konnte ausgebessert und wieder in Dienst genommen werden.
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Eine Massenhinrichtung in Italien.
Hamburg, 17. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Dem„Fremden⸗
blatt“ wird aus Stockholm gedrahtet: Ter Redakteur der schwedischen sozialdemokratischen Zeitung„Arbetet“, der tagsabgeordnete Dr. Gunnar Löwegren, der kürzlich Italien besuchte, schildert folgende Szene aus Florenz: Bei meiner Ankunft am Bahnhof war dieser von einer neugierigen und schaulustigen Volksmasse überfüllt. Auf meine Fragen, warum so viel Volk zusammengeströmt sei, klärte man mich dahin auf, daß man gekommen sei, um die Sozialisten, die füsiliert werden sollten, zu sehen. In Haufen von je 20 Mann zogen die Verurteilten unter starker Bewachung vorüber. Sie hatten noch immer ihre Uniformen an. Man sah unter dem graugeklei- deten Landmilitär auch Gruppen blauer Seemannsjacken. Es waren ungefähr 200, die aus Ueberzeugung und Haß gegen den Krieg sich weigerten, dem Befehl zu gehorchen, gegen den Feind zu ziehen. Sie waren vom Kriegsgericht zum Tode verur⸗ teilt und sollten nach Arezzo geführt werden, um erschossen zu werden. Die meisten versuchten, eine freimütige Haltung zu be⸗ wahren, der eine oder der andere zeigte sogar Trotz. Wie Vieh wurden sie in die Wagen, die bereit standen und vor den Fensbern eiserne Gitter hatten, hineingetrieben. Die Zuschauer schienen im allgemeinen wenig Mitleid zu haben, aber für den Fremdling, der aus Zufall unfreiwilliger Zuschauer des Auftritts geworden war, war es ein letzter, kräftig sprechender Beweis gegen das Gerede vom Kriegsenthusiasmus in Italien. Der Postverkehr zwischen Amerika und Deutschland. London, 17. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Wie die „Daily Mail“ aus New Nork meldet, habe die amerika⸗ nische Post den Versuch von Deutschamerikanern, kleine Pakete Nahrungsmittel nach Deutschland zu schicken, verhindert. Die 1 zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland sei infolge der Weigerung der Schiffahrtsgesellschaften, eingestellt worden. 5
Pakete anzunehmen,
8 Aus dem englischen Unterhause.
London 17. Nov.(WTB Nichtamtlich.) Unterhaus⸗ sitzung, vom 15. November. Der Premierminister Asguith ankwortete auf eine Anfrage, der Kriegssekretär sei selbstverständ⸗ lich Mitglied des Kriegsrates und wohne ihm, wenn erforderlich, stets bei. Asquith lehnte es ab, den indischen Sekretär in den Kriegsrat einzuberufen, um die Körperschaft nicht zu vergrößern. Auf eine andere Anfrage antwortete er, es könne keinerlei Ein⸗ führung des Dienstzwanges ohne Zustimmung des Parla⸗ ments geschehen. Auf eine Anfrage Aldens(liberal) erklärte sich Asquith bereit, in der Wehrpflichtfrage eine Abordnung von Abgeordneten zu empfangen. Churchill sagte: Die Tatsache, daß ich nicht auf der Frontbank der Opposition Plaß nehme, bedeutet keine Kritik derer, die es tun. Ich hoffe ernstlich, daß Carson regelmäßig zu den Sitzungen erscheint.
Churchill sagte über die Expedition nach Antwerpen: Der Plan stammte ursprünglich von Kitchener und der franzö⸗ sischen Regierung. Ich spielte bei Kitcheners Plane, Antwerpen I entsetzen, nur eine Nebenrolle. Am 2. Oktober hat ein Mi⸗ misterrat stattgefunden, worauf ich mich nach Antwerpen begab. Ich telegraphierte den Vorschlag, daß Belgien den Widerstand fort⸗ setzen solle, der englischen und französischen Regierung, die in drei Tagen endgültig telegraphieren sollten, ob und wieviele Ent⸗ satztruppen sie schicken würden. Beide Regierungen haben meinen Vorschlag angenommen und es wurde beschlossen, Entsatztruppen zu senden. Es ist natürlich richtig, daß die Operationen zu spät begonnen haben. Aber es ist nicht meine Schuld. Ich habe am 6. September die Aufmerksamkeit der Minister auf die ge⸗ jährliche Lage Antwerpens gelenkt, aber es geschah nichts bis zum 2. Oktober. Die Expedition nach den Dardanellen war me⸗ thodisch und fachmännisch gründlich erörtert worden. Sie war keine improvisierte Unternehmung von Dilettanten. Die Admira⸗ lität im Dezember mit der Erwägung eines kombinierten mili⸗ ktcrischen und maritimen Ueberraschungsangriffs begonnen. Kit⸗ chen er sagte, er könne keine Truppen abgeben. Der anfängliche Plan hatte keinen Angriff auf die Gallipoli⸗Halbinsel vorgesehen. Der Plan ist von dem französischen Minister 5 geprüft und gebilligt worden. Der erste Erfolg der Beschießung der Außen⸗ ßorts übte eine elektrisierende Wirkung auf dem Balkan aus und hatte eine sofortige Rückwirkung auf Italien. Anfang März be⸗ gann sich der Fortschritt der Operationen zu verlangsamen. Die beweglichen Batterien des Feindes begannen, sehr unbequem zu werden. Darauf wurde beschlossen, einen kombinierten maritimen und militärischen Angriff zu machen. Ich bedauerte die Entscheidung und wollte den Flottenangriff fortgesetzt haben, fand aber nicht die Zustimmung Lord Fishers. Ich habe von Lord Fisher weder eine klare Leitung vor den Operationen, noch eine feste Unterstützung nach⸗ her erhalten. Wenn er die Operationen nicht billigte, hätte er das im Kriegsrat aussprechen müssen, und ich hätte damals zurück⸗ treten können. Ich übernehme die volle Verantwortung für die Flottenoperationen; aber für die militärische Unternehmung und ihre Ausführung übernehme ich die Verantwortung nur, soweit ich Kabincttsminister war. Machten es aber die Flotten⸗ Operationen notwendig, daß man militärische Operationen fehlen ließ und dabei beharrte? Wir hätten unzweifelhaft nach dem Flottenangriff vom 18. März die Operationen abbrechen können.— Die militärischen Ope⸗ rationen begannen erst am 25. April. Wenn wir in diesem Zeit⸗ raum gewußt hätten, was wir heute über den Verlauf der mili⸗ tärischen Operationen wissen, so würde niemand gezögert haben, den Prestigeverlust in Kauf zu nehmen, den der A b⸗ bruch des Angriffs auf die Dardanellen verursacht hätte Der Be⸗ schluß, militärische Operationen folgen zu lassen, ist selbständig und unabhängig von dem Beschluß über den Flottenangriff gewesen. Ich habe diesen zweiten Entschluß unterstützt; aber das Wesen des Angriffs auf die Gallipoli⸗Halbinsel mußte Schnelligkeit und Energie sein. Es hätte eine große Gefahr bedeutet, langsam bvor⸗ zugehen und lange Pausen zwischen den Angriffen zu machen. Andererseits hat umsere Armee auf Gallipoli den ganzen Sommer nur wenige Meilen von dem endgültigen Siege entfernt gestanden. Angriffe wie bei Neuve Chapelle, Loos und Souchez hätten das Schicksal der türkischen Armee ee Ich riet das ganze Jahr der 10 eine Operationen im Westen zu unternehmen, sondern Konstantinopel zu erobern. Jetzt ist die Lage völlig ver⸗ ändert. Churchill sagte sodann:„Ich lasse dem Generalstaatsan⸗ walt Smith alle seine Dokumente zurück, damit er seine Inter⸗ essen im Unterhause oerteidigt.“. Carson polemisierte gegen die neulich von Grey abgegebene Erklärung über die Politik gegenüber Serbien und sagte: Greys Erklärung ist ungemein irreführend gewesen. Die Regierung hat 5 n beschlossen, Serbien keine Hilfe zu senden. Deshalb habe ich das Kabinett verlassen. Erst drei Wochen später beschloß die Regierung, Hilfe zu senden, nachdem sie durch Besuche Joffres und Millerands umgestimmt worden war. Asquith widerspricht Carson. Trevelyan sagte: Es wird jetzt bestätigt, daß der Krieg in Erschöpfungskrieg sein wird. Wer solchen Krieg unter
eine sechs jährige Dauer schätze, wäre sehr sanguinisch. Wie wird es 2 8 solche Zeit hiadurch uns und der übrigen Welt gehen? Ein Erschöpfungskrieg bedeutet für uns ebenso wie für Dentschland
einen völligen, unwiderbringlichen Ruin. Ich bin scharf getadelt en, 1 4 160 das Wort Frieden ausgespochen habe Aber ich habe nie von Frisden um jeden Preis gesprochen. Ich habe gesagt, wir haben gewiß Forderu igen, ohne die der Krieg nicht enden kann: aber es ist nichts Entehrendes und Demütigendes, die gewünschten Ziele durch Unterhandlungen zu erreichen. Wenn die Deutschen ohne Kampf aus Belgien herausgebracht werden kömmten, sollte es auf diese Weise geschehen. Ich hoffe, daß die
Reichz⸗ h
Regierung bereit ist, die nationalen Ziele durch Verhandlungen zu erreichen, wenn sich die Gelegenheit bieret Die Regierung sollte, falls sie gemachte Friedensvorschläge ablehnt, der Nation ihren Inhalt bekannt geben.
Bonar Law erwiderte: Wir haben heute zum ersten Male eine Art Rede gehört, deren wir noch viele hören werden, bis der Krieg endet. Keine Rede konnte einen geringeren praktischen Wert
aben. Der Vorredner nimmt an, daß die Rezierung nicht berei⸗ sei die Ziele, wofür wir kämpfen, ohne Kampf zu erreichen, wenn wir das auf diesem Wege können. Kann sich jemand das ein⸗ bilden? Der Vorredner selbst hat Bedingungen ausgesprochen, dit die 1 seiner Reden zeigen. Er hat derlangt, daß
Deutschland Belgien räumt, Elsaß⸗Lothringen abtritt und zu⸗ stimmt, daß die Welt nach dem Nationalicätenprinzip regiert werde. Glaubt jemand, da; Deutschland El acd-vothringen heraus⸗ geben und Polen seine Nationalität wiedergeben wird, ohne besiegt zu sein? Jeder empfindet ebenso wie der Vorredner, was die Schrecken des Krieges sind. Jeder von uns würde begierig die früheste Gelegenheit ergreifen, den Krieg zu beenden, sofern es mit Ehren, und ohne die Sicherheit unseres Landes zu gefährden, geschehen könnte. Die Zeit wird kommen, wo diese Art Redner ausführlicher beantwortet werden müssen. Die Zeit ist noch ni cht gekommen. Das Parlament und die Nation sind ent⸗ sclossen, wie in den ersten Kriegstagen in unseren Anstrengungen nicht nachzulassen, bis die Ziele, wofllr wir das Schwert gezogen haben, als der Krieg uns aufgezwungen wurde, befriedigend er⸗ reicht sind.
Am Ende der Debatte wies Boot(liberal) darauf hin, daß die Liberalen des Wahlkreises, den Trevel an verteitt, beschlossen 5 bei den nächsten Wahlen einen anderen Abgeordneten zu
Wieder ein englischer Scheinheiliger!
London, 17. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Unterhaus Bei der Erörte⸗ rung der armenischen Massakres sagte Lord Ro⸗ Derr ee es gebe in der Weltgeschichte kein schrecklicheres Verbrechen. Die Massakres seien ganz ohne Grund erfolgt. Die Behauptung, daß britische Agenten die Armenier zur Empörung aufstachelten, sei völlig falsch. Der größte Nutzen
der Armenier würde ein britischer Sieg sein. In diesem
Kriege müssen alle Hilfsquellen benutzt und die Feinde ge⸗
zwungen werden, unsere Friedensbedingungen anzunehmen. Deutschland allein sei imstande, den Massa⸗ kres Einhalt zutun. Seine mittelbare Schuld sei jedoch zweifellos festgestellt. Das Glaubensbekenntnis des deutschen Militarismus führe logischerweise zu sol⸗ chen Verbrechen, weil es den Staat an die Stelle setze, die in anderen Völkern von der Religion und der Moral eingenom⸗ men werden. Lord Cecil schloß: Wir stimmen mit Edith
Cavells letzten Worten überein: Patriotismus allein genügt nicht. Das ist die tiefe Wahrheit, die von einer Patriotin ausgesprochen wurde. Wenn die
Deutschen die Vergötterung des Staates nicht aufgeben, werden sie sogar noch tiefer sinken als jetzt.(Notiz: Lord Robert Cecil soll vor einiger Zeit die Aeußerun getan haben: Wenn mein verstorbener Vater noch lebte, 6 wäre dieser Krieg nicht ausgebrochen. Das möchten wir auch glauben. Wenn die Leitung der englischen auswärtigen Politik in den Händen eines Stgatsmannes von der Be⸗ deutung und der Energie Lord Salisburys geruht hätte, so wäre zweifellos die russische Regierung an der frivolen Entfesselung des Weltkrieges verhindert worden.“ Gelang das aber nicht, so hätte Lord Salisbury wenigstens Eng⸗ land die furchtbaren Wunden erspart, die ihm der gegen⸗ wärtige Krieg geschlagen hat. Was würde der streitbare Führer der Konservativen wohl sagen, wenn er die leicht⸗ sertige jeder tatsächlichen Wee entbehrende n⸗ 9 5 1 5 die Deutschen hören könnte, mit denen sein Sohn dem Unterhause aufgewartet hat!)
Kriegsbriefe aus dem Osten. Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter Unberechtigter Nachdruck, auch aus zugsweise, verboten.)
Die Kämpfe an der Dünafront. IV
Vor Riga. ö Mitau, 10. November 1915. Bei dem großen Vormarsch im Juli ging die nördlichste Gruppe
der Hindenburgschen Streitkräfte aus den Stellungen östlich von Goldingen vorwärts und erreichte unter kleinen Gefechten die Linie Tuconen, Mitau, Banske, Birschi. Nach kurzem Stillsta wurde der rechte Flügel dieser Kräfte mit Bansk als Drehpunk. gegen Lennewaden(an der Bahn Riga—Dünaburg) im Anschluß an die bisher geschilderten Vorstöße der anderen Gruppen westlich der Dünafront vorgenommen. Während bei Besetzung dieser Teile von Kurland die Russen keinen nachhaltigen Widerstand goleistet hatten, kam es vor Lennewaden zu heftigen Kämpfen. Die Russen fürchteten hier, daß unsere vorstoßenden Truppen nach Erzwin⸗ gung des Dünaüberganges Riga einschließen könnten. Die 3. sibi⸗ rische Division wurde deshalb neu angesetzt. In der Mitte Oktober wurde auch der linke Flügel nördlich von Banske von neuem zum Angriff angesetzt. In einem Tage wurde nach den Gefechten bei Groß⸗Ekau und Garrosen die Misse erreicht und darüber hinaus die Linie bis Olai und an das Sumpfgelände des mächtigen Tirul⸗Sumpfes vorgetragen. Der Ring vor Riga liegt jegt in etwa 15 Kilometer Entfer⸗ nung vor der Stadt und schiebt sich bei Keklau noch etwas näher
ran. In wiederholten Vorstößen suchten die Russen den Ring 7 durchbrechen. Bei Keklau, bei Olai, bei Dünhof griffen sie an.
ngriffe, die in der letzten und allerletzten Zeit durch sehr sorgsame Artillericvorbereitung unterstützt wurden. Das völlig versumpfte Gelände, das durch den schmelzenden Schnee in diesen Tagen ein⸗ fach unpassierbar geworden ist, ließ diesen Angriffen trotz der großen Menschenopfer von vornherein wenig Möglihkeiten. Die Mannschaften, die ein paar tausend Meter durch das Sumpfgelände vorgehen, können, wenn sie endlich an die Stellungen kommen, vor Erschöpfung kaum das Bajonett heben, wie viel weniger ener⸗ gisch durchstoßen. Im Gänsemarsch arbeiten sich die Angreifer durch den Sumpf und werden von unseren Maschinengewehren abgemäht. Es ist den Verwundeten, die hier eine Kugel in den Sumpf wirft, nicht mehr en helfen. Man hört das Jammern und Schreien in den langen Näch en vor unseren Linien, aber niemand kann in den Sumpf, die Sterbenden zu holen. Bei Wisman fand ein auf Pa⸗ trouille vorgehender Artilleriebepbachter eine Schützenreihe von 50 Mann im Anschlag liegen. Als er, da er kein Feuer erhielt, sich näher heranarbeitete, fand er dicht nebeneinander fünfzig Tote, meist mit Kop schuß. Erst Frost wird die Möglichkeit geben, auf diesem Gelände zu operieren, vom Wetter hängt es ab, inwieweit ein Vorgehen auf Riga an dieser Stelle möglich ist.
Als ich heut in der Front bei Olai war, hatten die Russen schon das Ergebnis der Angriffe der letzten Tage gezogen: es herrschte völlige Ruhe. Nur um die Mittagszeit gingen ein paar Granaten in Richtung der Blenden, die wir auf der Chaussee Mi⸗ tau— Riga aufgestellt haben, um den Russen die Einsicht in die schnurgerade Straße zu nehmen. Sobald der Wald zu Ende ist, ind hüben und drüben solehe„Neuanpflanzungen“ von Tannen, die gegen Sicht decken sollen.
Ein paar Ruinen von Schlössern ragen zwischen den Linien. Der Schnee schmilzt und das Sickwasser rinnt über den moorigen
Boden. Auf den besten Stellen sinkt man bis zum Knöchel ein. Ein paar Reserveunterstände gleichen Badehallen. 5.
Es ift selben gegen Mittag nebelig und Sicht auf höchstens ein paar hundert Meter. Rach 3 Uhr setzt schon die Dunkelheit ein. Oben, noch mehr gegen den Rigaer Busen zu, soll es noch schlimmer sein mit Nässe und Rebel. Von 3 Uhr in der grauen(astenden Stille und auf Wacht stehen.. Es ist nicht leicht für die Truppen an den Sümpfen vor Riga.„Wenn man sich dorten auf den Tornister sezt, beginnt er auch einzusinken nach einiger Zeit. Dabei wird es noch schlimmer, wenn der ganze Schnee erst schmilzt, erzählt mir ein Fe. dgrauer, 1 2
Ich sehe über Ebene und Sumpfwald, bis die schweren Schleier zunehmen. Ein puar Gewehrschüsse fallen. Man weiß nicht, woher 8 Es ist gut, daß die Wege markiert sind für die Essenempfänger Das Wshin wäre sonst nicht zu entscheiden. 1
Es ist eine schwere Frage um den Weg hier in Kurland, nicht nur an der Front, in dem Nebel der Sümpfe, sondern auch in Mitau und überall, wo kurländische Herzen schlagen. 5
Aber das liegt auf weitem Felde Milltärisch betrachtet ist die Ansicht der Nussen die, daß wir unsere Wege trotz gller Hinder⸗ nisse gehen. Sie haben daher auch im Osten um Riga Befestigungen errichtet, und hinter Riga mehrere Linien bis zum Peipus⸗ er vorbereitet. Sie fühlen alle diese Kämpfe an der Dünafront letzthin als Bedrohung Petersburgs. Sie haben ihnen daher die lar ler Bedeutung beigelegt, und sie solllen ihren„Napoleonschenko“, den draufgängerischen und abenteuerlichen Bulgaren Radko Dimie⸗ trieff an die Spitze der 12. Armee gestellt haben. Er wird den Sumpf nicht ändern können, und es ist bei einsegendem Frost leicht möglich, daß der angeblich russische„General Winter“ dies⸗ mal auf unserer Seite kämpft. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
* 1 8
„Ein neues Buch unseres Kriegsberichterstatters Rolf Brandt erscheint unter dem Titel„Der große Vormarsch 1915“. Neue Kriegsberichte von der Nordostfront, in diesen Tagen bei Egon Fleischel K Co., Berlin. Das Buch schließt unmittelbar an ein früheres„Fünf Monate an der Ostfront“ an und umspannt 5 15 Zeitraum von der Winterschlacht bis zur Einnahme von
Ulna. 5 l 5
„„
Aus dem Reiche.
Zur Abhilfe der Kleingeldnot. 5 5
Berlin, 18. Nov. Die„Norddeut che Aalgemeine Zeitung. e zur Abhilfe der Kleingeldnot die hauptsächlich arauf zurückzuführen sei, daß namentlich nicht unwesentliche Mengen in den bese ten sei dl.. Cech scte in umlauf gekommen scien: Fürs ersse wurden 60 Millionen Prägung von 5⸗Pfennig⸗ Stücken aus Eisen in Auftrag gegeben. Zu den 5 sollen von den Münzstätten auch Privaprägeanstalten nach Möglichkeit herangezogen werden. An die Ausntünzung der 60 Millionen 5⸗Pfennig⸗Stücke werden sich unmittelbar weitere Prägungen in eisernen 5-Pfennig⸗Stücken anschließen. Durch diese Maßnahmen wird der Kleingeldnot rascher abgehol en werden können, als durch die vielsach befürwortete Prägung auch von 2- und 1⸗Pfennig⸗ Stücken aus Eisen.
7 Aus Hessen. 25 Staatsrat Wilbrand.
Dem Vorsitzenden der Abteilung für Forst⸗ und Kame⸗ ralverwaltung im Großh. Ministerium der Finanzen, Herrn 5 Staatsrat Wilbrand, ist, laut„Darmst. Ztg.“, nach⸗ stehendes Allerhöchstes Handschreiben zugegangen:
Darmstadt, den 16. November 1915.
Lieber Staatsrat Wilbrand! 7
Schon vor 1½ Jahren war Mir Ihr Gesuch wegen Uebertritts in den Ruhestand zugegangen Der Ausbruch des Krieges ver⸗ hinderte Mich daran, Ihrem Wunsche zu willfahren, den Ich bei der Länge Ihrer reichgesegneten Dienstzeit an sich nicht hätte ab⸗ lehnen können. Ich fand Mich vielmehr zu dem Exsuchen bewogen, Sie wissen zu lassen, Sie möchten von einem Bescheid auf die vorgetragene Bitte vorerst absehen. Wenn Ich neuerdings erfahre, daß Sie hierauf zurückkommen, so kann Ich Meinen damaligen Wunsch nur wiederholen. Mein Vertrauen auf Ihren durch mehr als 50 Jahre bew esenen treuen Dienstei er läßt Mich nicht zweifeln,
daß Sie bei Ihrer trefflichen Gesundheit bereit sein werden, auch an Ihrem Teile die alseitige Pflicht zu erfüllen, in der gegen⸗ wärtigen Zeit nach Kräften und bis zum siegreichen Ende des
Krieges durchzuhalten. Ihr wohlgeneigter Großherzog Win ab 0 —— Aus Stadt und Cand. . Gießen, 18. November 1915.
* Das Eiserne Kreuz erhielt Unteroffizier Georg Krüger, Gießen, in der 10. Kompagnie des Res.-Inf.⸗Regts 224.
** Alice⸗Schulverein. Im botanischen Audito⸗ rium der Universität sprach am Samstag, den 13. d. M., die Hauswirtschaftslehrerin Fräulein Hof auf Veranlassung des Aliceschul⸗Verelns in n Vortrag über „Die Grundlagen unserer Ernährung und die Ueberwindung der gegenwärtigen Fleisch⸗ und Fett⸗ knappheit“. Der Vortrag war zwar von einer ziemlich roßen Be von Personen besucht, doch wäre eine noch flärkere teiligung unserer Hausfrauen erwünscht gewesen, für die der Vortrag viel Interessantes bot. Frl Hof Aung davon aus, daß wir unserem Körper, wenn er bestehen und außerdem Arbeit leisten soll, Eiweiß, Fette und Kohle⸗ hydrate 40, fee müssen, daß zwar eine Mindestmenge von Eiweiß, sei es von tierischem oder von pflanzlichem, unentbehrlich ist, daß wir aber vom tierischen in den letzten Jahr, bene im allgemeinen viel 1 viel zu uns genommen 7 n. Wir können also auch mit der geringeren uns jetzt zu Gebote stehenden Fleischmenge sehr gut aus⸗ kommen, ohne daß unsere Gesundheit Schaden leidet. bug von Fett haben wir früher zu viel verzehrt, derart, da sogar von ärztlicher Seite gegen unsere allzu fette Kost Ein⸗ sprache erhoben worden ist. Wir können deshalb den Ge⸗ brauch von Fett ohne Schaden erheblich einschränken, und dies um so eher, als uns in den Kohlehydraten ein voll⸗i wertiger Fettersatz zu Gebote steht. Wir können vor allem den Butter- oder Fettaufstrich auf das Brot durch einen doppelt so dick aufgelegten Marmeladeaufstrich vollkom⸗ men ersetzen.— Nach Frl Hof nahm noch Frl. Schmidt, die Leiterin des Handarbeitseminars der Aliceschule, das
Wort zu einigen sehr interessanten de ae An⸗ knüpfend an eine in Köln stattgefundene Ausstellung be⸗ richtete sie über die Reformbestre ungen, die auf dem iet
der Nadelarbeiten seit einiger Zeit eingesetzt und in Köln einen Mittelpunkt gefunden N a ** Unsere Kriegsgefangenen in Rußland konnten bisher in die Fürsorgetätigkeit des Roten euzes nicht in dem Maße einbezogen werden, wie ihre in Frank⸗ reich und England befindlichen Schicksalsgenossen. Als daher im Zzusammenhang mit dem Besuch der Schwestern vom deutschen und russischen Roten Kreuz in den beiderseitigen Gefangenenlagern auf Grund der Gegenseitigkeit sich die Möglichkeit zu umfassenderen don en bot, wandte sich das Zentralkomitee vom Roten Kreuz sofort an die Landes⸗ und Provinzialvereine mit der Anregung, eine besonders a der orgung der Gefangenen in Ruß⸗ land, namentlich im Hinblick auf den sibirischen Winter, vor⸗ zubereiten. Es sollen bekanntlich rund 100.000 Pakete zur erteilung gelangen von genau gleichem Inhalt, der auf Grund der vorliegenden Erfahrungen zusammengestellk
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