Ausgabe 
(11.11.1915) 266. Zweites Blatt
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nr. 200 Sweites vlatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSießener Famlllenblätter werden dem

0Anzeiger biermal wöchentlich beigelegt, das

Kreisblatt für den Ureis Gießen zweimal

wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zelt⸗ tagen erschemen monatlich zwennal.

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105. Jahrgang

General⸗Anzeiger für Oberhesse

Donnerstag, U. November 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul ·

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: e 51, Schrist⸗

leitung: 12. Adresse für Drahtnachrichtem Anzeiger Gießen.

Onkel Sam an John Bull.

Die neue amerikanische Note an England ist die dritte ihrer allgemeinen Art. Alle übrigen waren kleinere Aus⸗ einandersetzungen über Einzelvorgänge. Die erste all⸗ gemeine Note zu Beginn des November 1914 enthielt einen einfachen und noch recht zaghaften Protest gegen die Be⸗ handlung neutraler Schisse, die nach neutralen Häfen be⸗ stimmt find. Es wurde darin erklärt, daß England solche Schiffe nur aufbringen dürfe, wenn Beweise dafür gefunden würden, daß für den Feind bestimmte Bannware verfrachtet sei. Die zweite Note im Januar dieses Jahres man beachte die Steigerung wies die britische Regierung ernstlich auf die schon sehr große Mißstimmung in den Ver⸗ einigten Staaten hin über das, man als unstatthafte Einmischung in den rechtmäßigen Handel betrachte. In der Note hieß es:Die Regierung der Vereinigten Staaten war ansangs geduldig, da sie 7 15 daß die britische Regierung die Hände voll hatte. Aber fünf Monate sind nun vergangen, und es ist keine wesentliche Verbesserung gekommen. Man vergleiche nun damit Ton und Stil der neuesten vor⸗ liegenden Note. Sie erklärt nicht nur rund heraus, die Erfahrung von weiteren sechs Monaten habe gelehrt, daß man keinen Schritt weiter gekommen sei, sondern sie neunt Englands schändliche Seeräuberei endlich beim rich⸗ tigen Namen: Schikanöse. Ungerechtigkeit, ungesetzliche Seerechtspoli⸗ tik und unvornehme Behandlung. Das sind Aus⸗ drücke und Bezeichnungen, wie sie Wilsons Regierung Deutschland Neue trotz aller Verstimmung nicht ge⸗ wagt hat und wie wir sie uns wohl nicht hätten gefallen lassen. England muß sie sich gefallen lassen, denn sie treffen den Nagel auf den Kopf Lansings Note gipfelt in der Er⸗ klärung, daß Englands Blockade-Anordnung vom 11. März 1915 null und nichtig sei; es sei eineangebliche Blockade! Kann ein Peitschenhieb schärfer treffen? Kann die Ueber⸗

ebung, die Lüge und der Bluff John Bulls deutlicher ge⸗ sandmarkt werden?

Und doch, soll auch diese neue Note keine Komödie der Worte sein, wird Herr Wilson Sicherheiten geben müssen, daß es ihm wirklich ernst ist, den hier bekundeten Willen in die Tat umzusetzen. Er muß also alle Schiffsfrachten nach Deutschland, die keine Bannware enthalten, gleich- gültig ob sie direkt gehen oder über neutrale Häfen, als uUnantastbar erklären. Die Times ließ sich bereits eine solche Andeutung aus Washington drahten. Es wäre wirk⸗ lich nur die logische Folge der Erklärung, daß Englands Blockade eineangebliche ist. Wilson muß ferner dafür sorgen, daß die englischen Kriegsschiffe, die sich vor dem New Yorker Hafen herumtreiben und keine Dampferchen unkontrolliert durchlassen, das weite Weltmeer suchen. muß die britische Kuratel aufheben, unter die Onkel

in diesem Weltkriege geraten ist. e die Wilson

besonders gut zu kennen vermeinen, bezeichnen die neue Note nur als ein Schaugericht, womit Präsident die schwierig werdenden Wählermassen zu beruhigen versucht. Mag sein, daß Wilson hier nur einem Druck der Exporteure und einer wachsenden Bewegung in der inneren Politik der Vereinigten Staaten folgt, nicht seiner stets so besonders betonten philosophischen Ueberzeugung. Es würde das mit dem übereinstimmen, was wir von einem in Berlin weilenden Deutsch⸗ Amerikaner hören: Darnach haben sich hegen die e der Vereinigten Staaten als englischer Gefolgstaat kürzlich Amerikaner deutscher, österreichischer, skandinavischer und irischer Abstammung zu einem methodischen und organisierten Vor⸗ gehen entschlossen. Unter dem Vorsitz einiger Kongreß⸗ mitglieder hat eine vorbereitende Beratung in Washington stattgefunden, und es ist wahrscheinlich, daß die Beschlüsse dieser Versammlung im politischen Leben der Vereinigten Staaten doch noch eine größere Rolle spielen werden, als von mancher Seite heute zugegeben werden möchte. Einstweilen haben natürlich einige amerikanische Zeitungen, allen voran die unentwegt englische Interessen vertretende New York Times, diese Bewegung, die durchaus nicht nur Deutschamerikaner in sich begreift, als eineanti⸗ ameritauische Bewegung hinzustellen versucht, obwohl die

Beschlüsse jener Versammlung nichts anderes verlangen, als die Befreiung der Vereinigten Staaten von eng⸗ lischer Grm. Mag sein, daß der KFon⸗ greß, der sich im Dezember versammelt, in seiner Mehr⸗ heit ganz energisch gegen England Stellung nimmt und daß dann die Regierung zu Wafhington gar nicht anders kann, als das Papier ihrer neuesten Note in Machtpolitik zu ver⸗ wandeln. Das wäre aber, was wir und mit uns alle Freunde der Freiheit des Meeres wünschen. Die persönlichen Mei⸗ nungen und Neigungen Wodrow Wilsons könnten dann bleiben, welche sie wollten. Wenn das amerikanische Volk aus dem Nebel und Dunst englischer Lüge erwacht ist, ist es aus mit Albions Piraterei. England hat seine Rücken⸗ deckung verloren und es beginnt die letzte große Abrech nung. Hoffen wir, daß Wilson mit seiner neuen Note wahrscheinlich ohne es zu wollen diesen ersten Schritt zur Erlösung der Welt von Englands Gewaltherrschaft getan hat!

London, 10. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Der Washing⸗ toner Korrespondent derMorning Post meldet: Die unmittel⸗ bare Wirkung der amerikanischen Note wird sein, die bei den amerikanischen Geschäftsleuten bestehende Erregung gegen England zuverschärfen. Alle Exporteure werden den Druck auf die Regierung erneuern und fordern, daß sie das in der Note enthaltene Programm aus führe. Wil son beab⸗ sichtige nicht, einen Druck auf England auszuüben; er hat in der Note nur die Grundlage für die Forderung eines hohen Schaden⸗ ersatzes nach Schluß des 1 5 festgelegt. Aber man erwarte und fürchte, daß, wenn sich der Kongreß im Dezember versammelt, England angegrifsen und vielstimmig gefordert wird, daß die Regierung ihren Worten gemäß handele, da sonst der Kongreß die Sache selbst in die Hand nehmen werde. Der Korrespondent glaubt nicht, daß England ein Ausfuhrverbot für Munition zu befürchten brauche, aber die Agitation, die Englands Interessen nicht entspreche, könne fortgesetzt werden.

Amsterdam, 10. Nov,(WTB Nichtamtlich.) Ein hiesi⸗ des Blatt meldet: DieTimes erfährt aus Washington, daß die ereinigten Staaten, wie in Washington verlautet, zukünftig alle

Schiffsfrachten nach Deutschland, die keine Kontrebande ent⸗ halten, gleichgültig, ob direkt gegen oder über neutrale Häfen, für unantastbar erklären werden. Die amerikanische Regierung würde auf diese Weise die Reeder ermuntern, die Blockade der Ver⸗ bündeten zu genieren. Alle Blätter begrüßen die letzte amerika⸗ nische Note mit Beifall, betrachten sie aber als eine mehr ju⸗ ristische Beweisführung denn eine zweckentsprechende di⸗ plomatische Waffe. Niemand erwarle, daß England nachgiot, nie⸗ mand, außer antienglische Kreise, erwarten ernste Verwicklungen.

Manchester, 10. Nov.(WDB. Nichtamtlich.)Manchester Guardian schreibt über die amerikanische Note: Wir dürfen nicht vergessen, daß, wenn der Krieg vorbei ist, eine herzliche 5 mit den Vereinigten Staaten nicht

uxus, sondern eine Notwendigkeit für die britische Politik sein wird. Wir haben nicht nur zu berücksichtigen, was seute 1 Betracht kommt, sondern auch was nachher in Betracht mmt.

Uriegsbriefe aus dem Osten. Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Vergebliche russische Angriffe an der Misze und bei Kekkau. Nden 9. November.

Seit vier Tagen haben die Russen an der. und Kekkaufront nach lebhafter Artillerievorbereitung Angriffe angesetzt, die gestern ihren Höhepunkt überschritken haben. Heute, am 9. November, ist in der Front KekkauOlai Schlock nur an einzelnen Punkten schwächeres und schwäche⸗ res Artilleriefeuer, so daß diese Offensive als zusammen⸗ ebrochen betrachtet werden darf. Die russische Infanterie hat sich infolge der schweren Verluste auf dem durchweichten Gelände zum Angriff nicht mehr vorgewagt. Nach stunden⸗ langem Trommelfeuer, das die Russen jetzt gelernt haben, ing gestern die Infanterie noch zum Sturmangriff vor, 15 aber nur bei Kekkau selbst bis an unsere Linie. Dort urde sie in blutigem Basonettkampf unter starken Vͤr⸗ lusten geworfen. Zu welchen Mitteln die Russen wiederum reifen mußten, um hier den Angriff zu erzwingen, zeigt bie einwandsfrei festgestellte Tatsache, daß bei Budne

Nunst und wissenschakt.

Heidelberger Brief. Aus Heidelberg wird uns seschrieben: Durch den Tod des Nachfolgers auf dem Lehrstuhle 2 85 Fischers, Wilhelm Windelbands, wurde innerhalb kur⸗ zer Zeit auch der zweite Hauptlehrstuhl der Philosophie unserer Uni⸗ versität verwaist. Nach Emil Lask, dem Systematiker, auch der

Hispriker unter den Philosophen. Die Besetzung der beiden Lehr⸗ f

stühle, mit denen auch die Leitung des philosophischen Seminars der Ruperto Carola verbunden ist, wird in der Oeffentlichkeit be⸗ reits cingelhend erör ert, und es wurden aus der Kandidatenliste auch

scholl die Nansen Simmel(Straßburg) und Cassirer Berlin) und Troeltsck(Berlin) genannt. Windelband ist tot, Lask ist tot, Ehrem⸗

berg steh im Felde; die Philosophie wird hier gegenwärtig also nur noch durch die Professoren Driesch, Schmid und den Dozenten Ruge vertreben. Windelbands philosophie⸗ historische Vorlesungen hat Driesch übernommen; Driesch ist aber reiner Naturphilvsoph und Biologe. Eine baldige entgültige Besetzung der Lehrstühle Windel⸗ bands und Lasks ist also dringend notwendig. Die Universität selbst hat mit 2000 eingeschriebenen Studenten das Wintersemester eröffnet; eine stattliche Zahl, von denen freilich der größte Teil im Felde steht. Das künstlerische Leben hat gleichfalls seinen Tribut an den Krieg zahlen müssen. Die Austellungen des Kunstvereins sind aus ihrem alten Heim in der Stadthalle vertrieben und nach einem kleinen Gebäude in der Anlage übergesiedelt. Unter den Ausstellungen im neuen Hause gehört zu den erfreulichsten Er⸗

ebnissen dieses Kriegsherbstes in Heldelberg die Kollektiv⸗Aus⸗ tellung des sonst in Frankfurt lebenden Malers Johannes Marx. Seine Gelehrten⸗Porträts und kleine Landschaftsstudien verraten das reiche und vielseitige technische Vermögen des Frank⸗ furter Malers. Das theaterlose Heidelberg hat in diesem Kriege einen erfreulichen künstlerischen Ersatz bekommen. Von auswärts kommen jede Woche einmal Gäste, die an einem Abend reichlich entschädigen, was in sechs Tagen entbehrt werden muß. Bisber führte das Mannheimer Hoftheater u. a. Björn⸗ son und Strindberg, das Frankfurter Neue Theater NathansensHinter Mauern, die Darmstädter Hof⸗ bühne den neuestenSchnitzler hier vor, und demnächst werden wir aus Mainz Mozarts JugendoperDie Gärtnerin aus Liebe

hören. Auf die se Weise bekommen die Heidelberger das Beste was ßen Bühnen bieten können. Von jeher nahm die Musik im

eben der Neckarstadt eine n Stelle ein. ichard Strauß, Schillings und Reger hier diri⸗

handere, wirr durcheinander, drängte sich mir wieder auf, und eine

gieren höpen. Diesen Winter wird der Bachverein unter General⸗ musikdirektor Wolfrum u. a. Bachs Weihnacusoratorium und Beet⸗ hovensNeunte spielen, und aus Be lin, München und Wien und dem neutralen Ausland sind wieder die bedeutendsten Solisten ver⸗ pflichtet worden.

Pierre Loti bei einem deutschen General⸗ feldmarschall. Pierre Loti, der soeben von der n ront zurückgekehrt ist, schildert in französischen Blättern die Ein⸗ drücke, die er dabei vom Wesen der Feinde erlangt hat. Es ist nicht zum erstenmal, daß der Dichter, der bekanntlich Sceoffizier ist, mit deutschen Soldaten in Berührung kam. Schon 1901, als er die internationale Chingexpedition mitmachte, nahm er Veranlas⸗ sung, sich über deutsche Soldaten und Offiziere zu äußern. Die Gelegenheit dazu bot ihm eine Einladung beim Generalfeldmarschall Grafen Waldersee, von der er imFigaro berichtete:Ich hatte die Ehre, heute bei unserem Nachbar in der gelben Stadt, dem Grafen Waldersee, zum Frühstück geladen zu sein. Zum ersten Male in meinem Leben sollte ich bei Tisch inmitten deutscher Offiziere Platz nehmen, und ich hatte zunächst nicht geahnt, welche Beklemmungen, welche Seelenpein der Gedanke, als Geladener unter ihnen zu weilen, mir verursachen würde. Um mehr als dreißig Jahre zurückliegende Erinnerungen tauchten plötzlich vor meinem geistigen Auge auf: das furchtbare Jahr stand wieder zum Greifen klar vor mir. O, dieser lange Winter von 1870/71, während dessen ich auf einem elenden kleinen Schiffe zum zweck⸗ losen Blockadedienst an der preußischen Küste verurteilt war! Ich sah mich im Geiste zurückversetzt auf den Wachtposten, den ich, dem Knabenalter kaum entwachsen, an Bord einzunehmen hatte. Wieder erblicke ich, wie damals in den kalten Winternächten, beim blassen Mondschein die mächtige dunkle Silhouette desKönig Wilhelm, des preußischen Panzers, der uns jagte, und vor dem wir zu schwach, um Widerstand zu leisten immer fliehen mußten, während hinter uns die Granaten, die er uns nachsandte, über das glitzernde Wasser tanzten. Das alles und manches

Fülle schmerzlicher Erinnerungen stieg in mir empor, als ich den Vorraum des Speisesaals betrat und dort an den Haltern die Pickelhauben der deutschen Offiziere hängen sah. Einen Augenblick überkam mich der Gedanke, auf der Schwelle wieder umzukehren, den Saal und die Gäste zu fetehen. Aber ich bezwinge mich und trete ein, und sohald ich im Kreist der deutschen Kameraden bin, sinkt der ganze Traum aus der Vergangenheit in sich zusammen. Die Art, wie sie mich willkommen heißen, mir die Hand schütteln

Kosaken hinter der Infanterie aufgestellt waren, um sie mit Nahaiken vorzukreiben. Die erneute Tätigkeit der zwölften russischen anner hängt vielleicht mit einem Wechsel im Oberbefehl zusammen, den Radko Dimitrieff übernom⸗ men haben soll. Auf jeden Fall hat dieser erneute Offensiv⸗ versuch trotz sehr ernster Verluste nichts erreicht.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Kirche und Schule. Tagung der 7. ordentlichen Generalsynode. 1. Sitzung tag. Berlin, 10. Nov.

In ernster Stunde, da unser deutsches Volk vor gewaltige Zukunftsentscheidungen gestellt ist und Erinnerungen an gesegnete Frühlingstage der evangelischen Kirche wach werden, an Luthers eburtstag, eröffnete die Generalsynode der älteren preußischen Provinzen ihre 7. 1 im Herrenhause zu Berlin. Die Synode beschränkt sich auf die Erledigung unauf⸗ 5 Geschäfte, um den geordneten Fortgang der kirchlichen ugelegenheiten auch während des Krieges zu sichern. An Gesetz⸗ entwürfen des Kirchenregimentes liegen nur zwei vor: 1. die Zahl der von den theologischen Fakultäten zu wählenden Mit⸗ glieder der Generalsynode soll von 6 auf 7 erhöht werden, damit auch die inzwischen begründete Universität bezw. theologische Fakul⸗ tät Münster einen Vertreter entsenden kann; 2. in das allge⸗ meine Kirchengebet ist eine Fürbitte für die Luftfahrzeuge, die auf der Fahrt sind, einzufügen. An Mitteilungen des Ober⸗ Kirchenrats liegen vor: Bericht über Auslandsaxbeit und Kriegs⸗ maßnahmen des Ober⸗Kirchenrats; letztere lassen greifbar er⸗ kennen, daß die Kirche in der Zeit des Krieges nicht versagt

und dem Vaterlande die Treue gewahrt hat.

Es folgen verschiedene Wahlen. Eine Verfassungskommission (Vorsitzender Dr. Frhr. von Maltzahn⸗Gültz) von 15 und eine Finanzkommission(Vorsitzender Generaldirektor Winckler⸗Merse⸗ 2 700 von 21 Mitgliedern haben entsprechende Vorlagen vorzu⸗ eraten.

Ein Antrag des Vorsitzenden betr. Adresse an den Kaiser wird in folgendem Wortlaut angenommen:

Berlin. den 10. November 1915. Allerdurchlauchtigster, Groß⸗ mächtigster Kaiser und König! Allergnädigster Kaiser, König und Herr! Euere Kaiserliche und Königliche Majestät bittet die zur Kriegstagung versammelte siebente ordentliche Generalsynode der evangelischen Landeskirche der älteren preußischen Provinzen, ehr⸗ furchtsvollsten Gruß und treuen Segenswunsch alleruntertänigst zum Ausdruck bringen zu dürfen. Gottes 1 5 5 Euere Mafestät on Sieg zu Sieg geführt. Mit der Tapferkeit des Heeres hat die Opferwilligkeit des Volkes gewetteifert Unter der Not der Zeit ist mit wunderbarer Kraft eine sittliche Erhebung und ein Erwachen des Glaubens in unserem Vaterlande hervorgetreten, wie unser Volk es selten erlebt hat Mit unerschütterlicher Treue hat unser Volk bisher in Kampf und Hingabe ausgeharrt. Wir sind der freu⸗ digen Zuversicht, daß auch der endliche Sieg durch Gottes Gnade uns zufallen werde. Mit Euerer Majestät teilen wir die Zuversicht, daß die ungeheuren Opfer des frevelhaft uns aufgezwungenen Krieges nicht umsonst gebracht sein werden, und den Wunsch, daß aus ihnen für unser sches Vaterland ein in Not und Tod . Volk erwachsen möchte, das stark in sich selbst,

1 ieden zu gebieten und, in Treue und Gottesfurcht geeint am Reiche Gottes auf Erden zu bauen vermag. Hierzu auch in der uns befohlenen Arbeit beizutragen durch Sammlung der Gemeinden, durch treue Verkündung des ewigen Evangeliums von Christo und durch Werke der Liebe, ist unser ernstes Gebet und das Gelöbnis, das wir in die Hände des obersten Schirm⸗ herrn unserer evangelischen Kirche niederlegen. Die aller Orten mit hoher Begeisterung begangene Erinnerungsfeier der fünfhun⸗ dertjährigen Herrschaft der Hohenzollern hat uns das Walten des lebendigen Gottes in der Geschichte Preußens vor die Augen geführt. So umringen wir jetzt in alter angestammter Preußen⸗ treue Euer Majestät Thron mit unserer Fürbitte. Gott, der all⸗ mächtige Herr der Heerscharen, rüste Euere Majestät mit Weisheit und Kraft zu glorreichem Siege. Er kröne die Liebesaussaat un⸗ lern Kaiserin mit einer Ernte, deren Segen auf lange hinaus ortwirkt. Er bewahre die ritterliche Schar der Königssöhne in den Gefahren des Krieges und führe Euere Majestät in die Mitte eines treuen Volkes zurück, geschmückt nicht nur mit dem Lorbeer des Sleges, sondern auch mit der Palme des Friedens. In tiefster Ehrfurcht werharrend Euerer Kaiserlichen und Königlichen Maje⸗ stät alleruntertänigste Generalsynode.

Mit einigen geschäftlichen Mitteilungen, u. a. auch dem Wunsche. daß Fre örter in den Vorlagen der Generalsynode möglichst vermieden werden, schloß der Vorsitzende die 1. Sitzung gegen 11½ Uhr.

und mir freundlich zulächeln, läßt mich vergessen für den Augenblick wenigstens, was einst geschehen war. Es gibt z wischen ihnen, den Deutschen, und uns offenbar nicht diese Rassen⸗Antipathien, die schwerer zu überwinden sind als die Leidenschaften, die der Krieg erzeugt. Ich habe die Ehre, an der Seite des silber⸗ haarigen Marschalls Platz nehmen zu dürfen, und wie es jedem von uns ergangen ist, so ergeht es auch mir: ich stehe vollständig unter dem bezaubernden Eindruck seiner Vornehmheit, seines Wohl⸗ wollens und seiner Güte.

Minute und Sekunde. Daß unsere berechtigten Bemühungen, die deutsche Sprache allmählich von allen Fremd⸗ wörtern zu säubern, keinen vollen Erfolg haben werden, das lehrt uns nicht der Tag und die Stunde, wohl aber die Minute und

Sekunde. Besitzen wir in Tag und Stunde doch zwei echt deutsche

Worte, von denenStunde sogar die Urbedeutung aus der Ety⸗ mologie erkennen läßt: Stunde ist ursprünglich ein zeitlicher Halte⸗ punkt, Zeitpunkt und wird in dieser Bedeutung noch heute ge⸗ braucht, z. B.die Stunde der Entscheidung; daher ist die Ab⸗ leitung von dem althochdeutschen stantan= stehen gegeben. Da⸗ egen haben wir für die kleineren Zeitteile Anleihen beim Lateini⸗ 15 55 gemacht. In einem fesselnden AufsatzDas deutsche Jahr bemerkt darüber Gustav Schürmann in der Zeitschrift für den deutschen Unterricht:Im Lateinischen wurde minutum der zehnte Teil einer Sekunde genannt, der Ausdruck aber nach Einführung der großen mechanischen Uhrwerke für den 60. Teil der Stunde gebraucht. Im Deutschen wurde minutum zuMi⸗ nute und weiblich wie Stunde und Zeit. Die Bezeichnung für unser kleinstes Zeitmaß, für den 60. Teil der Minute, ist mit Sekunde recht farblos gewählt. Es entstand auspars se- cundaUnterteil, Trotzdem also die Begriffe, die diese beiden entlehnten Worte in unserer Sprache decken sollen, keines⸗ wegs ihrer ursprünglichen Bedeutung entsprechen und wir gern deutsche Worte dafür einsetzten, wird dieseForderung des Tages von der Minute und Sekunde nicht erfüllt werden.

Stockholm, 10. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Das Gast⸗ spiel des Deutschen Theaters begann am Dienstag mit der Aufführung Fang DoRäuber. Das Stück erzielte einen bedeutenden Erfolg. Das stark besetzte Haus, in dem auch der 1 85Prinz Karl und Gemahlin und andere Mitglieder der önigli und Reinhardt begeisterte Ovationen dar.

Familie sich befanden, brachte besonders Wegener