Ausgabe 
(18.12.1915) 298. Zweites Blatt
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zweites Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSleßener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Ureis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

Gießener

General⸗Anzeiger für Oberhesf

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165. Jahrgang NI

die wirtschaftliche, Widerftandsfähigkeit Englands.

Seit vielen Mongten sind wir gewohnt, von den verschiedensten schweren Sorgen zu hören, welche der Krieg der englischen Volks- wirtschaft gebracht hat. Wir wissen, daß in England eine allgemeine Kriegsteuerung, ganz besonders aber eine Nahrungsmittel⸗Teue⸗ rung herrscht, daß die Handelsbilanz Englands sich dauernd ver⸗ schlechtert und heute eine geradezu beängstigende Passivität aufweist, daß die Frachtraten zur See immer stärker steigen und für vielg ausländische Produkte eine prohibitive Höhe erreicht haben, daß einzelne Industrien, die auf die Einfuhr bestimmter Rohstoffe aus Deutschland angewiesen waren, wie etwa auf deutsche Farben, deutsche Chemikalien usw., in einer schweren Notlage sind. Dennoch

kann man im allgemeinen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, N

welche England aus diesen und vielen anderen Tatsachen erwachsen, nur aus einem Einzelstudium dieser oder jener Handelsblätter, aus zufälligen Angaben oder Mitteilungen anläßlich einer öffent⸗ lichen Rede usw. kennen lernen; es gibt in England keine Presse, welche etwa jene Schwierigkeiten in täglichen Artikeln, Zuschriften oder dergleichen berichtet und dadurch ein einheitliches Urteil dem inländischen oder dem ausländischen Leser ermöglicht. Die überwiegende Zahl der englischen Zeitungen ist schon in Friedens⸗ zeiten recht wenig für eine öffentliche Diskussion sozialer Be⸗ schwerden eingerichtet und die wenigen Blätter, welche ausgespro⸗ chenerweise Arbeiterinteressen wahrnehmen, wie derLabour Leader, haben im Vergleich zu den großen Zeitungen und den billigen Blättern, die auf den Straßen Londons verteilt werden, nur eine sehr geringe Bedeutung.

b Dringt schon aus diesem Grunde wenig Einheitliches über die wirtsckaftlichen Kriegssorgen Englands in die Oeffentlichkeit, so kommt als ein. zweites Moment hinzu, was unlängst Dr. Hans Vorst in einem Aufsatz imBerliner Tageblatt dargelegt hat: Bei genauerer Beachtung tritt jetzt im Leben der Stadt das Be⸗ streben deutlich zutage, sich, den Krieg so wenig als möglichan⸗ merken zu lassen. Man will dem Kriege nicht mehr Konzessionen machen, als unbedingt erforderlich ist. Von diesemGeiste sind denn auch alle bedeutenden englischen Blätter erfüllt So brachte neulich dieTimes eine Gegenüberstellung von Nahrungsmitteln, die freilich sämtlich Preissteigeru ngen zeigten, Steigerungen

welche relativ gering waren im Vergleich zu denjenigen, andere, von derTimes in jener Gegenüberstellung nicht genannte Nahrungsmittel aufweisen. Da war z. B. von Eiern, von Käse und von Speck die Rede, welche Steigerungen von 30, 40 oder 50 Prozent im Preise aufweisen, während man wohlweis⸗ lich die Steigerung im Preise von Brotgetreide, Brot, Mehl, Ein⸗ fuhr⸗Fleisch, Fischen und Zucker fortgelassen hatte, da diese viel⸗ fach Steigerungen von 50100 Prozent ergeben hätten. Wollte man sich aus der englischen Presse ohne genaue Nachprüfung der Tatsachen ein Bild von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten machen, unter die englische Bevölkerung leidet, so könnte man fast aus jedem Blatt etwas anderes herauslesen, da die Tatsachen in England ebenso behandelt werden, wie es gerade für den Augen⸗ blick opportun erscheint. So liest man z. B. in der bekannten Zeit⸗ schriftNation in einem Aufsatz von J. A. Hobson, daß die Lebensmittel g durch die Lohnerhöhungen reichlich aufge⸗ wogen sei. In derselben Zeitschrift wird dann wiederum in einer Polemik gegen die kleinen Kriegsschatzscheine behauptet, die Ar⸗ beiter könnten nichts von i jetzigen Einnahmen ersparen; denn wenn vielleicht auch/ Arbeiter aus Kriegsarbeit erhöh⸗ ten Nutzen gezogen hätten, so seien sie verhältnismäßig nicht besser daran. Es ist selbstverständlich, daß man aus derartigen Mitteilun⸗ gen ebensowenig etwas Glaubwürdiges entnehmen kann, wie aus

Darstellungen dieser oder jener Reisenden, welche sicherlich nach

bestem Gewissen ihre Eindrücke berichten, deren subjektive Erfah⸗

rungen aber dennoch keine allgemeine Gültigkeit beanspruchen können So lesen wir z. B. in dem genannten Aufsatz von Dr.

Hans Vorst, daß man in den Londoner Theaternauf den guten Plätzen nach wie vor die Herren im Frack und die Damen in

reichen Abendkleidern und kostbarem Schmuck wie in Friedens⸗

zeiten sähe. Die Londoner Vergnügungsstätten seien trotz der hohen Eintrittsgelder meist gut besucht und die Ausstattung ließe nichts vermissen. Demgegenüber schreibt Oskar T. Schweriner in einem Aufsatz derVossischen Zeitung über seinenBesuch in London:Die Theater spielen, soweit sie überhaupt geöffnet sind, damernd vor fast gänzlich leeren Bänken. Es dürfte sehr schwer sein, festzustellen, wer von den beiden Reisenden mit seinen Eindrücken recht hat. Jedenfalls aber führen all die hier genannten Tatsachen zu dem Ergebnisse, daß wir, wenn wir auch die schwierige Lage unserer

Gießener Stadttheater. Die selige Exzellenz. 15

Lustspiel von Rudolf Presber und Leo Walter Stein. Bei einem so vielgewandten Autorenpaare, wie Rudolf Presber und Leo Walter Stein, die als gewiegte Lustspielköche über die sichere Hand für die richtige Dosierung schmackhafter Zutaten verfügen, kommt es einzig und allein darauf an, ob das Gericht an und für sich kräftig genug ist, einen ganzen Abend vorzuhalten. Fürs erste, die Idee dieses Lustspieles ist ausgezeichnet, fürs zweite, die Sauce ist überlängt und wenn auch noch so viel Kapern auf ihr herum schwimmen, so täuscht das nicht darüber hinweg, daß zu Behelfsmitteln gegriffen werden mußte. die außerhalb der

geraden Linienführung liegen und als retardierendes Element die Handlung erbreitern, aber kaum weiterbringen. 5 Die Idee: Die allmächtige Exzellenz eines kleinen Hofes

ist gestorben und hat als trauernde Hinterbliebene eine gute Freundin, Helma von Windegg, deren Beziehungen zur seligen Exzellenz von der intrigierenden Hofgesellschaft eine gehässige Ausdeutung erfahren, und einen Privatsekretär hinter⸗ lassen, dessen Anstellung als Archivrat gesichert schien. Sofort nach dem Tode der allgewaltigen und rücksichtslosen Exzellenz erhebt sich die von ihm niedergedeckte Gegenpartei mit dem Oberhofmar⸗ schall Baron von Gillzingen und der Oberhofmeisterin Freifrau von Seefeldt an der Spitze und sucht den neugewonnenen Mut an jenen zu fühlen, die der seligen Exzellenz am nächsten standen. Dem Privatsekretär wird mit dem Archivratstitel ohne Anstellung der Weg in die weite Welt gezeigt und Helma von Windegg sucht

Gegner keineswegs überschätzen wollen, unser Urteil nach Möglich keit auf Tatsachen und zwar auf solchen Tatsachen aufbauen sollten, deren Wirksamleit wir genau seststellen und einer Analyse unter⸗ ziehen können. Nach allen Nachrichten, die uns über die Teuerung in England aus den verschiedensten Gebieten zugegangen sind, müssen wir zu dem Schlusse kommen, daß die Engländer auf das schwerste unter der Wirtschaftslage des Krieges leiden. Wenn irgend ein Fachblatt auf Objektivität in volkswirtschaftlichen Dingen in England Anspruch erheben kann, so ist es derCconomist. Dieser nun schreibt am 27.11. 15, daß nach Maßgabe der Index⸗Ziffern die Kosten der Lebenshaltung um 50 Prozent ge⸗ stiegen seien, während möglicherweise der Durchschnitt der Löhne in allen Privatindustrien etwas über 20 Prozent gestiegen sei. Nun bleibt aber ferner zu bedenken, daß die Index⸗Ziffern ein zusammengewürfeltes Bild der verschiedensten ahrungs⸗ und Genußmittel enthalten, während es im Kriege an⸗ gesichts der allgemeinen Teuerung für den Arbeiter doch in erster zinie darauf ankommt, die wichtigsten Nahrungsmittel zu ange⸗ messenen Preisen kaufen zu können. Hält man also der etwas über 20 Prozent betragenden Lohnerhöhung die Tatsache gegenüber, daß von den wichtigsten Nahrungsmitteln des Engländers die meisten, nämlich Weizenbrot, Weizenmehl, eingeführtes Fleisch, Fische und Zucker zum Teil weit über 50 Prozent, teilweise über 100 Proz. im Preise gestiegen sind, so ergibt sich ein erheblich un⸗

günstigeres Bild als bei bloßer Heranziehung der e Im übrigen aber darf auch nicht vergessen werden, daß die Wohnungs⸗

mieten in England während des Krieges gestiegen sind, was eben⸗ falls eine erhebliche Belastung für das Budget des arbeitenden Mannes bedeutet. In den schottischen Industriebezirken ist nach Angabe desEconomist vom 20. November 1915 eine Steige⸗ rung der Mietspreise von 5,67 Prozent im Durchschnitt zu ver⸗ zeichnen gewesen. Die Eigentümer der Häuser behaupten, daß eine 10prozentige Mietserhöhung nötig sei, um die höheren Kosten, die ihnen seit Kriegsausbruch der seien, auszugleichen. So zieht also die Steigerung der Preise der Nahrungsmittel und Rohstoffe andere Preiherhöhungen nach sich. Welche Wirkung aber diese Ver⸗ hältnisse letzten Endes auf die englische Bevölkerung haben werden, läßt sich natürlich nicht sagen: denn auch die Engländer zeigen ein großes Maß von Widerstandsfähigkeit in diesem Kriege. Aber des⸗ halb darf man sich nicht verleiten lassen, die wirtschaft⸗ lichen Schwierigkeiten und sozialen Nöte, welche dieser Krieg Eng⸗ land gebracht hat, in ihren Folgeerscheinungen zu unter⸗ schätzen, zumal da sich diese Schwierigkeiten in letzter Zeit er⸗ heblich verschärft haben. 0

vermischtes.

Der Motor⸗ Millionär und der Friede. Die Persönlichkeit des amerikanischen Automobilkönigs Henry Ford, der es sich in den Koyf gesetzt hat, auf eigene Faust den Frieden zustande zu bringen, ist bereits von einem so umfangreichen und verwirrten Netz von Berichten, Interviews, Schilderungen und Fabeln umgeben, daß es von Interesse erscheint, einmal eine ge⸗ nauere, objektive Charakteristik des Mannes zu geben, der gegen⸗ wärtig an Bord seines FriedensschiffesOskar II. in Gesellschaft von Friedensfanatikern, Laienpolitikern, Phantasten, Suffragetten und Journalisten nach dem kriegerschütterten Europa dampft. Die Karriere Henry Fords ist mit dem Ausdruckecht amerikanisch am besten gekennzeichnet. Aus verhältnismäßig kleinen Anfängen er war ursprünglich Besitzer einer Automobilwerkstätte stieg Ford schnell in die Kreise der hohen Industrie und wurde Begrün⸗ der und Besitzer eines Komplexes der größten Automobilfabriken der Welt, der Ford⸗Motor⸗Company. Das Unternehmen Fords ist technisch und sozial eigenartig gestaltet. Die Arbeitsteilung ist vestlos durchgeführt, so daß je eine Fabrik je einen Bestandteil des Automobils erzeugt und eine besondere Anlage dazu dient, diese einzelnen Teile zum fertigen Wagen zusammenzusetzen. Die soziale Eigenart des Unternehmens besteht in einer besonderen 0 ing, die den Arbeitern neben ihrem Gehalt eine kleine prozentuale Gewinnbeteiligung garantiert. Ford war von jeher in gewissem Sinne ein Phantast, aber einer, dessen Absichten stets gut und gemeinnützig waren. Er war der einzige unter den amerikanischen Großindustriellen, der sich zu wiederholten Malen gegen die amerikanischen Lieferungen von Kriegsmaterial an die Alliierten aussprach, und seine Gesellschaft durfte nur Wagen nach England liefern, wenn der Abnehmer sich verpflichtet hatte, die

Anleihe in Amerika angelegt wurde, gab Ford bekannt, daß er allen Banken, die sich an dieserverdammenswerten Anleihe beteiligten, seine Gelder entziehe. Die Folge davon war ein Ent⸗ rüstungssturm in der englischen Presse, der wieder aufzusprengen. Es gelingt ihnen sogar mehr zu er reichen, als sie selbst geahnt haben. Der Archivrat erhält seine Anstellung, sein Kanzleiratstöchterchen wird bei Hofe zugezogen. Helma von Windegg hat den Triumph, den Adjutanten des Fürsten an sich zu fesseln und den Fürsten selbst in ihrer Teestunde sich einfinden zu sehen, als sie im letzten Augenblick durch großmütiges Verbrennen der Lexikonmemoiren eine Gegenmine des Barons von Gillzingen unschädlich zu machen versteht, der den Fund einer Abschrift der Memoiren vorgegeben hatte.

Es ist schade, daß dieser prachtvolle Einfall nicht allein aus⸗ reichte, einen Abend zu füllen und durch die, allerdings mit köst⸗ licker Charakteristik gezeichneten, wenn auch nicht mehr ganz ori⸗ ginellen Szenen der erbschaftshungrigen Verwandten und im zwei⸗ ten Akte durch eine ausgedehnte Kommissionssitzung künstlich erwei⸗ tert werden mußte. Daß diese Längen bei einem so geschickten Theatermanne, wie Leo Walter Stein, nicht allzu auffällig ge⸗ rieten, ist nicht weiter verwunderlich. Presbers Anteil leuchtet aus manch feingeschliffenem Witzwort, manch burleskem Einfall des Dialoges.

Der großen Anzahl der Auftretenden im einzelnen gerecht zu werden, ist nicht gut möglich, da fast sämtliche Kräfte des Stadttheaters an der Aufführung beteiligt waren. Fast aus⸗ nahmlos kann aber bemerkt werden, daß dieses Stück nicht übel lag und demnach waren die Leistungen zumal voll und ganz anzuerkennen. Anna Rubens als Helma von Windegg hatte ihre Rolle recht sorsch angefaßt und führte ihr Ränkespiel ge⸗ schickt durch. Mit Hilfe ihres Spießgesellen Ernst Theiling als Archivrat gelang es ihr, manche Unwahrscheinlichkeiten unmerklich

en

Maschinen nur zu Privatzwecken zu benutzen. Und als die englische W

darin gipfelte, daß

zu werden verdient, stellt Ernst Steinmann in

wird in Wien in der Porträtsammlung des Erzh nand aufbewahrt. In Deutschland sind nur zwei lungen Michelangelos von künstlerischen rt ve Bronzerelief in Braunschweig und eine Zeichnu

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Samstag, 18. Dezember 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühleschen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrist⸗

leitung: 12. Adresse sür Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.

heute kein englisches Blatt mehr eine Reklame⸗Anzeige der Ford⸗ Gesellschaft annimmt. Da aber die Verbreitung der Ford⸗Auto⸗ mobile in Deutschland sehr gering, in England hingegen außer⸗ ordentlich groß ist, erscheint die Behauptung, Fords Friedensreist diene raffinierten geschäftlichen Zwecken, als durchaus hinfällig. Darum scheint es nicht angebracht, einen Mann, der sich in ge⸗ wissem Sinne gegen unsere Feinde stellte, wegen seines phantasti⸗ schen Unternehmens so völlig ins Lächerliche zu ziehen. Daß die Absichten des Friedenspropagandisten Ford mögen sie noch so

romanhaft in ihrem Beginnen und aussichtslos in ihren Ergeb⸗ nissen sein zumindest ehrliche sind, geht auch aus dem Bilde

hervor, das die gegenwärlig als Friedensrednerin durch Amerika reisende Gattin des durch seine Angriffe auf die englische Regie⸗ rung bekannten Friedenssozialisten Philipp Snowden entwirft: Als ich nach Washinglon lam, um von Präsident Wilson zu einer Unterredung über die eventuellen Möglichkeiten einer internatio⸗ nalen Konferenz empfangen zu werden, wohnte ich einer Versamm⸗ lung der Friedensfreunde bei, in der Henry Ford sprechen sollte. Ich hatte Herrn Ford noch niemals gesehen und war natürlich sehr gespannt. Endlich erschien ein jugendlich und sehr bescheiden aus⸗ sehender Mann, den ich eher für einen jungen Sekretär, als für Ford selbst gehalten hätte. Er schien schüchtern und verlegen, als er seine Rede begann.Freunde, sagte er,ich habe noch niemals in der Oeffentlichkeit gesprochen, und um meine Absichten klar und verständlich darzulegen, kann ich nur das Eine sagen: die Jungens sollen vor Weihnachten aus den Schützengräben heraus sein und nie wieder dahin zurückkehren. Nach diesen kurzen Worten setzte er sich wieder. Ich lernte Ford hierauf persönlich kennen, und er machte mir einen einfachen und ehrlichen Eindruck. Ich glaube nicht, daß er eine Ahnung von den Schwierigkeiten hat, die ihm entgegenstehen. Da ihm alle seine bisherigen Unternehmungen mit Leichtigkeit gelungen sind, meint er, auch diese Angelegenheit müsse sich glatt abwickeln lassen. Jedenfalls ist er bereit, einen Teil seines Vermögens für seine Pläne zu opfern, und dies bedeutet bei Fords Reichtum nicht wenig

CCSSTTSfTTTTTCT.T....

Briefkasten der Redaktion. ([Anouyme Anfragen bleiben unberüasichtigt.) E., Gießen. Laudsturmtauglichkeit. Starkes Unterleibsleiden

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Meleorologische Beobachtungen der Station Gießen.

8 8 e 3 Dez, S Went S. 2 SSS 3 1915( N 5 S 2. 5 2 6 e 555 0 0 2 5 55 11e 40 77 7 Bew. Hünte 9 0,5 4,1937 1 18,7% 390%% 10 Bed. Himme

1 1 16., kf, id Niederschlag: 0,0 mm. 8

Höchste Temperatur am 16. bis 17. Dez. 1915. 6,1 C. Niedrigste 85

½ Flasche M. 1.50 ½ Flasche 85 Pfg. Feldpostpackung ohne Mehr⸗ preis

der neuesten Num⸗ mer der Monatshefte für Kunst⸗Wissenschaft beachtenswerte Unter⸗ suchungen an:Das Bild, das sich noch heute in seinem alten Holzrahmen befindet, ist, nach den Erklärungen des Direktors der Staßtbibliothek in Breslau, Herrn Professor Hippe, der Kirchen⸗ Bibliothek zu St. Maria Magdalena am 23. Oklober 1699 von einem Breslauer Arzte, Doctor medicinae Karl Oehm, dem diese Bibliothek auch andere Gaben verdankt. geschankt worden. Mit der gesamten Kirchen⸗Bibliothek zu St. Maria Magdalena ist das Bild im Jahre 1865 an die Stadtbibliothek gelangt. Es läßt sich vermuten, daß Oehm das Bild auf seinen Studienreisen, die ihn um 1676 nach Frankreich und Italien führten, erworben hat. Ein Porträt von Tizian, das in denselben Abmessungen gehalten ist, wird wohl derselben Zeit zugehören. Das Bildnis Michel⸗ angelos ist in der Größe 15,5, 10 Zentimeter auf ein Pergament⸗ blatt en miniature sehr sorgfältig ausgeführt. Das Gesicht ist gerötet, Bart und Haar stark ergraut, die Zeichnung auf de

schwarzen Gewande ist mit weißen Pinselstrichen angedeutet.

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Der Seltenheitswert des Bildes ist umso größer, als überhaupt nur noch zwei Minigtur⸗Porträts Michelangelos bekannt sind. Das

eine befindet sich in Florenz, im Palazzo Pitti: das anderg

Ferdi⸗

ing von der Han Pessarotis im Weimarer Schloß. Die Gemälde in den Museen von Hannover und Gotha haben wenig künstlerische Bedeutung. Ueber den Ursprung des Breslauer Bildnisses erklärt Steinmann,

man mit tausend kleinen Ränken und Bosheiten den weiteren zu überbrücken. Walter Dworkowski als Oberhofmarschall[ daß die Arbeit auf das Original des Jacopo del Conte. zurüch⸗ Aufenthalt in der Residenz zu verekeln. Schon hat der Privat⸗ milderte klug seine diplomatische Unterlegenheit. Ferdinand geht, das sich in Paris in der Sammlung des Burons du Teil

sekretär sich kampflos ergeben und seine Verlobung mit dem präch⸗ tigen Kanzleiratstöchterchen, das wie eine Wildrose im Treibhause blüht, gelöst und will abziehen. Da fällt die am Geiste der seligen Exzellenz geschulte Helma von Windegg auf die geradezu glän⸗ zende Idee, den schnell verschnürten und versiegelten Meyers Lexr⸗ konband Nr. 14(RotkohlSoxleth) in Anwesenheit des Barons von Gillzingen dem Privatsekretär als die Memoiren der seligen Exzellenz zu ũ ichen, die nunmehr veröffentlicht werden sollen. Die Wirkung im gegnerischen Lager ist fabelhaft. Erst eine pein⸗

liche Ueberraschung, dann ein mehr oder minder geschicktes Um⸗

Steinhofer war ein schneidiger Adjutant, Wilhelm Hell⸗ muh faßte den Oberjägermeister von der gewinnend jovialen Seite und Rudolf Goll arbeitete in seinem Kanzleirat Buxbaum den köstlich typischen Bureaumenschen heraus. Als seine Tochter brachte Else Burghoff einen erfrischenden Lufthauch in die immerhin stockige Hofatmosphäre. 5 5

Direktor Hermann Steingoetter hatte die, zumal in den Gruppenszenen schwierige Regieführung kraftvoll in der Hand und im dritten Aufzuge ein köstliches Bühnenbildchen geschaffen. 225

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befindet. Aber trotz der guten Malerei dürfte das Breslauer Por⸗ trät nicht direkt nach dem übrigens unvollendeten Pariser Original gemalt sein. Aus einem deutlich sichtbaren Stoffaufschlag über dem rechten Oberarm schließt Steinmann auf einen direkten Zusammenhang mit dem einst sehr berühmten, in späterer Zeit aßer in Verlust geratenen Bracci⸗Porträt, das denselben Aufschlag zeigt. Trotzdem scheint der Zusammenhang mit dem genannten Pariser Original erwiesen, da auch das Bracci⸗Porträt nur eine frühere Kopie dieses Originals war. Die Angaben Professor Hip⸗ pels über die Entstehungszeit des Bildchens werden nach Stein⸗

schwenken und Schweifwedeln um die Besitzer des furchtbaren mann durch die Malerei selbst bestätigt. Kopie wird im

Memoirenwerkes, das alle großen und kleinen Sünden der Hof⸗ Ein Bildnis Michelangelos in der Bres⸗ Auftrag Dr. Oehms voraussichtlich in Florenz um die Mitte esellsckaft zutage fördern wird. Es ist ergötzlich, wie die beiden lauer Sadtbibliothek. Auch in den Kreisen gut unterrichte⸗ des Seicento ausgeführt worden sein. Ein handschriftlich auf die A die Angst und Neugierde auf der einen Seite und die ter Kunstfreunde dürfte die Tatsache nur wenig bekannt sein, daß] Röckleite hingeworfener Name vielleicht der des K 1

überlegenen Bosheiten auf der anderen Seite gegeneinander aus⸗ in der St bibliothek zu Breslau eine Porträtdarstellung Michel⸗swar nicht zu entziffern. Die in feinen Goldbuchsta a hrte

espielt haben und es den beiden Ausgestoßenen mit Meyer angelos wahrt wird, ies der wenigen Bildnisse vo Michele] Ausschrift lautet: Michel⸗Angelvs. Bonarotvs. Pictor. Statv. et ke 14 ermöglichen, wie mit einer zaubermächtigen Mandragora⸗ angelv, oe wir in Deut schland besitzen. Ueber die Herlanft des Archi. Flor. f 7 zel sich den schon versperrten Eintritt in die Hofgesellschaft J Bildes, das eine der besten Darstellungen Michelangelos genannt N