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Samstag, 4. Dezember 19 1
Rotationsdruck und Verlag der Brühl schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. 3 R. Lange, Gießen. 3
Schriftleitung, Geschästsstelle u. Druckerei: Schul straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: hl, Schrift · 3 leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: 3 s Anzeiger Gießen.
105. Jahrgang
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nr. 286 Drittes
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Sleßener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „uAreisblatt für den Kreis Gleßen“ zweimal
wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗
tagen“ erscheinen monatlich zweimal.
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der Landwirtschaft in höherem Maße als bisher Arbeits⸗ kräfte zur Verfügung gestellt werden. Der ärmeren Bevöl⸗ kerung sei der Nahrungsbezug durch entsprechende 1 nahmen zu verbilligen und zu erleichtern, damit berechtigte Klagen beseitigt und die Vermutungen und Hoffnungen unserer Feinde auf eine Aushungerung zu schanden werden würden.
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Berlin, 3. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Reichs⸗ anzeiger“ veröffentlicht eine Bekanntmachung des Stellver⸗ treters des Reichskanzlers, nach der die zur Versteuerung freigegebene Menge an unver arbeitetem Brannt⸗ wein für Oktober, November und Dezember von 12 auf 15 vom Hundert der im Betriebsjahr 1913/14 verkauften Menge erhöht wird.
Berlin, 3. Dez.(WTB. Amtlich.) wieder umlaufende Gerücht von einer in Verlängerung der gesetzlichen entbehrt jeder Begründung.
Dänemark Güter, die keine Bannware sind, nach neutralen und kriegführenden Ländern wieder ausführen dürfe. Er erklärte dies für einen ungeheuerlichen Verrat des Auswärtigen Amtes an der Nation und einen völligen Bruch des von Asquith im März abgegebenen Versprechens, daß die Regierung alle deutsche Aus⸗ fuhr einfach verhindern werde. Der Redner schloß: Wir müssen den ganzen Plan der Londoner Erklärung, Haager Abmachung und ähnlicher juristischer Feinheiten loswerden und die Interessen Eng⸗ lands und seiner Verbündeten einzig und allein allen anderen voranstellen. n
Lord Landsdowne sagte, die Londoner Erklärung besäße keinerlei internationale Rechtskraft. Indem das Oberhaus die Bill über eine Errichtung des internationalen Ge⸗ richtshofes ablehnte, sei auch die Londoner Erklärung gesallen. Sie besitze daher keine Geltung. Die Regierung erachtete es jedoch bei Kriegsausbruch für erwünscht, gemeinsame Regeln für die Seekriegführung der Alliierten zu haben und nahm die Londoner Erklärung als die alleinige vorhandene Zusammenfassung der Rechtsgrundsätze, aber mit sehr beträchtlichen wichtigen Abände⸗ rungen an. Landsdowne wandte sich sodann gegen Portsmouths Vorschlag, die Pariser Deklaration von 1856 aufzuheben. Es sei unrichtig, daß dadurch und durch die königliche Verordnung die Lage Englands geschwächt worden sei. England könne unter der königlichen Verordnung nicht nur Feindesgut auf neutralen Schiffen beschlagnahmen, sondern auch aus neutralen. Häfen kommende und
Aus dem englischen Parlament. f Die See- und Handelspolitit. London, 3. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reu⸗
terschen Bureaus. Unterhaus. Dalziel(Unionist) macht auf die Nusfuhr von Waren nach neutralen Ländern auf⸗ merksam, und daß diese Waren, wenn sie nach Deutschland weiter gingen, für Kriegszwecke gebraucht werden könnten; er weist besonders auf die Ausfuhr von Leinöl nach Holland hin, dessen Einfuhr nach Deulsch land seit Beginn des Krieges anor⸗ mal zugenommen habe. Er fragte, ob die Regierung mit der Tätigkeit des niederländischen Ueberseetrustes zufrieden sei, dessen Mitglieder enge geschäftliche Beziehungen zu Deutschland unter⸗ hielten, und wünschte die Untersuchung der Tätigkeit des Trusts. Die Regierung sei bisher nicht streng genug und müsse in Zu⸗ kunft kräftiger vorgehen.
Bigland(Unionist) erklärte, da Deutschland die Haager Konvention beiseite geschoben habe, brauche Großbritannien sich auch nicht daran gebunden halten. Man müsse eine Konferenz der verbündeten und neutralen Länder einberufen, um die Be⸗ dingungen zu regeln, unter denen der überseeische Handel weiter betrieben werden solle, da Großbritannien der Haager Konven⸗ tion zugestimmt habe, und Deutschland sich neuerdings über die neutralen Länder Nahrungsmittel zu beschaffen versuchte. Er
Das gegenwärtig Aussicht stehenden Wehrpflicht
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Spielplan des Gießener Stadttheaters.
Direktion: Hermann Steingoetter.
10 15 5* f i 5 für neutrale Häfen bestimmte Güter auf neutralen Schiffen, wenn Sonntag, den 5. Dezember, nachmittags 31 Uhr, bei, Volk⸗ e. e e 155 51 N sie feindlichen Ursprungs oder für den Feind bestimmt seien. preisen: Volks- und Schüler⸗Vorstellung:„Die Karlsschüler.“ Ende
Landsdowne wies die Angriffe auf das Auswärtige Amt zurück und
5 ine N 6 Uhr. Abends 7½ Uhr, bei kleinen Preisen:„Als ich noch im keine Neu⸗
Flügelkleide.“ Ende 10% Uhr. Dienstag, den 7. Dezember, abends 8 Uhr, bei gewöhnlichen Preisen(ermäßigt), 7. Dienstags-Abonne⸗ ment-Vorstellung:„Die Großstadtluft.“ Ende nach 10½ Uhr. Freitag, den 10. Dezember, abends 8 Uhr, bei Volkspreisen: Garnison⸗ und Volks- Vorstellung:„Komtesse Guckerl.“ Ende 10% Uhr. Sonntag, den 12. Dezember, nachmittags 3½ Uhr, bei kleinen Preisen:„Als ich noch im Flügelkleide.“ Ende 6/ Uhr. Abends 7½ Uhr, bei gewöhnlichen Preisen(ermäßigt):„Der Jux⸗ baron.“(Reuheit!) Posse mit Gesang und Tanz in 3 Akten von Pordes⸗Milo und Hermann Haller. Musik von Walter Kollo. Ende 10% Uhr. 5
benötige, selbst auf die Gefahr hin, daß die Einfuhr niederlän⸗ discher Margarine nach England aufhören würde. Wenn die Neu⸗ tralen nicht stark genug seien, ihre Pflichten aus dem Abkommen durchzuführen, so sei Großbritunnien nicht verpflich⸗ tet, alle völkerrechtlich festgelegten Rechte der Neutralen anzuerkennen. Er hoffe, die Regierung werde eine Konferenz der interessierten Staaten einberufen, um eine Ver⸗ forgung des Handels durch Großbritanniens Freunde unmöglich zu machen.
Lord Robert Cecil antwortete, seit Juni würde kein Leinöl aus Großbritannien ausgeführt, außer auf Grund einer Ausfuhr⸗ bewilligung, die der holländischen Regierung aus besonderen Grün⸗
sagte, man dürfe diese Frage nicht behandeln, als tralen existierten.
Lord Hals bury beglückwünschte Lord Portsmouth dazu, daß er die Erklärung der Regierung herausgelockt habe, daß die Londoner Erklärung tot sei.
Lord Erewe sagte: ein Versuch, auf Grund der Londoner Erklärung eine Liste der Banngüter und bedingter Banngüter usw. auszustellen, hat sich als hoffnungslos erwiesen. Die Regierung paßte daher das Gesetz den absoluten Bedürfnissen der Lage an, während sie sich gewissenhaft bemühte, den Neutralen möglichst wenig Schaden zuzufügen. Zugleich haben wir die Neutralen ge⸗
d i i g ün⸗ beten, zu bedenken, daß wir unmöglich zugeben könnten, daß der JJ 1 den gewährt. worden sei. Die ganze. Frage sei sehr ernst. Die Feind Güter erhielte, die es ihm ermöglichen würden, den Krieg 7 TT. 9 1 1000 e 15 e 11555 zu verlängern. Wir waren verpflichtet, keinen Zoll breit nachzu⸗ Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater. 1
geben, wo die Erfahrung gezeigt hat, daß wir ein pedantisches Festhalten an dieser oder jener alten Regel vermeiden mußten, die dem Feinde zum Vorteile gereichte.
gegangen und habe den Ueberseetrust ersucht, die Verpflichtung zu übernehmen, daß nicht mehr Oel und Fette nach Holland eingeführt würden, als das Land selbst benötige. Er freue sich, mitteilen zu können, daß der Ueberseetrust seine Zustimmung gegeben habe. 5 Auf Grund des niederländischen Bedarfes von 1911 bis 1913
Opernhaus. g 3 den 5. Dezember, abends 7 Uhr:„Die Ge⸗ schwister.“ Hierauf;„Rahab.“ Zum Schluß: Bachusfsst. Mon⸗ tag, den 6. Dezember, geschlossen. Dienstag, den 7. Dezember, abends 7 Uhr:„Nanon, die Wirtin vom goldenen Lamm.“ Mitt⸗
Sonntag,
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E die Ziffern festgelegt worden, wobei die Regierung die Frage r Wiederaus von Margarine nach Großbritannien mit in Rücksicht gezogen habe. Das Handelsamt habe ein Gutachten dahin abgegeben, daß die Margarinefrage für die ärmeren Klassen sehr wichtig sei. So habe man die Schutzmaßregeln gegen die Wieder⸗ ausfuhr nach Deutschland verschärft und durchgesetzt, daß briti⸗ sche Bücherrevisoren von Zeit zu Zeit die Bücher der holländischen Margaxinefabriken daraufhin prü⸗ fen, was mit den Erzeugnissen der Fabriken geschehen sei. Man und Fettversand nach Deutschland vorzubeugen zu erreichen, daß Großbritannien dennoch den Bedarf an Margarine decke. Dabei bebalte Holland das Recht auf den Handel, auf den es nach der Haager Konvention und den Grundsätzen des Völkerrechts 8 habe. Lord Robert Cecil wies den Verdacht zurück, den Dalziel gegen Mitglieder des Ueberseetrusts äußerte und versprach, eine Untersuchung in Erwägung zu ziehen. Er wies schließlich nachdrücklich auf den Wert hin, welchen die Ab⸗ kommen mit Körperschaften zur Kontrolle des Handels in neutralen Ländern für Großbritannien hätten.
London, 3. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Im Oberhaus richtete Lord Portsmouth an die Regierung verschiedene Fragen über die Seerechtspolitik und erklärte es für verfassungs⸗ widrig, daß die Regierung bei Beginn des Krieges der Londoner Erklärung, die das Oberhaus abgelehnt hatte, Rechtskraft ver⸗ lieh. Der Redner tadelte, daß die Regierung durch königliche Verordnung das alte Recht preisgegeben habe, deutsche Waren auf See in neutralen Schiffen zu beschlagnahmen. Artikel 2 der 6. Haager Konvention habe keine Rechtskraft, da nicht alle
0 Kriegführenden der Abmachung beigetreten seien. Der Redner be⸗
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ach das jüngste Abkommen mit Dänemark, nach welchem
Aus dem Reiche.
Die Ernährungsfrage im Reichstag.
Berlin, 3. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der Haupt⸗ ausschuß des Reichstages setzte heute die Beratungen über die Ernährungsfragen fort. Zunächst machte der Staatssekretär des Reichsamts des Innern Dr. Del⸗ brück auf die gestrigen Ausführungen der Berichterstatter längere ergänzende Aus fi rungen in vertraulicher Weise. Ein sozialdemokrakischer Asgeorbneter übte Kritik an den bisher von den Behörden getroffenen Maßnahmen zur Lebensmittelversorgung. Es sei zu erwägen, ob man den Produzenten von Nahrungsr itteln nicht staatliche Zuschüsse gewähren sollte, damit sie tsprechend produzieren könn⸗ ten. Nötig seien jetzt Taten. Das Reichsamt des Innern dürfe sich nicht durch irgend eine Stelle an der Anordnung notwendiger Maßnahmen hindern lassen. Der Reichstag solle dabei beteiligt werden.— Ein konservativer Abgeord⸗ neter betonte, daß die Lebensmittelversorgung durch ent⸗ sprechende Produktionen im eigenen Lande am besten ge⸗ sichert werde. Es sei vaterländische Pflicht der Landwirt- schaft, soviel Lebensmittel wie möglich zu produzieren, wenn auch dabei der Lohn nur im Bewußtsein der Pflichterfül⸗ lung liege. In Bezug auf, die amtliche Preisregulierung müsse man Vorsicht walten lassen, damit nicht bei zu nied⸗ rigen Preisen die Produktion und Lebensmittelversorgung im ganzen leide. Durch Zuteilung von Gefangenen sollten
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woch, den 8. Dez., abends 6 Uhr: Zum ersten Mondfahrt.“ Ein Märchenspiel in 7 Bildern von Bassewitz. Donnerstag, den 9. Dezember, abends 7 Uhr:„Der Freischütz.“ Freitag, den 10. Dezember, Konzert). Samstag, Geschwister.“ Hierauf: Sonntag, den 12. Dezember,
den 11. Dezember, abends 7 Uhr:„Di „Rahab.“ Zum Schluß: Bachusfe nachmittags 3½ Uhr:„Peterchens Mondfahrt. Abends 7 Uhr:„Die Hugenotten.“ Montag, den 13. Dezember, geschlossen. Dienstag, den 14. Dezember, abends 7 Uhr:„Hoffmanns Erzählungen.“ Mittwoch, abends 7 Uhr:„Fidelio.“ Donnerstag, den 16. Dezember, abe ds 7 Uhr:„Die Geschwister.“ Hierauf:„Rahab.“ Zum Schl Bachusfest.
Jungfrau von Orleans.“ 3 der Tod.“
Der den Diens⸗ tag, den 14. Dezember, abends 7½ Uhr:„Bürger Schippel.“
Gießener Stadttheater.
5 5 Der Erbförster. N Schauspiel von Otto Ludwig.
Wenn die Leitung unseres Stadttheaters mit der Wahl von Otto Ludwigs„Erbfärster“ ein Stück schon historisch gewordener Litkraturgeschichte im Anschaunngsunterrichte vorführen wollte, so Fürfte gegen ein solches Unterfangen wohl wenig einzuwenden sein, zumal alles getan wurde, was geschehen konnte, um durch den Strub, den spätere Literaturgeschichten darauf abgelagert haben, Menschen von Fleisch und Bein wiederaufstehen zu lassen. Sollte aber mit dieser Neuaufführung eine lebendige, vom Menschen zum Menschen wirkende Impression auf den Zuschauer hervorgerufen werden, so muß es wohl ausgesprochen werden, daß mit dem Erb⸗ förster eine solche Wirkung beim besten Wollen und Können nicht mehr erzielt werden kann. Ohne auch nur irgendwie an Otto Ludwigs bedeutsamer Stellung innerhalb der Entwicklung der deutschen Thegtergeschichte rütteln zu wollen: es ist unmöglich, der Abwicklung dieser fünf Aufzüge anders zu folgen, als unter dem Gesichtspunkte der historischen Einstellung. Alles was unsere
menschliche Teilnahme mitschwingen lassen sollte— und gar vieles ist allzu deutlich darauf angelegt— prallt immer wieder von der nüchtern verstandesmäßigen Feststellung ab: was da vor sich geht, ist konstruiertes Theater, das nur mit spärlichen Luft⸗ wurzeln Saft und Kraft aus dem Leben selbst zieht. Die tatsäch⸗ lichen Segebenheiten, auf denen sich die ganze Handlung aufbaut, sind künstlich gestellte Zufälligkeiten, von denen man jede beliebige herauslösen könnte, um dem Stücke sofort eine ganz andere Wen⸗ dung zu geben. Den Eindruck, daß von einem einmal festgelegten Ausgangspunkte die Entwickelung nur diesen einen, unerbittlichen Verlauf nehmen könnte, hat man umso weniger, jemeh 3 5 dramatische⸗ Die Unsicher⸗
5 ischen Höhepunkte zustrebt. heit der Konzeption, die Gezwungenheit der Motivierung, das äußerliche Herantragen entscheidender Momente, läßt auch an wirk⸗ lich packenden Szenen eine innere Wärme kaum aufkommen. Wohl ist die Gestalt des Erbförsters, wenn man sich einmal mit ihrer einseitigen Starrköpsigkeit abgefunden hat, die wie ein Eichknorren im Forste nicht gebogen, nur gebrochen werden kann, ein dramatischer Vorwurf von zwingender Stärke, der auch dem ganzen künstlichen Aufbau Rückgrat verleiht, aber die Stürme, die diese Eiche entwurzeln, sind Theaterstürme, nur zu dem einen Ende hervorgerufen, das imposante Schauspiel des zusammen⸗ stürzenden Waldriesen erklärlich zu machen. Der danlbaren Aufgabe, den Erbförster mit seinem warmen Herzen, dem sich schroff verschließenden Aeußern, dem eigen⸗ sinnigen Beharren bei einer einmal gewonnenen Ueberzeugung und dem Unvermögen zwischen Naturrecht und gewordenem Rechte eine Brücke zu finden, kantig und rissig, überschwänglich und doch 1 übertrieben herauszustellen, halte sich Wilhelm Hellmuth f Sein Spiel war maßvoll durchdacht, milderte die pol⸗ und hielt mit sentimentalen Gefühls-
ausbrüchen weise zurück. So gelang es ihm gerade durch weniger schroffes Herausstellen des Extremen, an Glaubhaftigkeit zu gewin⸗ nen. Martha Schild als seine Tochter Marie ging noch einen Schritt weiter in der zurückhaltenden Auffassung, vermied jegliche Theatralik und verlegte sich fast ausschließlich auf ein durchsich⸗ tiges, innerliches Spiel, wozu sie das feine Schattierungsvermö— gen und die große Vibratiousfähigkeit ihres gewinnenden Organes besonders befähigen. Auguste Frenzel war eine verständnis⸗ volle, gütig besorgte Gattin, die aus dem Schatten des Erb⸗ försters nicht besonders hervortreten konnte. Sehr heißblütig und nicht immer völlig frei von kleinen Uebertreibungen gab Ferdi⸗ mand Steinhofer den älteren Sohn des Erbförsters und mit etwa gleichem Einsatz von aufwallendem Temperamente Ernst Theiling den Robert. Walter Dworkowski, der auch als Leiter der Vorstellung sein möglichstes tat, diesen Theaterabend mehr werden zu lassen als einen literarhistorischen Rückblick, wußte den Fabrikherrn Stein kraftvoll genug erscheinen zu lassen, damit er neben der alles überragenden Gestalt des Erbförsters be⸗ stehen konnte. In den kleineren Rollen, deren einzelne Hervorhe⸗ bung zu weit führen würde, wurde teilweise sehr Gutes geboten, nicht zuletzt in der Charakterisierung des versoffenen Buchjägers durch Albert Goll.
Bei einer zusammenfassenden Beurteilung kann nur noch ein⸗ mal wiederholt werden, daß viel rührige Kraft an eine Aufgabe verschwendet wurde, die diese Mühe nicht verlohnte, da der Erb⸗ förster nicht mehr von seinem Ehrenplatze in der Bibliothek in die zeitlose Wirkungssphäre wirklichen dramatischen Lebens her⸗ vorgenötigt werden kann. 1 2.
Darmstädter Theaterbrief. Darmstadt, 2. Dez.
Ernst v. Wolzogens dreiaktiges Lustspiel„Ein unbe⸗ schriebenes Blatt“ erlebte heute abend am hiesigen Hof⸗ theater seine Erstaufführung, die um so größeres Interesse er⸗ weckte, als der Dichter, der seit bald einem Jahrzehnt seinen Wohnsitz in Darmstadt hat, trotz seiner fast 60 Lebensjahre als Offizier mit an die Front ging und erst vor einigen Monaten, mit dem Eisernen Kreuz geschmückt, hierher zurückkehrte. Das Wolzogensche Lustspiel ist ganz im Stile der Lustspielfirmen Schön⸗ than und Kadelburg gehalten. Als es 1898 zum erstenmal auf die Bühne kam, war ihm ein glänzender Erfolg beschieden. Bald aber wuchsen moderne Lustspielprodukte wie Pilze aus der Erde heraus und das„unbeschriebene Blatt“ geriet allmählich in Ver⸗ gessenheit. Die heutige Darmstädter Erstaufführung hat aber ge⸗ zeigt, daß es durchaus würdig und fähig ist, auch heute noch dem Theaterpublikum ein paar angenehme Stunden zu bereiten. Man amüsierte sich bei den drolligen, schwankhaften Szenen, die der 40jährige Universitätsprofessor Dr. Mohl mit seiner 17jährigen Gattin, die das zunbeschriebene Blatt“ darstellt, und seiner schönen, weltgewandten 36jährigen Schwiegermutter, wie dem podagra—
reichen Obersten a. D., seinem blasterten Sprößling und Portepee⸗
sähnrich und der alten prüden Schwester des Obersten erlebt, aufs köstlichste. Man lachte, lachte fortgesetzt durch alle drei Akte, und als der schöne, beim zweiten Aktschluß vergeblich gerufene Verfasser nach einem halben Dutzend Hervorrufen der Darsteller endl. nach dem letzten Akt erschien, wurde ihm eine sehr warmherz Ovation bereitet, an der sich auch das anwesende Großherzogsvaar beteiligte. An dem brillanten Erfolg des Abends hat auch die Dar⸗ stellung vollen Anteil. Bruno Harprecht war nicht nur der fei te, intelligente Spielleiter, sondern auch ein humorsprühender Pro⸗ fessor Mohl, und daß Frau Gothe⸗ Schneider als naive, belt ißt en tber de 8 die Lachmuskeln in Bewegung zielt, ist selbstverständlich. Ganz vortreffli i e Oberst des Herrn Weisker. 5 fflich war auch der alte
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Frankfurter Theater. 3
Aus e a. M. wird uns geschrieben: 5 7 „Im Frankfurter Opernhaus erlebte ei lr⸗ beit von Dr. Ludwig Rottenberg, dem Kapellmeie der hiesigen Oper, ihre Uraufführung. Ludwig Rottenbergs Muß il zu dem Goetheschen Drama„Die Geschwister“ ist ein mosaik⸗ artiges Gebilde aneinandergefügter, schnell aufgenommener und meist ebenso rasch aufgegebener Ideen. Oft ist eine Melodie kaum angekündigt, und schon bricht sie ab, eine zweite folgt, der man dasselbe Spiel erlebt. So ist es schwer, einen ge⸗ schlossenen Eindruck des musilalischen Bildes, wenn man von einem solchen überhaupt sprechen kann, zu gewinnen. Immerhin löst 5 fiat die ene aus, daß man sich der Arbeit ei mpfindsamen, feinsinnigen, ernsten Komponiste übersieht, Die Wiedergabe des e 8 eu
h Bebi
ler entworfen worden ist, wurde als die den Abend absck ießende Gabe mit hellem Beifall willkommen geheißen.— Im N Theater sah man Harry Vosbergs Burleske„Genergl⸗ pro be von„Ein kostbares Leben“, die hauptsächlich voh durch die Einblicke, die sie in den Theaterbetrieb hinter Vorh n stz 5 e und in der wirkungsvollen V Aung, die sie unter Herrn Rein Lei e 0 N ranns Leitung fand, 1
Male:„Peterchens Gerdt von
geschlossen(5. Museums⸗
den 15. Dezember,


