Zweites Blatt
Erscheint läglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Gietener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Sett⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweunal.
Die deutsche Heeres! va lerie östlich Wilna.
Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben:
Als nach dem Fall von Komno die. Armee sich an Wilna heranarbeitete, begleitete ein starkes deutsches Kavalleriekorps dieses e auf dem linken Flügel längs der Straße Wilkomierz—
zjany.“) a 5 i
Es verlohnt sich, diese Bewogungen unserer Heereskavallerie zu verfolgen; ein Bild zu gewinnen von großen und vielseitigen Aufgaben, die der jetzige Krieg an die Reiterwaffe stellt: Lei⸗ stungen zu würdigen, die eine ruhmvolle Erinnerung prachtvoller Taten deutschen Reitergeistes bleiben werden.
Am 9. September trat das zunächst aus 3 Divisionen be⸗ stehende Kavalleriekorps an, um im taktischen Zusammenhang mit dem rechten auf Dünaburg vorgehenden Flügel der Niemen⸗Armee zu operieren. Engen, welliges und bewaldetes Gelände, zahlreiche Wasserläufe bildeten beiderseits der Straße nach Düna⸗ burg die natürlichen Verteidigungsmittel der dichtaufeinanderfol⸗ genden russischen Stellungen. Ein engmaschiges Netz von Schützen⸗ gräben und Drahthindernissen erschwerte alle Bewegungen. In diesen besonders für die Verwendung großer Reitermassen außer⸗ ordentlich ungünstigen Verhältnissen mußte dem Kavalleriekorps die zweifache Aufgabe gestellt werden, durch ständige Flankenwir⸗ kung das Vorgehen des rechten Armeeflügels zu erleichtern und die russische Heereskavallerie aus dem Felde zu schlagen.
Schwere, aber dankbare Aufgaben für den deutschen Reiter⸗ führer und seine prächtige Waffe.
Im Fußgefecht mit der Fenerwaffe
wurde die erste Aufgabe gelöst. Ständige Bedrohung seiner Flanke dupch unser Kavalleriekorps veranlaßte den Gegner, seine starken Stellungen zumeist nach kurzem Kampf mit der frontal angreifen⸗ den Infanterie zu räumen. Unter dem Druck der flankierenden Kavallerie wurden Stellungen aufgegeben, die andernfalls nur im erbitterten Angriffsgefecht mit großen Verlusten hätten ge⸗ nommen werden können.
Selbst die ungewöhnlich starken Abschnitte der Seen⸗Enge bei Antalogie) hielt der Feind gegen den am 11. September von Süden über Pokolne?) durchgeführten Flankenangriff einer Ka⸗ valleciedivision nur kurze Zeit und trat alsbald einen eiligen Rückzug an. Dankbar und freudig begrüßte die Infanterie der Njemen⸗Armee diesen Erfolg der Schwesterwaffe, der das Blut so manchen braven Musketiers ersparte!
Gleichzeitig wurden südlich der großen Straße russische Kavalleriemassen auf Kukuzischki?) zurückgeworfen.
Die zweite Aufgabe ließ das Herz jeden deutschen Reiters⸗ mannes höher schlagen. Es hieß:
Vorwärts— gegen die feindliche Heereskavallerie!
Aber den heißen Wunsch, am 12. September die an der Seen⸗ Enge von Tauroginae) und nördlich zusammengezogene Kavallerie angreifen und schlagen zu dürfen, vereitelte der Feind. Vor un⸗ seren über die Linie Dawgelie)— Taurogina vorbrechenden Kaval⸗ leriedivisionen wichen die 1 8 Reitermassen eiligst aus.
Das Korps erhielt den Befehl, nunmehr die Operationen der Armee östlich Wilna zu unterstützen und zwar zunächst durch starken Druck gegen den russischen Nordflügel, später durch eine ausholende Bewegung gegen den Rücken des Feindes. Unter dem Flankenschutz einer seiner Divisionen ging das Kavalleriekorps zunächst über en eee auf Mal. Meshanys) 12 km westlich Swenzjany an Bahnlinie Wilna— Dünaburg und über Taurogina auf Koltynjany') vor.
Das waldreiche, von zahlreichen Seen und Sümpfen durch⸗ schnittene Gelände bot an sich schon schwächeren Truppen die Mög⸗ lichkeit nachhaltigen Widerstandes. Die Aufgabe aber verlangte schnelle Raumgewinnung in südöstlicher Richtung. Ohne Zö⸗ gern wurde der Verteidiger der Bahnlinie westlich Swenzjauy und an den Seen⸗Engen bei Koltynjany angegriffen und geschlagen. Trotz feindlichen Widerstandes, trotz der Ungunst des Geländes mit seinen tiefen, aufgeweichten Wegen, überschritt das Kavallerie⸗ korps bereits am 13. September die Bahnlinie, unterbrach sie an wichtigen Punkten und erreichte noch am Abend die Gegend von Lyntupy“). Das besetzte Schloßgut wurde angegriffen und ein Trupp Kosaken daraus vertrieben. Eine Anzahl dieser Reitersleute wurde mühelos gefangen. Sie lagen in Haufen und betrunken umher zwischen den Gebäuden der Brennerei. Den Befehl ihrer Führer, den dort lagernden Spiritus auslaufen zu lassen, hatten sie mit gründlichstem Eifer aber in ihrer Auffassung über sin n⸗ gemäße Ausführung erhaltener Befehle befolgt. Immerhin wur⸗ den hier noch über 40 000 Liter Spiritus beschlagnahmt.
Von Lyntupy wurden sogleich Anordnungen getroffen zur Unterbrechung der Bahnlinie Molodeczuo— Poloczk.
1) 70 Kilometer nordwestlich Wilna, Uziany halbwegs Wil⸗ komierz— Dünaburg.
J Im Umkreise von Uzjany.
) Nordwestlich Swenzjany. 5
4) 12 Kilometer südöstlich Swenzjany.
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Die erste deutsche Eisenbahn vor achtzig Jahren. (Zum 7. Dezember.)
Die Erinnerung an die erste Fahrt der ersten deutschen Eisen⸗ bahn erscheint heute, da diese so gewaltig entwickelte technische Errungenschaft sich als eines der unentbehrlichsten und wichtigsten Mittel in der Strategie des Weltkrieges erwiesen hat, von aktuell gesteigerter Bedeutsamkeit. Heute, da kein Kind sich die Welt ohne Eisenbahnen vorstellen könnte, da sich der Dampfbahnverkehr zu einer der verbreitetsten Selbstverständlich eiten entwigelt hat, wirkt der Gedanke, daß erst 80 Jahre vergangen sind, seit die erste Lokomotive in Deutschland einen Schienenstrang befuhr, fast un⸗ faßlich. Denn wohl keine zweite Errungenschaft hat fich mit solcher Geschwindigkeit zu derartiger allgemeiner Vollkommenheit entwickelt. Aus den eisernen Spurstraßen, die 1767 in England zur leichteren rderung von Fabriklasten angelegt wurden, entstand das Bedürfnis, auch eine bewegende Kraft zur Fortschaf⸗ fung dieser Lasten zu erhalten. Der erste Versuch, Kohlenwagen auf Spurbahnen mittels einer durch Dampf betriebenen, auf Rädern beweglichen Maschine fortzuziehen, wurde 1804(in Süd⸗ wales) gemacht. Auch in Deutschland wurden derartige Maschinen schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut. De im Jahre 1818 von dem Hütteninspektor Krigar auf der königl. Eisengießerei zu Berlin erbaute Dampfmaschine war einer der wichtigsten Vorläufer der später von George Stephenson fertig restell en Dempflokom tive. Fünf Jahre, nachdem unter Anleitung Stephensons die erste Esen⸗ bahn der Welt, die Strecke Liverpool—Manchester, eröffnet worden war, wurde bekanntlich die erste Eisenbahn auf deutschem Boden dem Verkehr übergeben. Die erste Strecke befand sich bekanntlich in Süddeutschland, sie reichte von Nürnberg nach Fürth, und wurde am 7. Dezember 1835 zum ersten Male befahren. Die Entwicklung des Eisenbahnwesens nahm hierauf in Deutsch⸗ land einen außerordentlich regen Fortgang. Schon am 14. April 1837 folgte die Strecke Leipzig—Althen der Leipzig—Dredener Eisenbahn. Im selben und im nächsten Jahre führten Oesterreich, Braunschweig und Preußen den Dampfbahn⸗Betrieb ein. In England in die Welt gesetzt, fand die Erfindung der E ahn in Deutschland die schneilste und vollkommenste A⸗sbildung. Schon vie n darf der deutsche Eisenbah werkehr infolge der
der Ausbreitung und Regelung seines
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So ging noch in der Nacht eine Sprengabteilung unter Ritt⸗ meister von Pappenheim in Stärke von 2 Esladrons, Radfahrern, 4 Maschinengewehren, einem Geschütz und Pionieren zur Zerstö⸗ rung der Bahn nach Krzywicze). Rittmeister v. Pappenheim er⸗ reichte die Bahn an der befohlenen Stelle, griff ohne Zögern ein von Molodeczno eintreffendes russisches Bataillon an, warf es zurück und unterbrach die Bahnlinie. Ein langer Zug mit Rampen⸗ material wurde verbrannt, während ein verladenes russisches Ge⸗ schütz, dessen Mitnahme unmöglich war, gesprengt wurde.
Der 14. September brachte für das Kavalleriekorps die Fort⸗ setzung des in breiter Front angelegten
Marsches in den Rücken der russischen Armee
und gegen ihre rückwärtigen Verbindungen über die Linie Zod⸗ ziskis).—Dubatowkas)—Nowy⸗Miadzjol(östlich des Narocz⸗Sees). Eine Unternehmung, ebenso kühn im Entschluß, wie rücksichtslos in der Durchführung. Ein Reiterzug— angesetzt gegen die Lebens⸗ adern einer in beiden Flanken bedrohten Armee. Ein Vortragen der gefürchteten schwarz⸗weißen Lanzenflaggen weit hinter die rus⸗ sische Front! Während sich im Norden und Süden die Zangen einer eisernen Klammer in Gestalt der Infanterie⸗Divisionen der und.... Armee um die Flanken des russischen Heeres legten, be⸗ gann im Osten, im Rücken des Heeres, die frisch zufassende Arbeit der deutschen Heereskavallerie.
Ein einziger Ausweg schien dem Feind zu bleiben zum Ent⸗ weicken:— der Abschnitt zwischen dem Swir⸗See und den Bere⸗ zyna⸗Sümpfen südlich Wischnew'). Dieser Abschnitt, sowie die von Molodeczuno auf Wilna, Lida und Minsk führenden Bahnlinien, ferner die Eisenbahn Minsk— Smolensk bildeten die neuen Ziel⸗ punkte der kühn geplanten, mit herrlichem Reitergeist durchgeführ⸗ ten Bewegung unseres Kavalleriekorps.
Gegen die genannten Bahnlinien gingen 2 Kavallerie⸗Divi⸗ sionen über die Wilia auf Soly und Smorgon vor. Die dritte 2 8 5 wurde zunächst gegen die Bahn Wilejka—Poloczk ein⸗ gesetzt..
Sehr bald und gründlich machte sich nun unsere Kavallerie im Rücken des Feindes bemerkbar. Schon am Miadziol⸗See wurde eine etwa 500 Wagen starle Kolonne mit Proviant und Aus⸗ rüstungsstücken abgefangen. Auf die Wagen setzten sich die Leute eines zugeteilten Jäger⸗Bataillons, um nun besser den schnellen Bewegungen ihrer Kavallerie⸗Divisionen zu folgen. Bei Duba⸗ towka wurde eine Anzahl russischer Intendanturbeamten gefangen. Sie führten eine Kasse mit 4000 Rubel russischer Staatsgelder bei sich. Viehdepots und Vorratslager aller Art wurden beschlagnahmt. Das russische Etappengebiet gab deutscher Heereskavallerie, was sie brauchte. 5 5
Im Kampf wurde die Wilia überschritten, Smorgon wurde im Sturmangriff genommen, der Bahnhof Smorgon wurde zerstört. Das Kapallerielorps schwenkte von Smorgon nach Südwesten und von Zodziszki in Richtung Soly—Shuprany ein. Es galt in Gegend Soly— Smorgon die Hauptkräfte des Korps zu⸗ nächst zusammenzuhalten gegen starke westlich und nordwestlich Soly gemeldete, auf etwa 4 Divisionen geschätzte, russische Heereskaval⸗ lerie. Zwischen Soly und Smorgon wurde die Bahnlinie durch Sprengung einer Ueberführung zerstört. Ein gerade in Smorgon eingelaufener Eisenbahnzug wurde mit Volldampf in das gesprengte
Trümmerfeld hineingejagt.
Heftige Gefechte in der Gegend Smorgon— Soly—Shuprany sahen die Tage. Am 16. September wurde das stark besetzte Soly im Sturmangriff genommen. Mit dem Bajonett wurde die Stadt und das Rittergut von unserer Kavallerie ge⸗ stürmt. Südlich Shaprany wurde inzwischen ein feindlicher Angriff abgewiesen, wobet in schneidiger Aktacke auf vorgehende russische Jufanterie 4 Offiziere und 300 Mann zu Gefangenen gemacht wurden. An willkommener Beute waren am 16. September allem bei einer Kavallerie⸗Division zu verzeichnen: 1 Maschinengewehr, 5 Proviantkolonnen, 1 Bäckereikolonne, über 1000 sonstige Fahr⸗ zeuge und 17000 Rubel russischer Staatsgelder. Einer zur Zer⸗ störung der Bahistrecke Moloderzno Lida entsendeten Pat oui le gelang eine wirksame Sprengung mitten während des lebhaften Zugrertehrs. 1 8
Eine andere Kavallerie⸗Division hatte inzwischen das besetzte Städtchen Wilejka angogriffen und gestürmt. Auch hier kam die Reiterattacke zur Geltung und zu Ehren. Das Husarenregiment. ritt gegen eine russische Kompagnie an und nahm dabei über 100 Mann gefangen.
Südlich Wilejka winkte dem deutschen Reiter als verlockendes Ziel die als Eisenbahnknotenpunkt und damaliger Etappen⸗Haupt⸗ Zort wichtige Stadt Molodeczno. Sein Besitz war die er⸗ strebenswerte, aber wahrlich nicht leichte Aufgabe, die sich die .... Kavallerie⸗Division zu stellen hatte.. 5 5
Die Straße Wilej la—Molodeczno ist beiderseits großenteils von Sumpfniederungen begleitet, die eine breitere Angriffs⸗Ent⸗ faltung fast unmöglich machen. Auch wurde die Straßze selbst von der aus Wilejka herausgeworsenen nun schrittweise auf Molodecz⸗
5) 130 Kilometer östlich Wilna.
6) Südwestlich des Narocz⸗Sees.
7) 87 Kilometer südöstlich Wilna.
Netzes und der hervorragenden Zuverlässigkeit und Pünktlich⸗ keit als der technisch und organisatorisch beste in der Welt angesehen werden. Auch in der Verwendung der Eisenbahn als indirektes Kampfmittel im Weltkriege steht Deutschland in erster Reihe. Erst die Ausbildung unseres Bahnbetriebes ermöglichte die Aus⸗ führung der so erfolgreichen Operationen deutscher Strategie. So darf im deutschen Eisenbahnwesen, dessen Anfangspunkt durch den 7. Dezember 1835 dargestellt wird, die Gegenwart als ein Höchstpunkt bezeichnet werden, wie er in solcher Schnelligkeit auf dem Gebiete technischer und organisatorischer Entwicklung ohne Beispiel dasteht. *
— Fünfundzwanzig Jahre Diphterieserum. Es war am 4. Dezember des Jahres 1890, als in der bekannten „Deutschen Medizinischen Wochenschrift“ ein Aufsatz von Behring und Kitasato erschien, der den Titel führte„Ueber das Zustande⸗ kommen der Diphterieimmunität und der Tetanusimmunität“. Diese Mitteilung bildete den 3 des großen und segensreichen Feldzuges gegen die tückische Krancheit der Diphterie, die bis dahin besonders in der Kinderwelt furchtbare Opfer ge⸗ fordert hatte und die seitdem dank den Behringschen Entdeckungen mit so viel Glück bekämpft worden ist. Damals, vor 25 Jahren, stand die ärztliche Welt, die Professor Kossel in einem Gedenk⸗ aufsatze der gedachten Zeitschrift hervorhebt, gerade unter dem gewaltigen Eindrucke der erst wenige Wochen vorher veröffent⸗ lichten Mitteilungen Robert Kochs über das Tuberkulin, und 5 kam es, daß die Tragweite dieser neuen Entdeckung nicht sofort allseitig erkannt wurde. Doch wissen wir aus Mitteilungen von Metschnikoff und Roux, wie man im Institut Pasteur in Paris ihre Wichtigkeit würdigte, wohin die Kunde von der Entdeckung durch Lister gebracht worden war. Bis zu ihrer Verwertung für die Heilung der menschlichen Krankheiten vergingen noch einige Jahre. Erst als Behring begann, an größeren Tieren zu arbeiten, schritten die Versuche fort; von entscheidendem Einflusse aber wurden die Jortschritte in dem Immunisierungs verfahren, die durch Ehrlichs Versuche über giftige Pflanzeneiweiskörper angebahnt waren. Jetzt gelang es Behring an Hämmeln, Wernicke an Hunden und Ehrlich in Gemeinschaft mit Wassermann an Ziegen und Kühen antitoxische Werte im Blutferum zu erzielen, die nicht uur die Nachweile der
General-Anzeiger für Oberhesse
Dienstag, 7. dezember 1915
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hartnäckig verteidigt. Der Divisionskommandeur befahl deshalb den Hauptangriff aus nord⸗ Vorgehen von Teilkräften Bahnlinie Minsk
Angriff vorgetragen werden. 0 kräftiges Artilleriefeuer zu nehmen; gegen die sehr
1 55 n daß das 95 ende Dragoner⸗Regiment... zwar 1. mühen mußte, um einen etwa 5 km breiten Morastgürtel zu über⸗ winden, daß es aber lediglich mit verschwindend geringem Verlust weniger Pferde, ohne einen Reiter dabei zu verlieren, an die Division fand.
Inzwischen war die 5
gegen Bahnlinie Minsk— Smolensk a
entsandte Sprengabteilung in Gewaltmärschen auf ihr Ziel vor⸗ gegangen. Rittmeister Lohmann war der ebenso schneidige wie überlegt handelnde Führer seiner durch 1 Geschütz und 2 Ma⸗ schinengewhre verstärkten Eskadron. Sorgsam vermied er alle größeren Straßen und Ortschaften. In lautloser Stille bewegte sich die kleine Truppe auf ihren geheimnisvollen nächtlichen Märschen. Reiter und Pferde gaben das Höchstmaß ihrer Kräfte her; aber schließlich war die Leistungsfähigkeit erschöpft. In Molode(etwa 12 Kilometer nordöstlich Logojsk) mußte der Führer seine Truppe zurücklassen. Nur mit 40 der bestberittenen Jäger zu Pferde und einigen Pionieren schlug sich Rittmeister Lohmann weiter durch alle Schwierigkeiten hindurch, seinem Ziel Zodzino(östlich Smole⸗ wicze) entgegen. In der Nacht vom 19. zum 20. 9. erreichte er dort die Bahnlinie und unterbrach sie nachhaltig an mehreren Stellen. Aus dem Dunkel der Nacht leuchtete der Bahnhof von Zodzino zu Rittmeister Lohmann herüber. Deutlich konnte er den Gesang russi⸗ scher Soldaten aus den auf dem Bahnhof haltenden Transport⸗ zügen vernehmen. Von russischer Kavallerie scharf verfolgt, er⸗ reichte der schneidige Reiteroffizier glücklich seine Schwadron und mit ihr zusammen den Anschluß an eine dem Kavalleriekorps neu zugeteilte Kavallerie-Division in Gegend von Orpa. 1
Um einer Katastrophe zu entgehen, hatte der Gegner inzwischen starke Kräfte bei Oschmjana und Solh mit Marschrichtung Nord⸗ ost zusammengezogen. Mit täglich wachsender Ueberlegenheit ging er gegen die Hauptkräfte unserer Heereskavallerie in dieser Rich⸗ tung vor.
terie-Division von Geljuny auf Smorgon zu erwarten. Die vallerie⸗Division hielt daher ihre Stellung bei Smorgon, selbst nach⸗ dem der Anmarsch eines ganzen russischen Armeekorps über Linie Krewos)— Boruny festgestellt war. In einer brückenkopfartigen Stellung um Smorgon erwartete die kampferprobte Kavallerie⸗ Division den Angriff des weit überlegenen Gegners. Die früheren Gefechte bei Meyszagola und Jawiuny hatten erwiesen, daß diese Kavallerie⸗Division in der Lage war, den Angriff eines ganzen Armeekorps mit zupersichtlicher Ruhe zu erwarten. Hatte doch da⸗ mals sogar das russische Gardekorps nach mehrtägigen erbitterten 5 0 gegen diese Division von weiteren Angriffen absehen müssen.
Die erwartete Infanterie traf zunächst nicht ein, hingegen er⸗ neuerte der Feind am 20. 9. seine überaus heftigen Angriffe un⸗ ter Umfassung des linken Divisionsflügels, der schließlich vor er⸗ drückender Uebermacht zurückgenommen werden mußte. Gegen Abend wurde die Brückenkopfstellung unhaltbar. Nach zweitägigem harten Kampf gegen Truppen fast eines ganzen Armeekorps— einer Glanzleistung unserer Kavallerie in der ihrer Eigenart doch so wenig entsprechenden Verteidigung— ging die Division auf das nördliche Wilia⸗Ufer zurück.
Der Gegner drängte in dieser Nacht nicht nach, sondern be⸗ gnügte sich mit dem Vorfühlen durch Patrouillen über den Fluß. wo inzwischen eine Infanterie⸗Division in Gegend Zodziski— Dubatowka eingetroffen war.
Neue Anordnungen des Armee⸗ Oberkommandos stellten an den folgenden Tagen dem Kavalleriekorps neue strategische Auf⸗ gaben und Ziele.
Führer, Unterführer und Reiter haben in jener Zeit geleistet, was von ihrer Umsicht und Kühnheit, was von deutschem unver⸗ wüstlichem Reitergeist gefordert und erwartet wurde. Die Anerken⸗ nung des obersten Kriegsherrn gilt als Ansporn zu neuen gleichen Leistungen. Eine seltene Anerkennung
sollte unserer Kavallerie zuteil werden. Der feindliche Armeeführerz der am meisten den furchtbaren Druck der deutschen Reitermassen
70 Kilometer füdöstlich Wilejka. 9) 20 Kilometer südwestlich Smorgon.
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heilenden Wirkung an Meerschweinchen ermöglichten, sondern auch die Aussicht auf erfolgreiche Anwendung an kranken Menschen eröffneten. Die ersten Versuche mit der Behandlung von Diphterie⸗ kindern wurden an der damals von Heubner geleiteten Leipziger Kinderklinik und auf der Krankenabteilung des Instituts für Infektionskrankheiten in Berlin gemacht. Diese Versuche litten zunächst noch an mancherlei Mängeln; einen Wendepunkt in der
Bekämpfung der Diphterie brachte aber das Jahr 1894, indem
seit damals die Herstellung des Serums in den Höchster Farb⸗ werken in großem Maßstabe betrieben und das Mittel der All⸗ gemeinheit zugänglich gemacht wurde. Die segensreichen Folgen der Behringschen Entdeckung zeigten sich nun bald in einem Sinken der Diphteriesterblichkeit. Während in Deutschland im Jahre 1893 in 10 Staaten 65 384 Todesfälle an Diphterie und Krupp bei Kindern im Alter von 1 bis 15 Jahren ge⸗ zählt wurden, betrug die Ziffer 10 Jahre später in 24 deutschen Staaten in der gleichen Altersklasse 15 712 und 1913 trotz der
erheblichen Bevölkerungszunahme nur noch 12 129 in 26 deutschen
Staaten. Die Sterblichkeit war also in zwanzig Jahren auf den fünften bis sechsten Teil gesunken; und dies gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für die andern Länder. Bedenkt man,
daß allein bei uns alljährlich Zehntausende von Kindern vor dem
Tode an Diphterie gerettet werden, so kann man ermessen, was die Behringsche Entdeckung für die ganze Menschheit bedeutet.
— Carl Sternheim ist der Fontanepreis für seine drei Erzählungen„Busekow“,„Napoleon“ und e(im Verlag Kurt Wolff, Leipzig) durch den diesjährigen Preisrichter Dr. Franz Blei verliehen worden. Der Dichter nahm die ihm durch die Preisverleihung züurgedachte Ehrung an und gab die mit mit dem Preise verbundene Preissumme an den jungen Prager Er⸗ zähler Franz Tafka für dessen Novellen„Betrachtung“,„Der Heizer“,„Die Verwandlung“ weiter als ein Zeichen seiner Aner⸗ kennung.
— Kriegsausstellung Kasseler Künstler. Im Kasseler Kunstverein findet zurzeit eine Kriegsausstellung Kasseler Künstler statt. Fritz Cauer, Friedrich Fennel, Hans Meyer, Fritz Rhein, Paul Scheffer, Walter Schliephacke, Adolf Wagner sind mit Studien und Zeichnungen vertreten.
Für den 19. 9. war das Vorgehen einer deutschen Jae 18
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