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(17.11.1915) 271. Zweites Blatt
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Ur. 271 AzZßpeites Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Famillendlätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Areis Gießen zioeimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ ragen erscheinen monatlich zweuncl.

General⸗Anzeiger für Oberhessen

105. Jahrgang 8 9

Verjährung und Geltendmachung von Forderungen. n een

Von unserem juristischen Mitarbeiter.

Der Bundesrat hat unterm 4. November 1915 eine Ver⸗ ordnung erlassen, die für die große Oeffentlichkeit eine nicht zu unterschäzende Bedeutung hat. Nach dieser Verordnung wird die Verjährungsfrist für Ansprüche des täglichen Le⸗ bens, wie sie in den 88 196, 197 des Bitrgerlichen Gesetz⸗ buches näher bezeichnet werden, sofern sie am 22. Dezem⸗ ber 1914 noch nicht verjährt waren, auf ein weiteres Jahr und zwar bis zum Schlusse des Jahres 1916 ausgedehnt. Also, alle Forderungen, welche Kaufleute, Fabrikanten und Handwerker für Warenlieferungen und Reparaturen, Aus⸗ 1 0 und für die Besorgung fremder Geschäfte haben, alle Forderungen, die aus dem Gastwirtsbetrieb, aus dem Privatdienste, aus gewerblichen Diensten rücksichtlich Lohn und Gehalt entstehen, ferner die Forderungen der Aerzte und Rechtsanwälte für ihre Bemühungen usw., die seit 1912 bestehen und 1915 verjährt sein würden, verjähren erst am Schlusse des Jahres 1916.

Zweifellos hat der Kriegszustand, in dem wir uns befinden, zu dieser Verordnung die Veranlassung gegeben: denn in einer solchen Zeit ist es für den Gläubiger mit besonderen Schwierigkeiten verknüpft, seine Ansprüche ge⸗ gen Schuldner, besonders wenn sich diese bei den Fahnen mit wechselndem Aufenthalt befinden, geltend zu machen: ebenso wird es einem solchen Schuldner nicht leicht werden, 15 gegen ungerechtfertigte Ansprüche zu wehren. Nichts⸗ estoweniger wird es aber mancher Gläubiger, der daheim geblieben ist, gern haben, seine Forderung gegen Kriegs- teilnehmer schon jetzt geltend zu machen, um wenigstens in den Besitz eines Vollstreckungstitels zu gelangen, da sich ja durch die lange Wartefrist die Fäden der Beweisführung für ihn verwischen können. 10 einen solchen Fall ist die Beantragung eines Zahlungsbefehls das beste und einfachste Mittel zum Zweck. Dieser muß bei dem Amtsgericht mit der Bikte beantragt werden, daß für den Fall der Schuldner Widerspruch erheben sollte, sofort Termin zur mündlichen Verhandlung anberaumt werden soll. Wird nicht Wider⸗ spruch erhoben, so hat es ja der Gläubiger leicht, alsbald den Vollstreckungsbefehl beantragen zu können. Erfolgt jedoch Widerspruch, so wird das Gericht gleich im ersten Termin bestimmen, ob das 2 fe bis zur Beendigung des Krieges ausgesetzt werden foll, oder das Gericht ver⸗ fügt, was jetzt in der Regel zutrifft und zwar auf Grund einer neuerlichen Bundesratsverordnung, daß dem Be⸗ klagten ein Vertreter bestellt wird, so daß der Prozeß 1 88 Fortgang nehmen kann. Gleiches 1 auch für

en durch den Krieg etwa abwesenden Gläubiger. Es ist also hiernach, besonders bei verklagten Personen, die nicht arm sind und mehr als Rock und Stock besitzen, anzu⸗ nehmen, daß der Prozeß bestimmt zum Austrag gelangt und der Gläubiger trotz des Krieges zu seinem Ziele gelangt. So ganz sorglos darf der Gläubiger in der Geltend⸗ machung seines Anspruches aber nicht 1895 Denn obgleich die Zustellung des Zahlungsbefsehls durch das Gericht von Amts wegen erfolgt, so hat er doch durch genaue Angaben dafür einzustehen, daß die Zustellung auch richtig geschehen kann. Hierfür folgende Lehren: Der Umstand, daß eine Partei als Angehöriger des Beurlaubtenstandes zum Heere einberufen worden ist, steht der Zustellung an den Bevoll⸗ mächtigten der Partei(Prokuristen usw.), ferner an die Ehe, frau oder einen anderen erwachsenen Hausgenossen des Schuldners, auch an den Hauswirt, nicht entgegen. Denn die Zivil⸗Prozeß⸗Ordnung steht auf dem Standpunkt, daß der Adressat eine Zustellung in seiner Wohnung oder seinem Geschäftslokal gegen sich gelten lassen muß. Die Gefahr des

Nichtzuganges ist lediglich dem Adressaten aufgebürdet. Dabei ist es gleichgültig, aus welchen Gründen der Adressat von dem zustellenden Beamten in der Wohnung oder im Ge⸗ schäftslokal nicht angetroffen wurde. Eine solche Zustellung an Schuldner des Beurlaubtenstandes ist unter allen Um⸗ ständen schon wegen der Schnelligkeit, mit der sie gehand⸗ habt wird, mögen die Adressaten Mannschaften, Unteroffr⸗ zlere oder Offiziere sein, vorzuziehen. Es ist nicht einzusehen, warum die Zustellung an solche Personen nach dem Grund- saß ersolgen soll, wie sie im 8192 3PO. für Gemeine und Unteroffiziere des aktiven Heeres oder der Marine vorgesehen ist, nämlich an die Adressaten nicht direkt, sondern immer nur an deren Chefs(Chef der Kompagnie, Esladron, Batterie usw.). Bei Abfassung der genannten Bestimmung wurde be⸗ tont, daß es dem zustellenden Beamten nicht zugemutet wer⸗ den könne, den einzelnen Soldaten in der Kaserne zu ermit⸗ teln. Für Mannschaften des Beurlaubtenstandes trifft eine solche Schwierigkeit nicht zu, besonders dann, wenn deren bürgerliche Adresse richtig angegeben worden ist. Daraus ergibt sich, daß der Gläubiger, wenn er allen Schwierig⸗ keiten im Zustellungswesen aus dem Wege gehen will, gut⸗ tut, immer den bürgerlichen Stand seines Schuldners bei der Geltendmachung seiner Forderung anzugeben und dessen militärische Bezeichnung außer acht zu lassen.

Wird dagegen diese Adresse nicht benutzt oder kann über⸗ haupt nur der militärische Stand des Schuldners angegeben werden, so erfolgt die Zustellung genau so, wie sie vorstehend für Mannschaften des aktiven Heeres angegeben worden ist. Den Offizieren werden die gerichtlichen Briefe direkt zu⸗ gestellt, doch ist auch Ersatzzustellung(an Hausgenossen usw.) in der Heimat zulässig. Für aktive Militärpersonen kann auch die Zustellung durch ein Ersuchen an die Kommando⸗ behörde erfolgen; diese Bestimmung gilt für diejenigen Per⸗ sonen, die sich im Auslande bei einer mobilen Truppe oder auf einem Kriegsschiff befinden. Die Zustellung kann ferner durch öffentliche Bekanntmachung bewirkt werden. Es genügt jedoch nicht, daß der Gläubiger nicht weiß, bei welchem Truv⸗ penteil sein Schuldner eingeiogen ist. Er muß vielmehr nach⸗ weisen, daß seine Bemühungen um den derzeitigen Aufent⸗ halt des Schuldners erfolglos geblieben sind. Viele Militär⸗ behörden geben keine Auskunft, dagegen notiert sich die Poli⸗ zei, zu welchem Truppenteil der Einberufene gekommen ist. Es kommt jedoch häufig vor, daß ein Einberufener den Trup⸗ penteil wechselt; immerhin wird der Gläubiger das Mittel der öffentlichen Zustellung erst dann erhalten, wenn er ver⸗ sucht hat, die Zustellung an eine Ersatzperson(Familien⸗ mitglied usw.) anzubringen und dort bie Zustellung erfolglos geblieben ist.

Hat der Schuldner einen eee so kann die Zustellung auch an diefen erfolgen. Ein Pfleger kann für solchen Abwesenden bestellt werden, dessen Aufenthalt zwar zu ermitteln, der aber an der Besorgung seiner Ver⸗ mögensangelegenheiten verhindert ist(L912 BGB.). Diese Voraussetzung trifft auf zahlreiche Mannschaften, Unter⸗ offiziere und Offiziere des Beurlaubtenstandes und des ak⸗ tiven Heeres zu. Eine Erkundigung seitens des Gläubigers bei dem Vormundschaftsgericht dürfte daher genügen, um in Erfahrung zu bringen, ob der Schuldner einen Abwesen⸗ heitspfleger hat. Dr R

Die Gestaltung des landwirtschaftlichen Betriebs

während und nach der Uriegszeit behandelte e Dr. Kleberger aus Gießen in den letzten Mitgliederversammlungen des Land⸗ wirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen in Nidda und Alsfeld in je einem Vortrage. Die Ausführungen des Redners wurden von den zahlreich Erschienenen mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Prof. Kleberger führte aus: 5

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Mittwoch, 17. November 1915 8

Rotationsdruck und Verlag der Brit bl'schen Universttäts Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S 51, Schrift

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichtem Anzeiger Gießen.

Wie die Statistik beweist bezieht unsere deutsche Beoölkerung in normalen Zeiten etwa/ ihres Weizenbedarfs, ½0 ihres Roggenbedarfs, 809% ihres Maisbedacfs und noch ein beträchtliches Mehr ihres Oelsamenbedarfs aus dem Auslande. Der Wirtschafts⸗ krieg hat diese Zufuhr eschnitten, die deutsche Landwirtschaft hat mim die Aufgabe, die Versorgung der Bevölkerung auch ohne diese Zufuhr sicherzustellen. Welche Maßnahmen aud dazu notwendig?

Ten weitgehendsten Einfluß hat der Wirtschaftskrieg als solcher auf die Viehhaltung ausgeübt, da er die eiweiß⸗ und 1 eingeführten Kraftfutterstoffe vom Markt verschwinden ließ. Wie sind fie zu ersetzen? Momentan fast garnicht, da die Preise der geringen vorhandenen Vorräte, wie an 2 Beispielen gezeigt wird, eine Höhe erreichen, die jede Rentabilität der Viehhaltung(Milch⸗ wirtschaft) unmöglich macht. Ausgiebige Verwendung geschnittenen, unter Umständen gedämpften, Rauhfutters, in Verbindung mit Heu und Spuren von Kleie sind die einzigen Möglichkeit, den Viehstand zu erhalten, wobei eine wirkliche ausgedehnte Milch⸗ erzeugung oder Mast ganz ausgeschlossen ist. Die in der Oefsent⸗ lichkeit wiederholt angekündigte Einfuhr von Futterstoffen aus dem neutralen Auslande(Rumänien usw.) ist bis heute illusorisch und wenn überhaupt zu erwarten, dann wahrscheinlich zunächst ziemlich wirkungslos 72 den Markt. Die von der Regierung bereit gestellten Roggenschrotmengen sind viel zu gering, um irgend- welche Wirksamkeit zu versprechen. Die Zufuhr nach dem Kriege 0 dürfte aus den meisten Ausfuhrländern geringer sein als vorher, während sich der Bedarf ins Ungemessene steigert, so daß eine 13 Besserung dieser Verhältnisse auch nach dem Kriege uicht ohnsn weiteres zu erwarten ist. Abhilfe ist nur möglich durch a 1 des Oelsamen⸗, Hülsenfrucht⸗, Klee⸗, Mais⸗, Wintergerste⸗ un Gemengebaues..

Die Schweinehaltung leidet durch die Verteuerung des haupt⸗ söchlichen Rastfutters, der Kartoffel! Eine Einschränkung ist im 6 der Volksernährung und Fettproduktion nicht erwünscht. Erleichterung dieser schwierigen Verhältnisse kann erzielt werden durch ausgiebige Verwendung von Runkelrüben, Fleischfuttermehl und Zuckerfutter zur Mast. Dem Friedenthalschen Strohmehl kommt, wie an Versuchsergebnissen des Redners gezeigt wurde, irgendwelche Bedeutung nicht zu. Wertvoll dagegen scheinen die Schlachthausabfäle, deren Prüfung z. Zt. vom Referenten noch im Gange ist, zu sein.. 0 5 55

Hinfichtlich der Zugviehhaltung muß ein e Mangel an wirklich wertvollem Pfe. debestand sestgestellt werden. Die Ochsen haltung ist kaum bikliger als die Pferdehaltung und kann als voll⸗ wertiger Ersatz nicht gelten. Verteilung von Beutepferden, Be⸗ ünsnigung der Pferdeeinfuhr und Hebung der Landespferdezucht ind hier die einzigen Abhilfsmittel. Motorpflüge, Schleyver und Lastwagen sind als technisch vollkommene, zuverlässige und preis⸗ werte Selfsat im lanbwirtschaftlichen Betriebe heute noch nicht anzusehen. Mauche Erleichterungen hinsichtlich Kraft und Licht, 95 besonders im Innenbetrieb, gewährt der allenthalben empfehlens⸗ 5 werte elektrische Starkstrom.. 8 5

Don neuaufzunehmenden Tiergruppen verdienen die Schaf nit Rücksicht auf die riesige Steigerung der Wollpreise am meisten Beachtung. Veredelte Landschafe, Bastardschafe und wenig empfind⸗ liche Fleischschafkreuzungen sollten heute, soweit als irgend möglich in jedem Betrieb aufgenommen werden. 1 9 85 4

Der Feldbau wird als die Hauptaufgabe einen möglichst aus gedehnten Kartoffel⸗ und Getreidebau, zwecks Sicherung der Volks- ernährung, ansehen müssen, wobei gegebenenfalls eine Einschrän⸗ kung der Spirituserzeugung aus Kartoffeln am Platze erscheint Neben diesen Hauptaufgaben ist dem Anbau von Oel⸗ und Gespinst⸗ pflanzen(Raps, Rübsen, Hanf, Lein usw.]) weitgehendste Aufmerk⸗ 1 zuzuwenden, wie dies auch jetzt schon im Kreise Gießen geschieht. 5 i 3

Der Zuckerrübenbau braucht hierdurch absolut nicht vollständi verdrängt zu werden, er muß vielmehr unter günstigen Boden verhältnissen bei guter Verkehrslage unter allen mständen weiter⸗ geführt werden. Dort aber, wo seine Voraussetzungen nicht gegeben sind, muß ein Ersatz durch Oelsamen⸗ und Futterbau angestrebt werden. Neben diesen Richtlinien für die Ackerwirtschaft muß dern Ackerfutterbau einer guten Wiesen⸗ und Weidenwirtschaft noch mehrt Aufmerksamkeit als bisher geschenkt werden, da die Futtererzeugung im. Betriebe noch mehr als bisher in den Mittelpunkf gerückt ist. 5 8.

Nur wenn die deutsche Landwirtschaft innerhalb der ihr vor⸗ gezeichneten Richtlinien sich den gegebenen, veränderten wirtschaft⸗ lichen Verhältnissen anzupassen versteht, zaun sie die außerordentlich schwere, ihr gestellte nationale Aufgabe lösen.

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Richardis von hermann wolfgang b. Waltershausen. Uraufführung am Karlsruher Hoftheater.

Man schreibt uns aus Karlsruhe: Unter starker Anteil⸗ nahme fand 9 5 am hiesigen Hoftheater die Uraufführung der rumantischen OperRichardis von Hermann Wolfgang von Waltershausen statt. Der Dichter⸗Komponist, der sich mit seinemOberst Chabert vor einigen Jahren überraschend schnell einen geachteten Namen gemacht hat, wandte sich diesmal einem

nz neuen Wege zu; sowohl stofflich wie musikalisch. In die Seit der Karolinger ging er zurück, deren Sproß, Karl der Dicke, oder der Reiche, wie er in den alten Chroniken genannt wird, in der Aebtissin Richardis des elsässischen Klosters Andlan sein Schicksal findet. In dieses Kloster dringt Karl mit einigen Knech⸗ ten ein, um den ihm verwehrten Zins sich selber zu holen. Der Schirmherr des Klosters, Andelo, will ihm wehren, auch noch als er den Kaiser in dem Räuber erkennt. Da erscheint Richardis an der Spitze ihrer Nonnen und bittet den Kaiser um Frieden für das Kloster. Der entbrennt sofort in Leidenschaft zu der schönen Aebtis in und begehrt sie zu eigen. Als sie seinem Bitten sich widersetzt und auch seiner Versprechungen nicht achtet, erhebt er sie zur Kaiserin und schleppt die Hilflose, während Andelo von den Knechten überwältigt wird, von dannen Aber auch als Kaiserin hat Richardis die gelobte Magdschaft nicht abgelegt, und vergebens 555 der Kaiser sie an, ihm und dem Reiche den Erben zu schenken. Gebrochen geht er von der Hoheitsvollen, die ihn nicht erhörte Gleich danach aber naht sich ihr Andelo, den der Kaiser 1 5 Mönch geschoren hat. In höchster Erbitterung will er sich an

Kaiser rächen und Richardis, die er liebt, von ihm erlösen. Nun weiß Richardis, daß ihre schwerste Stunde naht; denn auch sie liebt Andelo, darf ihm aber nicht gehören. Und sie fleht ihn an, wieder ins Kloster zurückzukehren. Vor nahenden Schritten 5 sie ihn in der Kapelle. Der Erzkaplan des Reiches tritt ein. Er enthebt Richardis ihres Nonnengelübdes und bittet sie,

dem Kaiser und Land nun den Erben nicht fänger zu versagen. Da

sie ihm auch widerstrebt, beschuldigt er sie vor de

hinzugekommen war, der U auf dem 2 5

stürzt rasend

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ig, heilig ist Rugard f 9 5 die Heilige in die Kirche; der Kaiser bricht motboden bat ber Ellässer von Walters hausen

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für seine Richardis genommen. Zu der ernsten Klostergeschichte mußten naturgemäß ernste Töne den Grundakkord bilden. Unter kirchlichen Gesän hebt sich der Vorhang, so senkt er sich auch zum Schlusse wieder. Ueberall weht uns der myftisch⸗religiöse Atem einer Zeit entgegen, in der das Chri tentum in diesen Gauen siegreich und laut sich erhob über den Trümmern der heidnischen Welt, die noch hier und da geheimnisvoll aufflackerte an Men⸗ schen und Dingen. 5 Sollte diese Eroche nicht nur äußerlich, sondern in ihrem tief inneren Wesen erfaßt werden, so bedurfte es einer großen, reifen Kunst. Waltershaulen ist nicht alles doch vieles gelungen. In den Gestalten der Richardis und des Karolingerprozesses her⸗ suchte er, die gedeneinander gerichteten Strömungen und Geifkes⸗ richtungen zu schildern. Das tiefste Streben des Kom poniften ist auf Innerlichkeit gerichtet, wenn er auch die äußere Wirksamkeit nicht außer acht gelassen hat. Seine Musik verrät an verschiedenen Stellen starse Originalität; sie zeigt den feingeistigen und feinemp⸗ indsamen Musik⸗Denker. Eine starke Leidenschaft durchzieht das Werk, die aber stets bewußt beherrscht ist. Glänzend, geistsprühend ist seine Instrumentation. Dem Chorsatz hat von Waltershausen einen breiten Platz eingeräumt und prachtvolle Chorgesänge ge⸗ schaffen. Der Komponist arbeitet mit nicht übermäßig vielen Leit⸗ motiven; wo sie erscheinen, sind sie plastisch, leicht verständlich und stark illustrierend. Glücklich in der Zeichnung ist die Heldin des Stückes; ihre soelischen Regungen weiß er mit klingenden, wundersam weichen Weisen auszudeuten. Das wertoollste Stück der sorgsam ausgearbeiteten Par itur scheint mir das Vorspiel zum dritten Alt zu sein, eine Schöpfung von starker Geschlossen⸗ bit und vorbiddlich Harer Konstruktion Gränzend aufgebaut ist die Fuge ein Mei erstück.

Der erste Aufzug ist allzu sehr gedehnt; hier wie auch an ein paar anderen Stellen könnten sinngemäße Striche das Werk fördern. Die verschiedenartige Stimmung des spannungsreichen zweiten Aktes ist in der Musik gut festgehalten. Die Musik des letzten Aktes, vor allem das von eigenartiger Schönheit erfüllte große Gebet leidet etwas unter der stark bewegten Handlung, die die Aufmerksamkeit ganz auf sich zieht. Jedenfalls bedeutet Richardis einen erfreulichen Schritt nach aufwärts in von Wal⸗ tershausens Schaffen. Es ist eine Schöpfung von starken musika⸗ lischen Werten, der der Erfolg sicher ist, wenn auch noch manche Erwartung unerfüllt blieb. 5

Die Aufführung hatte einen großen einheitlichen 25 Die Bühnenbilder machten manchmal den Eindruck von Holzschnitten; in jedem lebte eine besondere Stimmung. Auch die Kosfsüme waren mit feinem Geschmack ausgewählt. Es 12 sich auch hier die verständige Hand des Komponisten, der sich selbst seines Werkes angenommen hatte. Die Seele der Aufführung war der Erste Hof⸗ kapellmeisser Friz Cortolezis, der das Werk mit hochster Künstlerschaft interpretierte und das verstärkte, glänzend spielende Hosorchester mit sichtlicher Begeisterung dirigierte. Beatrice Lauen⸗Kottlar als Richardis war darstel erisch und gesang⸗ lich vollendet. Die wenig dankbare Rolle des Kaifers führte Mar Büttner ausgezeichnet durch. Auch der Andelo war eine hervor⸗

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ragende, von innen heraus gestaltete Leistung. Den Erzkanzler verkörperte Hans Keller überzeugend. 5 l 6

Das zahlreiche Publikum, unter dem sich auch eine Anzahl auswärtiger Theaterleiter, Kritiker und Musifer befanden, n 8 das neue Werk mit großem Interesse auf. von Walters hausen wurde nebst den Mitwirkenden stürmisch gefeiert. 1

Hermann Weick.

Eine neue romantische Oper in Breslau. Aus Breslau wird uns geschrieben: Im Breslauer Stadt⸗ theater fand am Samstag die Uraufführung der vieraktigen romantischen Oper Die Insel Aebeloe statt. Der Kom⸗ ponist Josef Gustav Mrac ek ist kein Unbekannter mehr. Seine Musik zu GrilparzersTraum ein Leben und seine musikalische Illustrierung des AusstattungsstückesKismet haben an Berliner 1 und Münchner Bühnen Anerkennung gefunden. In dem Werk, in dem sich der begabte Brünner Tonsetzer jetzt den Breslauernm 5 vorstellte, folgt er mit eifervollem Fleiß den Spuren von Wagner und Strauß. Von dem einen hat er die Kunst der Thematik und 5 der Leitmotive abgesehen, den andern sucht er in orchestralem Raffinement womöglich noch zu überbieten. So lauscht man seinem Orchester mit Spannung, bisweilen sogar mit Wohlgefallen und nähme auch die nicht eben knapp bemessenen Kakophonien mit in Kauf, wenn die Gesangspartien etwas dankbarer und sangbarer wären. Freilich das Textbuch regt zu melodiöser Charakteristerung nicht gerade an. Frau Amelie Nikisch(Artur Nikisch's Gattin) und Ilse Friedländer haben in des Dänen Sophus Michaelis wmantischem Roman den Stoff für eine ebensolche Oper zu finden geglaubt. Läßt sich schon über diesen Glauben streiten, so ist die Arbeit der beiden Damen, die reichlich wirr ist und ohne den mindesten Versuch, seelische Wandlungen zu klären, seltsame Geschehnisse hart aneinanderstellt, keineswegs gelungen zu nennen. Im Mittelpunkt steht eine mittelalterliche dänische Ritterstochter Gro, die den geliebten Mann bald ohrfeigt, bald halbtot schlägt, bald aus dem väterlichen Gefängnis befreit, dann wieder wegschitt und dann wieder herbeisehnt. Auch der häufige Wechsel der Szene vermag trotz aller bunten Abwechslung nichts daran zu ändern, daß uns diese mittelalterliche Liebesgeschichts mit mordernem hysterischen Einschlag so kühl läßt, wie das Klima auf der nordischenAepselinsel Arbeloe.

Eine glänzende Aufführung zeugte von der zurzeit hervor⸗ ragenden Leistungsfähigleit der Breslauer Oper. Intendant Wal⸗ demar Rilhge hatte einen üppigen szenischen Rahmen gestiftet und für lebensvolle Bühnenbilder gesorgt, während Dr. Pra torius und sein wackeres Orchester der anspruchsvollen Partitur ideale Interpreten waren. Leopoldine Juscas reich quel ender. voller Soppan sichorte der seltsamen Gro unsere Sympathie und Kammersanger Döltgens blühender, kraftvoller Tenor meisterte tapfer die wenig dankbare Riesenpartie des Falk⸗Ritters. Die Aufnahme war höflich⸗kühl, achtungsvoll⸗abwartend. Im Kreise der Darsteller konnte jedoch der bereitwillig erscheinende Komponist 1 zweiten und letzten Akte für wiederholte Hervorrufe

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