Ausgabe 
(8.11.1915) 263. Zweites Blatt
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Ur. 263 zweites Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermol wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den reis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirischaftlichen Zeit⸗ stagen erscheinen monatlich zweunal.

Gie

165. Jahrgang

Juanschikai, Kaiser von China?

London, 7. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) DieTimes meldet aus Peking vom 5. November: Die Mehrheit der

Provinzen stimmte für die Errichtung der Monar⸗ chile mit Juanschikai als Kaiser, ohne daß Miß⸗ billigung bekundet wurde. Der japanische Geschäftsträger besuchte heute den Minister des Aeußern, um Aufklärung zu erbitten über die Antwort, die China auf den neulichen e Rat Japans, Rußlands und Englands 11 8 5

Regie⸗

en Regierungswechsel geben werde. Die chinesische rung erklärte, daß lte es für unmöglich halte, ohne Un⸗ 9 ürchten zu müssen, der Bewegung Einhalt zu tun, die sich seit zwei Jahren entwickelt habe und jetzt aus⸗ reife. Die Regiertung habe aus dem ganzen Lande keinerlei Berichte beunruhigenden Charakters erhalten.

Aus dem Reiche.

Berlin, 6. Nov.(WTB. Nichtamtlich) Die näch ste Reichstagssitzung findet Dienstag, den 30. November, nachmittags 2 Uhr, statt. 5

. 6. Nov.(Priv.⸗Tel.) Das Ergebnis des Hamburgischen Opfertages für Weihnachts⸗ gaben für unsere im Felde stehenden Truppen, der am J. November stattfand, beträgt rund 477000 Mk.

Aus Stadt und cand. Gießen, 8. November 1915.

L. U. Gießener Studentenschaft und Krieg. In Nr. 256 desGießener e wurde auf Grund uns vorliegenden Materials die Beteiligung der Stu⸗ dierenden der Universitäten Gießen, Marburg, Frank⸗ furt und Tübingen am Kriege verglichen. Dabei war der Prozentsatz der im Heere stehenden Gießener Studentenschaft wesentlich geringer angesetzt, als der der Studierenden an den beiden anderen Hochschulen. Diese Zahlen bedürfen, wie man uns schreibt, einer Berichtigung. Bis zum Ende des Sommersemesters 1915 hatte Gießen etwa 1100 Studierende dem Heere zugeführt. Wieviele im Sommer 1915 wirklich in Gießen anwesend gewesen sind, ist naturgemäß schwer fest⸗ ustellen. Nach einer auf der Universitätskanzlei ausge⸗ ührten Schätzung mögen es 230240 gewesen sein. Von iesen standen aber etwa 1520 in den hier N Truppenteilen oder sie lagen in hiesigen Lazaretten. Außer⸗ dem sind einige 30 weibliche Studierende abzurechnen. Daher wird die Zahl der wirklich anwesend gewesenen männlichen Studierenden die Zahl 200 kaum erreicht haben. Nimmt man nun die Gesamtzahl der eingeschriebenen männlichen Studierenden im Sommer 1915 zu 1100 an, so ergibt sich bereits eine Kriegsbeteiligung unserer alademi⸗ been Jugend von über 80 Prozent. Wahrscheinlich war e aber noch höher, etwa 8884 Prozent. * Versorgungsansprüche der Angehöri⸗ gen vermißter Kriegs teilnehmer. Nach 8 1285 Reichsversicherungsordnung werden die in diesem Gesetz für Hinterbliebene von Versicherten vorgesehenen Leistun⸗ gen Witwenrente, Waisenrente und Wit⸗ wengeld auch dann gewährt, wenn der Versicherte verschollen ist. Er gilt als verschollen, wenn während eines Jahres keine glaubhaften Nachrichten von ihm ein⸗ gegangen sind und die Umstände seinen Tod wahrscheinlich machen. Wird hiernach erst nach Ablauf eines Jahres seit dem tatsächlichen oder dem gemäß 8 1266 genannten Gesetzes von der Versicherungsanstalt auf Grund einer Wahrschein⸗ lichkeitsannahme festgestellten Todestage der Antrag auf Hinterbliebenenfürsorge erhoben, so hat dies zur Folge, daß die Witwen und Waisen der für die länger als ein Jahr vor der Antragstellung. Zeit fälligen Renten⸗ beträge verlustig gehen, das Witwengeld aber überhaupt nicht gezahlt wird. Diese Verluste finden ihren Grund darin, daß nach 5 1253 Reichsversicherungsordnung länger als auf ein Jahr rückwärts, vom Eingang des Antrags gerechnet, keine Rente gezahlt wird, und ferner, daß nach 8 1300 dieses Gesetzes 15 Anspruch auf das Witwen⸗ geld verfällt, wenn er nicht innerhalb eines Jahres nach dem Tode des Ehemanns geltend gemacht wird. Im An auf diese Gesetzeslage empfiehlt es sich für 1255 ngehörigen eines vermißten Kriegsteilnehmers dann, wenn sie mit der Wahrscheinlichkeit seines Todes rechnen können, die Anträge auf Hinterbliebenenfürsorge nach der 1 versicherungsordnung bei den zuständigen Stellen

jener Anzeiger

General-Anzeiger für Obderhessen

Montag, 8. November 1915

Notationsdruck und Verlag der Brüyhl'schen Uniwersitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul ·

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: 51, Schrist⸗

leitung: e112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.

meindebehörde, Versicherungsamt) noch innerhalb eines Jahres seit dem Tage des Vermißtseins oder der letzten Nachricht von dem Verschollenen zu stellen, ohne daß es dabei der Vorlage einer Sterbeurku⸗ oder Todesbescheinigung bedarf. Die Landesversicherungs⸗ anstalt erteilt darnach in solchen Fällen auf den Antrag einen vorläufigen nicht berufungsfähigen Bescheid, daß sie den Anspruch zurzeit nicht anerkennen könne, aber später von Amts wegen erneut zu dem Antrag Stellung nehmen werde. Etwaige Nachteile werden auf diese Weise aus⸗ geschlossen. Werden nach§ 1265 Reichsversicherungs⸗ ordnung die esetzlichen Leistungen an die Hinterbliebenen gewährt, so bleibt dies ohne 10 auf die gemäß dem Gesetz betreffend die Unterstützung von Fa⸗ milien in den Dienst eingetretener Mannschaften, vom 28. Februar 1888(4. August 2 bewilligten Unter⸗ stützungen. Schließlich sel noch auf 8 34 des Militär⸗ hinterbliebenengesetzes vom 17. Mai 1907 hin⸗ . nach dem den Hinterbliebenen Kriegswitwen⸗ und briegswaisengeld auch schon vor der Todeserklärung ge⸗ währt werden kann, wenn das Ableben des verschollenen Kriegsteilnehmers mit hoher Wahrscheinlichkeit anzuneh⸗ men ist. Werden hiernach Kriegswitwen⸗ und Kriegswaisen⸗ eld bewilligt, so fallen die durch das Gesetz vom 28. Fe⸗ ruar 1888 geregelten Familienunterstützungen fort(8 10 Absatz 5 Satz 2 dieses Gesetzes).

* Die Schwurgerichtsperiode für das vierte Vierteljahr ist auf den 6. Dezember d. I., vormittags 9 2 Uhr angesetzt. Als Vorsitzender ist Landgerichtsrat Hirsch bestimmt.

* Post nachrichten. Fortan können unter den bei den Postanstalten zu erfragenden Bedingungen zwischen Deutschland und Antwerpen Wertkästchen mit der Post versandt wer⸗ den. In Belgien nehmen am Briefverkehr mit Deutsch⸗ land jetzt auch eine größere Anzahl Vor⸗ und Nachbarorte von Namur teil. Welche Orte in Frage kommen, kann bei den Post⸗ anstalten erfragt werden.

Silber Hochzeit. Joses Weinert und Emma Weinert, geborene Unverzagt, begingen gestern die Silberne

Hochzeit. Landkreis Gießen.

O Grünberg, 7. Nov. Unter überaus zahlreicher Be⸗ teiligung wurde heute auf dem hiesigen Friedhofe der Ersatzreservist Christian Pracht beerdigt. Derselbe war am 11. September auf dem westlichen Kriegsschauplatz durch einen Granatsplitter am Kopfe tödlich verletzt worden und bald darauf in einem Feldlaza⸗ rett gestorben. Auf Wunsch seiner e wurde seine Leiche hierher überführt. Der Musikverein blies Trauerchoräle, der Ge⸗ sangverein, dessen Mitglied er war, sangWie sie so sanft ruh'n, und die Verwundeten vom hiesigen Lazarett sangen dem fürs Vaterland gefallenen Kameraden das alte SoldatensiedIch hatt einen Kameraden als letzten Abschiedsgruß. Ein Kommando vom Landsturm⸗Bataillon Gießen erwies die letzten militärischen Ehren. Pracht ist der vierte von den aus Grünberg Gefallenen, der auf dem heimatlichen Friedhofe seine letzte Ruhestätte findet.

Kreis Büdingen. 5 1 Ortenberg, 7. Nov. Den Heldentsd fürs Vater⸗ land starb der Schulverwalter Hübner, früher hier tätig. Er fiel durch einen Granatschuß auf Feldwache und liegt auf dem Soldatenfriedhose bei Ville sur Tourbe beerdigt.

Kreis Lauterbach. a Ilbeshausen, 7. Nov. Der Sohn des früheren Lehrers Keiter, Leutnant d. R. Otto Keiger, erhielt das Eiserne Kreuz und die Hessische Tapferkeitsmedaille.

Kreis Friedberg. 5 . a r 7. Nov. Die 5 e Tapferkeits⸗ N erhielt der Musketier eiffer im Res.⸗Inf. egt. 253. a Nieder⸗Wöllstadt, 7. Nov. Der Bizewachtmeister Pflug wurde zum Leutnant d. L befördert. r Ober⸗Roßbach, 7 Nov. Das Eiserne Kreuz erhielt der Invalide Cuntz, Musketier im Inf.⸗Regt. 116. In⸗ folge schwerer Verwundung wurde derselbe vom Regimente ent⸗

lassen. Starkenburg und Rheinhessen.

Langen, 8. Nov. Bet der Vorführung mehrerer Bären durch eine Schauspielergesellschaft riß sich plötzlich eines der Tiere los, schlug ein kleines Mädchen mit einer Pranke nieder und sugte ihm dann am Kopfe schwere Bißwunden bel. Die Beflie ließ erst von ihrem Opfer ab, als sie von einigen Männern mit Knütteln niedergeschlagen wurde. Des Kindes Verletzungen sind sehr schwerer Natur. Der Bärenführer, der gegen das wütende Tier machilos war, wurde in Hast genommen.

i Hessen⸗Nassau. Marburg, 7. Nov. In einer en Landwirte⸗

1 im Pfeiffer⸗

Plattdeutsch im Felde.

Unter den vielen Dialekten im deutschen Heere, die so zahl⸗ reiche neue Ausdrücke der Soldatensprache haben entstehen lassen, ist das Plattdeutsche durch seine Fülle drastischer Redensarten be⸗ sonders fruchtbar gewesen. Die folgenden Proben des Platt⸗ deutsch im Felde finden sich in einer von G. F. Meyer ge⸗ sammelten Zusammenstellung im nächsten Heft der in Hamburg erscheinenden Zeitschrift der Vereinigung von Freunden der nieder⸗ deutschen Sprache und LiteraturQuickborn. Die angeführten Ausdrücke stammen von dem 84. Infanterieregiment, das zum weitaus größten Teile aus Schleswig⸗Holsteinern besteht; sie sind zum Teil noch aus der Garnison mit übernommen, zum erst im Felde gebildet worden:Bemerkenswert sind zuerst Be⸗ nennungen, die sich mit den neuesten technischen Kriegswerk⸗

gen befassen; sie sind fast alle schallnachahmend gebildet worden. Schwirrt ein Luftzeug surrend heran, so heißt es:Hör, de Damp⸗ döscher(de Dampmaschin) is al wedder an de Arbeit. Knattern die Maschinengewehre, sois de Tippmamsell(Schreibmaschinistin) al wedder togang oderde Kaffeemaehl raetert al wedder oderse sind al wedder bi to Holt hacken(auch für 5 lebhaftes Gewehr⸗ feuer gebraucht) Durch gebürtige Hamburger ist dafür der Ausdruck geprägt worden:Hör, de Backerjung! oderde Bäckerjung klap⸗ 5 88 Begreiflicherweise hat das Leben im Schützengraben die

ildung einer ganzen Anzahl plattdeutscher Soldatenausdrücke ge⸗ ördert. Hier haben die Minen das besondere Interesse der Sprach⸗ ildner erregt Ihrer eigenartigen Form wegen heißen die großen französischen Minen allgemeinSchosterbück im Gegensatz zu den kleineren Minen, die keine plattenartigen Anhängsel haben und ZzWüß genannt werden.Die deutschen Pioniere senden aber den Franzosen nicht weniger bösartige Minen hinüber in eigenartigen anonen, dieMinenhund oderMinenschwein getauft worden ind. Kommen die Minen angeschwirrt man kann sie durch die Luft heranfliegen sehen und alles duckt sich so istdicke Luft, ebenso, wenn Granaten und Schrapnells bedenklich nahe kommen, uns gehörig sseln, besonders die ganz großenBrummer,

8

eil-Minsch, sappel di dod! ist zu einem

schen Saale abgehaltenen zahlreich besu

die z. B.Hein undTetje von Chalons oderJonny von Reims uns in unsere Hreidefestung in der Champagne hinüber⸗ schleuderten. Ertönt der Kanonendonner in weiterer N sosünd se dar al wedder mit'n Rullwagen togang oderse sünd bi to kegeln. Auch die Handwerkszeuge der Pioniere und Infanteristen, wie fel, Spitzhacke und Spaten, wurden auf drastische Weise getauft. Aber auch die technischen Apparate, z. B. das Feldtelephon, sind nicht unbeachtet geblieben. Der Kasten des

dfernsprechers heißtKlönkassen oderSappelkassen, die

itungQuasselstrippe Der 1 5 4 wirdSappel⸗ kolonn genannt, die Telephonisten heißen wegen der Draht⸗ gabelstöcke, die sie am Tornister tragen,Knüyppelsoldaten. tehenden Ausdruck nicht nur der Telephonisten geworden, wenn sie bei mangelhafter Verständigung ihrem Aerger Luft machen wollen, der Ausdruck wird 57 vielfach in der Truppe gebraucht, um einenQuat⸗ scher oder einRugmul, das die Kameraden gerneop de Nu⸗ del schuhen(anekeln) mag, kurz abzufertigen. Die Feldausrüstung wird dem monatelangen Gebrauch natürlich sehr mitgenom⸗ men, so daß der Waffenrock vieler Soldaten schlimmer aussieht als dersößte Bengel!(die 6. Garnison. Die Mütze verdient mit Recht den NamenSpeckdeckel, da ihr unterer Rand von Schweiß und Staub ein fettiges Aus⸗ sehen erhalten hat. Widerstandsfähiger ist dieDunstkiepe, der Helm, wegen seiner Form auch wohl mitPique fief bezeichnet. Natürlich fehlt es auch nicht an Spitznamen unter den Kamera⸗ den. Wer irgendwie durch eine Besonderheit auffällt, erhält so⸗ fort einen entsprechendenNökelnamen:Der gbeinige mit wiegendem Gang heißtHein Gummi, der Kleine und Schmäch⸗ tigeHein Füt oderHein Stint, einer mit großen Augen Steernkteker ein starker EsserKamerad Nimmersatt, ein LeutnantsburscheHein Finbrot. Ein anderer Kamerad heißt gar Kole Föt weil er im e allzu häufig ikole Föt klagte.Minsch, wat heff ik kole Föt! Natürlich gibt es auch einenJoffre undGaribaldi.

Garnitur, der Arbeitsrock) in der J

Versammlung, die der Landwirtschaftliche Kreisverein veranstaltet hatte, fand eine eingehende Besprechung über die wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft infolge des Krie⸗ 7 und die Versorgung der Stadt Marbung mit KHar⸗ offeln statt. Eine ganze Reihe von Rednern wiesen die Vorwürfe, daß die Landwirte an den gestiegenen Lebens⸗ mittelpreisen die Schuld trügen, entschieden zurück; durch den Handel seien gleich nach Kriegsbeginn die Preise in die Höhe geschnellt worden. Daß die landwirtschaftlichen Erzeugnisse höher bewertet werden müßten, sei auch auf die bedeutend gestiegenen Erzeugungskosten, z. B. den Arbeiter⸗ mangel, das Fehlen der Futtermittel usw. zurückzuführen. Der Kartoffelpreis z. B. stehe zu den Preisen, die für ttermittel aufgebracht werden müßten, inkeinem Ver⸗ ältnis. Nichtsdestoweniger würden die Landwirte in jeder Beziehung ihre Schuldigkeit tun, um wie bisher den Aushungerungsgelüsten der Feinde Deutschlands die Spitze zu bieten. Bei dem gestern von der Landwirtschafts kam⸗ mer hier veranstalteten Verkauf von 24 belgischen Fohlen, meist vorzüglichen Tieren, wurden hohe Preise, durchschnittlich 1800 Mk., bezahlt. Insgesamt wurden nahe an 45 000 Mk. eingenommen.

Fechenheim, 8. Nov. Der dreizehnjährige Schüler Alexander Sprankel wurde von vier Schulkameraden mit Fuß- tritten nud Schlägen in solch roher Weise mißhandelt, daß er an den Folgen dieser Roheiten unter großen Schmerzen verstarb. Die jugendlichen Rohlinge verfolgten den Sprankel schon seit ge⸗ raumer Zeit, weil er die Laufjungenstelle eines der Burschen bei einer Familie übernommen baite.

Gießener Strafkammer. 5 5 th. Gießen, 5. November. Die Gießener Strafkammer verhandelte gestern eine Reihe kleinerer Strafsachen.

5 Zwei Standesbeamte. hatten sich wegen Vergehens gegen das Personenstandsgesetz zu verantworten. In beiden Fällen waren Zeugen nicht zu vernehmen. Die Uebeltäter waren geständig und wurden jeder zu einer Geld⸗ strafe von 3 Mark und Kostentragung verurteilt.

Wegen Viehseuchen⸗Vergehens wurde der Landwirt Joh. K. aus Hör zu einer Geld⸗ strafe von 200 Mk. hilfsweise 40 Tagen Gefängnis kostenfällig verurteilt. Bei den Pferden des Angeklagten war die Bruft⸗ seuche ausgebrochen, er durfte also mit seinem Vieh seine Hof⸗ reite nicht verlassen. Trotzdem hat er vor Aufhebung dieses Verbots mit seinen Pferden Dung auf den Acker gefahren. Ein unklarer Flachs handel. Das Schöffengericht Schotten hatte den Handelsmann Faist St.

hilfsweise 40 Tage Gefängnis verurteilt. eines Landwirtes soll St. ihn bei der Abnahme und Verwiegung

während die Wage 59½ Kilogramm angegeben hat. Diese Be⸗ kundung wurde durch mehrere Zeugen so schwer erschüttert, daß der e verurteilende Erkenntnis aufhob und den Angeklagten ko frrisprach. 5 Taubendiebe. 5 5 Fünf A von Bad⸗Nauheim haben, gemeinschaftlich mdelnd, 3 benschläge erbrochen, nachdem sie über die Um⸗ edigungen übergestiegen waren und haben mehr oder F wertvolle Tauben sich angeeignet. Der Grund zu der Tat . zum Teil darin, daß einer der Burf über einen leeren aubenschlag im elterlichen Hause verfügte, man zu bevölkern beabsichtigte. Die Verteidiger waren der Ansicht, es dle sich hier um richtige Lausbubenstreiche. Der Gerichtshof folgte aber den Ausführungen des Staatsanwalts, und erkannte auf schweren. Diebstahl, billigte aber den noch unbestraften Angeklagten weit⸗ gehende Milderungsgründe zu. Gegen einen schon wegen Dieb⸗ stahls bestraften Burschen wurde auf zwei Wochen, gegen drei der andern Angeklagten auf 8. Tage und einen Tag Gefängnis erkannt, der fünfte Angeklagte wurde freigesprochen. 5 Von der Gefährdung eines Eisenbahntransports wurde der Handelsmann Joh. B. von Münzenberg freigesprochen. Der Angeklagte hat auf der Strecke ButzbachLich Grünberg die 1 in der Nähe der Station Harbach mit Fuhrwerk passiert; er hatte den Zug in die Station Harbach einfahren sehen und mit der Tatsache gerechnet, daß auf diesem Bahnhof das Zügele halten würde, als er hinter der Station noch das

hof Harbach nicht; es gab zwischen ihm und dem Fuhrwerk einen kräftigen Zufammenstoß, wobei Wagen und Pferde in die Brüche gingen. Die Strafkammer war der Ansicht, daß den Angeklagten nach Lage des Falles ein Verschulden nicht trifft; dieser konnte nicht wissen, daß der betreffende Zug auf der Station Harbach nicht halten werde. Er hätte mit Recht mit der Tatsache gerechnet, daß auf Harbach der Zug Aufenthalt nehmen würde, so daß er mit seinem Fuhrwerk das Gleis hätte überfahren können. 5

Eine Uraufführung in Maunherm. Aus Mannheim wird uns geschrieben: Die erste Regietat des nun wieder in Mannheim eingekehrten Intendanten Dr. Carl Hage⸗

spielsWrack von Peter Egge deutsch von Heinrich Goebel) im Hof⸗ und Nationaltheater. Daß es sich um das Werk eines wirklichen Dichters handelt, wurde sehr bald ersicht⸗ lich; aber Egge, der Seelen⸗ und Frauenschilderer, ist zu fein und zu still, als daß er etwas Handfest⸗Bühnenwirksames zu geben ver⸗ möchte. Die ersten beiden Akte, wiewohl tief und künstlerisch wert⸗ voll, sind arm an Handlung, der letzte, der an Bord eines mo⸗ dernen Ozeanriesen spielt, nur oberflächlich mit dem Vorhergehen⸗ den in Verb gesetzt und zeigt auch Egge nicht mehr in feiner unbestreitbaren Meisterschaft der Schilderung tiefempfundenen

nnenlebens. Die Heldin des Stückes ist eine herbe, keusche

rauengestalt, die einen schrulligen alten Millionär heiratet, um mit dem neugewonnenen ffeichtum ihren Jugendgeliebten, der ein angehendes ärztliches Genie ist, heimlich zu unterstützen. Nach dem Tode ihres Gatten der über der Entdeckung des Zusammen⸗ hanges zusamme rochen ist, geht sie die zweite Ehe mit ihrem ugendgeliebten, dem berühmten Arzte, ein Auf der Ueberfahrt nach New Pork ereilt sie indessen das Schicksal das Schiff ver⸗ sinkt, und im Augenblick der Katastrophe erlebt sie ihre fürchtrr⸗ lichste Enttäuschung: ihr zweiter Mann, dem sie alles geohfert und der ihr bisher stets als Held erschienen, verläßt sie iu gräß⸗ licher Todesangst, um sich rücksichtslos vor dem Zusammenbruch

in Siche 155 zu bringen.

Dr. Carl Hagemann hatte dem Stück eine fabelhaft wirksame Regie zuteil werden lassen. Die ersten beiden Akte waren ganz tief und nordisch gestaltet, der letzte nit dem Ae dere e lich ausgearbeitet. Diese von Hagemann vorgefüh, wirkte nicht mehr wie Theater, sondern wie ein Naturereignis. Die gute Regie und das nicht minder Spiel forgten* auch für einen Erfolg, der laut und ehrlich war. G. W. P.

von Sichenrod wegen Betrugs zu einer Geldstrafe von 200 Mk. Nach der Bekundung

von Flachs in der Weise getäuscht haben, daß er das Gewicht auf 59½ Pfund angab und auch dementsprechend Zahlung leistete,

Gleis überfuhr. Der Zug hielt aber ausnahmsweise auf Bahn⸗

mann war am Freitag die Uraufführung des dreiakligen Schau⸗

und Her schauerliche Zusammenbruch am Schluß

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