Ausgabe 
(27.12.1915) 304. Erstes Blatt
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N Aus Stadt und Land.

3 Gießen, 27. Dezember 1915. Weihnachtsfeiern.

In der Herberge zur Heimat.

Trotz des Krieges und wohl gerade wegen der schweren Zeit hatten sich die Herbergseltern in der Herberge zur Hei⸗ mat für die einkehrenden Wanderer zu dem Weihnachtsfest diesmal besonders gut für die Bescherung am heiligen Abend gerüstet. In dem großen Versammlungssaal der Herberge umstanden wohl 40 ältere Männer den Tannenbaum, der im Lichterglanz schimmerte.O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit erklang es im Chor als Einleitung zu dem Feste. ee Hofmann verlas das Evangelium der frohen Botschaft und hielt daran an⸗ knüpfend eine zu Herzen gehende Ansprache an die Her⸗ gäste, er erinnerte dabei die Leute an die eigene Ju⸗ gend, wo ihnen unter dem heimischen Dach die Liebe der Eltern den Gabentisch bereitet hat, er führte seinen Zu⸗ 6 75 7 vor, wie der Ernst des Lebens wohl manchen Men⸗ schen auf Abwege führen könne, wie viele, die es sich in der Jugend ganz anders gedacht, das Leben hin und her ge⸗ worfen hätte, daß aber das gnadenbringende Weihnachtsfest dazu angetan sei, den Menschen aufzurütteln zu besserem Tun in der Zukunft. Christus sei gekommen zu den Armen, den Mühseligen und Beladenen, um ihnen zu helfen, und wer an Gottes Sohn glaube, brauche nicht zu verzagen. Weihnachtslieder und Gedichte, vorgetragen von den Kin⸗ dern der Herbergseltern Loh, trugen dazu bei, die Weih⸗ nachtsfeier in der Herberge zu verschönern. Zum Schluß nahmen die Gäste an den sestlich gedeckten Tafeln im Saale Platz, wo jeder auf seinem Platz eine Gabe in Gestalt von Strümpfen, Zigarren, Tabak, Gebäck und Aepfeln vorfand. Ein kräftiges von der Herbergsmutter bereitetes Abendessen hielt die te bis zum Schlafengehen noch in fröhlicher Stimmung zusammen. Ein unbekannter Spender, der all⸗ jährlich durch eine Barsumme für die Weihnachtsfeier der Handwerksburschen sorgt, hatte diese auch heuer nicht ver⸗ gessen, ebenso hatten auch unsere Tabakindustriellen es sich nicht nehmen lassen, reichlich Zigarren und Tabak der Herberge zu schenken, so daß die Gäste, die am ersten Feiertage einkehrten, noch mit Rauchbarem bedacht werden konnten. Auch die Kleiderspende aus dem 135

iserer Bürgerschaft war gegen alles Erwarten recht reich⸗ haltig, so daß die Neueinkleidung der Wanderer am ersten Feiertage jeden einzelnen hoch befriedigt hat. Kleider machen Leute, meinte ein alter Stammgast der Herberge, indem er sich wohlgefällig von oben bis unten betrachtete und nachdem die Musterung beendet war, wohlgefällig hinzufügte, er komme sich vor wie ein Graf. Lachend meinte der Herbergsvater zu ihm, er solle sich nun aber auch wie ein Graf aufführen und seinem Anzug keine Schande machen.

In den Kasernen.

In den Kasernen ging es am heiligen Abend verhältnis⸗ mäßig ruhig her. Die Kompagnien waren durch die Weih⸗ nachtsurlauber stark gelichtet. Es waren auch nicht nur wie in Friedenszeiten junge übermütige Mannschaften, denen es galt, eine Weihna sbescherung herzurichten, sondern auch ältere Soldaten, die das harte Muß und die vater⸗ ländische Pflicht unter die Waffen gerufen hatte. Ernster als sonst war die Stimmung der Mannschaften, die dies⸗ mal am Weihnachtsabend in den Kasernen sich unter den hellbrennenden Lichterbäumen zusammenfanden. Weihe⸗ voll klangen die Weihnachtslieder in den Mannschaftsstuben, in denen der Feldwebel oder der Unteroffizier eine kernige 8 an seine Leute hielt. Dann ging es an die Ver⸗ teilung der Gaben, die durch die Kompagnien beschafft waren. Als dann die Zigarren oder das Pfeifchen in Brand gesetzt waren, kehrte bei der Mannschaft erst die rechte Stimmung ein. Auch in den Wachtstuben der Kasernen waren geschmückte Tannenbäume vorhanden.

Landstürmers Weihnachtsabend.

Nicht so durch Urlauber gelichtet wie die Kompagnien in den Kasernen, sind für die Festtage unsere Landsturmforma⸗ tionen in der Stadt. Zwar hat man auch hier ausgiebig Urlaub an die alten Soldaten erteilt, aber das Gefangenen⸗ lager und alles was damit zusammenhängt, bedarf der Be⸗ wachung und der Aufsicht. Auch für unsere Landstürmer brannte in der zur Kaserne umgewandelten Stadtknaben⸗

chule an der Nord⸗Anlage und im Barackenlager an der Kaiser⸗Allee, das der Volksmund mit Landsturmhausen be⸗ gei t, der Weihnachtsbaum und versetzte die Mannschaft in festliche Stimmung. Zwar mag es ja den Familienvätern. bitter weh getan haben, daß es ihnen durch den Dienst ver⸗ wehrt werden mußte, das Weihnachtsfest daheim mit ihren Familien begehen zu können. Aber man tröstete sich damit, daß Millionen Kameraden, die draußen in Feindesland . Pflicht tun, auch zufrieden sein müssen. Eins haben

Landsturmleute vor den aktiven Mannschaften voraus Wer nämlich zu Weihnachten Dienst hatte, kann zu Neu⸗ jahr 8 Weib und Kind fahren und sich einige Tage von den Strapazen des Dienstes ausruhen.

Die Provinzial⸗Siechenanstalt

hat, wie alle Jahre, für ihre Insassen eine Weihnachts⸗ bescherung veranstaltet. In dem Frauenbau und in den Ba⸗

racken brannte überall der Weihnachtsbaum. Das Personal] Wei der Anstalt hatte einen Gesangschor gebildet und brachte die gegang

Weihnachtslieder recht nett zu Gehör. Die Schwestern ver⸗ lasen das Evangelium der frohen Botschaft. Von der Pro⸗ vinz und für die alten Leute aus der Stadt Gießen waren von der Stadt die nötigen Mittel hergegeben, um den In⸗ validen der Arbeit passende Geschenke zu beschaffen, auch sonst hat es der Siechenanstalt an Gönnern in diesem Jahre nicht gefehlt, welche die Verwaltung in die Lage versetzt haben, die Weihnachtswünsche der alten Leute tunlichst zu erfüllen. In der Anstalt sind zurzeit, wie wir erfahren, etwa 400 Personen, die aus der ganzen Provinz kommen, unter⸗ 9 9 Der Männerbau ist als Lazarett zur Verfügung gestellt.

Weihnachten im Provinzial⸗Arresthaus.

Am Heiligen Abend gegen 5 Uhr versammelten sich zie Insassen des Provinzial⸗Arresthauses in dem Andachts⸗ raum der Anstalt, in dem ein mächtiger Lichterbaum brannte. Pfarrer Aus feld hielt eine der Feier des Tages ent⸗ sprechende Andacht. Der Feier, die in diesem Jahre etwas einfacher gestaltet war als sonst, wohnten sämtliche Beamten der Anstalt bei. 5

*

* Amtliche Personalnachrichten. Der Groß⸗ bherzog hat am 24. Dezember ds. Is. dem Minister des Innern Friedrich von Hombergk zu Vach das Großkreuz des Ver⸗ dienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Der Groß⸗

herzog hat dem Geheimen Oberbaurat Professor Karl Hofmann Frau

zu Darmstadt das Ehrenkreuz des Ludewigs⸗Ordens verliehen.

* Provinzialbirektor Geheimerat Dr. usinger und seine Gattin geb. Noll begehen heute das Fest ihrer Silbernen Hochzeit. f

. Benzol. Wie uns vom Kreisamte mitgeteilt wird, können die Schwierigkeiten, die noch vor kurzem die hinreichende Versorgung der landwirtschaftlichen Betriebe mit Benzol zum Motorenbetrieb behindert haben, als behoben angesehen werden. Es besteht die Möglichleit, den Bedarf der Verbraucher zu decken, wenn dieser Bedarf rechtzeitig bei der Firma S. Cohen, Frank⸗ furt angemeldet wird, die den Benzolvertrieb der deutschen Benzol⸗ vereinigung in Bochum für den hesigen Bezirk in der Hand hat.

* Hofkünstler Vellachin! kveranstaltet heute, 27. Dez., abends 8 Uhr, in Leibs Saal eine Vorstellung.

Landkreis Gießen.

lv. Londorf, 23. Dez. Friedrich Laub, der Sohn eines in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von hier nach Amerika ausgewanderten hiesigen Bürgers Justus Laub, sandte anfangs dieser Woche 160 Mark aus Amerika, zur Verteilung an die Hinterbliebenen und Angehörigen der von hier im Kriege ge⸗ fallenen und vermißten Krieger. Derartiges Helfen und Gedenken der Auslanddeutschen ihrer in der alten Heimat mit Not und Sor⸗ 1 25 ringenden Stammesbrüder verdient unseren vollen Dank und

nerkennung. 5

r. ich, 27. Dez. Der kürzlich von hier als vermißt ge⸗ meldete Kwabe hat sich nun wieder gefunden. Er hat sich von hier nach Frankfurt begeben und hat Fort seine Mutter aufgesucht, die seine Pflegeeltern von seiner Ankunft brieflich in Kenntnis setzte.

A Climbach, 26. Dez. Zum Leutnant der Res. im Inf.-⸗Regt. 118 befördert wurde der Lehrer Wilhelm Walter.

Hf. Bersrod, 27. Dez. Während unsere Gemeinde am hl. Abend zum Gottesdienst versannmelt war, fiel ein. J flärker Regen, daß die tiefer gelegenen Teile des Dorfes unter Wasser standen. In manchen Wee Gene angerichtet. Die Kirchenbesucher konnten nicht. Me Use. Gestiefelte Männer, denen die Stiefel aber nichts nützten, trugen bald Kinder, Frauen und Greise durch die Le Flut. Beherzte Frauen patschten trotz der Eiseskälte des sers hindurch und nahmen dies Miß⸗ geschick mit Humor hin. lnser Dorf beklagt das neunte Kriegs⸗ opfer. Ersatß⸗Reservist Christian Schwalb starb an einer im Schützengraben zum Ausbruch 1 Krankheit und wurde auf dem heimatlichen Dorf⸗Friedhof bestattet. Wehrmann Karl Hofmann im Landwehrregiment 116, seit Beginn des Krieges im Felde, erhielt die Hessische Tapferkeits⸗Denkmünze. Beim Baumfällen wurde dem Holzhauer Chr. Schwalb, als er einen Span sortwerfen wollte, die linke Hand fast abgehauen. Sie wird trotz der schweren Wunde wahrscheinlich erhalten bleiben. Unser Bürgermeister Reuschling vollendete sein 73. Lebens⸗ jahr. Er verwaltet sein durch den Krieg erschwertes Amt in voller Rüstigkeit. ö 55

Kreis Büdingen.

A Wolf, 27. Dez. Im Westen starb den Heldentod der Landsturmmann Wagner.

a Wenings, 27. Dez. Die Hessische Tapferkeits⸗ medaille erhielt der Dragoner Kehm im Drag.-Regt. 23.

Kreis Alsfeld.

e. Homberg a. d. Ohm, 27. Dez. Dem Feldwebel Karl Born von Homberg a. d. Ohm, der seit Kriegsbeginn bei der 5. Kompagnie des Landwehr-Infanterie-Regiments 116 im Felde steht, wurde zu Weihnachten das Eiserne Kreuz 2. Klasse

verliehen. 8 ö Kreis Lauterbach.. i Hörgenau, 27. Dez. Zum Unteroffizier befördert wurde der Lehrer Hofmann im Inf.-Regt. 116.

Kreis Schotten. a Bobenhausen, 26. Dez. Das Eiserne Kreuz er⸗ hielt der Kanonier Appel im Feld⸗Art.⸗Regt. 66. . Die Hessische Tapferkeitsmedaille erhielt der Wehrmann Stein.

Kreis Wetzlar.

F. C. Wetzlar, 27. Dez. Dem Bau⸗ und Sparverein, e. G. m. b. H., ist neuerdings zur Errichtung weiterer Klein⸗ wohnungen von dem Reichsamt des Innern aus dem Reichs⸗ e ein weiterer Betrag von 25000 Mk. zur Verfügung gestellt worden. ö

ra. Krofdorf, 27. Dez. Das Winterhalbjahr ist die Zeit des Haushaltungsunterrichts für erwachsene Mädchen. Der Kreis Wetzlar ist bekanntlich bahnbrechend auf diesem Gebiete geworden, die Wanderhaushaltungsschule besteht hier nahezu zwei Jahrzehnte zum Segen seiner 80 Kreisgemeinden. Auch hier in Krofdorf weiß man diese fruchtbringende Einrichtung für an⸗ gehende Hausfrauen wohl zu schützen; zurzeit wird in unserer Gemeinde bereits der dritte Kursus abgehalten. Leider konnten die zahlreichen Bewerbungen, es hatten sich 36 Mädchen ge⸗ meldet, nicht alle berücksichtigt werden. Am 8 November wurde der Lehrkursus mit 24 Teilnehmerinnen unter Oberleitung der Kreis⸗ haushaltungslehrerin Fräulein Müller eröffnet und wird sich auf 7 Wochen, bis zum 8. Jannar, ausdehnen Ein zweiter Winterkursus ist für die Gemeinde Aßlar a. d. Dill vorgesehen, wo gleichfalls zahlreiche Anmeldungen vorliegen.

ö 5 Hessen⸗Nassau. Wm. Kirchhain, 27. Dez, Der Obsterkös in diesem st beträgt im se Kirchhain 33 341.25 Mk. Von den Städten ht Kirchhain an erster Stelle mit einer Einnahme von 378.45 Mk., dann folgt Neustadt mit 2377.70 Mk. und Amö⸗ neburg mit 2200 Mk. Von den Landgemeinden steht Anze⸗ fahr an Stelle mit einer Einnahme von 2216 Mk., dann

solgt Großseelheim mit 2111.20 Mk. und Allendorf mit 1841.40 Mk. Trotzdem der Kreis Kirchhain an Größenfläche und Einwohnerzahl zu den kleinsten im Regierungsbezirk zählt, beweist der angeführte, gesamte Obsterlös, daß der Obstbau gut efördert wird. In der letzten Sitzung des landwirtschaftlichen vereins wurden 300 Mk. aus der Vereinskasse als Ost⸗ e für den Kreis Pillkallen bewilligt.

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Vermischtes.

Weihnachten in der Reichshauptstadt. a

* Berlin, 27. Dez.(WTB.) Das Berliner Weih⸗ nachtsgeschäft, das im großen und ganzen den Blät⸗ tern zufolge recht gut abschloß, konnte durch den plötzlichen Witterungsumschwung am heiligen Abend nicht mehr wesentlich beeinträchtigt werden. Das Straßenbild war während der Feiertage ebenso wie der Verkehr Bahnen, den Gastwirtschaften, Theatern sehr stark von dem Feldgrau der Urlauber beherrscht. Die Eisenbahn hatte für den Zu⸗ und Abtransport der Feiertagsreisenden große Vorbereitungen getroffen. Viele Doppelzüge waren lange vor der Abfahrt besetzt.

Eine Ehetragödie in Rom. Lugano, 27. Dez. Graf Fenaglio, ein bekannter Herren⸗ reiter und Rittmeister im Dragonerregiment Piemonte Reale, fuhr estern mit seiner Geliebten, der Gräfin Alessandri Salnucci, pazieren. Vor der Porta del Popolo überraschte der Gatte der Gräfin, der beiden in einem Automobil gefolgt war, das Gespann, tötete Fenaglio durch einen Revolverschuß und entstellte die Gräfin durch tiefe Messerstiche auf Lebenszeit. Alessandri, der mit seiner wegen Trennung der Ehe prozessierte, wurde verhaftet. *

in den Seit

Die schlechte Behandlung im jranzösischen Heere. Während die Franzosen sich alle erdenkliche Mühe geben, dieBarbarei im deutschen Heere an angeblichen Beispielen und erfundenen Verichten darzutun, tauchen trotz der Strenge der fran⸗ zösischen Zensur in den Pariser Blättern immer häufiger und immer dringender schwere Anklagen gegen das französische Heer⸗ wesen auß, die die militaristischen Zustände in der vielgerühmten freien Republik in denkbar schlechtestem Licht erscheinen lassen. So bringt dieHumanité in einer ihrer letzten Nummern eine Notiz, die die Zunahme von Klagebriefen von, Soldaten aller Waffen⸗ und Truͤppengattungen in schwerster Weise betont.Die Ver⸗ brüderung in den Schützengräben, schreibt das Blatt,von der man so viel spricht, scheint jedenfalls hinter der Front nicht in Blüte zu sein. Täglich erhalten wir aus allen Teilen des Landes Zusehriften von Kriegern, die sich ebenso bitter wie berechtigt über die verdammenswerte Behandlung und willkürliche Quälerei be⸗ klagen, der sie im Dienste ausgesetzt sind. Das Leben der franzö- sischen Soldaten erscheint so in vielen Fällen als. das denkbar traurigste und schmerzensreichste. So heißt es in einer Zu⸗ schrist; man gibt uns Nahrung, die sich nur für Schweine eignen würde.

Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 28. Dez. 1915: Wechselnd bewölkt, zeitweise Niederschläge, Temperatur wenig

Letzte Nachrichten.

Die Bulgaren in Monastir.

Lugano, 27. Dez. DerCorriere della Sera meldet aus Saloniki: Nach Berichten aus Monastir ist dort ein bulgarisches Kommando eingesetzt und ein provisorischer bulgarischer Gemeinderat eingerichtet. Die jungen Bulgaren werden für das Heer eingezogen. Man sieht einige wenige deutsche Offiziere in der Stadt. Die deutsche Reiterschwadron, die mit den Bulgaren einzog, ist noch da. Am Ende der vergangenen Woche erschienen König Ferdinand und der Herzog von Mecklenburg in Monastir, die von den Truppen und der Bevölkerung herzlich begrüßt wurden.

Räuberpolitik der Entente.

Konstantinopel, 26. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung der Agentur Milli. Der Vierverband macht Anstrengungen, die guten Beziehungen zwischen der Türkei und Griechenland zu stören und bedient sich dabei der Venizelospartei als Werkzeug. So kam am 5. Dezember eine Truppenabteilung, welche gegen eine Räuberbande ausgesandt war, die sich bei dem Orte Patritza auf der Insel Vonda gegenüber von Aiwalyk bemerkbar gemacht hatte, in ein Gefecht mit Banden und feind⸗ lichen Streitkräften, die von einem Motorboot und einem Ka⸗ nonenboot in der Bucht von Patritza gelandet worden waren. Bei diesem Gefecht, welches mit der Vernichtung der Banden und der feindlichen Streitkräfte endete, hatten wir einen Verlust von 8 toten Soldaten, acht verwundeten und drei vermißten, so⸗ wie von einem Toten aus der Zivilbepölkerung und fünf Be⸗ amten, die vermißt werden. Unter den Verwundeten befindet sich der Abschnittskommandeur. Dieser Vorfall zeigt, daß der Vier⸗ verband durch Vermittelung der Venizelistenleute, diesmal auch die Griechen an der osmanischen Küste des Aegäischen Meeres zu Verbrechen und Unruhen anstiftete in der Absicht, die guten Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei

zu gefährden. Die Wahrheit über Saloniki.

Berlin, 27. Dez. Der Korrespondent derBoff 8 berichtet unter dem 25. Dezember aus Saloniki: Wenn die Eng⸗ länder sich auch bemühen, Salonikiuneinnehmbar zu machen, so haben sie doch vorsichtigerweise auch in Betracht gezogen, daß die Notwendigkeit eines Rückzuges, eines beschleunigten Rückzuges, sich einmal ergeben könnte. Der Hafen von Saloniki würde den Ansprüchen nicht genügen und sie haben daher an einer 0 der 5 1 gelegt. Sie möchten in dem Falle auf Saloniki wohl ganz ichten, aber der große Hafen wird für die Verschiffung des 5 Ma⸗ terials stets unumgänglich notwendig sein. Gleichwohl muß ich die Meldung richtig stellen, die durch die deutschen Blätter gegangen ist, daß ßere Demonstrationen gegen die Entente stattgefunden 159 Aurch Offisterszusammenstöße ischen Militärs haben nicht stattgefunden, obwohl in diesen Kreisen die Stimmun i mehr recht, wer eigentli⸗

in Saloniki herrscht. Noch haben die

griechischen Behörden das Heft in Händen und es ist nicht richtig, daß sie alles nach Wunsch der Eindringlinge machen.

Die bulgarische Note an Griechenland.

Chiasso, 27. Dez. Die Note, welche die bulgarische Re⸗ gierung dem griechischen Gesandten in Sofia vor einigen Tagen

übermittelt hat, und in der die bulgarische Regierung der grieche⸗

schen Regierung vorschlägt, eine neutrale Zone an der ser⸗ bisch⸗griechischen Grenze einzurichten nahme von Bitolia und Ressen haben sich die bulgarischen Armeen

der griechischen Grenze genähert. Infolge dieser Bewegung be⸗

fürchtet der bulgarische Generalstab, daß zwischen den Vorposten der genannten und den griechischen Grenzwachen 3 schenfälle an der Demarkationslinie entstehen könnten. Von dem Wunsche geleitet, jede Möglichkeit für derartige Zwischenfälle

zu vermeiden, ersucht die bulgarische Regierung die griechische Re⸗ gierung, ihre Zustimmung zu der Schaffung einer neu⸗

tralen Zone an der griechisch⸗serbischen Grenze zu geben

gleich jener, die jüngst an der griechisch⸗bulgarischen Grenze ein⸗ gerichtet worden ist und daß auch dort die Grenzwachen auf beiden

Seiten auf Flintenschußweite von der

Grenze zurückgezogen wer⸗ den. Die Annahme 5

halten. 0 Russische Angriffe an der bessarabischen Front.

Czernowitz, 27. Dez. An der bessarabischen Grenz- front, und zwar in den bewaldeten Grenzhöhen, unternahmen die Russen gestern nach Mitternacht einen äußerst heftigen Angriff. Mehrere starke Kolonnen schlichen sich im Schutze

der Dunkelheit bis an die Drahtverhaue heran und versuchten sie zu durchschneiden, Kampf. Die Russen trieben, nachdem ihre ersten angreifen⸗ den Truppen aufgerieben waren, immer neue Kolonnen vor,

die ebenfalls vernichtet wurden. Bis 6 Uhr morgens 3

wiederholten die Russen ihre Vorstöße mit erfolglosem Re⸗

sultat. Russische Truppenansammlungen in Finnland. Kopenhagen, 27. Dez. Aus Stockholm wird berichtete 1 ist, wie bereits berichtet, die telegraphische Verbin⸗ dung mit Finnle Meldungen von russischen Truppenansammlungen in

ansammlungen stattgefunden haben. Man schätzt die Zahl der Truppen, die gegenwärtig in Finnland weilen, auf 200 000 Mann. Selbst in Hammerfors befinden sich starke Abteilungen.

Unruhen in Petersburg.

Stockholm, 27. Dez. In Petersbur Frauen der Gefallenen oder im Felde Ste zahlungsstelle von Unterstützungen der Hinterbliebenen versammelt, weil, wie dieBirshewija Wjedomostie berichtete, Gerüchte im Umlauf sind, daß die Regierung diesen armen Frauen die Unter stützung ganz zu entziehen oder zu kürzen beabsichtige. Bel diesem Zusammenlauf gab es viel Lärm und Geschrei, bis schließ; lich die Polizei einschreiten mußte.

222

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lautet: Infolge der Un,

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Es entspann sich ein heftiger

2 Finnland wird bestätigt, daß in Finnland bedeutende Truppen⸗ 3

den vor der Aus⸗ f

Gelegen beltshäfen an-

5 5 155 5 zwischen griechischen und eng⸗ gereizt ist Man weiß heute nicht

. bulgarischen Vorschlages durch die grie⸗ esc Neateneng wird alleen wehr als wobec ge.

and unterbrochen. Trotz der bisher gegenteiligen