Ausgabe 
(30.10.1915) 256. Erstes Blatt
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jede feindliche Landung zu verhindern. Obwohl man nicht glaubt, f daß die Franzosen und Engländer sich auf ein so wahnsinniges Anternehmen einlassen werden, sind die Bulgaren doch dort für alle Möglichkeiten gerüstet. Sofia, 28. Okt.(WTB Nichtamtlich) Da durch die Beschießung von Dedeagatsch auch sehr beträchtliches bulgarisches Privateigentum zerstört worden ist, beabsich⸗ tigt die bulgarische Regierung das gesamte in Bulgarien befindliche französische und englische Eigentum unter Ver⸗ waltung zu stellen, um ein Unterpfand zur Schadlos⸗ haltung der durch die Beschießung Geschädigten in der Hand zu haben. 88 Der britische Kommandant in Serbien. 2 London, 29. Okt.(WT. Nichtamtlich.) Im Unter⸗ hause teilte Tennant mit, Generalleutnant Sir Bryan Mahon kommandiere die britischen Truppen in Serbien und habe den Auftrag erhalten, mit den französischen Truppen zusammen vorzugehen.

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Aus dem englischen Unterhaus.

London, 29. Okt.(WTB Nichtamtlich.) Abgeordnete John(liberal) fragte, bezugnehmend auf die Aeußerung Saso⸗ nows, daß die Einführung der Wehrpflicht und die Einführung eeines Zolltarifs die gemeinsame wirtschaftliche Aktion Englands und Rußlands erleichtern würde, ob die englische Regierung den

Abschluß eines dauernden englisch⸗russischen Bündnis⸗ ses auf der Grundlage des Schutzzolles und der Wehrpflicht plane, oder ob die Regierungen der Alltierten nach dem Kriege eine allge⸗ meine dauernde Beschränkung der Rüstungsausgaben, die unbe⸗ dingte Regelung von Streitigkeiten durch Schiedsgerichte und die Aufh bung der Zollgrenzen untereinander anstreben würden. Lord Robert Cecil erwiderte, die Politik der Regierung werde selbst⸗ ständlich dahin gehen, die Freundschaft und den Handel mit Ruß⸗ land zu pflegen, aber es sei keine Zeit gewesen, Pläne zu erwägen, die erst nach dem Frieden wirksam würden. Wedgewood fragte, ob die Regierung eine Zollunion nicht im voraus erwägen wolle. Cecil erwiderte, die Regierung bedenke stets jede Frage im voraus.(Ironischer Beifall; andauernde Heiterkeit.) Molteno fragte Churchill, auf welche langen Verzögerungen er in seiner Botschaft an den Flottenverein am Trafalgartage angespielt habe, welche den Feinden das neue Vorgehen im nahen Osten ermöglich⸗ ben, wie diese Verzögerungen entstanden und wer dafür verantwort⸗ lich sei. Churchill, der noch wenige Minuten vorher auf der Ministerbank gesessen hatte, war nicht anwesend. Molten o fragte darauf den Sprecher, ob es nicht möglich sei, Antwort auf diese Frage zu erlangen. Der Sprecher sagte, es werde eine schriftliche Antwort erfolgen. Molteno fragte, ob die Abgeord⸗ neten nicht das Recht hätten, von einem im Hause befindlichen Minister Antwort zur erhalten. Hogge fragte sodann, warum Churchill weggelaufen sei. Lloyd George sagte auf eine Anfrage, Asquith werde am Dienstag im Hause eine Erklärung abgeben. Das Haus werde, falls es wünsche, Gelegenheit zur Debatte haben. Lowe fragte, ob Asquith morgen anwesend sein und Fragen be⸗ antworten werde. Lloyd George erklärte, das nicht bestimmt zu wissen. Booth fragte, ob die Regierung verlange, daß das Haus den Wunsch auf eine Debatte ausdrücklich bekunde. Lloyd George erwiderte, nach Asquiths Rede werde klar sein, ob das Haus eine Debatte wünsche. Es solle in diesem Falle Gelegenheit dazu haben. Hogge fragte, ob Lloyd George nicht wisse, daß große Unzu⸗ friedenheit im Hause herrsche, weil es Fragen nicht erörtern könne, über welche das Oberhaus debattiert habe. Lloyd George sagte, es sei kein Grund zur Unzufriedenheit vorhanden, volle Gelegen⸗ heit zur Debatte werde gegeben werden. Hegly(Nationalist) fragte, ob die Debatte auf der Stellung der Vertrauensfrage be⸗ ruhen solle. Booth fragte, ob der Wunsch nach einer Debatte nicht daraus erhelle, daß eine große Zahl von Abgeordneten die Debatte des Oberhaurses angehört hätte. Lloyd George sagte, Hie Regierung habe gar leine Abneigung gegen eine Debatte, sie heiße sie vielmehr willkommen. Markham fragte, ob es nicht Tatsache sei, daß die Regierung jede Gelegenheit zur Debatte im Unterhause unterbände, während sie sie im Oberhause erlaube. Sooper fragte, ob Haldane noch an der Regierung teilnehme, worüber Asqulith die Nation im Dunkeln lasse. Der Redner sprach die Hoffnung aus, daß Asquith Haldane endgültig und völlig von der Regierung ausschließen oder offen sagen werde, inwiefern Haldane an der Regierung teilnehme, und welche Verantwortung er in Verbindung mit dem Kriege habe. Dillon sagte, der Presse⸗ seldzug gegen Haldane sei einer der schimpflichsten Vorgänge während des Krieges gewesen. Haldane sei durch die Gofsepresse Northcliffes aus dem Amt getrieben worden. Diese Blätter seien in den letzten Monaten die besten Freunde Deutschlands gewesen und täglich von der deutschen Presse als Beweis dafür zitiert worden, daß England den Krieg fürchte und ihn völlig satt habe. Haldane sei diesen Erpressern geopfert worden. Sein Verbrechen sei gewesen, daß er England ermahnte, das beste des preußischen Systems nachzuahmen, und er habe recht. Ueberpatrioten er⸗ zählten jetzt im Lande, daß England gegen eine Barbarennation kämpfe, aber diese Hunnen seien den Engländern in gewissen KLiünsten der Zivilisation überlegen, namentlich im Unterrichtswesen. Weil Haldane den Mut gehabt habe, das zu sagen, sei er von der Northeliffpresse verfolgt worden.

London, 29. Okt.(WTB Nichtamtlich) Unterhaus. Bryce(liberal) fragte, ob inoffizielle Verhandlungen zwischen ver⸗ antwortlichen Personen in London und Berlin wegen des Ab⸗ schlusseseines baldigen Friedens stattgefunden hätten, ob in derselben Absicht durch die offiziellen Vertreter einer neu⸗ tralen Macht Erkundigungen eingezogen worden seien, und ob der Ministerpräsident noch an der Erklärung in der Guildhall fest⸗ hatte. Lloyd George antwortete: Die Worte Asquiths gelten noch immer.(Lauter Beifall.) Wir würden nicht daran denken, Friedensverhandlungen anzuknüpfen außer im Ein⸗ vernehmen mit den Alliierten und in Ueberemstimmung mit dem Abkommen vom September 1914. Dies war stets vollkommen deutlich und ich weiß nicht, worauf die Frage hinaus will. Bryce bemerkte, Lloyd George beantworte den ersten Teil der Frage nicht besonders. Lloyd George erwiderte, nachdem er die Punkte der Frage nochmals durchgesehen hatte, emphatisch:Gewiß nicht!

Ein Unfall des Königs von England.

London, 29. Okt.(WTB Nichtamtlich) Das Pressebureau meldet unter dem 28. Oktober: Während der Pönig heute mor⸗ gen seine Truppen im Felde besuchte, scheute sein Pferd ber dem Hurrarufen der Truppen, bäumte sich und stürzte. Der König erlitt schwere Kontusionen und wird das Zimmer vor⸗ läufig nicht verlassen können.

5 Unter dem 29. Oktober meldet das Pressebureau: Der König hat eine ziemlich gute Nacht verbracht und etwas geschlafen. Tem⸗ peratur gegenwärtig 39,2. Das Allgemeinbefinden hat sich ge⸗

bessert. Komplikationen sind nicht eingetreten.

Das englische Ansehen in Amerika.

0 London, 29. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der Korrespon⸗ dent derTimes meldet aus Washington: Man macht die britische Zensur dafür verantwortlich, daß in Amerika das Vertrauen auf den schließlichen Sieg der Alliierten tiefer stehe als je. Die Amerikaner erführen durch die Be⸗ richte von und anderer Korrespondenten, daß die großt Offensive der Alliierten an dem Widerstande der Deutschen ge⸗ scheitert und keine wirklich erfolgreiche Offensive mehr zu er⸗ warten sei. Man vergleiche Deutschlands und Englands Anteil an den e Der Korrespondent schließt: Es müsse

3* sonst könne man den englischen Kredit in Amerila gefährden. 0

7 Der

Die Gesamtverluste der Engländer.

Amsterdam, 29. Okt.(Priv.⸗Tel., Zens. Frkft.) Reuter meldet aus London: Offiziell wird mitgeteilt, daß die

unter sind 101 652 Tote, 317465 Verwundete und 74177 Vermißte. Der Zar an der Südfront

Petersburg, 29. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der Kaiser ist, vom Großfürsten Thronfolger be⸗ gleitet, am 24. Oktober aus dem Großen Hauptquartier nach der Südfront abgereist.

* * Der türtische Bericht.

Konstantinopel, 29. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Am Vormittag des 27. Oktober griff eines unserer Unterseeboote im westlichen Teil des Schwarzen Meeres die russische Flotte an und torpedierte ein Linienschiff vom Typ des Ponteleimon, welches schwer beschädigt wurde. Die russische Flotte zog sich darauf schleunigst nach Sebastopol zurück.

Auf der Dardanellenfront dauerten am 27. und 28. Ok⸗ tober die üblichen örtlichen Kämpfe an. Bei Ari Burnu und Sedd⸗ ül⸗Bahr nahmen zwei feindliche Monitore an der Beschießung teil, wurden aber durch unsere Artillerie verjagt. Auf den übrigen Fronten keine Veränderung. Obgleich an der Dardanellenfront seit einiger Zeit nur gegenseitiges örtliches Gewehrfeuer statt⸗ findet, das für beide Teile wirkungslos bleibt, führt der Feind weiter fort, Lazarettschiffe als Transportschifse und Lazarettzelte für militärische Zwecke zu benutzen. So beobachteten wir deutlich am 27. ds. Mts. bei Kutchuk Kamikli, wie englische Soldaten Militärübungen vor Zelten, die das Rote Kreuz trugen, machten und am Schluß dieser Uebungen die Zelte zurückzogen.

Konstantinopel, 29. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier berichtet von der Dardanellenfront: Bei Anaforta setzte eine von unserer Artillerie abgeschossene Bombe ein feindliches Munitionsdepot in Brand, der 15 Minuten dauerte. Unsere Artillerie zerstreute feindliche Truppen, die Verschanzungen aufwarfen; die Antwort des Feindes hatte kein Ergebnis. Bei Ari Burnu schleuderte der Feind in der Nacht vom 28. Oktober bis zum Morgen Bomben gegen die Gräben auf unserem rechten Flügel. Am 29. Oktober über Tage eröffnete die feindliche Ar⸗ tillerie ein wirkungsloses Feuer in verschiedenen Richtungen. Ber Sedd⸗ül⸗Bahr gegenseitiges Artilleriefeuer und Kämpfe mit Bom⸗ ben und Torpedos. Der Feind schoß gegen unsern linken Flügel ungefähr 1000 Geschosse ab, die nur Erdstürze in einigen unserer Schützengräben hervorriefen. Sonst nichts von Bedeutung.

Der Seekrieg. Eine türkisch⸗russische Seeschlacht.

Berlin, 30. Okt. DieVossische Zeitung läßt sich aus Bukarest vom 28. d. M. melden: Aus Bazartschik in der rumänischen Dobrudscha kommt soeben die Nachricht, daß ein türkisches Geschwader, bestehend aus derGö⸗ ben,Breslau undHamidie, gestern die rufsi⸗ sche Flotte angegriffen hat, die aus drei Panzer⸗ kreuzern, mehreren Kreuzern und Torpedobooten bestand. Es entwickelte sich eine erbitterte Schlacht, deren Ergebnis bis jetzt unbekannt ist.

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London, 29. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Meldung des Reuterschen Bureaus: Der norwegische DampferSe⸗ mal ist versenkt worden Zwei Mann der Besatzung sind ge⸗ rettet. Man glaubt, daß 19 ertrunken sind.

Aus Stadt und Cand. Gießen, 30. Oktober 1915.

Sonntagsgedanken.

Es war nicht ohne Grund, wenn unsere Herzen damals erbebten wie vor etwas Grauenvollem, als voriges Jahr das Gespenst des Krieges sich immer deutlicher sehen ließ. Auf einmal war es Wirklichkeit. Und ist es nicht so gewor⸗ den, ja vielleicht noch schlimmer geworden, wie wir es uns dachten! Die meisten von uns kannten den Krieg ja nur vom Erzählen. Nun aber leben wir selbst mitten darin. Nun sehen wir vor Augen die Witwen und Waisen; sehen wir die Väter und Mütter, denen der Krieg manchmal alle ihre Söhne geraubt hat. Nun sahen wir die Schlechtig⸗ keit frohlocken. Denn wenn sie auch schließlich nicht siegen wird, so hat sie doch ihre Freude daran, wenn sie auch nur eine Zeitlang das Gute zu unterdrücken vermag. Da sehen wir die Not der Armen, die Hartherzigkeit solcher, denen auch im Krieg das Höchste ist, reich zu werden. So ist der Krieg. Darum ducken sich denn die Menschen, bie am leichtesten durchkommen können. Darum klagen sie, die gu leiden haben. Darum gibt es trostlose und zerbrochene Herzen, die alles verloren geben. 5 Aber muß es wirklich so kommen, daß die Not dem Men⸗ schen dahin führt? Es muß nicht, auch ein anderer Weg ist möglich. Wir brauchen nicht das Leid zu erleiden. Und wer meint, die Kriegsnot habe alle von ihr Bedrängte zu. dem geführt, was oben gezeigt wurde, hat sich wirklich schlecht umgesehen. Wenn er nichts weiß davon, wie unsere Tapferen im Felde so viel Not mit ruhigem, ja frohem Mut tragen. Wie sie Tod oder Verwundung gering achten. Wie ebenso viele in der Heimat Zurückgebliebenen von ihrem Schmerz und ihrer Trauer nicht überwunden werden, nicht das Leid erleiden, sondern es tragen. Davon aber sollen wir alle innerlich ergriffen werden. Damit uns alle Not nicht zum wirklichen Tod führt, sondern damit wir leben und streben durch Kampf und Not hindurch zum Sieg. 1 ck.

Die Butter als Luxusgegenstand.

Der bekannte Professor Karl Vogt, ein gebürtiger Gießener, schreibt in seinen Lebenserinnerungen, daß man in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Gießen nur in wenigen besseren Familien Butter zum Brot e. gessen, und hauptsächlich Zwetschenhonig zun Aufstrich be⸗ nutzt habe. Noch vor 40 Jahren war das regelmäßige und stärkere Butteressen in der Hauptsache nur auf die wohl⸗ habenderen Familien der Städte beschränkt. Die Kühe aber gaben zu jener Zeit, wo man die Kraftfuttermittel n.

nicht kannte, auch viel weniger Milch und Butter. In Echzell besaß 18301840 einewohlhabendere Bauernfamilie na⸗ mens Reitz, so schreibt uns ein heimatkundiger Leser, 70 Morgen Land und erntete davon gerade soviel, daß

man früher nicht viel Worte, weil selbigmal noch gar keine oder nur sehr wenig Kartoffeln und Dickwurz gezogen wur⸗ den. Kurz es war alles knapp, auch die Butter. Zum Brotschmieren für die Kinder(das meiste Brot wurde auf

die Familie auskömmlich leben konnte. Auf Keller legte] Inf

Gesamtsumme der Verluste der Engländer auf allen Operationsgebieten bis her 493 294 beträgt. Hier⸗

dem Land trocken gegessen oder in die Möhrenbrühe ge⸗ tunkt) nahm man oft etwas Oel und zwar belamen im

Vogelsberg die Kinder vielfach etwas Bucheckernöl auf das Schwarzbrot gestrichen, was vorzüglich mundete. Der Mann, der gestern imGießener Anzeiger schrieb, daß man die Butter entbehren könne, sagt eine Wahrheit, die leider heut das Publikum nicht mehr hören will, die es aber deshalb um so mehr durch die Zeitläufte zu fühlen bekommt. Würde man nicht Tag für Tag über die Butterfrage, die Butternot räsonieren und lamentieren, würde jeder, wie das früher allgemein üblich war, bei sich anfangen, sich mehr dasDürrmäulen, wie das Volk sagt, d. h. das Maßhalten, Sichbescheiden, das knappere Leben angewöhnen. so stünde es ums Ganze besser. Einer hetzt bloß den an⸗ deren auf und alle Aerzte bestätigen die Tatsache, daß die von Haus aus körperlich gesunden Soldaten in der Front sich des besten Wohlseins erfreuen, daß frühere Krankheiten bei den meisten wie weggeblasen sind, und man führt das nicht allein auf die frische Luft, sondern auch hauptsächlich auf die fettärmere und knappere Nahrung, auf den dadur erfolgten Rückgang des körperlichen Uebergewichtes zurück. *

Der Kampf des RegimentsKaiser Wilhelm Nr. 116 um Le Ques noh en Santerre. 31. Oktober bis 2. November 1914.

Am 31. Oktober 1915 jährt sich zum ersten Male der Beginn der Kämpfe des Regiments um Le Quesnoy. Seit Mitte Oktober 1914 befand sich das Regiment als Reserve hinter der Front und war mit dem Regiments⸗ stab und dem 1. und 3. Bataillon in C., mit dem 2. Ba⸗ taillon in L. untergebracht. Die Maschinengewehr⸗Kom⸗ pagnie hatte ihr Quartier in dem Gehöft Th. Die Ruhe wurde durch eine lebhaftere Tätigkeit des Feindes vor der Front der Nachbar⸗-Division gestört, die sich besonders in den letzten Tagen des Oktobers zu heftigen Artillerie- Aktionen und teilweisen Infanterie⸗Angrifsen gegen die Dörfer Qu. und A steigerten. Am 30. Oktober war schon tagsüber, befonders in den Nachmittagsstunden, heftiges Artillerie- und Infanteriefeuer zu hören ge 1 5 Um 9 Uhr abends teilte die vorgesetzte Brigade mit, daß die Franzosen in den ersten Abendstunden über⸗ raschend Le Quesnoy gestürmt hätten; das RegimentKaiser Wilhelm sei zur Verfügung der Nachbardivision gestellt und habe umgehend nach Fr. zu marschieren, um dort weitere Befehle zu empfangen. Gegen 10 Uhr abends waren die sogleich alarmierten Bataillone marschfertig. Es wurde nun der Vormarsch auf Fr. angetreten. Hier erhielt das Regiment von der Nachbardivision den Befehl,zunächst Ortsunterkunft zu beziehen, ein Eingreifen des Regiments werde voraussichtlich nicht mehr nötig werden, da Le Ques⸗ noh schon wieder von den eigenen Truppen genommen sei. Um 12 Uhr nachts wurde das 2. Bataillon des Regi⸗

ments auf Befehl nach D. in Marsch gesetzt und von diesem

Dorf aus gegen 1 Uhr nachts beiderseits der Straße nach Le Quesnoy zum Angriff vorgeschickt. Es hatte sich in⸗ zwischen herausgestellt, daß nach hin⸗ und herwogendem Gefecht die Franzosen sich wieder im Besitz von Le Quesnoy befanden. Das 2. Bataillon ging zunächst in Zugkolonne und später, als die ersten Verluste eintraten, in Schittzenlinie legen das Dorf vor. Schon im Vorgehen gaß es einige Verluste durch Artillerie⸗ und Infanteriefeuer, da der ganze Geländestreifen zwischen D. und Le Quesnoy vom Feinde bestrichen werden konnte. Heller Mondschein begünstigte ein Beschießen der angreifenden Schützenlinien. Es 5 dem 2. Bataillon, bis unmittelbar an den Dorfr vor⸗ zudringen; ein weiteres Vorwärtsgehen war aber lich. Gegen 3 Uhr morgens wurde das inzwischen heran⸗ geholte 1. und 3. Bataillon zum Angriff eingesetzt. Nur die Maschinengewehrkompagnie wurde zunächst als Reserve des Regiments zurückgehalten. In der Morg nerung des 31. Oktober gelang es den anstürmenden Bataillonen des Regiments, an einzelnen Stellen in das Dorf einzu⸗ dringen. Die eingedrungenen Teile wurden jedoch durch starke e geschlossener franzöfischer Abteilungen wieder bis an die Dorfränder zurückgeworfen. 1 Von Anbruch des Tages an litt das Regiment, dessen Stellung sich wie ein Keil in die französischen Stellungen einschob, schwer unter flankierendem Infanterie⸗ und Ar⸗ tilleriefeuer. Besonders störend machten sich geschickt ein⸗ gebaute Maschinengewehre und sog. mschützen bemerk⸗ bar. Ein 12 Uhr mittags nach starker Artillerievorberei⸗ tung unternommener abermaliger Sturm brach trotz allen Heldenmutes in dem feindlichen Flankenfeuer zusammen. Bis zum Abend des 1. November blieb die Gefechts! unverändert. Die Schützen des Regiments hatten sich, so gut es ging, am Dorfrande und unmittelbar davor ein⸗ gegraben, bezw. in dort befindlichen Gräben Deckung gesucht, oft nur 10 Meter vom Feinde entfernt. Ein während der Nacht vom 1. auf 2. November 99 en die Flanken des Re⸗ iments unternommener feindlicher Vorstoß wurde mit tarken Verlusten für den Feind zurückgewiesen. Am 2. No⸗ vember morgens war sehr starke deutsche Artillerie schwerer Kaliber, darunter mehrere Mörserbatterien, gegen Le Ques⸗ noh in Wirkung getreten. Durch diese Artillerie wurde von 8 Uhr vormittags bis 12 Uhr mittags der Feind mit EN Heftigkeit bekämpft, und dann nach Einstellung er Artillerie⸗Vorbereitung von der Infanterie unter Ein⸗ satz der letzten Reserven(auch der eee 5 pagnie 116) gegen 12.30 Uhr erneut gestürmt. Mit unver⸗ gleichlicher Tapferkeit wurde noch einmal in das Dorf eingedrungen und Teile desselben dem Feinde entrissen. Starke feindliche Gegenstöße überlegener frischer zwangen aber wieder, bis an den Dorfrand zu 5 Gegen 8 Uhr abends erhielt das Regiment den

weichen.

2 na Urückschaffung der Verwundeten sich bei D. zu sam⸗ 3 1 mit den für diefen Zweck zur Ver⸗ fügung stehenden Kräften gegen die französische Uebermacht nicht zu nehmen war. 1. ö

Ungeheures war in den dreitägigen Kämpfen um Le Quesnoh von dem Regiment geleistet worden. i 5 f

** Beförderung. Beigeordneter Hrenzien, der als Führer einer Pionier⸗Kompagnie im Westen steht, wurde zum Hauptmann befördert.

* Landtagsabg. und Stadt Prof. Urstadt, der als Hauptmann und Kompagnie⸗Chef im Felde steht, hat auf dem Kriegsschauplatze in Galizien das Eiserne Hreuz erhalten.

Das Eiserne Kreuz erhielt nachträglich Fritz Schreiner, Sohn des Bäckermeisters Schreiner von hier. Schreiner ist Kriegsinvalide Dem Vizefeldwebel im Landsturm⸗ Batl. Darnistadt IV Mar Weißbäcker von Gießen wurde die hessische Tapferkeitsmedaille verliehen..

* Die Kartoffelpreise. In unserer gestrigen Berliner Meldung über die Regelung der Kartoffelpreise ist eine Unrichtigkeit enthalten insofern, als der lein⸗ handels höchstpreis den Produzentenhöchstpreis des⸗ jenigen Gebiets, in dem der Kleinhandel ausgeübt wird,