffung von Weihnachtsgaben für unsere Feld- grauen liegt jetzt vor. Danach entfallen auf die Bürgermeisterei Aßlar 1015,95 Mk., auf Bürgermeisterei Krofdorf 1930,60 Mk., auf Bürgermeisterei Braunfels 790,60 Mk., auf Bürgermeisterei Greifen⸗ stein 416,15 Mk., auf Bürgermeisterei Hohensolms 417,05 Mk., auf Bürgermeisterei Rechtenbach 1526,75 Mk., auf Bürgermeisterei Schwalbach 1644,75 Mk. und auf die Stadt Wetzlar 14 803,05 Mk., mithin insgesamt 22 544,90 Mark.

ra. Aus dem Kreise Wetzlar, 28. Dez. Landversteige⸗ rungen und Verpachtungen, die bekanntlich während der Herbst⸗ und Winterzeit stattfinden, sind infolge des Krieges überall im Preise gesunken, es fehlen vielfach die Arbeitskräfte. Ju der jüngsten Zeit wurde der Morgen Ackerland(25 Ar), je nach der Lage und der Fruchtbarkeit des Bodens, mit 1200 bis 1500 Mk. bezahlt. Wiesen stehen bedeutend höher im Preise, da die Rute durchschnittlich(25 Quadratmeter) 3545 Mark gilt, also der Morgen 3500 4500 Mark. Bei Verpachtungen verzinst sich das Kapital auf 3 bis Prozent. Die Zusammenlegung der Felder macht im hiesigen Kreise erfreuliche Fortschritte.

Hessen⸗Nassau.

Frankfurt a. M., 28. Dez. An den Folgen eines Schlaganfalls verschied im Alter von 70 Jahren der hiesige Senatspräsident Geh. Oberjustizrat Adolf Losse n. Der Ver⸗ storbene war während seiner juristischen Laufbahn zunächst am Niederrhein tätig und wirkte seit 1890 am hiesigen Oberlandesgericht. Der verheiratete Rangierer Hermann Steyer wurde heute mittag im Westhafengelände beim Ueberschreiten der Hafenbahn von einem een e erfaßt und auf der Stelle getötet. In einem nsarden⸗ immer der Bockenheimer Landstraße vergiftete sich das 28jährige Dienstmädchen Marie Striber mit Leucht⸗ gas. Während der Feiertage brachen Diebe in eine Metzgerei am Bäckerweg ein und raubten aus der Woh⸗ nung etwa 900 Mk. bares Geld.

Frankfurt a. M., 28. Dez. Die Polizei verhaftete in der Fahrgasse einen langgesuchten Falschmünzer und Schwindler, der unter verschiedenen Namen bekannt war. Unter dem Namen Sordmann verübte er in Ober⸗

hessen, im Odenwald, an der Bergstraße und in der Pfalz

eine große Anzahl Betrügereien, bei denen ihm erhebliche Geldsummen in die Hände fielen. l

ul. Westerburg, 27. Dez. Landrat Abicht ist erkrankt und wird voraussichtlich einige Wochen dienstunfähig sein.

..... meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 3 2 23 2 22 Dez. 28 3 85 3 8 3 3 38 S SS Wetter 35 3 23 S S s SS 1915 f 83 5 S S 2 S D= 8 2 7 6 888 8 88 27 25 8,2 7,5 92 10 Bed. Himmel 27.9 8,4 7,2 87 10 5 1 28. 14 72 5, 71 8 5 Himmel

Höchste Temperatur am 26. bis 27. Dez. 1915= 9,6 Niedrigste 25. 27. 191 5/6 Niederschlag: 3,7 mm.

C. C.

Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Mittwoch, den 29. Dez. 1915; Wechselnd bewölkt, zeitweise Niederschläge, etwas kälter.

Letzte Nachrichten.

Griechenlands Haltung.

Athen, 28. Dez.Krithia meldet, daß zwischen den Regierungen der Mittelmächte und Griechenland ein Abkommen getroffen worden sei, das für den Fall der Verfolgung der fran⸗ zösischen Truppen auf Saloniki die Unverletzlichkeit des griechischen Gebietes sicherstelle.(Köln. Ztg.)

Budapest, 28. Dez.Az Est läßt sich aus Sofia folgende sonst noch nicht bestätigte Meldung drahten: Dem bulgarischen RegierungsorganNarodni Prav a zufolge teilte der griechi⸗ sche Gesandte in Sofia im Namen der griechischen Regierung mit, Griechenland erhebe keine Einwendungen mehr dagegen, daß bulgarische Truppen auf griechisches Gebiet vordringen, wenn dies im Interesse einer Zusammenwirkung mit den Verbündeten unumgänglich notwendig sei. Ministerpräsident Radoslawow nahm diese Mitteilung mit Anerkennung zur Kenntnis und betonte wiederholt, das Erscheinen bulgarischer Truppen auf griechischem Boden widerstrebe keineswegs den griechischen Interessen, sondern diene in erster Linie den gemeinsamen Zielen beider Länder.

Katzenjammer in Italien.

Lugano, 28. Dez. Ein Leitartikel desPopolo d' Ita⸗ lia geißelt mit scharfen Worten die Zunahme der italientschen Friedenspropaganda. Das Hetzblatt erklärt dann, es sei töricht, wenn viele Leute sich beschweren, daß die Italiener nicht einmal Görz genommen haben. Diese Leute werden nicht einmal zufrieden sein, wenn wir Triest haben. Wo sind denn die großen Eroberungen unserer Verbündeten. Das einzige Heer, das 1915

in feindliches Gebiet eindrang und Hindernisse überwand, die kein 1

anderes Heer der Welt überwinden konnte, war das italienische. Salandra sandte an die Präfekten ein Rundschreiben, in dem er sie

auffordert, strengste Maßnahmen zur Unterdrückung 1

der Drückebergerei zu treffen.

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