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Die„Gießener Femiiiendlätter“ werden dem „Anzeiger“ wiermal wöchentlich beigelegt, das Arelsblan für den Kreis Sleßzen“ zweimal wöchenlich. Die„Candwirtschaftlichen zeit⸗ fragen“ erschemen monatlich zweunal.
General⸗Anzeiger für Oberhe
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165. Jahrgang
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Aus dem Reiche.
Eine Sitzung des Deutschen Museums. Berlin, 28. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Im Laufe des gestrigen Tages fand im Bundesratssaale des Reichstags⸗ gebäudes eine geschäftliche Sigung des Deutschen Mu⸗ seums statt. Den Vorsitz führte der bayerische Kultus⸗ minister Dr. v. Knilling. Als Vertreter der Reichsleitung war Ministerialdirektor Lewald erschienen, ferner Staatsrat Kahr(München), von den Vorsitzenden des Vorstandsrates waren Geheimrat Duisberg, Gesandter Dr. Krupp von Bohlen und Halbach, sowie Exzellenz Emil Fischer an⸗ wesend, von den früheren Vorsitzenden Graf Zeppelin, Wil⸗ helm v. Siemens, Schifsswerftbefitzer Blohm(Hamburg) und Direktor Ehrensberger. Zunächst sprach Geheimrat Duis⸗ berg und namens des Vorstandes Reichsrat Oskar von Miller über die laufenden Angelegenheiten des Museums. Danach beziffern sich die laufenden Einnahmen und Aus⸗ 1 15 des Museums für 1915 auf rund 250000 Mark. Für iegsunterstützungen sind 65000 Mark vorgesehen. Für den Neubau des Museums sind bisher acht Millionen ge⸗ stistet und hiervon vier Millionen bereits verwendet. Das Gesamtvermögen des Museums beträgt 13 Millionen. Es wurde die Ausführung von Büsten des Physikers Ohm und des Erfinders des Telephons Philipp Reis für den Ehrensgal des Museums 22 17 80 Am Nachmittag wur⸗ den die Siemens⸗Schuckert⸗Werke der Siemensstadt und die Fabriken von Siemens und Halske besichtigt. Alle 75 waren erstaunt und begeistert von der vielseitigen und intensiven Beschästigung der Fabriken und nahmen von diesen Stunden die Ueberzeugung mit sich, daß die . Leistungen der Industrie auf allen Gebieten r Technik von den Feinden des Deutschen Reiches nicht nur nicht überboten, sondern auch nicht im entferntesten erreicht werden könnten, auch wenn sie von der Industrie der neutralen Länder noch so mächtig unterstützt werden. Am Abend vereinigte eine Einladung des neuen Vorsitzen⸗ den des Vorstandsrates Dr. v. Harnack die Leiter des Deutschen Museums mit den Mitgliedern der Kaiser⸗ Wilhelm ⸗Gesellschaft und den Direktoren ihrer Institute. Anwesend waren u. a. der Stellvertreter des Reichskanzler Staatssekretär Dr. Delbrück, der preußische Kultusminister und der Rektor der Berliner Universität. Harnack hielt eine mit Begeisterung aufgenom⸗ mene Rede über die deutsche Wissenschaft und über die gleichartigen und ersprießlichen Bestrebungen des Deut⸗ schen Museums und der Kaiser⸗Wilhelm⸗Gesellschaft. Der bayerische KHultusminister als Ehrenpräsident des Deutschen Museums dankte mit herzlichen Worten allen denen, die durch Vorführung interessanter Versuche und Jabrikationen, sowie durch die Veranstaltung anregungs⸗ voller Zusammenkünfte, die die diesjährige Tagung des Deutschen Museums belebten, sich verdient 5 haben. 8
München, 28. Okt.(W Nichtamtlich) Der be⸗ sondere Ausschuß der bayerischen Abgeordneten⸗ kammer zur Beratung des von der Regierung der Kam⸗ mer vor mehr als einem Jahre vorgelegten Entwurfes für ein Gemeindebeamtengesetz hat gestern die Be⸗ ratungen wieder aufgenommen. Sie waren bei Beginn des Krieges in der vorigen Session bei der Beratung des Ar⸗ tilels 12 abgebrochen worden, der die Dienstpflicht der Ge⸗ meindebeamben und ihr Verhalten in und außer dem Dienste festsetzt. Gestern gab Staatsminister Freiherr v. Soden namens der Staatsregierung in der Sitzung folgende Er⸗ klärung ab:„Die Begründung zu Artikel 12 des Ent⸗ wurfes legt dar, daß sich ein berufsmäßiger Gemeinde⸗ beamter durch seine Betätigung als Sozialdemo⸗ krat der Achtung unwürdig erweisen würde, die sein Amt erfordert und daß er deshalb disziplinarisch zu verfolgen wäre. Angesichts der vaterländischen Haltung, die im gegen⸗ wärtigen Kriege auf dem Boden der geltenden Staaksord⸗ nung auch seitens der Sozialdemokraten an den Tag gelegt
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Freitag, 20. Oktober 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühlschen Uniwersitäts- Buch- und Steindructerei. R. Lange, Gießen.
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worden ist, hält die Staatsregierung jene Darlegung nicht mehr aufrecht und erachtet damit diese Stelle der Begrün⸗ dung als weggefallen.“
Aus Stadt und Cand. 5 Gießen, 28. Oktober 1915.
* Auszeichnung. Mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet wurde der frühere Kompagniefeldwebel im Inf.⸗Regt. 116, jetzt Offizier Stellvertreter Wolf Schild, Post⸗ anwärter in Köln. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielt Herr Schild schon im vorigen Herbste.— Dem Unteroffizier Carl Seibert aus Gießen, von der 4. Komp. des 118. In].⸗Regts, wurde das Eiserne Kreuz verliehen.
* Sammlung für die Hriegsgefangenen en Rußland. Wie uns das Kreiskomitee für Ro⸗ tes Kreuz und Kriegshilfe mitteilt, sind aus Anlaß der vorgenannten Sammlung bis jetzt aus nachgenannten Landgemeinden die beigesetzten Geldbeträge an den Kreiskasserechner eingegangen: Albach 84,60 Mk., Allendorf a. Lahn 190, Allendorf a. Lda. 519, Alten⸗Buseck 89,70, Annerod 83, Bellersheim 100, Beltershain 95, Bersrod mit Winnerod 96,05, Bettenhausen 87,30, Beuern 254,42, Birk⸗ lar 78,50, Burkhardsfelden 120,70, Climbach 85,10, Daubrin⸗ gen 155,10, Dorf⸗Gill 125, Eberstadt mit Arnsburg 175, Ettingshausen 94,40, Garbenteich 134,80, Geilshausen 121, Großen-Buseck 620,40, Grünberg 729,15, Harbach 64,40, Hat⸗ tenrod 141,50, Hausen 80, Heuchelheim 370, Holzheim 175, Hungen 539,65, Inheiden 100, Klein⸗Linden 379,40, Langd 275, Langgöns 459, Langsdorf 378,95, Lauter 116,40, Leih⸗ 1 1 85 517,15, Lich 633,30, Lindenstruth 65, Lollar 410, zumda 144,50, Mainzlar 110,10, Münster 50,60, Muschen⸗ heim 80, Nieder⸗Bessingen 56,80, Nonnenroth 150, Obborn⸗ hofen 194,70, Ober-Bessingen 140, Ober⸗Hörgern 260, Oden⸗ hausen 180, Oppenrod 105,30, Rabertshausen 22, Rein⸗
hardshain 18, Reiskirchen 208, Rodheim 148,30, Rödgen 121,25, Röthges 120,40, Ruttershausen 126, Saasen 134,60, Stangenrod 94,20, Staufenberg 140,65, Steinbach 295,60, Steinheim 30, Stockhausen 74,80, Trais⸗Horloff 70, Treis a. Lda. 286,15, Trohe 46,70, Utphe 59,55, Villingen 207,50, Weickartshain 106,15, Weitershain 125,50, ieseck 430, Privat 10 Mk., insgesamt 13 090,32 Mk. Diese alle Er⸗ wartungen übersteigende Gesamtspende ehrt in höch⸗ stem Maße unsere Landbevölkerung, die gleichzeitig des Dankes aller derjenigen sicher kann sein, deren Los durch die reichen Gaben gemildert wird.
* Früherer Ladenschluß. Die Inhaber der Möbel⸗, Tapeten⸗, Linoleum⸗, Teppich⸗, Vorhang⸗ und Bettengeschäfte haben beschlossen, vom 1. No vember ab während der Kriegsdauer an Wochentagen um 7 Uhr abends, an Sonntagen um 2 Uhr nachmittags zu schließen. Aus⸗ nahmen finden statt im Monat Dezember und an den behördlich festgelegten Ausnahmetagen.
* Ermäßigung der Brennspirituspreise. Um die Verbilligung des Brennspiritus dem Publikum schneller zugängig zu machen, hat die Spiritus⸗Zen⸗ trale sich bereit erklärt, den Kleinhändlern, die ihre alten Bestände schon jetzt zu den um 15 Pfg. ermäßigten Preisen verkaufen wollen, den Preisunterschied zurück⸗ zuvergüten. Der Kleinhandel ist sonach in der Lage, seine Kundschaft alsbald zu den herabgesetzten Preisen, näm⸗ lich 45 Pfg. für eine Literflasche zu 95 Proz., 42 Pfg. für eine Literflasche zu 90 Proz. zu bedienen.
** Stadttheater. Es sei darauf hingewiesen, daß die für Sonntag abend angesetzte Vorstellung von L' Arronges„Dok⸗ tor Klaus“ im Abonnement nicht wiederholt wird.
* Brotmarken. Die Ausgabe der Protmarken für den Bezirk VIII Lukas saal) findet am kommenden Samstag in den Gebäude der vorm. Ohrenklinik, Ecke Frankfurter- und Liebig⸗
straße, statt. Landkreis Gießen. O Lich, 28. Okt. Am nächsien Sonntag wird die Licher Jugendwehr unter Leitung von Gendarmerie-Wachtmeister Weber eine Marschübung nach Bad Salzhausen vornehmen.
„* Darnach findet ein Gefecht bei Nidda mit der dortigen Jugend- wehr statt. Vor dem Gesecht wird abgekocht. Nachher wird Pfarrer Freitag⸗Lich Feldgottesdienst abhalten.
ö Daubringen, 28. Okt. Nachdem der Tod zweier Krieger aus hiesiger Gemeinde anttlich gemeldet worden war, schrieben beide aus der Gefangenschast. Des einen Todes anzetae hatte schon in der Zeitung gestanden. Wehrmann Frey befindet sich mi⸗ leichter Kobfwunde in kranzssischer Gesangenschast und Musketier Karl Walter unverletzt in russischer.
Wa. Odenhausen, 28. Okt. Heute vormittag ereignete sich auf dem Freiberrlich Raben auschen Rittergute Appenborn ein schwerer Unglücksfall. Ein von Ober⸗Seibertenrod stammen⸗ der l7jähriger junger Mann, der bei der Dreschmaschine in Arbeit tand, geriet in die Strohpresse und wurde versrüm melt. Der Tod trat sofort ein. Der Verstorbene soll der einzige Sohn seiner Eltern sein.
Langd, 27. Okt. Der siebzigjährige Schreiner Christian Freimann von bier machte semem Leben durch Erhängen in seiner Wobnung ein Ende. Der Verstorbene war leidend und ii erst vor einigen Tagen aus dem Hungener Krankenhause ent
lassen worden. Kreis Büdingen.
A Büdiugen, 2“. Okt. das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt der bis zum Ausbruch des Krieges am hiesigen Kreisamte t tig gewesene Regierungsassessor Dr. Dittmar, Ober⸗ leutnant in Landwehr-Infanterie-Regiment 116.— Den Heldentod starb der Musketier Schmuck.
Kreis Friedberg.
ib Friedberg, 2 Okt. Feldwebel Trier im Insanterie⸗ Regiment 168 erhielt die Hessische Tavferkeitsmedaille, dasselbe Ehrenzeichen Feldwebel Schmucker in demselben Regiment. 8
ü Nieder ⸗Wöllstadt, 28. Okt. Nach längerem Leiden verstarb hier der Oekonom Heinrich Weith. Sieben Jahre lang war er Mitglied des Landwirtschaftskammer-Ausschusses für
Oberhessen. Starkenburg und Rheinhessen. Ausstellung von Lazarettarbeiten.
rb. Darmstadt, 28. Okt. Eine„Ausstellung von
Lazarettarbeiten“ ist heute nachmittag hier im Aus⸗ stellungssaal des Großh. Landesgewerbemuseums eröffnet worden, die allgemeine Aufmerksamkeit und Beachtung verdient. Die Aus⸗ stellung ist veranstaltet von dem hier beim Landesverein vom Roten Kreuz gebildeten„Ausschuß für Unterricht und beruf⸗ liche Fürsorge für Kriegsbeschädigte“ und die„Ausstel⸗ ler sind ausschließlich Verwundete und Kranke in den zehn Darmstädter Lazaretten, die sich während ihrer Genesungszeit mit praktischen und sachgemäßen Handarbeiten der verschiedensten Art beschäftigt haben. Hauptzweck der Ausstellung soll es sein, den Verwundeten in den einzelnen Lazaretten Belehrung und Förderung zu gewähren und durch die unter Anleitung von Ra lehrern und Lehrerinnen angefertigten Arbeiten ein gleichmäßiges Interesse an der Beschäftigung wundeter zu erwecken, auch 15 e weiterer Kreise auf diese Lazarettätigkeit hin⸗ zulenken.
Die Ausstellung überrascht durch die Vielfeitigkeit des Dar⸗ ebotenen. Unter den zu Sondergruppen vereinigten Arbeiten
einzelnen Lazarette erblickt man Erzeugnisse von einfachster Art bis zu hervorragenden Kunstgegenständen, wie man sie unter den gegebenen Verhältnissen kaum hätte erwarten dürfen. Unter den Arbeiten ist vorherrschend die Stickerei⸗ und Strickereiarbeit, sowie die Korb⸗ und Zierratflechterei in den verschiedensten Formen. Besonders schön und reichhaltig sind in dieser Richtung die Ver⸗ wundeten des Mathildenhöhe⸗Lazaretts und des Vereinslazaretts der Barmherzigen Schwestern vertreten. Sie haben zum Teil Arbeiten, gestickte Decken, Damentäschchen, Zierkörbchen usw. zur Schau gestellt, die nicht von rauhen Kriegerhänden im Kranken⸗ bett, sondern von zarter Damenhand im Salon angefertigt sein könnten, Die Verwundeten im städtischen Krankenhaus haben sich vorzugsweise mit Holzschnitzereien, Anfertigung von Schmuck⸗ kästen usw., auch praktischen Möbeltischlerarbeiten beschäftigt. Eine Gruppe von Patienten fertigte ein schönes Modell von Alt⸗ Darmstadt an, das den Zweck hat, den Schülern als Anschauungs⸗ mittel beim Unterricht in der Heimatskunde zu dienen. Als be⸗ sonders praktisch und ersprießlich hat sich der Unterricht in dem Vereinslazarett„Landheim Eberstadt“ erwiesen; dort hat ein Verwundeter, Maurer von Beruf, die Strickmaschine beherrschen elernt und auf derselben praktische Kleidungsstücke aller Art ange⸗ serti t. während andere mit Bürstenbinderarbeiten, Korbflechtereien, See usw. ihre Mußestunden ausfüllten; ein Architekt erwies
Zum Aampf gegen das Fremdwort.
Unter den indirekten Wirkungen des Weltkrieges, die sich bereits jetzt in Deutschland geltend machen, spielt der Kampf gegen die Fremdwörter eine vielfach erörterte und verschiedentlich ausgelegte Rolle. Es wurde die Pflicht des Deutschen, gegem alles Fremdländische, Falsche, Unwahre energisch vorzugehen. Doch gerade in der Frage der Fremdwörter, die von, verschiedenen Gesichtspunkten zu betrachten ist, erscheint eine Mahnung gegen unüberlegten Uebereifer und die Gefahr der Kritiklosigkeit an⸗ gebracht. Darum ist eine logische Untersuchung des Fremdwörter⸗ wesens im Deutschen, wie Prosessor Dr. Kießmann sie in einem Artikel im nächsten Heft der„Grenzboten“ anstellt, als er⸗ freulicher Beitrag zu begrüßen.
Der Kampf gegen die Fremdwörter hat nicht erst mit diesem Kriege eingesetzt:„Bereits im 17. Jahchundert ist man bedacht gewesen, die deutsche Sprache von fremdem Beiwerk zu reinigen, und neben lächerlichen Verdeutschungen, die nie Gemeingut ge⸗ worden sind, hat man eine Reihe glücklicher Neubildungen ge⸗
rägt, die— wie zum Beispiel Staatsmann, Sternwarte, Stell⸗ ichein, Heerschau— allseitige Anerkennung gefunden haben. Seit 1885 hat die Tätigkeit des Allgemeinen Deutschen Sprach⸗ vereins eingesetzt, und manches gute deutsche Wort hat dank ihm das fremde Sprachgut verdrängt. Wieviel bereits erreicht worden ist, leuchtet sofort ein, wenn man aus irgend einer Zei⸗ tung, aus irgend einer wissenschaftlichen oder volkstümlichen Schrift, die vor 100 Jahren erschienen ist, eine beliebige Seite abdruckt und damit die heute dafür übliche Fassung vergleicht. Viele Fremdwörter kommen in Mode für eine kurze Zeit und schwin⸗ den— Gott sei Dank— von selbst:„Logis, peu⸗ä⸗peu, hangar Fliegerhalle, Flugzeugschuppen), gehören u. a. dazu.“ Anderer⸗ eits gibt es Ausdrücke, die— ursprüng lich fremdsprachig— im
ufe der Zeit sinngemäß in unseren Sprachschatz übergegangen sind.„Gering ist im Vergleich mit dem Lateinischen und Fran⸗ zösischen der Einfluß der anderen Kultursprachen: des Ita⸗ ienischen für die Sprache der Musik und des Handelslebens, des Englischen vornehmlich für die Sprache des Sports. Der russischen Sprache, anderen slawischen oder überseeischen Sprachen
ben wir nur sehr wenige Ausdrücke entnommen. So ist der ampf gegen die Fremdwörter im wesentlichen ein Kampf gegen n oder aus dem Lateinischen oft durch Vermittlung
s Französischen zu uns kommende romanische Ausdrücke Hier⸗ bei darf nun nicht unberücksichtigt bleiben, daß ein unparteiisches
1 auf die geschichtliche Entwicklung unseres Wort⸗ chatzes zeigt, daß zwar durch Aufnehmen fremden Sprachgutes manches alte, echte Wort leider verloren gegangen ist, daß jedoch
im allgemeinen durch das neuaufgenommene Fremdwort, das allmählich Bürgerrecht erlangt hat, eine wertvolle Bereicherung des Sprachschatzes erfolgt ist. Somit müssen wir auch den Wörtern gegenüber, die uns noch als durchaus fremdartig anmuten, prüfen, ob wir ihnen nicht Aufnahme gewähren sollen, weil, wenn wir sie verdrängen, wir einen Sprachverlust erleiden, den wir mit eigenen sprachlichen Mitteln nicht ersetzen können. Alle Sprachen bereichern sich an fremdem Sprachgut. Nur muß eben der Fremdling nicht nur als Fremder Aufnahme finden, sondern er muß mit der Zeit Bürger und heimisch werden, das heißt, das Fremdwort muß in seinem Schrift⸗ und Lautbild, sowie in allen seinen sprachlichen Abwandlungen wie ein deutsches Wort derselben Klasse behandelt werden. Weiter muß man sich bei Verdeutschungen 1 5 vor Neubildungen, die wegen ihrer Beziehungen zu ähn⸗ ichen deutschen Wortbilbungen irreführen können.„Telephon“ „Fernsprecher“, meinetwegen; ist aber ein„Telephongespräch“ stets ein„Ferngespräch“ in dem jetzt damit verbundenen Sinne? Manchmal gelingt die Verdeutscheung nur für die eine Wortklasse, versagt aber bei der anderen:„Kollege“=„Amtsgenosse“, gut; aber wie steht es mit„Kollegium“,„kollegial“ usw.? Mit dem guten Willen, die eigene Sprache gänzlich rein zu halten, ist es nicht getan, sehr viel Takt 1 ein unübersetzbares „Fremdwort“!) und Sprachgefühl ist nötig.“ *
— Eine e e ee eee in Dresden. Aus Dresden wird uns geschrieben: In der Galerie Ar⸗ nold sieht man jetzt eine Ausstellung von Werken der im Felde bezw. im Heeresdienste stehenden Dresdener Künstler. 75 Künst⸗ ler sind mit Arbeiten vertreten. Obwohl im letzten Jahre gerade den Dresdener Künstlern eine ganze Reihe z. T. sehr umfang⸗ reicher Ausstellungen gewidmet war, bietet doch diese neue Ar⸗ noldsche Ausstellung allerhand Ueberraschendes. Sie zeigt bunt nebeneinander Künstler aller„Richtungen“, bringt besonders eine große Anzahl junger, bisher so gut wie unbekannter Künstler. Und so stellt sie neben der sehr zu begrüßenden wirtschaftlichen Hilfeleistung eine nicht weniger willkommene Bereicherung des Dresdner Kunstlebens dar. Eine besondere Abteilung zeigt Ar⸗ beiten aus dem Felde, meist Graphik⸗Federzeichnungen, auch ausgeführte Blätter Die Fülle des hier gesammelten Ma⸗ terials muß für die Charakteristik unserer Krieger, die im schwersten Kampfe noch Zeit und Kraft zu solcher Arbeit finden, sehr hoch gewertet werden. Künstlerisch Positives zur Gestaltung dieses Krieges darf man noch nicht suchen, wenn auch mehr als eins dieser Blätter seine fesselnde Handschrift hat. Illustrationen u Feldpostbriefen möchte man diese Skizzen nennen. Und darum d sie uns lieb. Malerische Gestaltung der Kriegserleönisse
findet man in der dieser Ausstellung angegliederten Sonderabtei⸗ lung von Werken Sascha Schneiders, der sich jetzt Alexander a nennt. Hier hängen ein paar seiner dekorativen Wand⸗ gemälde und die Originale zu einer Mappe von Zeichnungen „Kpiegsgestalten und Todesgewalten“. Man kann den Werken Schneiders das Gepräge einer eigenwilligen Monu⸗ mentalität nicht absprechen. In der edlen Ruhe dieser Fresken⸗ gestalten mit Schwert, Speer, Helm und Schild ist die Hoheit des Kämpfers, die Schönheit des kämpfenden Mannes gestaltet. Man wird die reife Klarheit dieses Werkes, die Harmonie seines Innen und Außen bewundern, wenn man auch seine Begrenzung nicht verkennt. Denn man spürt von dem Werke Schneiders aus einen Weg zu einer Monumentalmalerei, die, noch wachsend im Ausdruck, noch schärfer und reicher im Rhythmus wie in der male⸗ rischen Form, berufen wäre, dereinst Gedächtnishallen, Kasernen, Schulen der Zukunft zu schmücken.
— Uraufführung in Mainz. Aus Mainz wird uns geschrieben: Innerhalb 5—6 Tagen zwei Uraufführungen herauszubringen, ist immerhin eine Leistung, die Anerkennung verdient, die auch keine Einschränkung erfährt durch die Tatsache, daß dieser Leistung höhere Anerkennung gebührt, als dem neuen Werke selbst. Dieses Zeitbild in vier Akten von Axel von Renkern, betitelt„Wjer a“, nach dem Vornamen der Heldin des Dramas, ist schwach. Das heißt nicht eigentlich im drama⸗ tischen Aufbau, auch nicht in der Erfindung. Aber man hatte am Schlusse den Eindruck, als sollte die Komödie erst beginnen, als gebe der abschießende Revolverschuß, mit dem Wjerg den blut⸗ rünstig⸗verversen Gouverneur zu Boden streckt, weil er ihren ideal Geliebten peitschen ließ, erst den Auftakt zu der Revo⸗ lutionstragödie. So aber bleibt das Stück eine Episode, die selbst bei noch längeren Pausen keinen Abend füllen kann. Das Inter⸗ essanteste dabei ist, daß wir„Barbaren“ es auch in einer Zeit, da wir mit Rußland im erbitterten Kampfe stehen, fertig bringen, uns diese Feinde auf der Bühne in dem sympathischeren Grund⸗ ton ihres Wesens vorführen zu lassen. Man spendete ihnen mit⸗ fühlenden Beifall. Niemand protestierte. Die Spielleitung, Jo⸗ hannes Tralow, hatte viel Mühe aufgewendet, um dem Stück den Erfolg zu sichern. Den Hauptdarstellern Kurt Agte(Gouver⸗ neur), Eugen Herbert(Sekretär Maximowitsch), Heinemann(Poli⸗ zeihauptmann), Hanna Ralph(Wjera) und Edith Gärtner(Jessa Schapita) leisteten Ausgezeichnetes.
Berlin, 28. Okt.(Priv.⸗Tel.) Das„Berliner Tageblatt“ meldet: Der bekannte Kunstschriftsteller Julius Meier⸗Graese, der im Februar 1915 als freiwilliger Krankenpfleger im Osten in russische Gefangenschaft geriet, kebrte über S lm glücklich wieder nach Berlin zurück.
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