Nr. 292 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; zweimal wöchentl. Kreis⸗ blatt für den kreis Hießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche öeitfragen Jerusprech⸗ Anschlüsse
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Samstag, II. Dezember 1015
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Eine schwere Niederlage der Franzosen und Engländer
) Großes Hauptquartier, 10. Dezember.
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(Amtlich.)
a Westlicher Kriegsschauplatz.
Französische Handgranatenangriffe gegen unsere neue Stellung auf Höhe 193 nordöstlich von Souain wurden abgewiesen.
Sonst hat sich bei stürmischem Regenwetter nichts von Bedeutung ereignet. ö
Oestlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. 1 f Balkan⸗Kriegsschauplatz.
Die Armee des Generals v. Köveß hat in den letzten beiden Tagen etwa eintausendzweihundert Gefangene ein⸗ gebracht.
Bei der Armee des Generals v. Gallwitz keine wesent⸗ lichen Ereignisse.
Die bulgarischen Truppen haben südlich von Stru⸗ mitza den Engländern zehn Geschütze abge— nommen.
5 Oberste Heeresleitung. .
Was uns gestern unser deutscher Tagesbericht kurz andeutete, findet heute im neuesten amtlichen Bericht unserer bulgarischen Verbündeten volle Bestätigung. Die Niederlage der Feinde ist größer und entscheidender, als man an⸗ nehmen konnte. Die tapferen Bulgaren haben das fran⸗ zösisch⸗englische Heer bis unmittelbar an die griechische Grenze zurückgeworfen, und jetzt wird vielleicht die ent⸗ scheidende Stunde auch für Griechenland schlagen, das nach einer neuwesten Meldung vorläufig dem feindlichen Mächte⸗ verbande wieder eine ruhige,„freundschaftliche“ Antwort erteilt hat. Die„Entente“ befindet sich jedoch in den größten Verlegenheiten, wenn dies auch aus ihren äußerlichen Kundgebungen nicht recht hervorzugehen scheint. So wird 3. B. wieder einmal demonstrativ in der englisch⸗französi⸗ schen Presse verkündet, der neueste Kriegsrat habe be⸗ schlossen, die Front bei Saloniki unter keinen Umständen aufzugeben. Man will sich demnach aufs Abwarten verlegen, will sehen, ob die Bulgaren an der griechischen Grenze halt
machen. Es mag sein, daß die trügerischen Hoffnungen der Bedrücker eines freien, neutralen Staates recht bald ver⸗ fliegen werden. Die Sicherheit des englisch-französischen Heeres hinter der griechischen Grenze ist absolut nicht ver⸗ bürgt. Welch eine beschämend klägliche Rolle würde übrigens das vereinigte Heer der stolzen Großmächte spielen, wenn es hinter dem griechischen Busch ängstlich Zuflucht suchte und dabei gleichzeitig fortfahren würde, mit seinen Beschützern einen süßlich⸗bitteren Notenwechsel zu führen, wie er in den letzten Wochen nicht nur jeden gesunden Geschmack, sondern auch jedes Rechts⸗ und Staatsgefühl der Zuschauer ver⸗ letzt hat! i
Die englisch⸗französische Niederlage am Vardar ähnelt außerordentlich der englischen Schlappe in Mesopotamien. Auch an der Grenze Mazedoniens handelt es sich um stark befestigte und von langer Hand vorbereitete Stellungen, die von den Bulgaren in stürmischem Draufgehen genommen worden sind. Man kann die Angaben in dem bulgarischen Heeresbericht annähernd auf der Kartenskizze verfolgen, die wir am Donnerstag wiedergegeben haben. Im deutschen Heeresbericht war gestern nur von einer Schlappe der Eng⸗ länder die Rede, heute erfahren wir, daß zunächst die Fran⸗ zosen an der Front Petrowo—Mirowa schwere Schläge be— kommen hatten. Auf der Flucht haben sie sich sodann noch mehrmals zum Kampfe gestellt, wobei sie immer wieder mit schweren, blutigen Verlusten zurückgeworfen worden sind. Ihre Niederlage ist so groß, daß einzelne ihrer Ab⸗ teilungen zerstreut und erschöpft in den Berglanden umher⸗ irren. Zum Schluß haben aber auch die Engländer das bulgarische Schwert zu fühlen bekommen! Auf der Linie Protan⸗Memioli⸗Kajani wurde die vorläufige Entscheidung erkämpft. 400 Engländer wurden dabei gefangen genommen, 10 Geschütze mit ihren Munitions- wagen erbeutet! Zwischen der griechischen Grenze und der bulgarischen Front liegt jetzt nur noch eine Zone von knapp 20 Kilometer Breite! Dürfen die Engländer und Franzosen hoffen, ihre Niederlage in Mazedonien jemals wieder wett zu machen?
Kämpfe dauern noch aan
im Vardar⸗Cale.
Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht.
Wien, 10. Dez.(TB. Nichtamtlich.) Amtli wird verlautbart: 10. Dezember 915. 8 85 9
N Russischer Kriegsschauplatz. Stellenweise unbedeutende Aufklärungskämpfe. Sonst Ruhe an der Front.
Italienischer Kriegsschauplatz.
, An der küstenländischen Front herrschte gestern, von Artilleriefeuer und kleineren Unternehmungen abgesehen, Ruhe. Die Tätigkeit des Feindes vor den befestigten Räu⸗ men von Lardaro und Riva hält an. Nachmittags griff italienische Infanterie unsere Stellungen anf dem Monte Vies und westlich davon(wischen Chiese⸗ und Concei⸗Tal) geichlag wurden unter schweren Verlusten vollständig zurück⸗ e en.
Südöstlicher Kriegsschauplatz. Südlich der montenegrinischen Nordgrenze werden die Verfolgungskümpfe fortgeführt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
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Die Siege der Bulgaren. Der neue amtliche bulgarische Bericht.
Sofia, 10. Dezember.(WTB. Nichtamtlich.) Amt⸗ licher Bericht vom 8. Dezember. Die Verfolgung der englisch⸗französischen Truppen hält auf den beiden Ufern des Vardar und des Flusses Kostorino gegen Godrowa hin an. Unsere Truppen haben im Laufe dieses Tages wichtige Ergehnisse erzielt. Nach der schon gemeldeten Nieder⸗ lage der französischen Bataillone bei Petrowo am 6. Dezbr. zogen die Franzosen in der Umgebung von Petrowo einen Teil ihrer Truppen zusammen, die sich aus der Richtung Demirkapn her im Rückzuge befanden und ließen auch dorthin Truppen aus der Gegend von Gewgheli heran⸗ holen. Heute früh wurde um 7 Uhr der Kampf auf der Front Petrowo—Mirowea wieder aufgenommen. Nach einem ungestümen Sturmangriff bemüchtigten sich unsere Abteilungen mehrerer hintereinander liegender steiler Höhenstellungen und warfen die Franzosen gegen den Vardar zurück. Die Franzosen gaben ihre Stellungen preis, ergriffen die Flucht und ließen Tote und Ge⸗ fangene zurück, die den 45., 188. und 284. französischen Infanterie⸗Regimentern angehören. Nur schwachen Abteilungen gelang es, sich auf dem Rückzuge zu retten. Unsere Kolonne, die durch die Schlucht des Vardar vorrückt, warf die Nachhut der Franzosen bei dem Dorfe Klisura zurück, folgte in⸗ dessen dem Feind auf den Fersen bis zu dem Dorfe Dawi⸗ dowo und erbeutete dabei zwei Maschinengewehre und machte 100 Mann zu Gefangenen. Viele Franzosen sind in den Bergen zerstrent.
Die Kolonne, die auf dem linken Vardarufer vorgeht, griff überraschend die bei der Mündung des Dolna-Woda⸗ Flusses sich befindlichen Stellungen des Feindes an, die die Franzosen mit zahlreichen Verschanzungen und starken Drahtverhauen stark eingerichtet hatten. Die Franzosen gerieten in Verwirrung und begannen einen sehr ungeordneten Rückzug in Richtung von Gradecz und nahmen in einem furchtbaren Straßenkampf Gradecz selbst. Die Franzosen wurden schließlich um 4½ Uhr morgens ans Gradecz vertrieben und auf Udowoin vollständiger Unordnung und unter Zurücklassung zahlreicher Gefangenen zurückgeworfen. Die Zahl der in diesen Kämpfen ge⸗ fallenen Franzosen ist noch größer, weil es zu zwei Baso⸗ nettangriffen kam. Die Toten und Gefangenen gehören den 244., 371. und 372. französischen Infanterie⸗Regimentern an. Unsere Abteilungen verfolgten die englisch⸗französischen Truppen südlich Kosturino auf Grabowo, Kiri und Valandowo. Nach einem hartnäckigen Kampf, der den ganzen Tag fortdauerte, gelang es unseren Trup⸗ pen, sich der sehr starken englisch⸗französi⸗ schen Stellung auf der Linie Protan— Memi⸗ oli— Kajani bei Petrowo zu bemüchtigen. Die Engländes und Franzosen hatten diese Stellung seit den ersten Tagen ihrer Ausschiffung in Saloniki befestigt und hatten daraus eine Verteidigungslinie ersten Ranges ge⸗
fangenen und eroberten 10 englische Geschütze
zosen tragen als Regimentsnummern die der 175. und 176. Infanterie⸗Regimenter und des 2. Zuaven⸗Regiments. Dit englisch⸗französischen Truppen befinden sich in schleuni⸗ gem Rückzuge südlich der Linie Rabrowo.—Valandowo, jenseits des Kosru⸗Dere. In diesem Abschnitt der Front haben die Engländer und Franzosen außerordentlich schwere Verluste erlitten an Toten sowie an Verwundeten, die sie in der Hast ihres Rückzuges nicht mitnehmen konnten. Die
macht. Wir machten dort 400 Engländer zu Ge⸗ der
mit ihren Munitionswagen. Die gefangenen und toten Fran⸗ Kr
Sofia, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der Vizepräsi⸗ dent der Sobranje, Momtschilow, hat aus Anlaß der großen Erfolge der bulgarischen Armee über die Eng⸗ länder und Franzosen nachstehendes Telegramm an den König gerichtet: i 5
„Nachdem die bulgarische Armee die Heimaterde von der Gegenwart aller Uebeltäter gesäubert hat, empfinden wir aufs tiefste das Glück, vor unseren Truppen auch die stolzen Engländer und Franzosen fliehen zu sehen, die sich noch gestern die Herren der Welt geglaubt. Ich bin stolz,
Bulgare zu sein. Außer mir vor Freude, rufe ich: Es lebe der König des geeinten Bulgariens!“ 5 Berlin, 11. Dez. Wie verschiedene Morgenblätter
melden, tobt seit dem 7. Dezember eine heftige Schlacht an der griechischen Grengz
Ein englischer Vericht über die Kämpfe an der Balkaufront. N London, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das Kriegs⸗ amt teilte gestern mit: Die Bulgaren griffen am 6. Dezember nach heftiger Beschießung unsere Truppen westlich des Doiran⸗ sees an. In unsere vordersten Laufgräben eingedrungene bul⸗
garische Abteilungen wurden sofort mit dem Bajonett vertrieben.
Am 7. Dezember früh griffen die Bulgaren neuerlich an und vertrieben durch ihre Uebermacht unsere Truppen aus ihren Stellungen. Im Schutze der Dunkelheit wurden die Truppen nach einer neuen Stellung zurückgenom⸗ men. Ueber unsere Verluste ist noch nichts bekannt Am 8. Dezember gelang es den britischen Truppen, alle Angriffe ah⸗ zuwehren. Am Abend wurden sie, um den Anschluß an die allgemeine Front zu erhalten, nach neuen Stellungen
zurückgezogen. 5 e
London, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times“ meldet aus Paris, es bestehe Grund anzunehmen, daß der riegsrat der Alliierten beschlossen habe, die Saloniki⸗
Expedition unter keinen Umständen aufzugeben.
Die Haltung Griechenlands.
Athen, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence d' Athenes. Die Regierung beantwortete den freundschaftlichen Schritt des Vierverbandes in dem i chen freundschaftlichen Ton und erneuerte die notwendigen Versicherungen. Die Antwort wurde den Gesandten gestern nachmittag übergeben. b
Grey und Kitchener in Paris.
Paris, 10. Dez.(WDB. Nichtamtlich) Präsidenr Poincars empfing heute vormittag Grey und Kitche⸗ ner, die später mit den Ministern und Unterstaatssekre⸗ tären an einem Frühstück im Elysse teilnahmen.
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* a Der Kaiser an der Strypa.
Berlin, 10. Dez.(WTB. Amtlich.) Der Kaiser hat nach einem kurzen Besuch in Lemberg die Truppen an der Strypa besichtigt.
v. Mackensen in Wien.
Wien, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Am 6. Dezember
weilte Generalfeldmarschall v. Mackensen in Wien, um
dem Kaiser für die ihm verliehenen Brillanten zum Mili⸗ 4
tärverdienstkreuz erster Klasse zu danken.
Wien, 10. Dez. WTB. Nichtamtlich.) Ueber den Aufenthalt des Generalfeldmarschalls von Mackensen in Wien meldet die „Neue Freie Presse“: Nach der Audienz beim Kaiser, welche eine halbe Stunde währte, besuchbe der Generalfeldmarschall den Chef der Militärkanzlei des Kaisers, Generaladjutanten Freiherrn von Bolfras. Er empfing sodann den Besuch des Kriegsministers von Krobatin und nahm hierauf das Frühstück bei dem deutschen Botschafter ein. Um 5 Uhr nachmittags fand in Schönbrunn eine Tafel statt, an der der Generalfeldmarschall teilnahm. Er saß zur Rechten des Kaisers, der sich in sehr angeregter Weise mit dem deutschen Heerführer unterhielt. Auch nach der Tafel setzte der
Kaiser noch einige Zeit in huldvollster Weise die Unterhaltung mil
dem Generalfeldmarschall von Mackensen fort und schüttelte ihm
bei der Verabschiedung herzlich die Hand. Der Generalfeldmarschall 5
verließ Wien am selben Abend.
Eine Kundgebung der Triester Handels⸗ und Gewerbekammer. Wien, 10, Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Die Triester Hans dels⸗ und Gewerbekammer hat eine Kundgebung an⸗ genommen, in der sie sich für eine wirtschaftliche An⸗
näherung und Zusammenarbeit mit dem Deutschen Reiche
in der Zoll⸗, Verkehrs⸗, Handels⸗ und Industriepolitik, wie in der Verwaltung und Gesetzgebung ausspricht und die Notwendigkeit betont, daß die Grundlagen gegenseitiger wirtschaftlicher Be⸗ ziehungen sowohl zwischen Oesterreich und Ungarn, als zwischen der Monarchie und dem Deutschen Reiche durch langfristige Ver⸗ träge gesichert werden. Eingedenk des gr Aufschwunges, den Reichshafen Triest durch eine weitgehende Fürsorge der Re⸗ gierung und der gesetzgebenden Körperschaften des Reiches vor dem
riege genommen hat, erklärt es die Handelskammer als ihrt Pflicht, nach Beendigung des Krieges mit allen Kräften beizu⸗
Triest einen noch weit erheblicheren Anteil des Orientverkehrs
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