Ausgabe 
(27.12.1915) 304. Zweites Blatt
Seite
172
 
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Ur. 504

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Familienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Areisblatt für den Kreis Sießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

165. Jahrgang

5 Kriegsbriefe aus dem Westen.

Von unferm Kriegsberichterstatter. eußerechtigter Nachdruck, auch aus zugsweife, verbuken)

Eisenbahnerweihnachten im Großen Hauptquartier. Großes Hauptquartier, am 21. Dez.

Gestern abend, als ich heimgehen wollte, hörte ich vom Boulevard her helle Festmusik. Eine französische Taverne, die sonst schon längst geschlossen ist, war s end erleuch⸗ tet. Ich trat ein und fand mich herzlich willkommen unter den Männern vom Flügelrad. Bayerische, sächsische, preußi⸗ sche, elsaß⸗lothringische und andere Eisenbahner, von denen wir viele auf unseren Fahrten im feindlichen Lande kennen

ue sich hier vereinigt, um in treuer chaft das liebe Fest gemeinsam zu begehen. Die Feier war so früh angesetzt worden, damit sich möglichst viele daran beteiligen konnten. Denn die Tage um Weih⸗ nachten sind für den Eisenbahner wie für die Männer der Post die schwersten, und am heiligen Abend sind sie alle draußen, irgendwo auf der Strecke. 5 8 Saal 7 mit 1 eisig 950 1 975 525 Farben ausgeschlagen. In der Mitte stand ernst ein nur mit Lichtern hesteckder, sonst schmuckloser Baum. 55 uns 11 r lle, die uns ier 0 ier verschö at,Unterm Flügelrad, die Ouvertüre von FlotowsMartha, den Pilgerchor aus demTannhäuser. Bald war die vechte Stimmung da. Eine frohwehmütige. Man war der Heimat in dieser Stunde näher als sonst und fühlte doch niemals mehr, wie weit man von ihr war. Alle redeten in einer fröhlichen, aber gedämpften Sprache. Man hörte kein lautes hartes Wort. Und alle sprachen von ihren Lieben daheim, erzählten von Frau und Kindern und waren glück⸗ f daß ihnen der andere zuhörte und von seiner Familie

f 85 1 15 chli. des eee 1625 il in seiner ichten, die Herzen packenden Art fol⸗ gende Gedanken aus: 5 ö 5 5 80 ö. N eilt 17 ja der 1 91 ⸗Zug, Schnellzug, Eilzug en voran zu eilen 5 Also feiern h anders als in anderen e e insofern anders, als es die Familien in diesem Jahre nicht zusammenführt, sondern trennt. Wir denken aber der Un⸗ seren und sie denken au uns.

Anders ist dies Jahr das Fest auch, als es nicht ein Fest des Friedens ist, wie es sein soll, sondern ein Fest, das mitten hineinfällt in den furchtbarsten aller Kriege. Also kein Friede auf Erden? Wenn die Welt ihn nicht haben will, dann wollen wir ihn halten. Wir unter uns, aus Wir sind ja von Natur Männer des Friedens

einer Einrich fu es Instrument des Krieges 5 stolz darauf, daß wir mit ihm arbeiten und durch dasselbe unser Volk in Waffen h zum Siege führen können. Wo eine Lücke war, da führten wir die Strei⸗ ter in die Bresche, wo Not war, führten wir die Hilfe herbei. Und doch liegt uns die Arbeit des Friedens im Blute. Mit herzlicher Freude werden wir inne, daß wir die Grüße zwis der Heimat und dem Heere vermitteln. Unser Stahlroß 1 Weihnachtskarren von den Unferen zu unseren gern. 15 e 7 ben Freude sein, wenn 19270 großen Friedensdienst dem Heere erweisen un unsere siegreichen Truppen zurückbefördern werden in die Heimat. Und dann, wenn die letzte, mit Kränzen geschmückte

des furter Zeitung über die Uraufführung in Wien gebracht

General⸗Anzeiger für Oberhesse

Montag, 27. Dezember 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts Buch- und Steindruckerei. 1 R. Lange, Gießen. 1

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrift

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.

n

Maschine hineinrasselt in die hohen Hallen eines deutschen Bahnhofes, dann hat der Eisenbahner sein Werk getan.

Dann ist Friede auf Erden.

Nach einer Pause der stillen Einkehr sang ein Männer⸗ quartettStille Nacht. Dann spielte die Musik eine 155 sammenstellung deutscher Volkslieder. Ach, wie ist's möglich dann, die Lore, das Herz am Rhein, Lang, lang ist's her, Auf den Bergen die Burgen, Aennchen von Tharau. Es war wie eine Reise durch das herrliche Land des deutschen Ge⸗ mütes und mancher mag es wohl in dieser Stunde besonders stark empfunden haben, wie anders liebe deutsche Art ist als altes Fremdtum. Wie verschieden, wie weihnachtsfremd würde hier in dem französischen Saale eine Zusammen⸗ stellung französischer Lieblingslieder geklungen haben. Es gibt Brücken des Verstehens, aber die Art ist umvereinbar mit unserer. Und darum klang es hoch und heilig wie ein Schwur und Treuebekenntnis:Deutschland, Deutschland über alles, als gemeinsames Lied, mit dem die Feier zu. früher Stunde schloß. Denn die Eisenbahner können nicht lange feiern, und die ganze Nacht hindurch rollte wieder Zug um Zug durch das besetzte feindliche Land, meist lange Lastzüge mit Weihnachtskisten.

W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.

Aus dem Reiche.

J Graf v. Kalnein f.

Potsdam, 26. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Graf v. Kalnein, Obermarschall im Königreich Preußen, König⸗ licher Kammerherr und Mitglied des Herrenhauses, ist am 24. Dezember abends hier gestor ben.

Verpflegungsgelder für Militärurlauber. Berlin, 24. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das Kriegs⸗ ministerium hat vor einigen Tagen verfügt, daß die mit Frei⸗ fahrt beurlaubten Unteroffiziere und Mannschaf⸗ ten ab 21. Dezember täglich 1,50 Mk. Verpflegungs⸗ gebührnisse erhalten. Die Auszahlung für die ganze Ur⸗ laubsdauer sollte vor Antritt des Urlaubs erfolgen.

Aus Stadt und Cand. Gießen, 27. Dezember 1915.

* Auszeichnung. Der Unteroffizier d. Res. Philipp Pauly bei der Ctappen⸗Hilfskomp. 10 erhielt die Hessische Ver⸗ dienstmedaille. Der Musketier Ludwig Haubach aus Gießen, Inf.⸗Regiment 116, erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Dem Oberheizer Ludwig Bellof aus Gießen, seit inn des Krieges auf S. M. S.Gveben, wurde das Eiserne Kreuz verliehen.

. Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Nochmals sei darauf hingewiesen, daß die neunte Dienstag⸗Abonnements⸗Vorstellung ausnahmsweise auf einem an⸗ deren Wochentag und zwar auf Mittwoch, den 29. 8 verlegt werden nrußte. Ueber dies an diesem Abend zur Erst⸗ aufführung 0 neue WerkArmut von Anton Wild⸗ gans eine Bespvechung interessieren, die die 1 5

K. heißt da: Der große Erfolg der Woche war die Erstaufführung von Anton Wildgans' lyrisch⸗dramatischer DichtungAr⸗ mut im Deutschen Volkstheater. Eine Armeleut⸗ geschichte aus der Schicht zwischen Proletariat und Kleinbürgertum, die schon Ansprüche au Bildung, Kleidung und äußere Form stellt, aber aus dem kärglichen Beamtengehalt die Mittel nicht dafür aufbringen kann. so unscheinbarster, verschlissenster Stoff. Aber wenn ein Dichter drüber kommt, glänzt er wie ein Königs⸗ mantel. Was aus diefer engen luftlosen Welt, die noch stickiger wird durch die Misere eines Kranken⸗ und Totenbetts, an Nüancen der Empfindung herausgeholt wird, ist gradezu er⸗ staunlich. Verschämte Liebe, sich selbst parodierende Scham, weib⸗ liches Ehrgefühl, Stolz, seelischer Aufschwung, Idealismus der Entsagung üllen die Szene unausgesetzt mit stärkstem emo⸗ tionellem Gehalt. Der Uebergang von der naturalistischen Sprache des Alltags in den höchsten lyrischen Schwung wird in dieser

seelischen Hochspannung kaum als stilwidrig, die Unzulänglichkeit der Form fast als dichterischer Vorzug empfunden. J

* Feuerwerkskörper verboten. Der stellb. Kommandierende General des 18. Armeekorps hat folgende Verordnung erlassen: Auf Grund des 8 9 bp des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 verbiete ich den Verkauf und das Abbrennen jeglicher Art von Feuer⸗ werks körpern.

Kreis Büdingen.

Büdingen, 27. Dez. Das Kreisamt verbot für den a ganzen Kreisbereich in der Neujahrsnacht das Abbrennen von Feuerwerkskör pern. Außerdem setzte es zur Vera meidung übermäßiger Lustbarkeiten die Polizeistunde in der gleichen Nacht auf 12.30 Uhr fest. ö

O Hirzenhain, 24. Dez. Das Hüttenwerk in Hirzenhain hat Weihnachten unter seine Arbeiter und Beamten Mk. 15000 verteilt. Außerdem sind die Frauen, deren Männer zum Heere eingezogen sind, anläßlich des Weihnachtsfestes mit Geldunter⸗ stützungen bedacht worden. Bei der am Donnerstag in der Speiseanstalt des Werks stattgefundenen Weihnachtsfeier wurde von dem Direktor in seiner Ansprache u. a. bekanntgegeben, daß bis jetzt für Mk. 6000 Lebensmittel unentgeltlich an die Familien, deren Ernährer im Felde stehen, verabfolgt wurden, und daß von den eiugezogenen Arbeitern bis heute 17 ge⸗

fallen sind.

Kreis Friedberg. Friedberg, 26. Dez Unter dem Vorsitz des Kreisrats

Freiherrn Schenck trat der Kreistag des Kreises Friedberg zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Nach der Wahl des Vorstands beriet man zunächst über die Inständsezung der Kreisstraßen im Geschäftsjahr 1916. Der Voranschlag für die Unterhaltung wurde in Höhe von 160 000 Mk. einstimmig ge⸗ nehmigt. Bei dem TitelWalzarbeiten wurde die außerordent liche Höhe des Voranschlags von verschiedenen Seiten beanstandet und beantragt, die Arbeiten wegen des Krieges ganz ruhen zu lassen. Bei der Abstimmung wird dieser Antrag gegen den Kreis⸗ ausschuß angenommen. Dagegen sollen etwaige Ersparnisse zu Walzarbeiten verwendet werden. Für den Umbau der Se 2 von Nieder⸗Ros bach nach Rodheim v. d. H. bewilligte man 25 800 Mk., ferner für den Straßenneubau von Berkers⸗ heim nach Harheim 34 500 Mk. und endlich für Obstbaum⸗ pflanzungen 5300 Mk. Dem durch den Bahnhofsumbau Vilbel erforderlich gewordenen Geländeerwerb seitens des preußischen Fiskus stimmte man zu. Der beim Verkehr mit Brotgetreide 9192 1

Mehl während des Wirtschaftsjahres 1914 erzielte Gewin beläuft sich auf 53 000 Mk. Die Verteilung dieser Summe soll nach den Vorschlägen des Kreisausschusses und des Mehl⸗ versorgungsausschusses geschehen. Die Kreise Friedberg und Offen⸗ bach, ersterer als Ueberschuß⸗, letzterer als starker Bedarfskreis, wurden für das laufende Wirtschaftsjahr zu einem Kommunal⸗ verbande vereinigt. Der hiesigen Mehlverteilungsstelle eröffnete der Verbandsausschuß einen Kredit bis zu 1600 000 Mk., für den die beiden Kreise je zur Hälfte die Haftung zu übernehmen haben Ebenso soll ein etwaiger Gewinn und Verlust geteilt werden. Der Kreistag gab hierzu seine Zustimmung. Von der Errichtung einer gemei Preisprüfungsstelle der oberhessischen Kreise in Gießen nahm man Kenntnis und überwies die entstehenden 1 Kosten zu Lasten der Kreiskasse. Zu Schluß der Sitzung gab der Kreisrat bekannt, daß die im Kreise Friedberg bis 1. Norember 1915 vercusgabten Kriegsunterstützungen die Höhe von 1 500 000 Mk. erreicht hätten, ungerechnet die von den Gemeinden aufgebrachten Gelder. 8 Butzbach, 24. Dez. Zwei von hier entwichene franzö⸗; sische Kriegsgefangene wurden im Württembergischen a uf. gegriffen und verhaftet. Sie hatten sich drei Wochen lang

umhergetrieben. 8 8 Starkenburg und Rheinhessen.

1

5 8 esigen anleihen Ra lungen entgegennahm, aber Aberhaußk. Paptere 0 8

Ibsen über seine Stücke. Aus neuen Briefen des Dichters.

In der nordischen Literatur⸗ZeitschriftEdda werden einige, bisher unbekannte Briefe veröffentlicht, die Ibsen in den Jahren 1879 bis 99 an den Theaterchef Schröder, den damaligen Leiter des Nationaltheaters in Christiania, gerichtet hat, und die darum ein besonderes Intresse erwecken, weil der Dichter sich darin über verschiedene seiner Stücke ausspricht. So macht er in einem dieser Briefe Mitteilungen über die Art, wie er die Personen derWildente aufgefaßt wissen will. Ueber Hjalmar Ekdal schreibt er folgendermaßen:Diese Rolle darf auf keinen Fall mit irgend etwas Parodistischem im Ausdrucke gegeben werden; nicht mit einer Spur von Bewußtheit beim Schauspieler davon, daß in den Aeußerungen irgend etwas von komischem Anstriche liegt. Er hat, so sagt Relling, dies Herzgewinnende in der Stimme, und das muß vor allem festgehalten werden. Seine Sentimen⸗ talität ist ehrlich, seine Schwermut in ihrer Form schön; keine Faser von Geziertheit. Zur näheren Erläuterung dieser Be⸗ merkungen beruft sich Ibsen dem Theaterchef gegenüberim Vertrauen auf eine bestimmte Person,die in der gleichen Weise herrlich sein kann, gerade wenn sie am allerschlimmsten faselt, und er fügt hinzu:Das ist für den betreffenden Schauspieler ein Fingerzeig. In der Veröffentlichung des Brieses in derEdda ist der Name dieser Persönlichkeit ausgelassen. Vielleicht ist sie noch am Leben. Jedenfalls ist die Frage, auf wen Ibsen hier hin⸗ gedeutet hat, für den Vergleich seiner Gestalten mit ihren Ur⸗ bildern von nicht geringem Interesse, und es ist ein Trost für die Forschung, daß die Originale dieser Briefe sich in der Ver⸗ wahrung der Universitätsbibliothek zu Christiania befinden. Ueber Frau Sörby in demselben Stücke heißt es, daß sieschmuck, le⸗ bendig und keineswegs simpel sein soll Sehr bezeichnend sind die Winke, die der Dichter schließlich über die Inszenierung der Wildente im ganzen gibt.Im Zusammenspiel und in der Inszenierung verlangt dies Schauspiel Naturwahrheit und Wirk⸗ lichkeitsgepräge in jeder Hinsicht. Auch die Beleuchtung hat ihre Bedeutung; sie ist für jeden Akt verschieden und ist darauf be⸗ rechnet, der Grundstimmung zu entsprechen, die jedem der fünf Akte einen besonderen Charakter aufprägt. Man empfängt aus diesen Bemerkungen den vollen Eindruck davon, wie genau Ibsen seine Arbeiten bis auf die kleinsten Kleinigkeiten erwogen und durchdacht hat.

Ueber dieFrau vom Meere macht Ibsen keine ein⸗ läßlichere Angaben, weil er sich für das Verständnis dieses Stückes auf eine Aufsatzreihe imMorgenbladet beziehen konnte, worin e Personen des Stückes, wie er sagt, ganz vortrefflich und korrekt,

zeint habe, gelennzeichuet seien. Der Verlaiser

dieser inzwischen auch in Buchform erschienenen Aufsätze war Alfred Sindin rsen. Ein recht beachtenswerter Beitrag zum Verständnisse der materiellen 1 enthält sein Brief überHedda Gabler. Als Ibsen dies Stück schrieb, war er ja bereits ein Dichter von Weltruf. Er machte nun den Vorschlag, daß das Nationaltheater ihm für das Aufführungsrecht des Stückes ein für alle Mal 2500 Kronen (also etwa 2450 Mark) zahlen solle; von Aufführungsprozenten ist nicht die Rede. Ob diefer Vorschlag angenommen, oder ob Ibsens Forderung noch etwas herabgedrückt wurde, geht aus der Veröffentlichung nicht hervor, muß sich aber aus den Büchern des Theaters zu Christiania ja leicht feststellen lassen. Da nun Hedda Gabler damals 29 mal zur Aufführung gelangt ist, so würde Ibsen für jeden Aufführungsabend etwa 100 Kronen er⸗ halten haben; sollte das Stück später wieder aufgenommen wor⸗ den sein, so wäre der Ertrag noch bescheidener anzusetzen. Das

ist erheblich weniger, als heut geringere Verfasser erhalten, wenn seattat d Einnahmen ihrer Stücke mit 8 bis 10 v. H. be⸗ teiligt sind.

1 Beethoven und heinrich Anschütz.

Am 29. Dezember 1865, also vor einem halben Jahr⸗

ber dez Pinerheete bega, Er wer 1765 f Kalter n der fiber.

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lausitz geboren, 17 in Grimma das S befucht und

er in

9 nach verblieb große Erfolge Hoch⸗ des Künstlers Autobiographie, da Anschütz be⸗ iflicherweise mit zahlreichen Persönlichbeiten der Kunst und iteratur zusammenkam. Für allezeit berühmt wurde er auch da⸗ durch, daß er dazu ausersehen war, die von Grillparzer verfaßte Grabrede auf Beethoven vorzutragen. Mit dem letzteren war er auch bekannt gewesen, und wie er es wurde, ist für beide, Anschütz und Beethoven, charakteristisch Es war im Sommer 1822, An⸗ schütz hatte in Dölling Aufenthalt genommen; die gute Witterung

interessant ift

dieses als Weinjahr berühmten Sommers lockte den Künstler oft ins Freie.Ich hätte, so erzählt er,eines Tages ganz in der Nähe Heiligenstadts eine ng betreten, die von zwei Hügelreihen gebildet wurde neben einem Fußstrig nur noch Raum für eine geschwätziges Bächlein gewährte. In Gedanken zwis⸗ Gebüschen und uppen dahinschleudernd, weckt mich plötzlich ein unerwarteter Anblick. Auf dem Wiesengrunde des Hügelabhangs zwischen Bäumen und dem Bache sehe ich einen Mann in etwas meter Kleidung, den gedanken⸗

schweren, geistreichen, wildschönen Kopf in die linke Hand gestützt, und den Blick auf ein Notenblatt geheftet, in das er mit der Rech⸗ ten mystische Runenzüge eingrub: während er in den Zwischen⸗ pausen mit den Fingern trommelte. Ah, Beethoven! rief ich in Gedanken aus. Ich hatte ihn eine Weile mit dem höchsten Inter esse beobachtet und wollte mich soeben, um ihn in seinen Künstler⸗ träumen nicht zu stören, wieder zurückziehen, als er plötzlich das Haupt erhob und unsere Blicke sich begegneten. Ich grüßte, was er kurz erwiderte. Unwillkürlich gefesselt, trat ich näher und ent⸗ schuldigte, daß ich ihn gestört hätte.Der Weg ist für jedermann Darf ich wissen, was da gerade iim Eutstehen ist?Du mes Zeug! Ein Orchesterstück, das ich hier aufführen will, 1 die Mücken und Ameisen zu vertreiben. Hiermit war die Unter haltung aus. Er starrte in das Notenblatt, trommelte, schrie 8 und vergaß ganz und gar auf den Nachbar. Anschütz entfernte 1 sich dann, ohne daß Beethoven, in seine Arbeit versunken, es merkte. Sie begegneten sich aber nun öfter und wurden n 1 bekannt. Eines Tages sprachen sie über Kunst, Musik und endlich, über Lear und Macbeth.Wie zufällig warf ich, so Gedare. Anschütz,die Bemerkung hin, daß mich schon öfter der Gedauke beschäftigt habe, ob er nicht als Seitenstück zur Egmont⸗Musik den; Macbeth musilalisch illustrieren sollte? Der Gedanke schien ihn zu elektrisieren. r blieb wie angewurzelt stehen, sah mae 5 mit einem durchdringenden, fast dämonischen Blicke an 8 erwiderte heftig:Ich habe mich auch schon damit be⸗ schäftigt. Die Hexen, die szene, das Geistermahl, die Nachtwandlerszene, Macbeths Todes raserei! Es war im höchsten Grade interessant, seinem Minenspiele zu folgen, in dem sich die blitzschnellen Gedanken jagten. In wenigen Minuten hatte seinn Genius das ganze Trauerspiel durchgearbeitet. Bei der nächsten Frage, die ich an ihn richtete, drehte er sich um und rannte nach emer flüchtigen Begrüß davon. Indessen hatte die Anregung des Bühmenkümsrtlers gar keine Folge als er das Thema später noch einmal berührte, war Beethoven verdrießlich, und Anschüz 5 O. K Kriegsgewinne. f Man schreibt uns aus Wien: Der Krieg hat die Fünszehn⸗ů Sechzehn⸗ und Siebzehnjährigen für den Frieden, seine Erwerbs⸗ und Wirtschaftsarbeit im Hinterland mobil gemacht. Sie springen direkt von der Schulbank mit beiden Beinen in Arbeit und Ver⸗ dienst. Sie werden Banldiener, Briefboten,Laternenanzünder, und vor allen, vor allem Paradies auf Erden! werden sie Schaffner; wie gut geht es den Jungen dieser Zeit! Welcher Knabe hätte micht beim Stillesitzen auf der Schulbank vom be⸗ 4

weglichsten aller Berufe, dem des Kutschers oder 1 träumt! Nun wischt er sich eines Morgens Len aud ale,