Ausgabe 
(8.12.1915) 289. Zweites Blatt
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Ur. 289 Erscheint kläglich mit Ausnahme des Somtags.

DieGießener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

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Der heldenkampf in Deutsch⸗Ost.

In den letzten amtlichen Mitteilungen über die Kämpfe in Deutsch⸗Ostafrika ist die erfreuliche Tatsache festgestellt worden, daß es unseren Feinden auch weiterhin noch nicht gelungen ist, auf deutschem Boden festen Fuß zu fassen; wir sehen im Gegenteil, wie sich die meisten der Kämpfe auf feindlichem Gebiet abspielen, in das einzelne Abteilungen der Schutztruppe sogar auf größere Entfernungen vor⸗ gestoßen sind. 0

Es liegt in der Natur der Sache, wenn wir den helden⸗ mütigen Kampf unserer Braven in Deutsch-Ostafrika mit ganz besonderem Interesse begleiten, denn es handelt sich hierbei unverkennbar nicht nur um die Absicht des perfiden Albions, Kompensationsobjekte in die Hand zu bekommen, sondern um viel weitergehende Pläne, die England bei diesem Weltkrieg auf Kosten des deutschen Kolonialbesitzes, aber auch zugleich zu Ungunsten sämtlicher anderer Konkurrenten in Afrika und Asien, die eigenen Bundesgenossen nicht aus⸗ geschlossen, verfolgt. Dieser Plan ging, wie das ja von dem Teil der englischen Presse, der sich für das Ziel einesGreater

Britain begeistert, wiederholt offen verkündet wurde, dahin,

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in Afrika und Asien ein gewaltiges und geschlossenes Ko⸗ lonialreich zu schaffen unter Aufsaugung aller der Gebiete, die dort noch in fremdem Besitz sind, und mit dem Endziet, dem Zarenreiche wie dem eines Tages doch noch erwachenden Ching eine starke Landmacht entgegenstellen zu können, die dem britischen Imperium bis jetzt noch mangelt. Was den portugiesischen Besitz in Afrika betrifft, so hoffte und hofft man in England noch, daß er ihm einst als reife Frucht ganz von selbst zufallen werde. Deutsch⸗Südwestafrika ist durch den Raubzug der Buren an diese gefallen. Ob freilich John Bull in den Genuß dieses Besitzes kommen wird, kann aus den verschiedensten Gründen recht fraglich sein. Jetzt geht es den Engländern in Afrika vor allen Dingen um das wertvolle Deutsch⸗Ost und in Asien in erster Linie um die Gebiete am persisch⸗arabischen Meerbusen und an der Küste von Süd⸗ arabien. Der Vorstoß der englisch-indischen Truppen einer⸗ seits auf Ostafrika und andererseits ins Irakgebiet, wo sie schon bis in die Nähe von Bagdad gedrungen waren, galt demselben Ziel, nämlich derAbrundung des englischen Kolonialbesitzes zu dem Endzweck, damit die bedrohte Herr⸗ schaft in Indien gegen jeden Angriff sicher zu stellen, vor allem auch gegen den von japanischer Seite. Denn die Hilfsbereitschaft der Japs, den Schutzmann Indiens zu spie⸗ len, hat in der Downingstreet nur den Argwohn bestätigt, den man dort schon längst gegen denAlliierten hegte. Nun steht es freilich mit dem englischen Kolonialfeldzug nicht besser als mit dem auf dem Balkan, wo es in Saloniki ebenso schief 55 wie an den Dardanellen, und auf dem französischen Kriegsschauplatz, wo der positive Gewinn nur in Calais besteht. Der Feldzug gegen Deutsch⸗Ostafrika hat sogar nach britischem Eingeständnis zu schweren Schlappen geführt, und an der Irakfront haben die Engländer eine ge⸗ radezu vernichtende Niederlage erlitten. Beide Ereignisse stehen, wie wir schon zeigten, in enger Wechselwirkung, und bei beiden spielt auch die islamitische Bewegung, die Ver⸗ kündung des Dschihad eine wichtige Rolle. Der von Bri⸗ tisch⸗Ostafrika unternommene Vorstoß gegen Deutsch⸗ Ostafrika wird schon dadurch gelähmt, daß die gesamten, sehr starken arabischen Elemente im englischen Ostafrika die Ge⸗ folgschaft verweigern, und das gleiche kann in Bezug auf den

angekündigten englisch⸗belgischen Vorstoß aus dem Kongo⸗

gebiet gesagt werden, denn auch dort spielt das Arabertum eine große Rolle. Zwar suchen die Engländer in Britisch⸗ Ostafrika wie im Kongo die mohammedanische Bewegung mit einem wahren Schreckensregiment zu unterdrücken, aber dieser Druck ist nur geeignet, Gegendruck hervorzurufen, und die schwarzen Truppen sollen sich dort bereits entschieden weigern, gegen die Deutschen zu kämpfen.

Wie steht es nun mit dem angekündigten Vorstoß der Buren gegen Deutsch⸗Ostafrika? Der Renegat Botha, der Büttel Englands, hat erklärt, daß er den Feldzug nicht eher beginnen wolle, als bis er 40 000 Mann beisammen habe. Die dürfte er aber nicht so leicht bekommen, denn bei dem Zug gegen Deutsch⸗Südwest konnte man den Buren noch er⸗

zählen, daß dies ursprünglich ihr Gebiet gewesen sei, da ja Tr Vaya. ⁵ĩ7»˙ꝙÄ... ˙ w

willig in Konzessionen einwilligen, selbst um den Preis gewisser

berhessen

Mittwoch, 8. Dezember 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrist⸗

leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen.

versprengte Trekburen dort die ersten Ansiedler waren. Deutsch⸗Ost aber sollen die Buren nicht für sich, sondern für die britischen Herren, für die Unterdrücker ihrer Freiheit erobern, und zwar die Buren zusammen mit den Hotten⸗ totten und dem anderen schwarzen Gesindel. Mit diesem Hinweis arbeitet besonders die burische Nationalpartei unter der Führung Herzogs gegen die Anwerbung, die auch des⸗ halb völlig ins Stocken geraten ist. Dazu kommt, daß für das nach Bothas Meinung notwendige Heer von 40000 Mann angesichts der schwierigen Weg- und Verpflegungs⸗ verhältnisse in Ostafrika und des reichlichen Vorkommens der Tsetsefliege, welche die Verwendung von Zugtieren sehr erschwert, ein Heer von weit über hunderttausend Trägern erforderlich wäre. Daß Botha eine solche Armee aufzutreiben vermag, ist höchst unwahrscheinlich. Im übrigen hat der bis⸗ herige, für uns so erfolgreiche Verlauf der Kämpfe in Deutsch⸗ Südost gezeigt, daß die Engländer und ihre farbigen und nichtfarbigen Vasallen sich dort auf einen warmen Empfang gefaßt machen können.

Eine Ausprache des Papftes. Rom, 6. Dez.(Zens. Frkft.) Die Ansprache des Pap⸗ stes bei dem heutigen Konsistorium lautet:

Ehrwürdige Brüder! Die Schwierigkeiten, die uns bisher ver⸗ hindert haben, das heilige Kollegium einzuberufen, sind Euch wohl bekannt, und wenn es nun endlich heute beschieden ist, Euch zahl⸗ reich in diesem edlen Kreise wiederzusehen, so ist das nicht deshalb, weil diese Schwierigkeiten abgenommen hätten, sondern weil wir befürchten, daß eine längere Verzögerung zum Nachteile für den guten Fortgang der Geschäfte der römischen Kurie ausschlagen würde. Zahlreich sind tatsächlich die Lücken, die nach und nach während des letzten Jahres oder im Verlaufe des gegenwärtigen in den Reihen des heiligen Kollegiums entstanden sind. Wenn der Papst jederzeit den Verlust so zahlreicher Ratgeber und seiner so treuen Beistände schmerzlich empfunden hat, so ist das Bedauern darüber umso lebhafter für uns, die wir die Regierung der Kirche in einer der tritischsten Perioden ihrer Geschichte übernehmen mußten.

Trotz den gewaltigen Ruinen, die sich im Verlaufe dieser 16 Monate angehäuft haben, obwohl in den Herzen der Wunsch nach Frieden wächst und obgleich eine so große Anzahl von Familien unter Tränen nach Frieden seufzt, und obgleich wir zu allen Mitteln gegriffen haben, die goeignet sind, in irgendwelcher Weise den Friedensschluß zu beschleunigen und die Zwietracht zu besänftigen, so sehen wir nichts desto weniger diesen verhängnisvollen Krieg mit Wut zu Wasser und zu Lande toben. Andererseits ist das unglückselige Armenien vom voll⸗ ständigen Ruin bedroht. Selbst das Schreiben, das wir am Jahres⸗ tage des Kriegsbeginns an die kriegführenden Völker und ihre Staatshäupter richteten, hat, obschon es eine durchaus achtungs⸗ volle Aufnahme fand, doch nicht die wohltätigen Wirkungen erzielt, die man davon erwarten konnte..

Als Statthalter dessen, der Rex pacificus, der Fürst und der König des Friedens ist, können wir nicht umhin, uns immer mehr ilber Unglück zu erregen, das eine so große Amzahl unserer Söhne betrifft, 1 aufhören, unsere hilfeflehenden Arme zu dem Gott der Erbarmung zu erheben, und ihn aus unserem ganzen Herzen zu beschwören, endlich durch seine Macht diesem blutigen Streit ein Ende zu machen. Und wähvend wir uns, soweit es in unserer Macht steht, dafür verwenden, seine schmerzlichen Folgen durch wohl angebrachte Maßnahmen, die Ihnen wohl bekannt sind, zu mildern, fühlen wir uns durch die Pflicht unserer aposto⸗ lischen Sendung veranlaßt, aufs neue auf dem einzigen Mittel zu bestehen, das schnell das Ende dieses schrecklichen Weltbrands herbei⸗ führen könnte, um einen derartigen Frieden vorzubereiten, wie er von der ganzen Menschheit glühend ersehnt wird, d. h. einen ge⸗ rechten, dauerhaften und nicht für einen Teil der 5 allein Nutzen bringenden Frie⸗

E.

Der Weg, der wahrhaftig zu einem wirklichen Ergebnis führen könnte, ist derjenige, der bereits beschritten und unter derartigen

mständen für gut befunden wurde, derjenige, an den wir in unserem Briefe vom letzten Juli erinnert haben, nämlich, daß in einemdirektenoder indirekten Gedankenaustausch mit einem aufrichtigen Willen und veinen, Gewissen die Ansprüche eines jeden Landes klar dargelegt und gebührend geprüft werden unter Beseitigung der ungerechten und unmöglichen Forderungen und indem man nötigenfalls durch billige Kompensationen und Abmachungen dem Rechnung trägt, das gerecht und möglich ist. Es ist unbedingt notwendig, daß man von der einen Seite sowohl wie von der anderen in einigen Punkten nachgibt, und daß man auf einige der erhofften Vorteile verzichtet. Und jeder müßte gut⸗

Gießener Stadttheater.

Die Großstadtluft. Schwank von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg.

Die Großstadtluft, ein Schwank, der den fruchtbaren Gegen⸗ satz zwischen den lebendurchpulsten Großstadtmenschen und den lebensträgen Kleinstädtern auf Blumenthal und Kadelburg sche Weise ausbeutet, das heißt ohne besondere Tiefe, aber immerhin mit der nötigen Kontrastwirkung. Ein Problem wird zu einem, die Lachmuskeln, aber nicht die Welt erschütternden Schwankeinfall, und es mag noch soviel Mache, Seichtigkeit und falsches Pathos dahinterstecken,Mein Gott, wie der alte Schröter am Schlusse sagt:die Berliner mögen es anstellen, wie sie wollen, am Schlusse kriegen sie einen doch herum. Man muß lachen. Und wenn das auch nicht der einzige Ehrgeiz des Schwankdichters sein kann, die Lachmuskeln um jeden Preis, selbst um den wohlfeilsten in Tätigkeit zu setzen, so trug doch wenigstens dieser Ehrgeiz einen vollen Erfolg davon.

Die Fabel des Stückes: Ingenieur Fritz FlemmingBer⸗ lina der schnodderigsten Art, erhält die Hand der provinzialen Fabrikantentochter Sabine nur unter der Bedingung, daß er nach Ludwigswalde zieht. Er geht darauf ein, und so finden wir ihn in einer Kleinstadt der guten alten Zeit, wie sie sich in denFliegen⸗ den Blättern ihr Weiterleben gesichert hat, wieder. Es kommt zu löstlichen Szenen mit den Vertreterinnen kleinstädtischer Klatsch⸗ sucht, die ihren Höhepunkt erreichen, wenn die Gattin eines be⸗ freundeten Rechtsanwaltes, die ihven Gatten für seine eheliche Un⸗ beständigleit bestrafen will, und ein anderer, etwas beschränkt geckenhafter Berliner Freund in das kleinstädtische Idyll hinein⸗ platzen undGroßstadtluft mit sich bringen. Mit Hilfe des prachtvollen alten Doktors Crusius, der dreißig Jahre lang die Großstadtsehnsucht und den Burschenschastler in sich begraben hatte, kommt es zu einer übermütigen Sektkneiperei, und nun ist es Zeit, daß die harmlosen Konflikte sich in eitel Wohlgefallen auf⸗ zulösen beginnen. Die Versöhnung des Rechtsanwaltes mit seiner Frau ersolgt noch in Ludwigswalde. Der junge Ehemann und der alte Dr. Erusius fliehen vorerst noch, um einen vierten Auf⸗ zug zu ermöglichen, nach Berlin. Was in Ludwigswalde nicht mög⸗ lich war, das muß in Berlin zu machen sein. Die Fabrikanten⸗ kommt nach Berlin nachgereist und der Vater, dem damit

7.

bocht

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Opfer, um nicht por Gott und den Menschen die ungeheure Vere antwortung für die Fortsetzung dieser beispiellosen Schlächterei auf sich zu nehmen, die außerdem, wenn sie noch weiter andauert, für Europa wohl das Zeichen eines Herabsinkens von dem hohen Standpunkte seiner Zivilisation und seines Wohlstandes bedeuten würde, auf den es die christ⸗ liche Religion erhoben hat. Dies sind die Gefühle, die uns beseelen gegenüber dem Krieg angesichts seiner Wirkung auf die Völler, die unglücklicherweise in ihn verwickelt sind. 25 5

Wenn wir dann noch die aus dem europäischen Konflikt entstehenden Unzuträglichkeiten für die katholische Sache und die des Heiligen Stuhles betrachten, so sieht jedermann, wie schwer sie sind, wie sehr sie die Würde des Papstes ver⸗ letzen. Schon wiederholt haben wir, den Spuren unserer Vorgäuger folgend, beklagt, daß die Lage, in der sich der Papst befindet, der⸗ art ist, daß sie ihm nicht die volle Freiheit läßt, die ihm absolut notwendig ist für die Regierung der Kirche. Wer sieht aber nicht, daß diese Tatsache unter den gegenwärtigen Umständen besonders klar zutage tritt? Zweifellos fehlt der gute Wille, die aus diesem Zustande ergebenden Nachteile zu beseitigen, denjeni⸗ gen nicht, welche Italien regieren, aber das gerade zeigt klar, daß die Lage des Papstes von den bürgerlichen Ge⸗ walten abhängt, und daß sie bei einem Wechsel von Personen und Umständen Unannehmlichkeiten und Verschlimmerungen erfahren könnte. Kein vernünftiger Mensch wird behaupten können, daß eine so ungewisse, so von gutem Willen anderer abhängende Stellung gerade diejenige sei, die dem Heiligen apostolischen Stuhle zukomme. Uebrigens konnte nicht vermieden werden, daß durch die Macht der Tatsachen selbst gewisse Unzuträ gli ch⸗ keiten von unbestreitbarem Ernste ihre Betäti⸗ gung fanden; ohne andere Tatsachen zu erwähnen, wollen wir nur bemerken, daß gewisse, bei uns akkreditierte Botschafter oder Gesandte bei uns gezwungen wurden, a b⸗ zureisen, um ihre persönliche Würde und die Rechte ihres Amtes zu wahren, was für den Heiligen Stuhl eine Verringerung seines eigenen und angeborenen Rechtes, ein Versagen der not⸗ wendigen Garantien und gleichzeitig die Entziehung des ge⸗ wöhnlichen Mittels mit sich bringt, dessen er sich zu bedienen pflegte als des bequemsten zur Verhandlung mit den Auswärtigen Regierungen. Und hierzu können wir nicht ohne Schmerz den Verdacht erwähnen, der bei einer der krieg führenden Parteien entstehen konnte, nämlich, daß wir, indem wir aus Notwendigkeit Geschäftsangelegenheiten hand⸗ habten, welche die gegenwärtig mit dieser kriegführenden Partei im Kriege stehenden Völker betraf, uns von nun an nur noch durch die Einflüsterungen derjenigen leiten lassen, welche ihre Stimme bei uns vernehmen lassen können. Was soll man sagen von den wachsenden Schwierigkeiten des Verkehrs zwischen uns und der katholischen Welt, welche Schwierigkeiten uns so große Hindernisse in den Weg legten, um über die Ereignisse ein vollständiges und 5 Urteil zu erlangen, das uns doch so nützlich gewesen wäre

Was wir bisher gesagt haben, muß genügen, wie uns scheint, ehrwürdige Brüder, um Euch zu zeigen, wie unser Kummer von Tag zu Tag wächst, sei es daß wir diese kaum der harbarischsten Jahrhunderte würdige Schlächterei ansehen, sei es, daß wir gleich⸗ zeitig die Lage des Heiligen Stuhles feststellen, die immer schlechter wird. Eurerseits wir sind dessen gewiß, weil Ihr an den Sorgen teilnehmt, die uns Kraft unseres apostolischen Amtes auferlegt sind schließt Ihr Euch dieser zwiefachen Qual unseres Herzens an. Ebenso denken wir, daß das ganze christliche Volk einen Widerhall unseres Schmerzes bildet. Aber warum sollten wir den Mut verlieren, wenn der Fürst der Hirten, Jesus Christus, uns versprochen hat, daß sein Beistand nie seiner Kirche fehlen wird und noch viel weniger in den schwierigsten und stürmischsten Augenblicken? Lassen wir darum unsere vertrauensvollen Gebete zum geliebtesten Erlöser der Menschen emporsteigen, begleitet von Werken der Barmherzigkeit und Bußfertigkeit, damit sein er⸗ barmungsreiches Herz die Leiden abkürzen möge, unter denen sich gegenwärtig die unglückliche Menschheit streitet.

Dic Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise

am 6. Dezember 1915.

Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M.

Fleischpreise in Gießen

Ochsen 1 ee ½ Kg. 120 124 Pf. 138 N

Kälber ½ Kg. Schlachtgew. 102-133 Pf ½ Kg. 120124 Pf.

Schweine 1 Kg Schlachtgew 78.129 Pf 1% Kg 150 00 Pf.

Getreidepreise in Mannheim: Brotpreise in Gießen:

Weizen 100 Kg. 27.00 Mk. Weißbrot 2 Kg. Pf. Roggen 100 Kg. 23.00 Mk. Schwarzbrot 2 Kg. 68 Pf.

muß das Ehepaar in der ihm nun einmal zum Leben erforder⸗ lichenGroßstadtluft belassen, jener Luft, die plötzlich sogar auch das Ehekreuz des Dr. Crusius zu einer weitsichtigeren Lebens⸗ auffassung bekehrt zu haben scheint.

Man sieht, nichts Aufregendes, aber immerhin Stoff zu wir⸗ kungsvoller Situationskomik, Gelegenheit zur Auffrischung un⸗ verwüstlicher komischer Typen und die Möglichkeit, ein paar Hände voll harmloser Scherze einzustreuen.

In der Aufführung selbst, für die Otto Conradr als Spiel⸗ leiter 1 lag Zug und Schneid, wodurch mehrfache Längen des Stückes weniger auffällig wurden. Erust Theiling war zwar etwas weniger Salonberliner, als wohl erforderlich gewesen wäre, im übrigen konnte man die Auffassung seiner Rolle als runde und sichere Leistung wohl anerkennen. Als seine junge Gattin legte es Else Burg hoff darauf an, die ursprüngliche Provinzlerin zu bleiben, deren ungekünstelte Lebendigkeit sie ihrem Berliner wert machte. Ihren Vater stateete W Dworkowski mit der notwendi⸗ gen Portion väterlichen ꝑEgoismus aus und hatte so die Grundnote, auf der sein ganzes Spiel aufgebaut sein muß, um den Eigensinn des Alten erklärlich zu machen. Rechtsanwalt Lenz und Frau fanden in Ferdinand Steinhofer und Anna Rubens geschickte Vertreter, die ihre eheliche Komödie im guten Sinne schwankhaft darzustellen wußten. Mit Dr. Crustus zeichnete Rudolf Goll eine trefflich umrissene Gestalt, der, die Wirkung auch nicht versagt blieb. Else Jüngling als komische Alte, mehrfach sekundiert von Toni Schönke, durfte sich als echte Schwanffigur einige kräftige Un⸗ terstreichungen gestatten. Auch Arthur Eu gens in der Rolle des Gimpels verdiente sich Anerkennung. 5 5

Die Aufnahme des Stückes war sehr beifallsfreudig, die Auf⸗ führung wurde von mancher Lachsalve unterbrochen. Z.

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Die Bewohnbarkeit der Planeten. Der Nobel⸗ preisträger Professor Svante Arrhenius dessen Bücher auch bei uns weite Verbreitung gefunden heben, hat soeben ein neues Werk über die 5 88 12 1 19 0 8

rage beschäftigt, ob unsere Nachbarplaneten nt sind. Da Cen kat er Untersuchungen geht dahin, daß weder die Venus noch der Mars als bewohnt und bewohnbar angesehen werden dür⸗ fen. Die Venuß schon nicht wegen der dort herrschenden hohen

der Haupttrumpf für Ludwigswalde aus der Hand genommen ist, ö

i N rige Lebewesen aushalten könnten. Den Mars hält Arrhenius mit Sicherheit für eine kleine Wüste. In den vielbesprochenen Kanälen sieht er Bruchspalten infolgt von Erdbeben, und die Farbenerscheinungen in den Kanälen führ er auf Salze zurück, die sich in den Spalten finden und die Farben abscheiden, wenn sich die Kanäle bei der Schneeschmelze mit Wasser füllen. Auch hält es Arrhenius für wenig wahrscheinlich, daß sich außerhalb unseres Sonnensystems noch bewohnbare Welten finden; und was die Erdenmenschheit betrifft, so gibt er ihr den Trost, daß sie wahrscheinlich noch Milliarden von Jahren auf unserem Planeten zu leben hat.

Stuttgart, 4. Dez. Ein Museum für das Deutschtum im Ausland plant der Württembergische Verein für Handelsgeographie und Förderung deut⸗ scher Interessen im Ausland. In dem Museum soll der deutsche Missionar, der Forscher, der Kaufmann, der Techniker und der Auswanderer Gelegenheit saben, sich über die klimatischen, die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der fremden Länder, über deren Produkte, die Einkaufs⸗ und Absatzmöglichkeiten, ins⸗ besondere aber darüber zu unterrichten, was in dem Lande, in das er gehen will, an deutscher Kulturarbeit schon geleistet worden ist, und welche Unterstützung er dort durch eine deutsche Presse, durch Kirche, Schule, Vereine und sonstige Einrichtungen finden wird.

Sudermann will nicht aufgeführt sein. Die soeben unter dem GesamttitelDie entgötterte Welt als Buch erschienenen drei letzten Dramen SudermannsDie Freundin, Die gutgeschuittene Ecke undDas höhere Leben werden, einem Wunsche des Dichters folgend, zunächst zur Aufführung nicht freigegeben werden Der Wunsch dürfte darauf zurückzuführen 5 daß die 1 8 Welt vor dem Kriege

dern, gegen deren Verewigung auf der Bühne zunächst au der Zensor seine Bedenken haben könnte. e 0

% Geisha stattGötterdämmerung. Der Avanti stellt sest, daß der Name des bisher in Italien so leidenschaftlich bewunderten Richard Wagner vom Spielplan der italienischen Opernhäuser verschwunden sei.Avanti schlägt iro⸗ nisch vor, zu Ehren des großen Verbündeten Englands an Stelle der Götterdämmerung dieGeisha,dies erhabenste Meisterwerk der britischen Zivilisation, zu spielen.