a
8 der bei der Eigenart dieses Fürsten nicht weiter verwunderlich ist.
vielleicht gut so. Verbrannte Schloßruinen hoben sich undeutlich
der
so weit die belogenen
und Antwerpen in Aussicht gestellt gewesen sein. Ob die Land⸗
Erscheint täglich mit Ausnahnie des Sonntags.
Die„Siegener Familiendlätzer“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisbiaut für den Kreis Eleßen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtscheftlichen Seit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
6V 8
1
165. Jahrgang
Ariegsbriese aus dem Gsten. Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (unberechtigter Nachdruck, auch aus zugsweise, verboten.)
Durch Kurland. N
0 Bauske und Mitau. 2 Mitau, Mitte November.
„Ausharrend will ich zeugen,
1 6 5 5 Von welchem Stamm ich bin.“ „Die drei Kreise, die längs der Düng den Zipfel Kurlands tief nach Litauen hinein bilden, habe ich in diesen Novembertagen durchfahren. Nach kurzem Frost und dichtem Schneefall setzte gelindes Wetter ein. Nebel zogen über ganz Kurland. Es war
aus den weißen Schleiern. Der Roggen lag in faulenden Hocken. Es war vielleicht gut so, daß der Nebel verbarg.
. Aber aus dem Gesicht des Landes hoben sich auch saubere Flachsfelder, Rübenstrecken, die kaum Unkraut kannten, Dampf⸗ pflüge, die nur auf Arbeit zu warten schienen— und doch irgend welcher Teil beraubt waren—, reinlich gemauerte Scheunen, ordent⸗ liche Ställe, alles zeigte die Arbeitsamkelt, den Ausschwung, das Deutsche in diesem schönen Landstrich. Wer nicht wüßte, was es mit Kurland auf sich habe, wer völkerfremd und geschichtsunkun⸗ dig aus Litauen ins Kurland hineinführe, müßte betroffen auf⸗ sehen und selbst in dem traurigen Kriegsbilde eine andere über⸗ legene und starke Kultur erkennen. Ein Blick in eines der Pfarrhäuser, in eine Apotheke, in ein Doktorhaus, ein Besuch eines der Schlösser, die ein Zufall von dem Aeußersten verschont hat, zeigte dann, daß diese Kultur deutsch ist.
Tief über Rußland hat sich ihr Einfluß gestreckt, die Be⸗ deutung des Baltentums ging weit über die drei Povinzen hinaus, von denen wir die zweitgrößte bis auf winzige Bruchteile in Besitz halten. Das konnte man in Wilna sehen, das habe ich in Bialyhstok selbst erfahren. So oft man in den stumpfen Gesprächen einen anderen Ton aufklingen hörte, war das ein Gruß aus Kurland, aus Riga, aus Dorpat, wo die Wiege der Eltern gestanden ö e oder wo man studiert hatte. f Die Dorpater Lieder haben geschwiegen. Wer sie jetzt wieder singen darf, dem bewegt sich das Herz. Es gibt viele bewegte und heiße Herzen in Kurland, in diesen Tagen, seit die deutschen Trup⸗ pen die Landeshauptstadt besetzten. 4 Aus der Einsamkeit der Straßen, die auf Meilen kein mensch? liches Wesen zeigen, taucht die kleine Stadt Baus ke auf. Zwi⸗
schen Memelchen und Mus(Njemenek und Muscha) muß das Städtchen in Sommertagen hinter seinen Lindenalleen und Obst⸗ gärten ein freundliches und geruhsames Leben gelebt haben. Jetzt haben in diesem Sommer die Kanonen einen Tag herüber und hinüber geschossen, nur die tiefere Lage hat die kleine Stadt vor Vernichtung bewahrt. Sie lebt sogar wieder, ein nicht gerade star⸗ kes Leben, aber immerhin, es ist erstaunlich, was der deutsche Kommandant getan hat, den Kreislauf von Arbeit und Ernte wieder zu beleben. Von den 8000 Einwohnern sind nur 800 geblieben, und trotzdem bewegt sich das Rad der städtischen Einrichtungen und
Verwaltung. Es ist ein kleines und vielleicht sogar ein großes
aber was der Herr Kommandant hier vollbracht hat. Die Rus⸗ en haben die Bewohner aus den ärmeren Klassen fortgetrieben—
Letten, denen man die deutschen Truppen
malte, in der Art, wie die. in Ostpreußen tatsächlich ge⸗
wesen sind—, soweit also die Letten, denen man außerdem„Ver⸗ sprechungen“ machte, sich nicht der flüchtenden russischen Armee freiwillig angeschlossen. Die Kurländer erhielten den Rat und bald die Drohung, die Stadt gleichfalls zu verlassen. Sie wußten, was ihnen in Rußland bevorstand und— sie kannten die Deutschen.
Sie suchten zu bleiben. Immer dringlicher wurden die Drohungen.
Schließlich, als schon die Kanonen sprachen, standen die Kosaken
vor einem Keller— der Einzelfall ist typisch— und verlangten
von den zusammenhockenden deutschen Familien den sofortigen Ab⸗ marsch.„Ein Fläschchen Wein?“ Der Unteroffizier trank es.„Einen
Cognac?“ Die Frauen machten sich fertig, die letzte Frist in Heim
und Land zu bleiben, schien verstrichen. Da klatschten Gewehr⸗
kugeln Gl die Häuser Die deutschen Vortruppen zogen gegen den Marktplatz. Stille. Wieder Schüsse. Der Kosak fluchte, rannte zu den Pferden.. So sind sie in Bauske geblieben. Man fand
0 5 zusammen, wie sich Menschen finden, die dem bittersten Schick⸗
sal entronnen sind.
Vor ein paar Wochen kam dann der neue Kommandant: die
große Mühle wurde instandgesetzt, aus Schutt und Trümmern die
*
Brabant und hessen. VII. (Schluß.) 8 Etwaige Ansprüche des Hauses Hessen auf die Reichslehen der Herzöge von Brabant hatten selbstverständlich nur solange einen Sinn, als das alte römische Reich deutscher Nation bestand. Be⸗ stimmte Zeuguisse dafür, daß sie von den Landgrafen jemals er⸗ hoben wurden, fehlen. 1437 und 1744, als sie es versuchten, im Einverständnis mit dem Kaiser das Land ihrer Väter wiederzuge⸗ winnen, wird ihnen wohl die Belehnung mit Brabant, Limburg
grafen im spanischen Erbfolgekrieg ein Abkommen über die Reichs⸗ lehen mit dem Kaiser gesucht haben, steht dahin. Bekannt ist nur, daß sie bei dessen Verbündeten ihre Ansprüche angemeldet haben. Nach der Auflösung des Reichs bestanden die Fahnenlehen Brabant, Limburg und Antwerpen nicht mehr. Damit sind auch die An⸗ 5 hessischen Hauses auf sie gegenstandslos geworden und er 5
Mit dem Familiengut, dem„Allod“ Herzog Johanns III., das den Kern seiner Machtstellung gebildet hatte, stand es damals 11 85 nicht anders. Es ist müßig, zu fragen, welche Umwand⸗ lungen es im Laufe der Zeit erfahren hatte. Am Ende des 18. Jahrhunderts bestand es nicht mehr. Im Sturme der Revolution waren Domänen, Kirchen und Lehnsgüter untergegangen. An eine Wiederherstellung des alten Zustandes war nach der Niederwer⸗ fung der Revolution nicht mehr zu denken. Der Friede von Paris und der Wiener Kongreß haben schließlich die Verhältnisse Mieder⸗ lothringens völkerrechtlich geregelt. Seit 1814 haben die ehemali⸗ gen niederländischen Provinzen Oesterreichs einschließlich Brabants, nachdem sie etwa zwer Jahrzehnte lang Teile der französischen Re⸗ publik und des Kaiserreichs gewesen waren, mit Holland das König⸗ reich der vereinigten Königreiche gebildet. Hessen⸗Kassel und Hessen⸗Darmstadt haben durch ihre Unterschrift unter die Wiener Kongreßakte diese völkerrechtliche Regelung der Besitzverhältnisse im Rheinmündungsland anerkannt und damit auch auf alle An⸗ sprüche auf Brabant, Limburg und Antwerpen verzichtet. Daß
Kurfürst Wilhelm I. von Hessen⸗Kassel, der als Landgraf Wilhelm IX. 1789/90 den letzten Versuch einer Wiedergewinnung des ver⸗
.
lorenen Erbes lacht hatte, um 1820 den Gedanken daran noch einmal aufgriff, muß als ein Anachronismus bezeichnet werden,
1830 rissen sich die südlichen Provinzen der vereinigten Nieder⸗
lande mit Brabant von den vereinigten Niederlanden los, bil⸗ deten unter dem Namen Königreich Belgien einen neuen Staat, 0 192. Saen 0 und wählten 1831 den Prinzen
Dynamos für das Elektrizitätswerk gegraben und in Betrieb ge⸗ bracht, das Gewerbelasino des deutschen Gewerbevereins in Ord⸗ nung wiederhergestellt in der Art, daß auch die Bürger, die sich über ordnungsmäßige Mitgliedskarten auswiesen, dort mit den Offi⸗ zieren verkehren konnten, das Krankenhaus wurde aus dem Nichts heraus wieder eingerichtet, eine Schule gegründet, die Markttage wieder neu belebt. Es gibt in der kleinen Stadt keinen Ort, an dem nicht gearbeitet würde. Mit oft geradezu drastischen Mitteln und Notbehelfen muß Kommandant und Bürgerschaft durchkommen; aber das geradezu verblüffende Verwaltungstalent dieses preußi⸗ schen Hauptmanns findet immer den Weg. immer die Anregung. Da ist zum Beispiel die Kirche, im Vorübergehen sagte der Kom⸗ mandant:„Die habe ich auch wieder in Gebrauch genommen.“ Das Dach war von vier Granaten zerschlagen, Orgel zerstört. Es war keine Dachpappe da natürlich, aber am Markt hingen noch massen⸗ haft die vorgeschriebenen russischen Firmenschilder aus gutem Blech. Sie hatten nie jentandem gedient, denn russisch ist den beiden Be⸗ völkerungsteilen, den deutschen und den Letten, das Fremde gewesen. Jetzt dienen sie zum erstenmal seit ihrer Fertigung nützlichem Zweck. Das Kirchendach wurde mit den russischen Schil⸗ dern geflickt, ein Harmonium in den nun gesicherten Raum gestellt. Die Gottesdienste sind voll besucht. Die deutsche Sprache spricht zu den deutschen Kurländern, die ihre Religion stets recht ernst ge⸗ nommen haben...
Das hübscheste, was ich unter den vielen erfreulichen Dingen dem musterhaften Soldatenheim, der Sauerkohlstampserei, den Werkstätten, den vier Soldatenbädern, den Fundsammelplätzen, in denen alles von der Mähmaschine bis zum Soldalenstiefel wieder braubar gemacht wird— das hübscheste war die deutsche Schule. Ein Unteroffizier aus einem Armierungsbataillon ist Rektor der Schule. Die Beschäftigung liegt ihm nicht so ganz fern, denn auch zu Friedenszeiten hat er eine Volksschule in Norddeutsch⸗ land geleitet. 150 Schüler und Schülerinnen haben sich gemeldet, und täglich kommen neue Meldungen hinzu. Die Unterrichtssprache ist deutsch. Auch die lettischen Kinder, die noch keinen deut⸗ schen Unterricht vorher hatten, finden sich mit ihr ab und lernen sehr schnell zu folgen. Die Begabung und die Willigkeit der kleinen Letten wurde besonders anerkannt.
Es war große Pause, als ich in das Gebäude des ehemaligen russischen Mädchen⸗Gymnasiums kam. Die Kinder saßen im Eß⸗ saal und aßen eine kräftige warme Fleischsuppe. Die gibt es jeden Tag, denn viele Kinder kommen weit her, und viele sind bitter arm. Die Mittel werden aufgebracht für Schule und Suppe durch monatliche Schulsteuer von einer Mark, die jeder selbständige Bausker über 21 Jahre beisteuern muß. Die Kinder, die aus wei⸗ terem Umkreis als 3 Kilometer kommen, müssen 5 Mark Schul⸗ geld zahlen, trotzdem sind über 30 Schüler aus diesem weiteren Kreise. Jungens und Mädels werden vorläufig gemeinsam unter- richtet. Als die Pause vorüber war, lärmte alles— wie lustig und schön ist dieses Kinderlärmen, wenn man von der Front kommt — in die Klassen. Dann war Stille, der Unterricht begann. Ich hockte mich in eine der Bänke und hörte einer Stunde Deutsch zu. „Wilhelm Tell“. Die Vorgeschichte. Die Mädel waren schneller im Antworten als die Jungens, wie das ja nicht nur in Kurland so ist. Mir wurde sehr seltsam zu Mute, als das Frage- und Ant⸗ wort⸗Spiel weiter ging, die hellen Kinderstimmen antworteten und von der Misse her der dumpfe Ton ferner Kanonaden vom Winde getragen wurde.„Was bedeutet denn Drama, Erna?“ Sie wußte es sehr brav. Es mag genug Dramatisches vor diesen jungen Augen, die hell und fest in die Welt sehen, in diesen Tagen dahingegangen sein. Genug Tragödien gibt es in diesen deutschen kurländischen Häusern, deren fast jedes doch irgend ein Glied in der russischen Armee hat.„Sie durften um ihre Siege jubeln, um ihre Toten mit stolzen Herzen trauern. Unsere Toten starben für Rußland. Unsere Siege.. wir hatten keine Siege. Das war Baltenschicksal vergessen von den einen, gehaßt von den andern! Unsere Siege.. daß wir unserem Blut und unserer Sprache treu geblieben sind.“ Das sind schon Fetzen von Mitauer Gesprächen.
In Mitau schlägt das Herz Kurlands. Landeshauptstadt. Jetzt Sitz der deutschen Verwaltung für Kurland, di calle kur⸗ ländischen Kreise außer Bauske, Friedrichstadt, Illuxt umfaßt. Der Verwaltungschef Landrat v. Goßler empfing mich. Er hat in der kurzen Zeit der Arbeit in dem Land Liebe zu den Stückchen deutscher Erde an der Ostsee gefaßt, wie jeder, der mit unbefan⸗ genen Augen hier sieht und sehen will. Er hat überall den Eindruck gewonnen, wie jede Arbeit hier auf fruchtbaren Boden fällt; es ist ihm sichtlich Freude, dem Lande, das sehr stark— mehr fast als Polen— gelitten hat, zu helfen, soweit das bei aller Mühe möglich ist. Die Volkszählung, die vor kurzem veranstaltet wurde, hat ein Gesamtresultat von etwa zwei Fünftel der Volks⸗
bant dar.
Unter diesen Umständen kann, zudem in einer Zeit, in der die konstitutionellen Staatssormen und modernen Verfassungen das Fürstenrecht, wie es in den Tagen des alten Reiches galt, in
so mancher Hinsicht umgestaltet und eingeschränkt haben, von] ku
rechtlichen Ansprüchen des Hauses Hessen auf Brabant kaum noch die Rede sein kann. Zwischen Brabant und Hessen besteht heute nur noch das ideelle Band großer Erinnerungen, die getragen werden von dem Fürstengeschlechte, dessen jüngster Zweig, nach⸗ dem der Stamm der Herzöge von Brabant vor 56 Jahrzehnten erloschen, heute noch in Hessen blüht. In den Tagen, in denen das Schicksal des Rheinmündungslandes, das in alter Zeit einmal ein wertvolles Glied des deutschen Reiches gewesen ist, aller Ge⸗ danken erfüllt, liegt es nahe, diese Erinnerungen bei uns auf⸗ zufrischen und von den halbvergessenen Beziehungen Brabants zu Hessen zu reden.
Hessens Fürstenhaus selbst hat, wie das ja auch aus den verschiedenen Versuchen, das brabantische Erbe wiederzugewinnen, herporgeht, diese Erinnerungen immer gepflegt und auf seine Abstammung aus dem Geschlechte Graf Giselberts vom Maasgau großen Wert gelegt. Das geht für die jüngste Zeit u. a. auch daraus hervor, daß Großherzog Ernst Ludwig in sein Hauswappen neben dem aus Thüringen entlehnten rotweißen Löwen im blauen Feld den goldenen Löwen der Brabanter Herzöge im schwarzen Felde aufgenommen und das Andenken an seinen Ahnherrn,„der
eiligen Elisabeth Enkel, den ersten Landgrafen von Hessen und egründer seines fürstlichen Hauses, Heinrich aus dem Herzog⸗ stamme von Brabant“ durch die Stiftung des Ordens Stern von Brabant geehrt hat.
Auch in Belgien ist das stolze Herzogsgeschlecht unvergessen. Vielleicht erinnert man sich auch heute in engeren Kreisen seines Zusammenhangs mit dem Hause Hessen. In Brabant selbst war wenigstens gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Gedächtnis daran noch unverloren. Sonst hätte 1789 der Ge⸗ danke, einen hessischen Prinzen zum Herzog zu wählen, nicht aufkommen können. Nach Blättermeldungen regen sich neuer⸗ dings, wenn auch nur vereinzelt, in Brabant und Flandern Be⸗ strebungen, die auf ein Loslösen der flamischen Teile Belgiens von den wallonischen und auf einen selbständigen rein germani⸗ schen, aus Flandern und den flamischen Bezirken Brabants zu bildenden Staat hinzielen. Mit der Möglichkeit, daß die Verhält⸗ nisse in Belgien beim Friedensschlusse, ähnlich wie 1814/15, völker⸗ rechtlich neu geregelt werden, wird man rechnen dürfen. Ob man sich wohl, wenn es dazu kommt, dabei auch einmal auf den alten
ner Anzeig
General-Anzeiger für Oberhessen
5 Montag, 22. November 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts Buch- und Steindruckerei,
R. Lange, Gießen. 8
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul ⸗
straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrist⸗
leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichtem Anzeiger Gießen.
zahl vor dem Kriege, die etwa 600 000 Menschen betragen haben dürfte, ergeben. Diese Entvölkerung wurde dadurch erreicht, daß die Mussen ihre Evakuierungsmethode in Kurland besonders energisch durchzuführen suchten. Um den Letten di utsernung von Haus und Hof mundgerecht zu machen, hatte ihnen die russische Regierung erlaubt, durch selbstgewählte Kommissionen den Kriegsschaden, den sie durch Verwüstung ihrer Aecker, Abzug mit Vieh und Kind und Kegel erlitten, selbst abzuschätzen. Es wurden dann Gutscheine darüber ausgezellt, so daß die Bauern hofften, ein gutes Geschäft zu machen. Daß man ihnen erzählte,
8 bald würden sie wieder zurückkehren können, ist selbstverständlich. 5 Nachdem man sie erst einmal jenscits der Düna hatte, kümmerte sich lein Mensch mehr um sie. Sie wurden nach entfernten Teilen Rußlands gebracht, in denen natürlich kein Lettisch berstanden wurde. Man betrachtete sie dort als Deutsche und behandelte
sie danach. Ihr Schicksal ist: Verhungern, Verkommen. Sie sind die Opfer, die— wie alle, die cis taten— dafür bestraft werden, daß sie russischen Versprechungen glaubten.
Die Juden wurden schon vorher unter Ansetzung ganz kurzer Fristen und unter Anwendung von Gewalt aus ganz Kurland, soweit es noch in russischer Hand war, vertrieben. Ihr Auszug und ihr Durchzug durch Mitau war ein Bild des Elends, ihre Zukunft und ihr Schicksal gleicht denen der Letten. In fenerlicher Versammlung hat der Rabbiner in Mitau den großen Fluch des Volkes Israel gegen Rußland gesprochen..
Nur in Libau sind die Juden geblieben. Die Einnahme er⸗ folgte damals zu schnell. So hat Libau denn auch etwa die Hälfte seiner Bevölkerung behalten, in Mitau ist ungefähr ein Fünftel geblieben. Von den Deutschen wird etwa ein Drittel außer Landes
gebracht worden sein. Wie sich ihr Schicksal gestaltet, kann man
vermuten, wenn man die zahllosen Einzelheiten hört, mit denen russische Methode gegen fast jede deutsche Familie vorging. Ein sechzehnjähriges Fräulein wurde ins Gefängnis gesteckt, weil in dem ihr gestohlenen Tagebuch lein Backfischtagebuch) eine Stelle
N
9 1
F
e
—
enthalten war, die man als Freude über deutsche Siege auslegen 5 5
konnte.
Es ist dabei zu bemerken, daß die Balten loyale Untertanen waren, daß sie nur das Recht haben wollten, ihre liebe, alte deutsche Art und Kultur zu halten. Es war den Balten ja auch gar nichts übrig geblieben als loyal zu sein, wie die politische
age und die Aussichten waren. 5 lands hat der baltische Adel geblutet, in allen Regierungsämtern sorgsame Arbeit getan, Rigas mächtiger Aufschwung kam Rußland zugute, jahrhundertelange Beziehungen bestanden zum Hexrscher⸗ hause. Dieses loy ale Verhältnis hat Rußsand nach Kriegs⸗ ausbruch ohne den Schatten eines Beweises gekündigt. Deutsch⸗ Baltisch wurde schlechthin als feindlich betrachtet, die deutsche
Sprache wurde aufs sorgsamste verfolgt, die letzte deutsche Zeitung
in Riga verboten, die hervorragendsten Männer des Baltentums wie Verbrecher fortgeschleppt und verbannt. Dies Verhalten der
wussischen Regierung ist die Grundlage für jede Beurteilung.
Die andere Seite ist vorläufig nicht zu erörtern. Jetzt stehen wieder die deutschen Straßenschilder an den Straßen
Mitaus, mit heiliger Freude spricht der Balte die angeboreng
Sprache auf dem Boden seiner Heimat, die seine Arbeit zu dem gemacht hat, was sie ist: ein„Gottesländchen“. 5 5 Mitau hat den Hauch von Potsdam. Mancherlei verschnör⸗ keltes, aber unter der Form, die merkwürdig altertümli man denkt an Postkutsche und an Schnupftabaldose— anmutet,
ist ein helles geistiges Leben. Das Kasino hat 170 deutsche
Zeitungen und Zeitschriften gehalten, ein paar Semester zu stu⸗ dieren war für den Gutsbesther Buchläden
derselben Größe aufweisen könnten.
üblich geworden, die deutschen igen mehr schwere Kost, als vielleicht deutsche Städte
Auf allen Schlachtfeldern Ruß⸗
Unter dem Druck hat das deutsche Fühlen eine Innerlichkeit
erhalten, die stets an die erschütterndsten Tage deutschen Lebens erinnert. Jeder Tag gibt neue Beweise.
gefochten haben. Es gibt Divisivnen, die als eine Art Belohnung um die Versetzung nach Kurland gebeten haben. Aus der Fremd⸗
„Es ist eine besondere Sache um Kurland,“ sagen unsere Truppen, wenn sie einmal hier
heit und Kümmerlichkeit ist hier ein Aufatmen in deutscher Luft 7
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
Die Uriegsverräter in Belgien. Berlin, 20. Nov.(WTB. Nichtamtlich) Die„Nordd. Allg. Ztg.“ bringt einen Artikel über die Kriegsverräter in Bel⸗ gien, in dem es heißt: 5 Weil Belgien dank 5 e seit über einem Jahre aus dem Krieg ausgeschieden und der deut⸗
historischen Zusammenhang zwischen Brabant und Hessen und auf die Tatsache besinnt, daß von all den mächtigen Fürsten⸗ und Grafengeschlechtern Niederlothringens nur noch
älteste, im Mannesstamme blüht, das auf eine mehr als tausend⸗ 85 1 zurückschauende Geschlecht Graf Giselberts vom aasgau
Name Alexanders des Großen war ebenso beliebt, wie die Namen der größten bulgarischen Volkshelden; Alexander wird mit und neben den vielen legendenhaften Herrschern der Bulgaren genannt. Die bulgarische Dichtkunst hatte sich frühzeitig des großen Feld⸗ herrn bemächtigt und den Sagenkreis um Alexander bedeutend und in originaler Weise erweitert. Kurz: Alexander der Große war und ist ein bulgarischer Heros, so daß der Tagesbefehl des bulgarischen Generals für dessen Soldaten nichts Außer⸗ gewöhnliches an sich hatte, sondern diese an eine Gestalt erinnerte, die ihnen von Kindheit an vertraut war.
— Schönherrs neuestes Stück. Aus Berlin, vom 0. November, wird mitgeteilt: Professor Reinhardt hat das neueste Bühnenwerk von Karl Schönherr,„Volk in Not“, ein 5 Heldenlied, für das deutsche Theater zur Aufführung er⸗ worben. a
—
des raschen Erfolges der deutschen Waffen
mein einziges, das


