Ausgabe 
(27.12.1915) 304. Erstes Blatt
Seite
168
 
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Ur. 504

Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonmags. Beilagen: 3 wöchentlich

5 zwetmal wöchentlRreis⸗ blatt ft den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. wirtschaftliche deitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schristleitung l 2 Verlag, Geschäftsstellebl Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gleßen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher.

les. Zabtgang

Seleral Aztiger für Oberhesel

Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und druckerei: Schulstr. 7.

Montag, 27. Dezember 1015

Bezugspreis: monatl. 85 Pf., viertel A jährl. Mk. 2.50; durch

Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.30 viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf. Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goeh; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Fr. R. Zenz; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

Aeine Aenderungen der Lage auf den Uriegsschauplätzen.

(TB.) Großes Hauptquartier, 24. Dezember.

(Amtlich.) 5 Westlicher Kriegsschauplatz.

Das feindliche Artilleriefeuer war stellenweise lebhaft, befonders in den Vogesen.

Ein nächtlicher Handgranatenangriff gegen un⸗ 47 e nordöstlich von Souain wurde leicht abgewiesen.

Die Stellung auf dem Hartmannsweilerkopf ist restlos zurückgewonnen, auch aus den Graben⸗ stücken auf dem Nordhange des Berges sind die Franzosen vertrieben.

Oestlicher und Balkankriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse. f

4 Oberste Heeresleitung.

. Hauptquartier, 25. Dezember.

Amtlich 5 Westlicher Kriegsschauplaß. Westlich von La Basss e wurden die feindlichen gegen unfere Stellung vorgetriebenen Minenanlagen durch eine er⸗ folgreiche Sprengung unserer Truppen zerstört. Sonst hat

sich nichts von Bedeutung ereignet.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

An verschiedenen Stellen der Front fanden Patrouillen⸗ gefechte ftatt. Russische Aufklärungsabteilungen, die an unsere Linie heranzukommen versuchten, wurden abgewiesen.

Balkan⸗Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Oberste Heeresleitung.

8 8 880 Großes Hauptquartier, 286. Dezember.

Amtlich i Westlicher Kriegsschauplaß.

Bei andauerndem Regenwetter war die Gefechtskätigkeit auf dem größten Teil der Front nur gering, lebhafter in Gegend nördlich von Albert, an einzelnen Stellen der . und in den Vogesen nördlich von Senn⸗

eim.

f Oestlicher Kriegsschauplah.

Deutsche Patrouillenunternehmungen in Gegend don Dünaburg waren erfolgreich. Stärkere russische Erkun⸗ dungsabteilungen wurden nordwestlich von Czartorysk und bei Berestiany(südöstlich von Kolki) abgewiesen.

a Balkan⸗Kriegsschauplatz. Die Lage ist im allgemeinen unverändert.

Oberste Heeresleitung. 4.

Der Lärm der Waffen hat während der Tage des zweiten Kriegsweihnachtsfestes wenn auch nicht ganz ausgesetzt, so

ch weniger in die Klänge von Glocke und Lied hinein⸗ geschallt, als es im vorigen Jahre der Fall gewesen ist. Da⸗ mals bemühten sich namentlich Engländer und Russen an⸗ scheinend mit Fleiß, ihre Unabhängigkeit von der Auffassung des Festes des Friedens durch mehr oder minder geschickte, fütr die Festtage aufgesparte Ueberraschungen zu dokumen⸗ tieren Dabei holten sich allerdings die Engländer bei Festubert blutige Köpfe, und die Russen lernten in Ost⸗ preußen und Nordpolen die deutsche Wachsamkeit auch an Feiertagen in ähnlicher Weise hennen. Weiterhin waren da⸗ mals Galizien und besonders der Uszokerpaß die Schau⸗ plätze schwerster Kämpfe, und am zweiten Weihnachtstag mißglückte kläglich der e Vorstoß in die deutsche Bucht. Heuer nichts von lledem: Durchweg unveränderte Lage und schwache Gefechtstätigteit auf allen Fronten ist das Fazit, das aus den Nach 0 letzten Tage zu ziehen ist. Niemand wird die kurze und am Ganzen gemessen geringe Bedeutung der letzten Mitteilungen der Heeres⸗ leitungen bedauert haben: Größer als die Freude, die ein Erfolg unserer Waffen hätte auslösen können, mag die Genugtuung darüber sein, daß diesmal unseren Lieben, die gum itenmal die Weihnachtskerzen im Unterstand oder im dürftigen Quartier entzünden mußten, der brausende Atem des Krieges den milden Schimmer ihrer bescheidenen Weihnachtsfreuden nicht ernstlich auszulöschen versucht hat. Auch die Tagesberichte der egner wissen kaum etwas neues zu besagen; denn das französische Drehen und Winden um das Eingeständnis des Verlustes des Hartmannsweiler⸗

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kopfs herum kann nicht als neu und itberraschend bezeichnet werden, und es ist nicht belangreich genug, als daß man auch die französischen Berichte nicht wieder mit einem Achsel⸗

zucken aus der Hand legen könnte. Lebhafter als die Kämpfe mit den Waffen sind die Aus⸗

einandersetzungen mit dem Wort geblieben. Das Saloniki⸗

problem ist seiner Klärung zwar um keinen Schritt näher gekommen, aber man muß annehmen, daß es der Gegenstand der gewichtigsten militärischen und politischen Erörterungen zwischen den Verbündeten nicht nur, sondern auch zwischen ihnen und Griechenland war und ist. Berücksichtigt man, daß den Alliierten seit dem 13. Dezember, da sie die griechi⸗ schen Grenze hinter sich brachten und Nutzen aus der deutsch⸗ lgarischen

.

Achtung vor der Neutralität eines kleinen!

Stagtes zu ziehen begannen, die Möglichkeit gegeben war, in Saloniki zu landen und zu bauen, was ihnen notdünkte, so wird man verstehen, daß nicht nur das Problem der Neu⸗ tralität, sondern namentlich auch die Notwendigkeit unseres Zufassens von Tag zu Tag mehr in den Vordergrund treten. Dem Durchhauen dieses gordischen Knotens gilt denn auch so manches Schriftliche, was in der letzten Woche auf dem Balkan und darüber hinaus hin und her gegangen ist.

Die zweite Ancona⸗Note Amerikas schlägt nicht nur einen ganz anderen Ton wie die erste an, sondern sie be⸗ deutet auch rein sachlich eine Schwenkung, im Grunde ge⸗ nommen sogar den Beginn eines mastletten Rückzuges. Maskiert deshalb, weil sie betont, die Forderungen der ersten Noteentschieden, aber ehrerbietig aufrecht zu er⸗ halten, Rückzug aber, weil sie die Begründung der ersten Note ein diplomatisch seltsamer Vorgang einfach unter den Tisch fallen läßt. Denn die zweite Note stützt sich nicht mehr auf die in der ersten als maßgeblich e. genaussagen, sondern auf einen Bericht des österreichisch⸗ ungarischen Geschäftsträgers in Washington, den dieser an demselben Tage überreicht habe, als dem amerikanischen Bot⸗ schafter in Wien Burians Antwort zugestellt wurde. Diesen bisher unveröffentlichten österreichischen Bericht wird man vor einer endgültigen Stellungnahme abzuwarten haben. Schon jetzt aber kann man sagen, daß die amerikanische Re⸗ gierung übereilt handelte, als sie am 6. Dezember Forde⸗ rungen erhob, die sie jetzt auf einen Bericht vom 15. stützen muß. Mit Befriedigung wird man feststellen müssen, daß die neue Note keinerlei Drohung oder Befristung enthält, wie Reuter schon in die Welt posaunt hatte. Man wird also die Stellung der k. und k. Regierung mit Ruhe abwarten können, mit derselben Ruhe, mit der man immer noch einer befrie⸗

igenden Antwort Englands auf die unzähligen papiernen Proteste der Unionsregierung in Sachen des neutralen Han⸗ dels usw. usw. entgegensteht. 5 5

Die österreichisch⸗ungarischen Tagesberichte.

Wien, 24. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 24. Dezember 1915.

Russischer Kriegsschauplatz.

Angriffs versuche der Russen gegen Teile der bessarabischen Front wurden unter schtweren Verlusten für den Feind abgewiesen. g

Italienischer Kriegsschauplatz.

Der befestigte Raum von Lardarso und unfere Stel⸗ lungen am Brückenkopf von Tolmein wurden von der italienischen Artillerie heftig beschossen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Bei kleineren Unternehmungen der letzten Tage wurden gegen 600 Gefangene eingebracht.

Sonst keine besonderen Ereignisse.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, e en

Wien, W. Dez.(WTB. Pichtamtlich) Amtlich wird

verlautbart: 25. Dezember 1915. 5 Russischer Kriegsschauplatz.

Feindliche Kräfte, die sich nach dem gestern abgeschlage⸗ nen Angriffsversuch östlich von Rarancze nahe vor un⸗ seren Stellungen eingegraben hatten, wurden nachts über⸗ fallen und vertrieben. Zwei Maschinengewehre blie⸗ ben in unserer Hand. Sonst keine besonderen Ereignisse.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Das feindliche Geschützfeuer gegen einzelne Stellungen

des Brückenkopfes von Tol me in dauerte tagsüber

1 5 5 Auf den Nordhängen des Altissimo wurde der Vor⸗ stoß einer italienischen Kompagnie abgewiesen. An allen übrigen Frontabschnitten verlief der gestrige Tag ruhig. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. a Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmatschalleutnant.

8 0

Wien, 26. Dez.(WTB. Nichtamtlich) Amtlich wird verlautbart: 26. Dezember 1915.

Russischer Kriegsschauplatz.

Im Sumpfgebiet der Polesie wurden an mehreren Stellen starke feindliche Auftlärungsabteilungen zurückge⸗ worfen. Sonst nichts Neues.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Annäherungsversuche gegen den Südteil der Hochflüche von Doberdo wurden leicht abgewiesen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert.

1 Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs 1 5 v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

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f es lu.

Die zweite Ancona⸗Note.

Die Bedrohung Aegyptens.

Berlin, 25. Dez.(Zens. Bln.) Der militärische Forre⸗ spondent derDaily News schreibt: Seit der Zermal⸗ mung Serbiens und der Verräterei Bulgariens ist Aegypten ein verwundbarer Punkt in unseren Verbi mit Indien geworden. Die Besitzergreifung vom Su ez kanal und die setzung von Kafro würde uns zwar keinen Todesstreich versetzen, da das britische Reich unüber⸗ windlich ist, solange wir unsere Seemacht behalten, aber doch entschieden einen schweren Schlag bedeuten. Wir unter keinen Umständen zulassen, daß er uns trifft, 5 wir würden unter seiner Wirkung taumeln. Solange wir einsehen, was der Kampf für uns bedeutet wir sind ziemlich langsam gewesen, das zu tun haben wir nichts zu befürchten.

Lugano, 26. Dez. Ueber die Vorberei t zur Ver⸗ teidigung Aegyptens telegraphiert der Korrespon⸗ dent desSecolo aus Kairo, da fortgesetzt große in Alexandrien gelandete Kontingente, die in der Haupt⸗ sache aus Australiern und Neuseeländern hen, auf das ganze Land verteilt werden General Maxwell habe die größten Gebäude Kairos für Militärzwecke be⸗ schlagnahmt, der Generalstab sei im Savoy⸗Hotel tiert. Ein Dekret Maxwells enteignet nötig sind, um die Bahnlinie Zagadic⸗Is malta e auszubauen, 1 i b. zwisch Suezkanalbahm, übri egyp S wichtig sei. 10 000 e an der Strecke.

An der ägyptischen Westgrenze seien über Sollum auf den Binnenstraßen senussische Banden erschienen. Die englischen Militä 5 seien der Ansicht, daß die Senussen

nicht über 5000 Mann zur Verfügung hätten,

6 die Mitud a 4 den Senussen stark e Der Groß⸗ Senusse versichere

gebenheit, findet aber

Amsterdam, 27. Dez. Wie aus London gemeldet wird, send bei dem Kriegsamt sehr 5 0 tamien und Aegypten

An s übergegriffen. Die militärischen im Innern be Landes werden ref Wrrs dend d Sen ae die Fremdenkolonien wo sie unter 2 Schutz stehen Der Handel im aufgehört.

hat fa st ganz Durch ein allgemeines Wafsenverbot will man dem sich

breitenden Maffenschmucgel ein Ende machen. Die Muntttons.

e 1 en ü i sigkei indischen und ägyp⸗ tischen Truppen Zweifel bestehen.

2 1*

Die zweite amerikanische Ancona⸗Note.

Washington, 22. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die zweite Note der We, Staaten an Oesterreich⸗Ungarn wegen desAncona Vorfalles lautet: Die Regierung der

15. d. Mts. in Wien überreicht und nach Washington telegraphiert wurde, erhalten. Am 15. Dezember berweice Buren Zwiedinek v. Suedenhorst, der Geschäftsträger der K. u. K. Regierung in Washington, dem Staatsdepartement einen Bericht des öster⸗ reichisch⸗-ungarischen Flottenkommandos über die Versenkung der Ancona, in zugegeben

und solange sich noch Passagiere an Bord befanden.

Das allein ist nach Ansicht der Regierung der Vereinigten Staaten genügend, um den nten des U-Bootes für die absichtliche Verletzung des anerkannten Völkerrechtes und der gänzlichen Außerachtlassung der Grundsätze der Humanität, welche jeder Kriegführende im Weltkriege beachten muß, verantwortlich zu machen.

Angesichts dieser anerkannten Grundsätze erachtet sich die Re⸗ gierung der Vereinigten Staaten für berechtigt, die A icht aus⸗ zusprechen daß in der Frage der Versenkung derAncona weder das Gewicht, noch die Art der ergänzenden Zeugenaussagen, dur welche der Bericht des Flottenkommandos bestätigt wird, noch die Zahl der Amerikaner, die getötet oder verwundet wurden, die Ju 1 5 bilden. seht Falle fen

Die Schuld Kommandanten in diefem Es ist eine unleugbare Tatsache, daß Bürger der Vereinigten Staaten durch sein ungesetzliches Auftreten getötet, verwundet oder in Ge⸗ fahr gebracht wurden. Die Bestimmungen des Völkerrechts und die Grundsätze der Humanität, die so durch den Kommandanten des U-Bootes verletzt wurden, find seit so langer Zeit und so allge⸗ mein anerkannt und vom Standpunkte des Rechts und der Ge⸗ rechtigkeit so klar, daß die Regierung der Vereinigten Staaten sich nicht veranlaßt fühlt, ste zu besprechen und nicht begreift, daß die Kaiserliche und Königliche Regierung sie in Zweifel zieht oder be⸗ streitet. Die Regierung der Vereinigten Staaten sieht sich deshalb genötigt, die Kaiserliche und Königliche Regierung für die Tat ihres Kommandanten verantwortlich zu machen und die entschieden, aber ehrerbietig gestellten Forderungen ihrer Note vom 6. Dezember zu wiederholen. Die Regierung der Ver⸗ einigten Staaten hofft von Herzen, daß die obige Erklärung ihrer Haltung die Kaiserliche und Königliche Regierung von der Recht⸗ mäßigkeit ihrer Forderungen überzeugen und daß diese in dem⸗

alle Grundstücke, die

Saen denen uren feine Er.

Vereinigten Staaten hat die Note Ew. Exzellenz über die Versenkung derAncona, die am

wurde, daß das Schiff tor pe⸗ diert wurde, nachdem die Maschinen gestoppt hatten

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