Ausgabe 
(20.12.1915) 299. Zweites Blatt
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Zweites Blatt

Erscheint läglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Famllienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

General⸗Anzeiger für

bern

Montag, 20. Dezember 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S 51, Schrift⸗ leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten

Aus dem Reichshaushaltsausschuß des Reichstags.

DI Berlin, 18. Dez.

Der Reichshaushaltsausschüß des Reichstags beendete heute vormittag die Beratung der militärischen Fragen. Die Abstimmung über die vorliegenden Anträge wurde ausgesetzt. Aus der vertraulichen Beratung kann so viel mitgeteilt werden, daß sütber die Behandlung der Kriegsgefangenen und der aus Russisch⸗Polen kommenden freien Arbeiter eingehend gesprochen und festgestellt wurde, daß die Behandlung der Kriegsgefangenen angemessen ist, daß in den La⸗ gern sogar für Spiele, Musik usw. gesorgt ist. Der Ausschuß ging dann über zur

Beratung über das Mono⸗ pol des Wolffeschen Telegraphenbureaus für amtliche Kriegsnachrichten. Ein Zentrumsabgeordneter führte aus, daß ur⸗ sprinnglich zugesagt worden war, auch die Zeitungen gleichzeitig mit dem W. T. B. hiermit zu versorgen. Dieser Pakt sei aber nicht

halten worden, einzelne Zeitungen seien hierdurch zum Abschluß eeiestiger Verträge mit W T. B. gezwungen worden. Der Redner befürwortet eine Entschließung,.

den Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlassen, daß die von der

Leitung des Heeres und der Marine ausgegebenen amtlichen

Kriegsnachrichten allen Organen der deutschen Presse, welche

darum nachsuchen, gleichzeitig und entgeltlich gegen Ersatz

der Uebermittlungskosten mitgeteilt wehen 5

In der weiteren Aussprache verlas ein Oberst aus dem Kriegs⸗ ministerium die Bedingungen, unter denen das Wolffsche Tele⸗ graphenbureau das Monopol erhalten hat. Ein nationalliberaler Abgeordneter kritisierte das Verhalten des W. T. B. Es sei ein unerträglicher Zustand, wenn dieses Unternehmen in⸗ stand gesetzt werde, jede Konkurrenz auszuschalten. Man solle mit dem Verein der Zeitungsverleger in Verbindung tre⸗ ten, um bessere Zustände zu erreichen. Ein fortschrittlicher Ab⸗ geordneter führte aus, daß die Bevorzugung des W. T. B. auch in Bezug auf die Auslandspresse unerwünschte Früchte ge⸗ zeitigt habe.

In der Nachmittagssitzung empfahl ein Zentrums⸗ abgeordneter zwei Entschließungen, die einen Gesetzentwurf fordern, der Schadenersatz für betrügerische Gewinne ber Heeresleistungen verlangt. Der Staatssekretär des Reichsjustiz⸗ amtes erklärte sich mit der Forderung einverstanden, hielt jedoch eine andere Zentrumsentschließung für zweckmäßiger, die weitest⸗ gehende Berücksichtigung der Genossenschaften und Handwerkerver⸗ einigungen fordert. Vom Zentrum wurde noch dargelegt, daß beide Anträge den Anstoß zu einer entsprechenden Gesetzgebung darstellen sollen. Der stellvertretende Kriegsminister führte aus, daß die Industrie Erstaunliches geleistet habe und durchweg unlautere Gewinnenicht angestrebt und auch nicht erzielt habe. Der stellvertretende Kriegsminister lege Wert darauf, daß dies zum Ausdruck gelange. Es wurden dar⸗ auf beide Anträge angenommen.

genommen wurde der Zentrumsantrag, daß die amtlichen Kriogsnachrichten allen deutschen Zeitungen gegen Erstattung der Uebermittelungsgebühren geliefert werden sollen mit dem Zu⸗ satze, daß der Reichskanzler sich zu diesem Zweck unverzüglich mit dem Verein deutscher Zeitungsverleger in Verbin⸗ dung setzen solle. Angenommen wurde weiter die soztraldemo⸗ kratische Entschließung, die den Reichskanzler ersucht, dem r den Entwurfeiner Kriegs⸗ besoldungsordnung vorzulegen. Annahme fand die nationalliberale Entschließung auf möglichst weitgehende Beur⸗ laubung geeigneter Arbeitskräfte für Gewerbetreibende und Landwirte, sowie eine konservative Entschließung ähnlichen In⸗ halts, die besonders für die Frühjahrsbestellung möglichst weit⸗ Nn Beurlaubung der Leiter landwirtschaftlicher Betriebe Der zur Beratung verschiedener Anträge eingesetzte Unteraus⸗ schuß hatte folgende Entschließungen ausgearbeitet, die vom Aus⸗ f. angenommen wurden:

1. Die Familienunterstützung ist zu gewähren, wenn nach der laufenden Steuerveranlagung das Einkommen in den Orten der Tarifklasse E 1000 Mark und weniger, in Orten der Tarifklasse C und D 1200 Mark und weniger und in Orten der Tarifklasse A und B 1500 Mark und weniger be⸗ trägt. Der Anspruch besteht nicht, wenn der zum Militär⸗ Ader Eingezogene an seinem Einkommen keinen Ausfall erleidet.

2. Die Zuschüsse des Reichs und der Einzelstaaten an die Lie⸗ serungsverbände zur Erhöhung der Familienunterstützung sind abgestuft nach der Leistungsfähigkeit der Lieferungs⸗ verbände festzusetzen..

3. Die Bestimmung zu treffen, daß die Aufsichtsbehörde in ge⸗

ceigneten Fällen die Zahlung der Familienunterstützung an⸗ ordnen kann.

Abgelehnt wurde ein fortschrittlicher Gesetzentwurf auf Ab⸗ änderung des Gesetzes betreffend die Unterstützung von Familien

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in den Dienst eingetretener Mannschaften dahin, daß das Reich spätestens nach einem Monat den Gemeinden die Hälfte ihrer Zu⸗ schüsse zurückzahlen soll.

Am Montag nachmittag nach der Plenarsitzung soll der Be⸗ cat über die Ernährungsfragen festgestellt werden, dann wird man über den Zeitpunkt der nächsten Ausschußsitzung beraten je nach dem Stande der Beratungen im Plenum. Wahrscheinlich wird die nächste Aus schußsitzung erst nach Neujahr stattfinden.

Uriegsbriefe aus dem Osten. Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Bei Hindenburg. den 18. Dezember

Das erstemal habe ich Hindenburg, General von Hindenburg, damals nach der Schlacht bei Tannenberg in Osterode gesehen. Der Sieger saß mit General Gruenert an einem kleinen Tisch vor dem Fenster, durch die Dämmerung fiel von der Straße das wenige Licht von den paar rührenden Kerzenreihen, die Osterode für den Sieg brannte. Wir hatten die Größe des Tages noch kaum recht aufgenommen, es war noch so viel Beklommenheit und Schwere über Ostpreußen. Hindenburg sah in die beginnende Nacht, sein festes Gesicht war undurchdringlich. Ein Oberleutnant brachte eine Karte, und der Feldherr fragte nach Einzelheiten der alten, der verlorenen Ordenschlacht; seine grauen Augen blickten stark auf. Tannenberg, da fiel wohl der Name. Bald erhob sich der Sieger nach sehr kurzer Mahlzeit. Seine Gestalt fest, schwer, fast überlebensgroß in dem kargen Lichte, stand im Scheine des Fen⸗ sters wie mit silbernen Linien umzogen. Der Blick ging ruhig über uns hin, da fühlte man den Sieg. Zuversicht hielt sich an dieses Gesicht, diesen Mann, von dem es ausging wie ein Strom von gebändigter Kraft. Dann durfte ich den Starken in fast allen großen Entscheidungen, die seine Armeen erzwangen, sehen: In In⸗ sterburg vor der Winterschlacht, in Mlava am Tage nach dem großen Durchbruch bei Praschnitz, auf der Straße nach Nowo⸗Georgiewsk mit dem Kaiser zusammen inmitten des auffubelnden Landsturmes und der Zehntausenden von russischen Gefangenen zu Kowno, in der goldstrahlenden Kathedrale in Wilna. Heute empfing uns der Generalfeldmarschall.Sie kommen ja von der Front. Die Lage ist sehr gut, man kann mit ihr zu⸗ frieden sein. Ruhig reiht sich Wort neben Wort. Selbstverständ⸗ lichleit und mitreißende Natürlichkeit stehen über jedem Satz, der mit tiefer, am Schluß oft leicht fallender Stimme gesprochen wird:Ja, eine Zeitlang hatten wir namentlich oben im Norden einige Schwierigkeiten mit der Verpflegung, aber jetzt habe ich doch den Eindruck, daß es gut geht. Zuhaufe ists ebenso, unsere Frauen arbeiten ja doch so tüchtig mit, unsere Heldenfrauen. Es ist ja eine Freude, wenn man von ihnen hört. Nein, die Feinde machen sich noch immer falsche Vorstellungen von uns im Ausland, weil hier und da mal nicht alles gleich klappt. Jedenfalls haben's unsere Feinde viel schwerer, das sollle man beim Tragen seiner Päckchen immer bedenken. Eine Frage bringt den leicht zurück⸗ gelehnt Sprechenden auf die anderen. Es handelt sich darum, wo das Schwergewicht unserer Gegner wäre, im Osten oder im Westen. Ich habe seit 15 Jahren vor den Engländern gewarnt. Das ist ganz persönlich Ich bin kein Politiker, will's auch nicht sein, aber daß der Geist des seligen Edard über der Entente schwebt, ist doch sonnenklar. Sie sind doch der Kitt des Bündnisses gegen uns, diese Engländer. Es wird von der Widerstandskraft der Russen gesprochen, vorher hatte mir Exz. Ludendorff erklärt, daß er die ganzen letzten Vorstöße der Russen an der Dünafront als nicht ernst zu nehmende Versuche betrachte. Alsmaßlos aufgebauscht im russischen Heevesbericht charakterisiert sie der General⸗ stabschef. Jetzt war das Gespräch mit Hindenburg auf die mög⸗ lichen Wirkungen von russischen Rerolutionen gelangt. Der Mar⸗ schall glaubt nicht recht an die Wirkung auf das russische Heer. Es läge alles 12 weit voneinander, man wisse gegenseitig nichts von sich; die Leute in Archangelsk wüßten nicht, was in Kiew geschähe und die Kiewer nicht, wie es in Petersburg aussähe. Viel⸗ leicht hätte die Revolution in ein paar Grostßädten einmal Er⸗ folge, aber darauf dürfe man seine Pläne nicht aufbauen.Ich halte nicht viel davon, man kann nur auf seine ergene Kraft rech⸗ nen, nur nach ihr den Augenblick des Handelns. Auf die an⸗ schließende Frage, wann dann wohl wieder der Zeitpunkt zu neuen Taten gekommen sei, lächelte der Marschall.Das kommt eben auf den richtigen Augenblick an. Daß ich und mein General⸗ stabschef da zupacken werden, glauben Sie mir ja wohl. Dann geht das Gespräch weiter.Als ich während der Schlacht von Tannenberg zur Beobachtung fuhr, da standen an allen Wegen die Wagenburgen der flüchtenden Ostpreußen, die die Feldgendarme von der Straße hatten weisen müssen, damit die Truppen Raum zum Marschieren hatten. Die Armen standen da und konnten nicht

platos Weckeruhr.

Die Akademie Platos, die zu seinen Lebzeiten schon die be⸗ rühmteste Schule Griechenlands darstellte, deren Urteil in allen wichtigen, auch politischen, naturwissenschaftlichen und anderen praktischen Fragen eingeholt wurde, hat in weit höherem Maße, als man der diesen Dingen scheinbar konträren Persönlichkeit Platos,

wie sie zu uns aus seinen Dialogen spricht, bisher zugetraut hatte, auch die Naturwissenschaften und die Mathematik gepflegt. Eine im

Garten der Akademie, in dem die Jünger in kleinen Häuschen

wohnten, aufgestellte Weckeruhr soll sogar eine persönliche Er⸗

findung Platos gewesen sein. Wie sehr im Altertum diese Kon⸗ struktion Verbreitung und Anerkennung fand, zeigt ein Bericht des griechischen Rhetors und Grammatikers Athenäus um das Jahr

200 n. Chr., bei dem ein Musikschriftsteller namens Aristokles

auf diese Nachtuhr Platos als auf die erste Anregung zu der be⸗

rühmten Wasserorgel des Ktesibios verweist. Da uns dieses Kunst⸗ werk der alexandrinischen Mechanik aber durch die ausführlichen

Beschreibungen des Vitruv und des Heron bekannt ist, außerdem

aber in der eben erwähnten Anspielung des Aristokles noch die

innige konstruktive Verwandtschaft mit einer großen griechischen

Klepsydra berichtet wird, so läßt sich aus diesen Angaben, ver⸗

bunden mit einer Vorstellung der mechanischen Kenntnisse zu Platos

Zeit überhaupt, eine ungefähre Vorstellung über die Bauart

Weckuhr bilden. In einer Mitteilung in den Sitzungsberichten

der Kgl. Preußischen Akademie der Wissenschaften glaubt Professor

Diels eine glückliche Rekonstruktion auf Grund dieser Beziehungen u der gewöhnlichen Wasseruhr, eben jenerKlepsydra, und der

N erergel, gefunden zu haben. Da ein früherer Versuch von

Prof. Max Schmidt diesen doppelten Zusammenhang nicht berück⸗ sichtigt, sondern sich bloß auf die in Griechenland gebräuchliche Wasseruhr stützt, die analog den Sanduhren eine bestimmte Menge

Wasser in einer ebenfalls genau abgemessenen Zeit durch ein ver⸗

engtes Rohr abfließen läßt, so kann nicht angenommen werden,

daß dieser Apparat dem historischen entspricht. Vielmehr verlangt die Aehnlichkeit mit der antiken Wasserorgel, daß bei der Ton⸗ erzeugung eine durch Druck des Wassers hervorgerufene Kom⸗

8 0 der Luft die eine Pfeife zum Tönen bringt, von bestimmen⸗

Bedeutung ist.Der Strom der in den Nachtstunden ausfließen⸗ assermassen der Klepsydra muß auf einmal mit großer Gewalt

0 Gefäß hinabfallen, und die daselbst ein⸗

Ausweg finden, an dessen Ende

eine Pfeife das laute Signal gibt. Einen Anhalt für diese kon⸗ struktive Ausführung dieser Gedanken haben wir in einem von Apollonios beschriebenen Flötenspieler, der, von Archimedes kon⸗ struiert, eine Anwendung und Weiterbildung des Platoschen Prin⸗ zips darstellt, indem die einfache Nachtuhr zu einer alle sechs Stunden ein Signal gebenden Figur ausgebaut wurde. Dabei tritt um ein zur gegebenen Zeit vollständiges Abfließen der aus der Wasseruhr abgelaufenen Wassermenge zu ermöglichen ein Heber, der sog.Kapselheber, in Tätigkeit. Dieser saugt, nachdem das Wasser nach sechs Stunden die Spitze des Kapselhebers genau er⸗ reicht hat, ganz plötzlich die Flüssigkeit des hochstehenden Gefäßes in eine nach unten leitende Röhre, die in ein zweites dicht ab⸗ geschlossenes Gefäß führt. Hier wird durch die fast gleichzeitig ein⸗ dringende Flüssigkeitsmenge die Luft stark zusammengedrückt und findet bloß durch den Austritt durch eine oben befestigte Röhren⸗ pfeife wieder den Ausgleich mit den Außenatmosphäre. Während dieses einige in Anspruch nehmenden Vorganges wird also die Pfeife in Tätigkeit erhalten. Bei entsprechender Größe der ganzen Anlage läßt sich die Dauer des Weckrufes verlängern und die Stärke des Tones erhöhen, so daß es wohl möglich erscheint, daß dadurch für die ganze Schule Platos das Zeichen für den neuen Tag gegeben wurde, der wenn die Weckuhr um 10 Uhr abends in Betrieb gesetzt wurde bereits um 4 Uhr morgens begann.

der Daß die Schulen der Alten auch sonst schon zu so früher Morgen⸗

stunde ihre Tore öffneten, zeigt ein Solonisches Gesetz, das den Anfang des Unterrichtes vor Sonnenaufgang verbietet. Anregun⸗ gen zum Ausbau dieser geistreich berechneten Nachtuhr mag sich Plato vielleicht bei seinen drei Reisen nach Sizilien geholt haben, wo er Freunde, wie den antiken Kunstmechaniker Archytas, be⸗ saß. Die letzten Ausläufer im Ausbau der hier zum erstenmal entwickelten hydraulisch⸗pneumatischen Weckeruhr sind die alle Stun⸗ den anzeigenden Wasseruhren des Ktesibios, die in allen antiken Großstädten Verbreitung fanden.

Bei Ibsens Bruder. Für die große Mehrzahl der Leser wird es wohl eine Ueberraschung sein, zu erfahren, daß von Ibsen noch ein jüngerer Bruder am Leben ist. Er heißt Ole Paus Ibsen und vollendete am 15. Dezember sein 80. Lebens⸗ jahr. Diese Feier hat einen Mitarbeiter vonMorgenbladet in Christiania veranlaßt, dem greisen Herrn im Altersheim für

Seeleute zu Fredirksvern, wo er seinen Lebensabend zubringt und als der älteste Bewohner des. Heimes in besonderem Ansehen

0 Anzeiger Gießen.

vorwärts und nicht rückwärts. Ich wußte, geht es schief, dann

sind diese Flüchtlinge zwischen der Armee rettungslos verloren. Das lag mir auch noch in den Schuhen den ganzen Tag. Es waren keine leichten Gedanken. Na, dann ging's ja, aber... Daß Rennenkampf nicht angriff,

laa wohl daran. daß er tatsächlich schlechten Erkundungsdienst hatte und starke deutsche Truppenmassen in Königsberg ver⸗ mutete. Er dachte, die Narew⸗Armee muß ihren Einmarsch leicht allein fertigbringen und sich dann mit ihm vereinigen. schwere Verantwortungsgefühl muß man bei solchem Wagnis schon tragen. Kühnheit und Vorsicht, beides muß in guter Mischung dabei sein. Das sei aber das Wichtige. Die Ruhe unter allen Umständen zu bewahren. Sonst geht das Geschwanke ja immer stärker weiter zu den Unterführern. Ich versuche, die Schlacht so anzusehen, als sei sie eine Studie, die ich vor hätte, eine Partie, bei der es sich zeigen soll, wer es besser kann. Das wiederholte der Marschall noch einmal:Eine Partie, die mit unerschütterlicher Ruhe gespielt sein will. Dabei schien von dem Sprechenden das Gefühl ruhiger Sicherheit über jeden, der ihm nahe kam, über⸗ zugehen. Der Eindruck ist so stark, daß das ihn geherrschende Vertrauen, das zum festen Wissen des Sieges wird, in jedem hochschlägt. Auf persönliche Dinge geht das Gespräch weiter, auf die Jagd.Durch die Gnade von Majestät habe ich in vorigem Jahr einen Elch schießen dürfen, ich hoffe aber auch noch auf einen Auerstier und auf Wölfe, es sind schon welche verhört worden, so sagen wir Jäger. Es muß ja doch besondere Freude machen, Raubzeug zu schießen! Hindenburg als Jäger auf russische Wölfe ist dabei ein Bild, das sich merkwürdig hübsch zur Allegorie eignet, obschon dem Feldherrn sicher das Allegorische recht fernliegt, recht fern.Ja, in die eigentliche Feuerzone komme ich ja leider jetzt nicht mehr, sagt der Marschall bei der Besprechung von Granat⸗ wirkungen,66 und 70 habe ich das Sausen oft genug gehört. Ein Adjutant bringt die Mappe.Meine Herren, leben Sie wohl! Sie kennen ja wohl schon unsere Abschiedsworte: Nicht durchhalten, sondern gründlich siegen! Und schreiben Sie weiter was Ste sehen! Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Aus dem Reiche. Der neue Zehn⸗Milliarden⸗Kredit.

Berlin, 18. Dez.(WTB. Nichtamtlich) Der Reichs⸗ schatzsekretär hat bekanntlich beim Reichstage die Bewilli⸗

gang eines weiteren Kredits von 10 Milliarden eantragt. Im Anschluß hieran ist vielfach im Publikum

die Meinung verbreitet, daß der Genehmigung des Kre⸗ dits durch den Reichstag alsbald die Ausgabe einer neuen

Kriegsanleihe folgen werde. In der Presse ist zwar 1 diese Auffassung bereits widerlegt worden; es erscheint

indes angezeigt, nochmals darauf hinzuweisen, daß der Reichsschatzsekretär im Reichstage mit voller Deutlichkeit

erklärt hat, vor März nächsten Jahres sei keinesfalls

die Ausgabe einer weiteren Kriegsanleihe zu erwarten. Auf Grund der für die bisherigen Kriegs⸗ anleihen festgesetzten Emissionsbedingungen läßt sich aus dieser Erklärung folgern, daß, wenn im neuen Jahre eine

weitere Anleihe an den Markt kommt, die Einzahlungen dar⸗

auf nicht vor April zu leisten sein würden. Ein Besuch der Königin von Schweden.

Berlin, 18. Dez.(WTB. Nichtamtlich) Die Köni⸗ gin von Schweden ist heute vormittag hier eingetroffen.

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Berlin, 18. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) DerStaats⸗ anzei Einberufung der beiden Häuser des Landtages zum 13. Januar 1916.

Kirche und Schule.

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München, 19. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) In der Allerheiligen Hofkirche in der königlichen Residenz erfolgte

heute mittag durch den König die feierliche Aufsetzung des Kardinalsbaretts an den neuernannten i regierender Wittelsbacher diesen Akt vollzieht. Gerichtssaal. Steuerhinterziehungen.

Bonn, 18. Dez. Generalanzeiger meldet, wurde heute nach ungefähr vierwöchiger

PPPPPPPPPPPVCCCPCCCCVCCVCVCVCVCCVCCCCCVUVCVCUCVCUVUCVFVCVUCVCVCVCVCVCVCVCVCVCVCVCVCVCVCVCVCVCVCVCVCVCVCVCVCVVCVCVCVCVCVCVCVCVCVCVVCVCVCVCVVVVVTXTXVVTVVTVTTVTXTVTVXVXVTVTVXTXTTwÄTÄVVÄTVVTTTTTT

steht, einen Besuch abzustatten. Ole Paus Ibsen ist in vollem Besitze seiner an cer und seelischen Kräfte und tand dem Besucher über sein Elternhaus und über seinen berühmten Bruder bereitwillig Rede und Antwort. fünf Geschwister, darunter vier Brüder. Henrik war der älteste, das Geburtstagskind war der jüngste. Daheim ging es, nachdem Vater Ibsen sein selbständiges Geschäft hatte aufgeben und eine

Stellung im Kontor annehmen müssen, oft recht knapp zu, und

die Ibsenfungen mußten zeitig in die Welt hinaus. Von seinem großen Bruder Henrik sah sich infolgedessen Ole Paus Ibsen als der sieben Jahr jüngere ziemlich zeitig getrennt. innert er sich noch sehr wohl, daß Henrik anders war, als alle anderen Geschwister. Er war ein stiller, verschlossener Knabe, der sich vor allem für Bücher und Studien interessierte. Die Brüder zerstreuten sich schnell. Zwei gingen nach Amerika, wo⸗ selbst einer eine Farm erwarb, ein anderer Goldgräber in Kali⸗

fornien wurde; beide sind dort kinderlos verstorben. Ole Paus 1

selbst hat ungefähr 20 Jahre lang die See befahren und sich dann

als Kolonialhändler und später als Inhaber einer sogenannten 8 Landhändlerei etwa dasselbe, was man in einigen Teilen

veröffentlicht eine königliche Verordnung wegen

(W. T. B. Nichtamtlich) Wie derBonner

Wir waren, so erzählte er,

Doch er⸗

5 Kurien⸗ kardinal und bisherigen päpstlichen Nuntius in München, Dr. Andreas Frühwirth. Es ist das erstemal, daß ein

Deutschlands Gemischtwarenhandlung nennt ansässig gemacht.

Nun liegt das alles hinter ihm und er führt als der letzte Ueber⸗

lebende der Generation Ibsen, der der große Dichter angehörte, im

Altersheim ein beschauliches Dasein.

Kriegsdenkmäler in England. Auch in England

macht sich eine Bewegung geltend, die die Verunzierung öffentlicher Plätze durch geschmacklose Kriegsdenkmäler verhindern will. Wie dieKunstchronik berichtet, hat sich in London eine Gesellschaft unter dem NamenCivic Arts Association gebildet, deren Be⸗ 3 es ist, gegen die Errichtung von Denkmälern aufzutreten, ie das Landschafts⸗ oder Stadtbild verschandeln könnten; vor allem will man verhindern, daß die Bestimmung über die Aus⸗ führung von Denkmälern für die Gefallenen örtlichen A

schüssen überlassen bleibt. Die Gesellschaft will Preisausschreihen und Ausstellun veranstalten und hofft auf diese Weise die wirklich besten Künstler für die Ausführung der nach dem Kriege zu err e r gens daran erinnert werden darf, daß die Bildhauerkunst eigentlich

von jeher die Achillesferse des englischen Kunstlebens gebildet 1 35 8 Ausschusse der neuen Gesellschaft gehören auch angesehens

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ichtenden Denkmäler heranziehen zu können, wobei übri⸗

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