Ausgabe 
(9.12.1915) 290. Erstes Blatt
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Griechenland augenblicklich mit Schwierigleiten kämpft, auf

und Deutschland suchen müsse. Das war die zur Ueberlieferung allem die Politik des größten Staatsmannes, der bisher

Bombenwerferstellung. Bei Sedd ül Bahr ziemlich heftsges feindliches Feuer mit Geschützen, Bombenwerfern und Lufttorpe⸗ 5 Unsere Artillerie erwiderte und brachte dieses Feuer zum Schweigen.

Von den anderen Fronten ist nichts zu melden.

Konstantinopel, 8. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einem Telegramm aus Bagdad erbeuteten die unter dem tuͤr⸗ kischen Befehl stehenden Krieger zwischen Kermanschah und Sirma in Persien drei Maschinengewehre, und machten 300 Kosaken unter dem Befehl des Offiziers Samanteff zu Gefangenen. Die Blätter besprechen die von den türkischen Truppen im Irak errungenen großartigen Siege und weisen auf die große

Bedeutung, insbesondere auf die moralische Wirkung hin. Der Tanin schreibt: Diese Siege stellen einen viel versprechen⸗ den Anfang der neuen Phase des Krieges dar, dessen Schwer⸗ punkt sich mehr und mehr nach Osten verschiebt.

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Graf Tisza über die Baltanlage.

Budapest, 8. Dez.(WTB Nichtamtlich.) Abgeord⸗ netenhaus. Ministerpräsident Graf Tisza äußerte über die Balkan verhältnisse: Sicherlich erwartet das Haus nicht, daß ich mich jetzt mit der griechischen Frage eingehender befasse, da

die jede Regierungserklärung nur störend einwirlen könnte. Wir müssen in vollem Maße Griechenlands jetzige schwierige Lage be⸗ rücksichtigen. Andererseits müssen wir den Ereignissen eine solche Richtung geben, daß Griechenland in der Friedensarbeit eine Stel⸗ lung einnehmen kann, die ihm naturgemäß gebührt.(Allgemeine, lebhafte Zustimmung.) Andererseits glaube ich, kann man den An⸗ schluß Bulgariens an das zentraleuropäische Bündnis auch in Rumänien ohne jedes Bedenken aufnehmen. Ich glaube, die große Mehrheit der ungarischen öffentlichen Meinung und ich jedenfalls hatten die natürliche Orientierung Rumäniens so beur⸗ teilt, daß Rumänien gegenüber der drohenden größten Gefahr einer russischen Expansion die Wahrung seiner Interessen und die Bürg⸗ schaften seiner Sicherheit in einem Bündnis mit der Monarchie

großen rumänischen Staatsmänner, 5

8 Schicksal Rumäniens in Händen hatte, die Politik des hochseligen Königs Karol. Ich werde mich jetzt insbesondere von diesem Platze aus jeder Kritik enthalten. Aber wenn ich die einfache Tatsache feststelle, daß leider in der letzten Zeit diese Politik zu schwanken

ien, daß in Rumänien auch eutgegengesetzte Strömungen auf⸗

Politik

fassung von vielen hätte nehmen sollen, so enthalte ich mich damit jeder Kritik. Es ist schließlich Sache Rumäniens, zu beurteilen, wem es sich im eigenen Interesse anschließen soll. Wir können mit vollkommener Seelenruhe dem Entschlusse Rumäniens entgegensehen, die einerseits das Bewußt⸗ sein gibt, daß zwischen uns und Rumänien eine Gemeinsamkeit wohlverstandener Interessen besteht, andererseitg das sichere Bewußtsein, daß, wie Rumäniens Ent⸗ schluß ausfallen möge, dieser kñeinen entscheiden⸗ den Einfluß auf das Schicksal der Monarchie aus⸗ üben wird.(Lebhafte Zustimmung.) Wir halten an der Auf⸗ fassung fest, daß Rumäniens natürlicher Platz an unserer Seite und im Bündnisse mit uns ist. Wir richten demgemäß unsere Po⸗ litik gegenüber Rumänien ein. Aber wir überlassen es vollständig den politischen Führern des unabhängigen rumänischen Staates, ob sie sich auf diesen Standpunkt stellen und Folgerungen daraus ziehen. wollen oder nicht. Jedenfalls erhöht die Verbindung, die der Bund der beiden mitteleuropäischen Mächte mit Bulgarien und der Türkei einging, den Wert unseres Bündnisses für Rumänien. Denn diese Verbindung gewährt Rumänien an seiner südöstlichen und südlichen Grenze vollkommene Sicherheit, wenn es sich uns anschließen würde. Andererseits bringt sie die Monarchie in die Lage, daß wir mit vollkommener Seelenruhe den künftigen Er⸗ eignissen entgegensehen können.(Zustimmung vechts.))

Tisza wendet sich dann gegen die Acußerung des Grafen Karolhi und erklärt entschieden, er könne die Bemerkung, es sei zweifelhaft, wer den Krieg begonnen habe. nicht unter⸗ schreiben. Die Monarchie sei zweifellos dem Verteidigungs⸗ charakter des Bündnisses treu geblieben. Die Aeußerungen der Ententepresse würden selbst zeigen, daß man auch auf geg⸗ nerischer Seite den Zweibund nicht eines 9 babe be⸗ schuldigen können, nachdem die Monarchie bei Kriegsbeginn als der zweite kranke Mann in Europa hingestellt und ihre Zurück⸗ stellung als eines der Kriegsziele der Entente bezeichnet wurde. Niemals habe es einen gerechteren Existenzkampf gegeben, einen gerechteren Selbstverteidigungskrieg, als den gegenwärtigen. Ueber die Frage des Friedensschlusses sagte Tisza: Wann der Friede zustande kommt, hängt ausschließlich von un⸗ seren Feinden ab. Je später die Feinde zu der. kommen, daß ein weiteres Kriegführen nur ein zweckloses un verbrecherisches Blutvergießen ist, je größere Siege werden wir ernten, bis diese Ueberzeugung eintritt, und je größer die Opfer sein werden, die der Krieg auferlegt, umso schwerer werden für unsere Feinde die Friedensbedingungen sein.(Zustimmung rechts und in der Mitte.)

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Die Botschaft des Präsidenten Wilson.

des Reuterschen Buveaus Die Botschaft des Präsidenten Wilson an den Kongreß spricht sich in sehr heftigen Worten über Komplotte in den Vereinigten Staaten aus. Wilson beschuldigt Deutschland zwar nicht direkt, für die Komplotte verant⸗ wortlich zu sein, spielt aber in allgemeinen Ausdrücken darauf an. Der Präsident sagt, er glaube nicht, daß eine unmittelbare Gefahr für die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu anderen Ländern bestehe. Er fährt fort:Ich muß leider mitteilen, daß die schwersten Drohungen gegen den nationalen Frieden und die Sicherheit innerhalb unserer eigenen Grenzen ausge prochen wor⸗ den sind. Zu meinem Bedauern muß ich zugeben, daß Bürger, die unter anderen Flaggen geboren wurden, aber in Amerika natu⸗ ralisiert wurden, die Autorität und den guten Namen der Regie⸗ rung in Verruf zu bringen und unsere Industrie zu vernichten suchten, wo sie es als im Interesse ihrer Rachgier gelegen betrach⸗ teten, daß sie versuchten, gegen sie Schläge zu führen und unsere politischen Bestrebungen ausländischen Intriguen unterzuordnen. Obwohl die Zahl dieser Personen im ergleich zu anderen Fremden und Einwanderern gering sei, haben sie die Vereinigten Staaten doch zu energischen Maßnahmen gezwungen. Amerika habe niemals erwartet, daß Männer deutschen Ur⸗ sprungs, welche bei der Erfüllung ihrer Untertanenpflicht so viele Freiheiten genießen, in böswilliger Absicht sich gegen eine Regierung und ein Volk wenden würden, das sie willkommen hieß und ernährt. Der Präsident fordert den Kongreß auf, Gesetze zu schaffen, die eine ausreichende Bürgschaft gegen dieses Uebel bieten. Solche von Leidenschaft und Treulosigkeit erfüllten anar⸗ chistischen Kreaturen müßten vernichtet werden. Weiter heißt es in der Botschaft: Ich wollte, es könnte ge⸗ sagt werden, daß nur einige Männer durch falsche Gefühle zu einer Ergebenheit gegenüber den Regierungen, unter denen sie geboren wurden, verleitet worden sind, und sich der irrtümlichen Auf⸗ fassung der Prinzipien dieses Landes schuldig gemacht haben.

. f. zutauchen begannen, und daß infolgedessen Rumänien nicht den Aber

Alatz in diesem Weltkriege eingenommen hat, den es nach der Auf⸗

viele unter uns und zahlreiche Personen im Auslande haben, obwohl sie in den Vereinigten Staaten geboren und erzogen wur⸗

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Washington, 8. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung A

den. sich und ihre Ehre als Bürger so weit ihrer Sympathie mit der einen oder anderen Partei europäischen Kriege leidenschaftlich Ausdruck gegeden haben, und soweit gingen, selbst Treulosigkeit zu predigen. Ich kann nicht von den anderen sprechen, ohne auch diese zu erwähnen, um dem Gefühle nach tieferer Erniedrigung und Entrüstung Ausdruck zu geben, das jeden Patrioten erfüllen muß, wenn er an diese Dinge und an den Mißkredit denkt, in den uns diese Leute bringen. Der Präsident erklärte hierauf die Neutralitätspolitik der Vereinigten Staaten und sagte: Der zerstörende soll um⸗ grenzt bleiben. Ein Teil der großen Familie der Vo sollte den Friedensprotest aufrecht erhalten, schon um einen allgemeinen wirtschaftlichen Ruin zu verhindern. 75 8

Ueber die Monroe⸗Doktrin heißt es:Wir halten un⸗ erschütterlich fest an ihrem Geiste. Im Falle Mexikos haben wir die Probe darauf bestanden. Gerade weil wir eine unbelästigt Entwicklung und eine ungestörte Regierung unseren eigenen Grundsätzen von Recht und Freiheit verlangen, sind wir gegen jede Einmengung, von welcher Seite immer sie kommen möge, in unseren Anschauungen. Wir wollen kein stehendes Heer erhalten, außer in einem Umfange, den unsere Erfordernisse in friedlichen und kriegerischen Zeiten verlangen. Der Präsident betonte so⸗ dann die Notwendigkeit einer genügend großen Handelsflotte.

*** Eine deutsche Denkschrift au die englische Regierung.

DieNordd. Allg. Ztg. teilt mit, daß die deutsche Regierung, die vor kurzem die bekannten amerika⸗ nischen Zeugenaussagen in derBaralong⸗Sache(Ermor⸗ dung der Besatzung eines deutschen U Bootes durch den Kommandanten des britischen HilfskreuzersBaralong) auf dem Amtswege erhalten hat, dem amerikanischen Bot⸗ schafter eine an die englische Regierung gerich⸗ tete Denkschrift übergeben hat, in der es zum Schlusse

heißt: Zweifel

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Auf Grund des vorstehenden Materials kann es keinem unterliegen, daß der Kommandant des britischen Hilfskreuzers Baralong Me Bride, der ihm unterstellten Mannschaft den Befehl gegeben hat, hilf⸗ und wehrlose deutsche See⸗ leute nicht zu Gefangenen zu machen, sondern sie feige zwer⸗ morden, sowie, daß seine Mannschaft den Befehl befolgt und sich dadurch des Mordes mitschuldig gemacht hat. Die deutsche Re⸗ gierung teilt diese furchtbare Tat der britischen Regierung mit und nimmt bestimmt an, daß diese, nachdem sie von dem Sach⸗ verhalt und den anliegenden Verhandlungen Kenntnis genommen bat, unverzüglich den Kommandanten und die beteiligte Mannschaft des HilfskreuzersBaralong wegen Mordes zur Ver⸗ antwortung zie hen und nach den Kriegsgesetzen bestrafen wird. Sie erwartek in kürzester Frist eine

eußerung der britischen Regierung, daß diese ein Verfahren zur Sühnung des empövenden Vorfalles eingeleitet hat; demnächst erwartet sie eine eingehende Aeußerung über das Er⸗ gebnis des nach Möglichkeit zu beschleunigenden Verfahrens, um sich selbst davon überzeugen zu können, daß die Tat durch eine ihrer Schwere entsprechende Strafe geahndet worden ist. Sollte sie sich in ihrer Erwartung täuschen, so würde sie sich zu schwerwiegenden Entschließungen wegen der Ver⸗ geltung eines ungefühnken Verbrechens ge⸗ nötigt sehen. a

Es ist sehr zu begrüßen, daß unsere ee so fest und entschlossen auftritt, um Sühne für die schmähliche Ermordung deutscher Seeleute zu schaffen.

Die Herbine von Loos.

Berlin, 8. Dez.(WTB. Nichtamtlich. deutsche Allg. Zeitung schreibt unter dem 5 losigkeiten unserer Feinde u. a.: An dieser Stelle wurde bereits kürzlich der schamlosen Verherrlichung derH ero⸗ ine von Loos gedacht, die die Franzosen jenem 17jäh⸗ rigen französischen Metchen dafür zuteil werden lassen, daß sie bei den Kämpfen um Loos in der Mitte englischer Soldatenmit eigener Hand fünf deutsche Soldaten tötete. DasJournal Officiell bringt einen Tagesbefehl, in dem das Mädchen für die wunderbare Heldentat feierlich belobt wird; erwähnt wird dabei noch, daß dieAußergefecht⸗ setzung von deutschen Soldaten mit Hilfe einiger englischer Sanitätssoldaten vor sich gegangen sei. Gleichzeitig melden zahlreiche französische Zeitungen die Verleihung des Kriegs⸗ kreuzes an die Heroine. Präsident Poincars selbst hat es sich nicht nehmen lassen, das Mädchen empfangen. Damit erfährt also dieser neue Fall einer e Verletz⸗ ung des Völkerrechts in aller Form die amtliche Billigung. Wir wissen nun, was wir in dieser Hinsicht von französischer Seite künftig zu erwarten haben. Gleicher⸗ maßen werden aber auch die Neutralen ermessen, was es mit den von unseren Feinden in Pacht genommenen Grund⸗ sätzen von Recht, Zivilisation usw. in Wahrheit auf sich hat. DasBerner Tageblatt bekennt in seiner Nummer vom 1. Dezember offen: Begreiflich ist, wenn von deutscher Seite gegen diese Art Teilnahme von Zivilpersonen Ein⸗ sprache erhoben wird und wenn solche irregulären Kämpfer, wenn sie in die Hände der deutschen Truppen fallen, un⸗ erbittlich erschossen werden. Die Teilnahme englischer Sanitäter an der Ermordung deutscher Sol⸗ daten ist ebenfalls ein dunkler Punkt. Offenbar haben die deutschen Kämpfer das Mädchen, weil es sich ihnen neben Sanitätsmannschaften 1 für alt en sie mußten ihren guten Glauben mit dem Leben bezahlen. Solche Dinge sind eine wirkliche Barbarei und unse⸗ rer modernen Kriegsführung unwürdig. Anders können Neutrale nicht urteilen. a

3 Der Seekrieg.

New Vork, 8. Dez(WTB. Nichtamtlich.) Dem Reuter⸗ schen Bureau wird aus Rom gemeldet: Der amerikanische TankdampferCommuniparo ist bei Tripolis ver⸗ senkt worden Ueber das Schicksal der Besatzung und die Nu⸗ tionalität des U-Bootes ist nichts bekannt.(Falls die Nachricht zu⸗ 5 wird das Schiff Oel, also Konterbande, an Bord gehabt

0 London, 8. Dez(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reu⸗ terschen Bureaus: DerDaily Telegraph erfährt, daß der briti⸗ sche DampferCommodore versenkt wurde.(lt Mann von der Besatzung ist ertrunken.

Aus dem Reiche.

Eine neue 10⸗Milliarden⸗Kreditvorlage.

Berlin, 9. Dez. Bei der neuen 10 Milliarden⸗ Kreditvorlage handelt es sich, wie in verschiedenen Morgenblättern gesagt wird, um eine vorsorgende Maß⸗ nah mit Rücksicht darauf, daß der nächste Tagungs⸗ abschutt des Reichstages erstim März 1916 zu erwarten sein dürfte. Im übrigen sei es gut, so heißt es in den Vossischen Zeitung, unseren Feinden durch die neue 10⸗Milliarden⸗Bewilligung schon jetzt vor Augen zu führen, daß es Schwierigkeiten firmen Art für uns in diesem Kriege nicht gibt und nicht geben wird.

Eine neue Bundesratsverordnung über den Verkehr 5 mit Butter.

Berlin, 8. Dez.(WTB. Amtlich.) Der Bundesrat beschloß in seiner Sitzung vom 8. Dezember eine Verordnung über den Verkehrmit Butter. Die Verordnung bezweckt

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in der Hauptsache, einen Ausgleich zwischen Butterüber⸗

großen