Ausgabe 
(19.11.1915) 273. Zweites Blatt
Seite
103
 
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erschein täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSleßener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Ureis Gießen zweimal wöchentlich. DieLand wirtschaftlichen zeii⸗ ragen erscheinen monatlich zwennal.

ießener

General⸗Anzeiger für Oberhessen

165. Jahrgang

Anzeiger

Freitag, 10. November 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S 51, Schrift⸗

leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Willkommene Ergänzung unserer Volksernährung.

Die Wirkung des deutschen Vorstoßes in Serbien macht K

sich bereits bemerkbar. Rumänien liefert uns auf dem frei gewordenen Donauwege nach Oesterreich und Deutsch land. Damit eröffnet sich für uns die Aussicht, die Volks⸗ ernährung durch Brotgetreide reichlicher gestalten zu können als bisher, weniger haushälterisch vorsorgen zu müssen. Es sind die Bestände zweier Ernten, die in Rumänien lagern, teils nicht ausgeführt werden konnten wegen der Verschlie⸗ Fung der Dardanellen, teils aus politischen Gründen nicht oder nur unter großen Belästigungen und Erschwerungen ausgeführt wurden. Weizen, Gerste und Hafer sind die Produkte, die Rumänien uns liefern kann. Um welche exportreifen Bestände es sich handelt, läßt sich natürlich nicht genau angeben; man kann allerdings einigermaßen Schlüsse ziehen aus den Ernten. 1913 betrug die Weizenernte 2291 800 Tonnen, Gerste 602 300 Tonnen, Hafer 551 400 Tonnen. Rein summarisch gerechnet, sind diese Bestände also

zu verdoppeln. Unter Abrechnung des rumänischen Eigen-

verbrauchs, der zu haltenden Reserven, und der bisherigen und zukünftigen Abgänge nach neutralen wie feindlichen Län⸗ dern ergibt sich, was für den Export nach den Mittelmächten verfügbar bleibt. Es handelt sich da jedenfalls um sehr be⸗ deutende Quoten, vor allem bei Weizen; man bedenke, daß die rumänische Weizenernte normalerweise weit über die Hälfte der deutschen Weizenernte beträgt.

Wenn auch über jedem Zweifel feststeht, daß die rumä nische Zufuhr für uns keine Frage von Leben und Tod ist, so ist sie doch eine sehr willkommene Ergänzung unserer deut⸗ schen Bestände; der deutsche Verbrauch kann sich freier ge stalten, durch reichere Weizenmehlausgaben die Qualität des Brotgetreides bessern. Nicht zu übersehen sind die mittel- baren Wirkungen der neuen Zufuhr: die bisher ge⸗ bräuchlichen Ersatzprodukte für Weizen brauchen nicht so scharf herangezogen zu werden; somit ergibt sich für die Ver⸗ wendung dieser Produkte eine größere Bewegungsfreiheit, die eventuell unserer Viehhaltung wiederum zugute kommen kann und wird; damit vermehrt sich die Aussicht auf reichere Milch- und Fleischversorgung. Der militärische Vorstoß nach Südosten hat also eine ganz angenehme Nebenwirkung für den Stand unserer Versorgung und für unseren Konsum. Er erschloß uns neue Produktionszentren und eröffnet uns, wenn erst regelmäßige Verbindungen zum türkisch⸗asiatischen Südosten geöffnet sind, Aussichten auf noch völligere Er⸗ nährungsmöglichkeiten. Neben der Versorgung durch rumä nische Bestände wird auch Bulgarien manche wichtige Produkte liefern können. So sind nach neueren Pressemel⸗ dungen 20000 Tonnen Mais zur Ausfuhr nach Deutschland Fender ein worden, während andere Produkte uns zugeführt werden im Umfange, als Bulgarien Ueberschuß an ihnen hat. Gegenüber dem deutschen Bedarf an Mais von rd. 1000 000 Tonnen bedeuten 20000 Tonnen zwar wenig, sind aber

immerhin als erwünschter Zuschuß zu betrachten.

Ist so Verminderung der Knappheit, vielleicht sogar ihre Behebung für einzelne Produkte, im besten Zuge, so bleibt die weitere für jeden Verbraucher wichtige Frage: Wird die reichere Versorgung nun auch die Teue⸗ rung mäßigen? Die Produkte, für die Höchstpreise fest⸗ gesetzt sind, lassen sich ohne weiteres mit stärkerem Angebot ermäßigen; bei ihnen ist die Ermäßigung lediglich eine Ver⸗ waltungsmaßregel, die natürlich ergriffen wird, so bald die Umstände es erlauben. Die Produkte, für die noch keine Höchstpreise bestehen, oder solche nicht eingeführt werden,

stehen, ist die begründete Aussicht vorhanden, daß die reichere Versorgung auch eine Verbilligung der Lebenshaltung be deuten wird.

das 2. Bataillon des Regiments Generalfeldmarschall von Hindenburg(Rr. a7) im Brückenkopf am Narew.

Die Nacht war hereingebrochen. Es regnete ununterbrochen. Das 2, Bataillon von Hindenburg lag in einem triefenden Kiefer⸗ wald bei zusammengesetzten Gewehren und wartete auf weitere Befehle. Tie schweren russischen Granaten zogen singend durch die Nacht über unsere Köpfe und schlugen irgendwo hinter uns in den Wald ein, so daß der donnernde Widerhall der krepierenden Granaten gar nicht sterben wollte. 5 5

Um 10 Uhr abends kam der Befehl, daß das Bataillon um Mitternacht den Narew überschreiten und vom Brückenkopf aus 2 Uhr morgens mit den dort befindlichen Truppen den Feind angreisen solle, um den Brückenkopf zu erweitern. g

Ueber den Narew! Solange der Krieg dauerte, hatten wir alle auch an den Uebergang über den Narew gedacht und an die Erstürmung seiner drohenden Sperrfestungen. Jeder wußte, wie der Uebergang fast unmöglich erschienen war, jeder kannte die Narewsümpfe und die Zähigkeit der Russen in der Verteidigung solcher natürlichen Hindernisse.

Am Morgen war es Teilen der Regimenter 33, 44 und der 4. Grenadiere gelungen, überraschend auf schwankenden schmalen. Laufstegen an günstiger Stelle über den Fluß zu kommen und mit unerhörter Tapferkeit hart am jenseitigen Ufer einen kleinen Brückenkopf anzulegen. Aber die Russen hatten sofort übermäch⸗ tige Reserven herangezogen und umfaßten die Tapferen mit eiser⸗ nem Ring. Konzentrisch griffen sie, von stärkstem Artilleriefeuer unterstützt, dauernd an, und doch wurden alle Angriffe todesmutig abgeschlagen. Hilfe konnte am Tage nicht gebracht werden, da jede Annäherung an den Fluß unmöglich war. Die Granaten der Russen verwandelten den Narew hinter dem Brückenkopf in eine dauernde Riesenfontäne, jund wehe dem, der sich hinein⸗ wagte!

Nach Einbruch der Dunkelheit war es dem Divisions⸗ brückentrain trotz des in der Dunkelheit anhaltenden Strichfeuers gelungen, durch eine schmale Sanddüne etwas gedeckt, an langen 1 1 seine Pontons an den Fluß zu ziehen und ins Wasser zu lassen. 1

Ein Pionierunteroffizier führte das Bataillon um Mitter⸗ nacht durch Sumpfschlenken nach der Pontonstelle. Lautlos zog die Truppe wie ein dunkler Wurm durch die Nacht. Hier und da rutschte einer aus auf dem glitschrigen Boden, während es dauernd regnete, und die Insantertegeschwse von drüben durch das Ba⸗ taillon pfiffen. Mancher verschwand lautlos für immer zwischen dem Wiesengras. Ein Aufhalten gab es nicht, Der junge Pionier⸗ unteroffizier, unser Führer, erhielt einen tödlichen Kopfschuß. Wir mußten selbst die Uebergangsstelle suchen. Pontons überholten wir, die Landsturmpioniere mit äußerster Anstrengung durch den Sumpf zogen. Endlich war die Uebergangsstelle erreicht. Die grauen, plumpen Pontons schaukelten in der Strömung von den Fahrmannschaften festgehalten. Drüben knatterten die Maschinen⸗ gewehre hin und wieder, und die weißen Leuchtkugeln tauchten in die dunkle Nacht und leuchteten geisterhaft in Büsche und Bäume. Endlos schien uns das Uebersetzen zu dauern, und manchen tapferen Feldgrauen verschlang der schmutziggelbe Narew. Die

Das Bauernhaus in Ostpreußen.

Die Provinz Ostpreußen, deren aus alten Ueberlieferungen historisch entwickelte Schönheiten durch den Russeneinfall ein mebr als aktuelles Interesse erlangten, hat erst durch die örtlichen Ge⸗ schehnisse des Krieges jene allgemeine Würdigung erhalten, die ihr schon seit jeher von den sachverständigen Kennern zuteil wurde. Es geschieht oft so, daß man vor dem Glanz der entfernteren Welt den Schmuck in der Heimat nicht genügend schätzt. Darum ist es doppelt freudig zu begrüßen, daß die Deutschen sich voll und ganz der Schätze bewußt wurden, die sie in Ostpreußen besitzen. Ganz besonders ist die Provinz vom Standpunkt der Architektonik sowohl kulturpolitisch wie künstlerisch nicht hoch genug zu werten. Allein die Geschichte des ostyreußischen Bauernhauses, das in dem demnächst im Verlage von R. Piper(München) erscheinenden WerkeDas schöne Ostpreußen von Richard Dethlefsen eine sachkundige Wertung erfährt, bildet ein Kapitel für sich. Denn gerade die Hausformen sind bezeichnend für die ganze ostpreußische Kultur:In den Hausformen zeigt sich diese Entwicklung heute noch deutlich genug. Das bodenständige, allein verwendete Bau⸗

material im Lande war das Holz, von dem die ausgedehnten,

sich fast über das ganze Land erstreckenden Waldungen unerschöpf⸗ liche Vorräte boten. Aus ihm fügten die Landesbewohner jegliches Gebäu, dessen sie überhaupt bedurften. Die Kunst, aus Ton 1 1 zu brennen, brachten erst die neuen Herren mit in das

and hinein. Nur im Oberlande und im Ermland ist diese Kunst wenigstens etwas auch von dem Volke selbst für seine Bauten benutzt worden. Der Bauer befriedigt ja überall sein Baubedürf⸗ nis mit den einfachsten, ihm nächsterreichbaren Mitteln, sieht in erster Linie auf Zweckmäßigkeit und hält mehr wie irgend ein anderer Beruf am Herkömmlichen, am bewährten Alten fest. So nahm auch der neue Zuzug der Ordensbesiedelung im wesentlichen hier den bodenständigen Holzbau an, richtete sich auch im übrigen weitgehend nach der Art der Urbewohner und fügte nur die Zu⸗ taten aus der alten Heimat hinzu, wo es ihm um die Betonung eines Bauteiles besonders zu tun war, oder neue Zwecke neue Formen forderten. Auf diese Weise entwickelte sich im Verlaufe der Jahrzehnte der ostpreußische Stil immer mehr zu persönlichen Formen, und gerade durch die Kreuzungen der verschiedenen Bau⸗

arten bildeten sich besondere Bauformen bei den Ansiedlern aus.

Wie auf anderen Gebieten, ist auch hier die Wirksamkeit des Ordens derRitter des Hospitals St. Marien des deutschen Hauses zu erkennen, der das Land im 13. Jahrhundert politisch und kulturell dem Abendlande gewonnen hatte.Aus Oberdeutschland, woher der Orden seinen Zug nach Preußen unternahm, brachten sie das an die fränkische Weise anschließende Fachwerk mit, das im Oberlande die beiden Giebel der Häuser über dem gegehrfaßten, das heißt aus

5 Holzbalken aufgebauten, Erdgeschoß schmückt, und in dem die statt⸗ lichen Vor

auben ganz ausgeführt sind, die der Bauer inmitten

der Langseite vor dem Eingange zu seinem Wohnhause errichtete. Die Entwicklung der Hausform geht von dem Einraum aus. Vor

diesen wird dann ein Flur gelegt. Der Einraum wird in mehrere mer geteilt. Auf der anderen Seite des Flures treten ein paar Wirtsch 33 hinzu, und es entsteht am Ende der Entwick⸗

riß, den man als den wendischen zu be⸗

zeichnen pflegt. Mit der wachsenden Entfernung von dem Herzen der Ordensherrschaft wächst auch die Selbständigkeit der Besiede⸗ lungsform. Während im Samlande, in Natangen und Barten die eingeführten Bauformen mannigfache und beachtenswerte Kreuzungen eingehen, beherrschen in Masuren und noch mehr in Litauen die alten bodenständigen Formen die Haushaltung voll⸗ kommen. Die Stilarten in den einzelnen Landesteilen lassen sich heute noch genau unterscheiden.In Masuren steht der Grundriß des Wohnhauses noch dem oberländischen nahe. Dieses hat sich aber von den Hofgebäuden losgelöst, die geschlossen um den Wirt⸗ schaftshof liegen, und steht selbständig im Hausgarten an der Straße, neben der oft reich ausgebildeten Durchfahrt, die die Hoflage von dem Wege scheidet. Der gerade, in Fachwerk aus⸗ gebildete oder schlicht verbretterte Giebel des Oberlandes weicht hier reicherer Ziersorm. In Masuren⸗Litauen sind schon im 14. Jahrhundert von deutschen Ansiedlern Straßendörfer angelegt und hat sich die beachtenswerteste, älteste und selbständigste Kunst⸗ übung bis auf unsere Tage hinübergerettet. Von Urzeiten her wohnte jede Familie für sich, durch Feld und Wald vom nächsten Nachbarn wohl geschieden. Noch heute gibt es dort, wo sich die Bevölkerung rein erhalten hat, Dörfer, in denen nur Pfarrhaus und Schule beisammen liegen, während die dazugehörigen Höfe diese in sehr weitem Umkreise und losem Verbande umgeben. Getrennt, wie die Siedlungen, sind auch die Gebäulichkeiten des einzelnen Hofes. Der Litauer schuf sich für jede Aufgabe ein neues Gebäude, einen neuen Einraum. So kam es, daß sich eine ganze Reihe solcher Gebäude auf alten wohlhabenden Höfen zusammen⸗ fanden. Heute ist selbstverständlich diese nach der neuzeitlichen Anschauung unzweckmäßige Wohnform verlassen. Die Einräume wurden im Laufe der Weiterentwicklung gesetzmäßig aneinander⸗ gereiht, und es eutstand eine Trennung in einige wenige Ge⸗ bäude. Eine bauliche Merkwürdigkeit hat sich aber das litauische Bauerngehöft bewahrt, die Klete, das Schatzhaus. Es dient zur Aufbewahrung des Saatgetreides und der besten Habe des Hofes. Es ist das einzige Bauwerk des litauischen Bauernhofes, das eine starke Betonung erhält in der Form der Giebellaube. Eine ganz andere Form des Wohnhauses hat sich im Mündungsgebiete der Ströme am Kurischen Haff herausgebildet. Der Umstand, daß große Feldwirtschaft von der hier angesiedelten Fischerbevölkerung nicht getrieben wird, führte dazu, das ganze Baubedürfnis tunlichst durch einen Bau zu befriedigen, auf dessen um so stattlichere, äußere Erscheinung dafür ein um so größerer Wert gelegt wurde. Besonders reiche Giebelverbretterungen, geradezu klassisch gezeich⸗ nete Pferdeköpfe und schöne Färbung auch des Aeußeren heben diese höchst ansehnlichen Gebäude aus dem Kreise der sonstigen litauischen Kunst heraus.

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TheodorLeschetitzkyf. Mit Theodor geschetitzky, dessen Hingang der Draht aus Wien meldet, ist der Nestor der europäi⸗ schen Klaviermeister dahingeschieden. 85 Lebensjahre hat er vollen⸗ det, und wie aus einer vergangenen Zeit reichte der Künstler in die Tage unserer Gegenwart hinein; hat er doch als Junge noch vor

Pontons wurden durchlöchert und trugen uns doch an das andere Ufer. N f Das Bataillon besetzte sofort den rechten Flügel des Brücken⸗ kopfgrabens, während das dort befindliche tormüde Bataillon 33 in die Reservegräben in die Mitte des Brückenkopses zurückgezogen wurde. 8

1 Uhr 30 Minuten morgens stand das Batailllon in dichtester Schützenlinie, die Maschinengewehre verteilt, angriffsbereit im Graben, und die Hindenburger brannten darauf, ihren so hart mitgenommenen tapferen Kameraden der anderen Regimenter Luft zu schaffen.. 1

Da plötzlich meldeten die Horchposten, daß die etwa 600 Meter entfernt liegenden Russen ihren Stützpunkt verlassen hätten und in dichten Linien herankämen. Alle freuten sich. Wir waren frisch, hatten viel Munition und standen so dicht, daß es für die Russen ein Todesangriff werden mußte. 8

Kerls, nicht schießen, bis die Bande auf 100 Meter heran ist! Wir schossen eine Leuchtkugel ab und sahen die dichten Massen der Russen lautlos, in ihren braunen Uniformen kaum erkennbar, herankommen.Noch nicht! Alle von uns schienen den Atem anzuhalten. Wieder eine Leuchtkugel.Noch 200 Meter sind sie! Dann eine bange Minute, und es ging los. Ein Feuer⸗ werk von Leuchtkugeln schoß in die Nacht, und kaum 100 Meter vor uns wälzten sich die Massen der Russen heran. Feuer! Aus unseren Gräben sprühten die Feuerblitze der Gewehre und Ma⸗ schinengewehre. Ein ohrenbetäubendes Feuer schlug in die fast taghell beleuchteten Massen der Russen mörderisch ein. Ein Schreien und Stöhnen und Stutzen drüben. Dann waren wir draußen! Jauchzend warfen sich die Hindenburger mit Hurra auf den zusammengeschossenen Feind. 300 Russen ergaben sich sofort, die anderen flüchteten. Das Bataillon stürmte hinterher. Der Stütz⸗ punkt wurde genommen, zwei Maschinengewehre erbeutet und 700 Meter Raum gewonnen. Mit umgekehrter Front besetzte das Bataillon den Stützpunkt trotz heftigsten russischen Artillerie⸗ feuers und verstärkte die neue Stellung. N

Viele tapfere Hindenburger hatten ihr Blut hingeben müssen, aber der Brückenkopf war erweitert.

(gez.) Kram me, Hauptmann und Kommandeur des 2, Bataillons Infanterie⸗Regiment Generalfeldmarschall v. Hindenburg (2. Masurisches) Nr. 147.

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Märkte. ö

se. Frankfurt a. M. Viehhofmarktbericht vom 18. Nov.

Auftrieb: Rinder 632(Ochsen 18, Bullen 1, Kühe und Färsen 613), Kälber 631, Schafe 540, Schweine 129.

Marktwerlauf: Bei lebhaftem Handel wird ausverkauft. Am

Schweinemarkt ungenügende Zuführen. Preise für 100 Pfd.

Lebend- Schlacht⸗

gewicht. Kälber. 2 Mk. Feinste Mastkäl ber 30-88 133147 Mittlere Mast⸗ und beste Saugkälbenr.. 75-80 125133 Geringere Mast⸗ und gute Saugkälber.. 7074 119125 Geringe Saugkäl ber. 6470 108-19 Schafe. 2 Weidemastschase

Mastlämmer und Masthammel. 55-58 118125 Geringere Masthammel und Schafe.. 4648 110-115

Schweine.

Vollfleischige Schweine von 80 bis

100 kg Lebendge wicht. Vollfleischige Schweine unter 80 kg f

ee, 93.00 00.00 00.0000. 00 Vollfleischige Schweine von 100 bis

120 kg Lebendgewicht... 118.00 00.00 00.00- 00.00 Vollfleischige Schweine von 120 bis

150 kg Lebend gewicht... 120.00 00.00 00. 00 00.00

le. Wiesbaden, 18. Nov. Heu⸗ und Strohmarkt.

Bezahlt wurde für Heu 7,00 bis 7,60 Mark. Stroh(Richtstroh) 0,00 0,00 Mk., Krummstroh 0,000,00 Mk. Alles für 50 Kilo. Fruchtmarkt. Auf dem heutigen Fruchtmarkt war nichts angefahren.

bis in seine höchsten Lebensjahre hinein von unverwüstlicher, er⸗ staunlicher Lebenskraft. Der bewegliche, sprühend temperamentvolle Greis, der mit seinem kurzen, weißen Vollbart, seiner fleischigen Nase und seinen lustig⸗listig funkelnden Aeuglein hinter der Brille an einen kleinen russischen Muschik erinnerte ler war jedoch nicht aus Rußland, sondern aus Lemberg gebürtig) war noch bis in seine letzte Lebenszeit hinein als Lehrer unablässig tätig, und aus allen Weltteilen strömten die Schüler zu seiner türmchenreichenKlavier⸗ burg die am Rande der österreichischen Kaiserstadt, im Cottage, be⸗ legen und 7 zu einer klassischen Stätte des Klavierspiels ge⸗ worden ist. Leschetitzty war ein Lehrer, der seines Gleichen suchte; dafür zeugt die große Schar hochbedeutender Schüler, die aus seinen Händen hervorgegangen ist, und unter denen nur Paderewski und Arthur Schnabel als die berühmtesten genannt werden mögen. Als Paderewski zu ihm kam, fesselte das Spiel des jungen Polen den erfahrenen Meister mit einem Schlage. Er bemerkte darin eine Eigenart und ein Feuer, die ihn bezauberten; er bemerkte aber auch, daß Paderewski noch nicht auszudrücken verstand, was ihm vorschwebte. Leschetitzky hat es unnachahmlich verstanden, ihn zur vollen künstlerischen Freiheit zu erziehen und Paderewski hängt noch heute mit der größten Verehrung an seinem alten Meister. Durch Paderewski wurde dann Leschetitztys Ruhm in der ganzen angel⸗ sächsischen Welt verbreitet und aus Amerika sind die Künstler in Scharen zu derKlavierburg gewallfahrtet. Da war es denn freilich nicht so leicht, Eingang zu erhalten; erst mußte man, wenn der sehr kritisch gestimmte Meister überhaupt einen jungen Menschen als Schüler anzunehmen geruhte, durch die Hände sei⸗ nerVorarbeiterinnen gehen; Leschetitzky selbst gab den Schü⸗ lern nur den letzten Schliff. Die Schülerkonzerte im großen Saale seines Hauses, den die majestätischen Konzertflügel beherrschten, waren berühmt und gefürchtet; denn Leschetitzky verstand, selbst während er sich unterhielt, scharf zuzuhören und fuhr in das Spiel seiner Jünger mit einer oft sehr epigrammatisch zugespitzten Kritik mitten hinein. Leschetitzty war nämlich ein Meister des Witzes und der witzigen Erzählung. Der guten Geschichten von ihm und über ihn gibt es eine Legion. Von einem alten Klavierkünstler, der immer noch darauf beharrte, öffentlich zu spielen, obgleich seine Zeit längst vorüber war; sagte er:Er spielt die leichtesten Sachen mit der größten Schwierigkeit. Als in Leschetitztys Gegen⸗ wart einmal von dem Vermögen gesprochen wurde, das sich ge⸗ wisse Pianobauer erworben hatten, machte er die witzige Bemer⸗ kung:Chi fa piano, va sano! Zudringliche und vorwitzige Besucher und. Frager verstand Leschetitzty in derb humoristischer Weise abzuschmettern. Eine amerikanische Musikfungfrau be⸗ lästigte ihn einmal mit der Frage, ob er Wagner oder Brahms vor⸗ ziehe Leschetitzkty verblüffte sie durch die Atwort:Tschaikowski. Durch und durch war dieser Künstler eine originelle Persönlichkeit. Viermal war er verheiratet; zum ersten Male heiratete er, als er 45 Jahre alt war, und zwar eine der berühmtesten unter seinen Schülerinnen, Annette Essipoff; das vierte und letzte Mal heiratete er, als er 78 Jahre alt war, und wieder war es eine von 5 95 herangebildete Schülerin, mit der er damals den Ehebund loß.

Marie Luise, der Witwe Napoleons J., gespielt und mit Rubin⸗ schloß

stein zusammen das Petersburger Konservatorium begründet! Mei⸗ ster Leschetitzky aber fühlte sich keineswegshistorisch, sondern war

108.00 00.00 00.00- 00. 000