viertes Blatt . 54
Erschem täglich mit Ausnahnte des Sonntags.
Die„Sießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Ureis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Seit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
Aus Stadt und Cand. Gießen, 18. Dezember 1915.
Postverkehr mit den Kriegsgefangenen.
Angehörige von Kriegsgefangenen pflegen bei der Be⸗ urteilung der Zeit, welche die Sendungen für ihre Beförde⸗ rung und Zustellung benötigen können, zumeist den Maßstab postalischer Verhältnisse in Friedenszeiten anzulegen, und sind sofort beunruhigt, wenn von dem Kriegsgefangenen ein⸗ mal längere Zeit Nachrichten ausbleiben oder wenn sie er⸗ fahren, daß die dem in Gefangenschaft befindlichen Sohn oder Bruder zugedachten Geld- und Paketsendungen nicht eingetroffen sind. Zu solcher Beunruhigung liegt in den meisten Fällen kein Grund vor, da die Verzögerung durch zeitweilige Einschränkungen im Postverkehr seitens der feind⸗ lichen Regierungen, durch vorübergehende Ueberlastung der e oder durch die Ueberführung des betr. Ge⸗ angenen in ein anderes Lager sich als ganz natürlich er⸗ klärt. Oft ist auch die Nichtbeachtung der Bestimmungen für den Postverkehr mit Kriegsgesang nen Schuld an der Ver⸗ zögerung oder an dem Nich einttesfen der Sendung. Leider ist ein großer Teil des Publikums geneigt, diese vorüber⸗ gehenden Verkehrserschwerungen als dauernde Mißstände zu betrachten, und glaubt im Interesse der Kriegsgefangenen die zuständigen Behörden, in erster Linie das Kriegsministe⸗ rium und die stellvertretenden Generalkommandos, darauf aufmerksam machen und um schleunigste Abstellung bitten zu müssen. Durch die Erledigung solcher Anfragen ent⸗ steht die Gefahr einer Ueberlastung der maßgebendenstellen, die dazu führen kann, daß sie in der Wahrnehmung ihrer eigentlichen Aufgabe, die deutschen Kriegsgefangenen gegen schwerwiegende Mißstände zu schützen, wesentlich beein⸗ trächtigt werden. Wer also in Sachen des Postverkehrs mit Kriegsgefangenen Auskunft zu erhalten wünscht, oder glaubt, Anlaß zu einer Beschwerde zu haben, wird sich zunächst besser an die Postanstalten und vor allem an die Au skunfts⸗ stellen der vom Roten Kreuz errichteten Ab⸗ teilungen für die Kriegsgefangenenfürsorge zu wenden haben. Sollte bei diesen Stellen die Ueberzeugung gewonnen werden, daß es sich wirklich um ernsthafte Miß⸗ stände in der Gefangenenfürsorge handelt, so werden um⸗ gehend die nötigen amtlichen Erhebungen beantragt werden. Unsere Militärbehörden werden sodann mit allen zu Gebote stehenden Mitteln für die Beseitigung vorhandener Miß⸗ stände eintreten. 1
** Meisterprüfungen für Handwerker und Handwerkerinnen in der Provinz Ober⸗ hessen. Aus Anlaß des Krieges ist die im vorigen Jahre vorgesehen gewesene Meisterprüfung nicht durchgeführt wor⸗ den, es soll aber im nächsten Frühjahr Gelegenheit ge⸗ boten werden, sich der Meisterprüfung unterziehen zu können, damit diejenigen weib l 70 en und die ni cht mehr wehrpflichtigen männlichen Personen, die ihre Berufsausbildung beendet haben, auch die Führung des Meistertitels erlangen und dadurch in den Genuß der damit verbundenen Rechte gelangen können. Es ist daher die Abhal⸗ tung der Meisterprüfung angeordnet worden, und zwar ist der Schlußtermin für die Anmeldung auf den 1. März 1916 festgesetzt. Sämtliche Unterlagen sind an den Vor⸗ sitzenden der Meisterprüfungskommission, Baumeister Tra⸗ ber in Gießen, Ost⸗Anlage 121, einzureichen.(Siehe Bekanntmachung in unserer Zeitung.)
Verkauf belgischer Zuchtstuten. Mittwoch, den 22 Dezember, vormittags 10½ Uhr, findet im Hofe des Jagd⸗ schlosses Kranichstein eine Versteigerung von 24 aus Belgien eingeführten, guten, über 2 Jahre alten Zu chtstuten statt.
der Versteigerung können nur hessische Landwirte teilnehmen, welche eine Bescheinigung ihrer Bürgermeisterei beibringen, daß ihnen Pferde bei der Mobilmachung genommen worden sind. Die Versteigerung erfolgt gegen Barzahlung.
Kreis Lauterbach.
N. Engelrod, 18. Dez. Einen alten, seit Jahrzehnten
nicht mehr üblichen Brauch hat der Krieg wieder in die Dörfer —————— eee
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zig besorgt wird, an den übrigen Wochentagen er⸗ setzte die übliche Mehlsuppe den heute gewohnten Morgenkaffee. Der Lauf der Jahre aber hat den Bohnenkaffee doch die Ober⸗ herrschaft gewinnen lassen und dieser hat allmählich Mehlsuppe und den selbstgebrannten Kornkaffee ganz verdrängt. Doch der Krieg wollte es anders. Die Kaffeebohnen bleiben aus, und was man beim Krämer erhalten kann, ist heute sündenteuer Da er⸗ innerte sich die Großmutter, wie sie als junges Mädchen mit einem alten Holzlöffel vor dem Herde stand und das Korn in einer Pfanne braun rösten mußte, von dem dann der köbstliche Sonntagskaffee bereitet wurde. Sie probierte es in ihren alten Tagen noch einmal, und die Sache geriet vorzüglich, und wie sie, so haben es tausend andere gemacht. Was braucht man auch den teuren ausländischen Bohnenkaffee zu trinken, der doch nur seines Geruchs wegen sich eingenistet hat, der Kornkaffee tut dieselben Dienste, und wenn man mit Milch nicht zu sehr geizt, kann auch der etwas bittere Geschmack beseitigt werden. Da aber das Korn für die Brotversorgung beschlagnahmt ist, so bedeutet dieser Behelf wohl eigentlich ein Ueberschreiten der Bestimmungen, so daß 5 zu befürchten ist, daß er eines Tages wieder verschwinden muß. ö
Starkenburg und Rheinhessen.
rb. Darmstadt, 16. Dez. Der Heilstätten⸗Verein für das Großherzogtum Hessen hielt heute nachmittag im Sitzungssaale der Landesversicherungsanstalt seine diesjährige ordentliche Mit⸗ gliederversammlung ab, die verhältnismäßig gut besucht war. Der Vorsitzende, Geh. Rat Dr. Die tz, eröffnete die Sitzung und erstattete Bericht über die Tätigkeit des Vereins Die beiden Institute des Vereins, das Eleonorenheim bei Winterkasten i. O. und die Lupus⸗Heilstätte in Gießen, seien anfangs in ihrem Betrieb durch den Krieg ungünstig beeinflußt worden, weil ein Teil der Persönlichkeiten ins Feld zogen und eine zeitweilige Ver⸗ wirrung eintrat. Beide Heilftätten wurden sofort der Militär⸗ verwaltung für die Aufnahme von Verwundeten zur Verfügung gestellt, aber als ungeeignet abgelehnt. Später fanden aber doch im Lupusheim zahlreiche Verwundete Unterkunft. Die Rechnung für das Berichtsjahr 1914, die eine Einnahme von insgesamt 262 073 Mk. und eine Gesamtausgabe von 260 574 Mk. ergibt, wurde genehmigt und dem Rechner Entlastung erteilt. Der Vor⸗ anschlag für 1916 balanciert bei der Eleonoren⸗Heilstätte mit 142 700 Mk., bei der Lupus⸗Heilstätte mit 67000 Mk. Für den davon im wesentlichen abhängenden Heilstätten⸗Verein stellen sich Einnahme und Ausgabe auf 237000 Mk. Unter den Einnahmen befinden sich als Kassenrest 6000 Mk., als Mitgliederbeiträge 13 300 Mk., als einmalige Spenden und Zuschüsse 8000 Mk. In den Ausgaben ist neben denen für die beiden Hellanstalten für Unterstützung von Fürsorgestellen, unbemittelten Tuberkulösen, Sanierungsmaßregeln in Heubach und Kinderheilstationen der Be⸗ trag von 24300 Mk. ausgeworfen.— Bei der dann erfolgten Auslosung und Neuwahl von Mitgliedern des Landesausschusses wurden die Herren Kreisrat Gennes⸗ Offenbach, Med.⸗Rat Walter⸗ Gießen und Frl. Dr. Kröhler⸗ Worms gewählt. Die seitherigen Rechnungsprüfer wurden wiedergewählt.— Im Anschluß an die Tagung fand nachmittags 4 Uhr im Hörsaal des Physikalischen Instituts der Technischen Hochschule ein hoch⸗ interessanter Vortrag von Oberstabsarzt Med⸗Rat Dr. Reben⸗ tisch⸗Offenbach statt, der über den Ersatz verlorener Gliedmaßen in wirtschaftlicher und technischer Beziehung
Samstag, 18. Dezember 1915
Rotationsdruct und Verlag der Brühl'schen
Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsslelle u. Druckerei: Schul⸗
straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: 851, Schrist⸗
leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
sprach und dabei eine große Anzahl prächtiger Lichtbilder vor⸗ führen ließ.
m. Offenbach a. M., 17. ordnetensitzung stand im willigungen. f. zum 1. Dezember rund 3 880 000 000 Mk.
»Die gestrige Stadt ver⸗ 0 1 rer Kriegsbe⸗ ge wurden bisher rausgabt, darunter für die eigentliche Kriegsfürsorge, 365 000 Mk. für zebensmittelversorgung und rund 400 000 Mk. Einquartie⸗ Demgegenüber steht eine Einnahme von rund 900 000
arunter 282 000 Mk. freiwillige Spende, 300 000 Ml. 200 000 Mk. durch den Verkauf der Lebensmitlel und
111000 Mk. Rückersatz sü Reichshilfe von 300 000 standen nach für die st fügung. Die Stadtve halbe Mil Mark im Felde st ft
die Einquartierungen. Eine weitere k. ist zu erwarten. Am 1. Dezember tische Kr orge 34000 Mk. zur Ver⸗ lligten nunmehr die fünfte e.— Den Angehörigen der
die Kriegsunte
ziehen, wurde als Wei chts gabe eine d
unterstützung gewährt. J blick auf die Leistur 8 ben
schaften in der Arbei e wurde 0 bürgermeister hnachts e Mitglieder
10000 bis 12 000 g derjenigen Gewerkschaften, die für glieder besondere Zuwendungen zur Verfügung gestellt. Ferner 1. damit einverstanden, daß vom 1. November 1915 an eingetre⸗ tene Erhöhung der reichsgesetz n Familjenunterstützung bei der Berechnung der städtischen Unterstützung nicht in Betracht gezogen wird. Die Familien der bei der Stadt während des Krieges ein⸗
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istet haben oder leisten werden,
gestellten Vollarbeiter und Bureauarbeiter sollen eine städtische
Unterstützung erhalten, wenn sie betreffenden 12 Monate bei der Stadt beschäftigt waren, ebenso soll die Weiterzahlung der Ver⸗ gütungen und Löhne an die während des Krieges eingestellten Bureauhilfsarbeiter nach deren Einberufung zum Mil
itärdienst erfolgen, vorausgesetzt, daß die in Frage Kommenden 6 Monate lang bei der Stadt beschäftigt waren. Der Antrag auf Ge⸗ währung einer Beihilfe von 500 Mk. für die Jugendkompag⸗ nie wurde im Hinblick auf die sich daraus ergebenden Konse⸗ quenzen abgelehnt. Für die Herstellung von Ehrenurkunden für die im Kriege gefallenen Offenbacher wurden Für die deutsche Dichter⸗Gedächtnis⸗S ein einmaliger Betrag von 100 Mk. und als Ja itrag für den Verband für handeerlsmäßige und fachgewerbliche Ausbildung der Trau 20 Mk. bewilligt. 5
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Spielplan des Gießener Stadttheaters. Direktion: Hermann Steingoetter.
Sonntag, den 19. Dezember, nachmittags 30, Uhr, bei Volks⸗ preisen:„Wie einst im Mai“ Ende nach 6 Uhr. Abends 7½ Uhr, bei kleinen Preisen:„Die Großstadtluft“ Ende 10% Uhr. Diens tag, den 21. Dezember, abends 8 Uhr, bei gewöhnlichen Preiser (ermäßigt), 8. Dienstags-Abonnement⸗-Vorstellung:„Der Erbförster.“ Ende gegen 11 Uhr. Samstag, den 25. Dezember(1. Feiertag), abends 5½ Uhr: Gesamtgastspiel der Großh. Hosoper und der Hofmusik in Darmstadt:„Die Gärtnerin aus Liebe.“(La fta giardiniera,.) Oper in 2 Akten von Wolfgang Amadeus Mozart, Eude 8 Uhr. Sonntag, den 26. Dezember(2. Feiertag), nach mittags 3½ Uhr, bei kleinen Preisen:„Herrschaftlicher Diener gesucht.“ Ende 5¼ Uhr. Abends 7½ Uhr, bei gewöhnlichen Preisen(ermäßigt):„Der Juxbaron.“ Ende gegen 10i(, Uhr
Montag, den 27. Dezember(3. Feiertag), nachmittags 3½ N 6 in
Volkspreisen: Kinder- Vorstellung:„Hänsel und Gretel.“ 1 Märchenbild in vier Bildern von Siegfried Stutz. Ende 5 Uhr. Abends 7% Uhr, bei kleinen P eisen:„Die selige Exzellenz.“ Ende 10¼ Uhr.
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Vorweihnachten im Felde.
* im Felde stehender Mitarbeiter schreibt uns aus Frank⸗ eich
Ein heller Dezembernachmittag. Ich habe einige dienstfreie Stunden und benutze die Zeit, durch die Felder zu wandern, in die
die Dörfer rings um Lille eingebettet sind. Die Franzosen grüßen alle freundlich; sie haben längst eingesehen, daß die„Barbaren“ in Wahrheit gutmütige Menschen find. Auch die Kinder haben die vor den fremden Soldaten überwunden; sie knixen zierlich
geben mir die Hand. Ein Zug kommt um die Ecke gefahren. Ich hetrachte die einzelnen Wagen, wie man das so oft tut: gedankenlos, ohne irgend etwas Bestimmtes zu sehen. Da bleiben meine Augen auf einem 1 5 haften. Was sehe ich! Tannen⸗ bäume, lauter Tannenbäume! Wohin gehen diefe grünen Bäumchen? Ich kann es mir nicht denken und spähe unwillkürlich umher, ob ich hier nicht auch einen„Baum finde, der unser Zimmer schmücken soll. Weihnachten steht ja vor der Tür! Aber weit und breit ist nichts zu sehen, das einem Tannenbaum ähnlich sieht. Wir trotzdem einen finden, oder wir müßten nicht deutsche Soldaten sein. Ein Weihnachten ohne den Christbaum gibt es auch bei uns nicht im Felde. Mögen die Franzosen ihre veille de Noel feiern, wie sie wollen, wir wollen den Weihnachtsabend begehen, wie er daheim begangen wird: unterm kerzengeschmückten Tannenbaum. Und die alten schönen Weihnachtslieder wollen wir singen, wie sie daheim von unseren Frauen und Kindern gesungen werden. Wenn wir nicht in der Feier gestört werden. Im Kriege gibt es keine Sonntags⸗ und keine Feiertagsruhe. Und vo der Paßst diesmal mit seinem Vorschlag eines allgemeinen Waffenstillstandes an den beiden Weihnachtstagen durchdringen wird, ist wohl sehr fraglich. Und wenn auch, so denke ich in meiner Selbstsucht, viel⸗ leicht hast du tro gerade Dienst. Wie ich so an den Läden eines kleinen Dorfes vorbeiwandere, sehe ich hinter den winzigen, unsauberen Fenstern allerlei Weihnachtssachen ausgebreitet: Pup⸗
pen, Spielwaren, Näschereien und dergleichen. Die Dorffugend betrachtet ebenfalls die bescheidenen Herrlichleiten, aber in ihren
Augen liegt stumme Resignation. Sie wissen, daß die Eltern seit langem klagen über das teuere Brot, das teuere Fleisch. Woher soll da das Geld kommen für Spielsachen und Näschereien! Ihr in der deutschen Heimat, die Ihr ebenfalls über die Teuerung wehklagt, Ihr wißt gar nicht, wie gut Ihr es habt! Dank der deutschen Regierung, die alles mit weiser Hand geordnet hat. Und wenn es einmal etwas knapp zugeht, dann denkt an Eure Kamera⸗ den im Felde und an die G 0 der feindlichen Länder. 28 Euch gesagt heim noch reichlich gut! Mit diesen Gedanken habe 0 ö eten und suche mir einige Sächelchen aus, die ich nach meinem Daheim schicken will. Ein
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altes, verhutzeltes Mütterchen bedient mich mit übertriebener Ge⸗ schäftsfreundlichkeit. Draußen verteile ich einige Tafeln Schokolade unter die kleinen Mädchen, die den Zeigefinger im Munde stecken haben und den baumlangen Feldgrauen verwundert ansehen. Auch in meinem Quartier herrscht Vorweihnachtsstimmung. Werkwürdig, daß mir das jetzt so plötzlich auffällt. Das werden die kleinen Tannenbäume auf dem Güterwagen bewirkt haben. Meine Ka⸗ meraden suchen die Pappkartons aus den Ecken hervor und prüfen sie auf ihre Haltbarkeit. Der eine läßt seine Photographie von Hand zu Hand gehen und meint dabei:„Was meine Frau, wohl zu dem wilden Kriegsbart sagen wird! Und meine Kinder erkennen mich gewiß nicht wieder!“ Andere überschlagen ihr Geld vom letzten
Löhnungsappell her und kalkulieren, was für die nicht gerade sehr
hohe Summe noch gekauft werden kann. Ein Musikkundiger ent⸗ T
lockt einer etwas asthmatischen Ziehharmonika allerlei Töne, die dem Liede„O Tannenbaum“ sehr ähnlich klingen. Dann wird ein Kriegsrat abgehalten, wie man auf der„Bude“ den zweiten Kriegsweihnachtsabend abhalten will. Die Debatte wird aber ver⸗ tagt, weil zwei Mann auf Posten ziehen müssen, und die andern er⸗ klären, die 2 Stunden bis zum närhsten Dienst„sich noch hinhauen“, d. h. schlafen zu wollen. Auch das Liebesgabenthema wird noch gestreift. Vorige Weihnachten hat man allerhand bekommen. Was es diesmal wohl geben wird] Auch dieser Gegenstand wird längst nicht erschäpft. Morgen ist ja auch noch ein Tag, und die Vor⸗ weihnachtsstimmung liegt nun einmal in der Luft. Ihr daheim, schickt Euren Angehörigen im Felde irgend etwas zu Weihnachten, auch wenn es Euch noch so knapp geht. Ihr wißt nicht, wie unend⸗ lich ein solches Liebeszeichen aus der Heimat beglückt. Und Ihr, die Ihr mit Glücksgütern gesegnet seid lest aufmerksam die vielen Aufrufe in den deutschen Zeitungen zu Sammlungen für diejenigen Feldgrauen, die keine Angehörigen haben. Und seid Tater des Wortes, nicht Hörer allein! Ihr verdient Euch einen Gotteslohn damit! 0 f *
— Neue Gräber funde in der Neugrabener Heide. Die Leitung des Harburger Museums hat in diesem Herbst ihre Ausgrabungen auf dem„Langen Berge“ in der Neugrabener Heide. lassen und dabei überraschende Erfolge erzielt. Wie Theodor Beneke in der Bremer Zeitscheift„Niederfachsen! berichtet, wurden diesmal sechszehn vorgeschichtliche Gräber geöffnet. Zwei davon erwiesen sich als Massengräber, in einem fanden sich vier, in dem andern drei Urnen. Die Steinkammern bedeckte je ein größerer abgeplatteter Findeing, die darin beigefetzten Ascheutöpfe waren leider fast vollkommen zerdrückt. In einem anderen Grabe entdeckte man zwei übereinander beigesetzte Urnen, die zweifllos aus verschiedenen Zeiten herrühren. Form und Farbe der aut⸗
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— Schwedische Elektrizitätskraft mark. Es bestand schon seit einer Reihe von Jahren der Plan, die schwedischen Wasserkräfte auch in Dänemark— dem ja die wei Kohle vollkommen fehlt— verwendungsmöglich zu machen. Do bietet die Uebertragung elektrischer Kraft über den Sund vo Schweden eine Reihe nicht unbeträchtlicher technischer und auch staatsrechtlich⸗politischer Schwierigkeiten, die eine Verwirklichung hinauszögern mußten. Nun teilt die„Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure“ mit, daß die erste Anlage des Unternehmens im Herbst dieses Jahres fertiggestellt wurde. Der Strom wird in mehreren Kraftwerken an den Wasserfällen des Laganflusses nord⸗ östlich von Hesingsborg erzeugt und von dort in einem unter⸗ irdischen Kabel an die 4,3 Kilometer entfernte Küste geleitet. Die Länge der hier anschließenden eigentlichen Unte beträgt
54 Kilometer. Der dänische Anschluß für r des Stromes ist nur vorläufig ausgebaut, d 85 itzung für Beleuchtung und Straßenbahnbetrieb u zweijährige
t erweisen soll. Für uns ist noch von
ö 1. die eine Spannung bis zu 25 000 Volt leiten müssen, deutschen Ursprungs sind.
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Interesse, daß die bei der Anlage verwendeten Kabel,


