*
frisches Gebäck feil, ein dritter balanziert eine lange Stange, an der rohe Fleischstücke baumeln, ein vierter breitet Gebets⸗ teppiche und Stickereien vor dir aus, ein fünfter hält dir eine türkische Zeitung unter die Nase und ein sechster will dich mit dem unvermeidlichen Sorbet laben. Dazwischen wandeln voll patri⸗ archalischer Ruhe die Juden in langem Kaftan und schwarzäugige Zigeunerinnen säugen inmitten des Staubes und des Lärms kleine Kinder, die bereits gehen können. Auch eine Festung besitzt Uesküb. Sie fällt zum Wardar hin steil ab, der hier so breit ist wie etwa der Main bei Frankfurt. Sie sieht drohend aus und hat in früheren Zeiten manchen Sturm bestanden. Heut hat sie dem Ansturm der Bulgaren keinen nennenswerten Widerstand leisten können. 5 Als ich in Uesküb war, wohnte ich ber einem Bulgaren, der mit einem Fluch gegen die Serben aufstand und zu Bette ging. Wann und wo er mich traf, machte er sich Luft über den neuen Herrn und nie tat er es, ohne hinzuzufügen:„Keine drei Jahre, mein Herr, werden die Serben hier bleiben, dar⸗
auf verlassen Sie sich!“ Heute, da diese Prophezeiung so glän⸗ gend in Erfüllung gegangen ist, werden die Bulgaren in Uesküb, die sich nur widerwillig den serbischen Herren gefügt haben, die Sieger jubelnd empfangen haben. Auch die Arnauten haben im Grunde nie mit den Serben sympathisiert, deren Steuerein⸗ treibung ihnen nicht in den Kopf wollte, denn unter der türkischen Herrschaft war in dieser Beziehung manches möglich, was an⸗ gesichts der großen Zahl serbischer Beamter, die sofort nach der Besetzung Ueskübs in diese Stadt kamen, zur Unmöglichkeit wurde.
Nur etwa 40 Kilometer nordöstlich von Uesküb liegt Ku⸗ manowo, ein Städtchen von etwa 10 000 Einwohnern, in dedssen Nähe die serbisch⸗bulgarische Endschlacht im zweiten Balkan⸗ . krieg getobt hat. Auch jetzt wird der Ort wieder genannt, der be⸗ reits im Besitz der Bulgaren ist. Die Gegend ist öde und wenig mit Wald bestanden. Kahler Fels und schlecht bestellte Felder, untermischt von ausgetrockneten Wiesen, geben dem Landschafts⸗ bild ihr Gepräge. Ohne Eile und an jedem Bauerndorf längere Zeit anhaltend, pustet die Eisenbahn nach Nisch hinauf, dem oberen Morawatal entgegen. Aber gerade weil man überall so viel Zeit hat, lassen sich gut Studien machen. Was sind das für Leute, die malerisch gekleidet, auf den Stationen herumstehen. Unmöglich, sie ethnologisch zu entziffern. Im eigentlichen Ser⸗ bien unterscheidet sich der Serbe deutlich vom Bulgaren, dort, wo in Bulgarien Griechen wohnen, wird sie auch ein ungeübtes N Auge schnell von jenen unterscheiden lernen. Aber hier gehen alle Nassenbegriffe durcheinander. Früher behauptete man, es seien fast durchweg Bulgaren, dann gab es eine Zeit, da man das Serbentum bis bald nach Saloniki glaubte verfolgen zu können. Ende der achtziger Jahre stellte der Gelehrte Gopcevic durch eingehende Volksstudien und auf Grund persönlicher statistischer Aufnahmen fest, daß zahlreiche Bulgaren einen Dialekt des Ser⸗ bischen sprechen. Er fand, daß die Slawa, der volkstümlichste serbische Brauch, überall und vielfach heimlich gefeiert wurde. Aber Copeevie war ein Serbe! Die wissenschaftlichen Meinungen stehen sich noch heute diametral gegenüber. Jedenfalls ist nicht
dem dem Toten von einer Jäger⸗Abteilung die übliche Ehrensalve nachgesandt worden war, legten u. a. für den Mittelrheinkreis dessen Geschäftsführer Roth ⸗Frankfurt, für den Gau Hessen Gauschriftführer Bürgermeister Grü n⸗ hain, für den Turnverein Marburg Gauturnwart Magistratssekretär Günther und eine große Anzahl Ver⸗ einsvertreter unter herzlichen Worten 1 79 nieder. Auf dem Friedhof wohnte eine tausendköpfige
der erhebenden Trauerfeier bei.
enschenmenge
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Im feldle
crwarten unsere Angehörigen den regelmäßigen eingang des peimat⸗ blattes. Um eine Unterbrechung in der Zustellung zu vermeiden, wolle man
len feldpost⸗Be⁊ug
des Gießener Anzeigers für onat nov.
schon jetzt erneuern
Alle Postamter nehmen die Bestellung entgegen. der monatliche Bezug be⸗ trägt Mk. 1.17 einschließlich der Um⸗ schlag⸗ebühr. Außerdem vermittelt tlie Bestellungen wie bisher auch die
Geschäftsstelle des Gichener Anzeigers
mit Sicherheit zu sagen, wo das Serbentum aufhört und das Vulgarentum beginnt. Alles ist durcheinander gemischt und im Lauf der Jahrhunderte sind völkische wie kirchliche Anschauungen und Gebräuche so ineinander geflossen, daß es vielfach gar nicht mehr möglich ist, zu entscheiden, was einmal ursprünglich war. Schon die völkische Politik bereitet dem, der in sie einzudringen versucht, Kopfzerbrechen. Hier aber tappt man völlig im Dunkeln,
2 r N 1— Landkreis Gießen. — Leihgestern, 5. Okt. Auf Veranlassung des Vorsitzenden
des Ortsausschusses vom Roten Kreuz ging in unserer Gemeinde der sehr ansehnliche Betrag von 517,15 Mk. für die kriegsgesangenen Deutschen in Rußland ein, ein neuer Beweis opferfreudiger
trotz Statistik und peinlich genauer Auszählung von Häusern und Liebe, die gerne nach Kräften hilst, die Notlage unserer Brüder zu
Steuerköpfen.
selbe Schicksal.
Hier entscheidet jetzt das Schwert. Und in der Tat: es bleibt l 5 0 ne e Große hieb den gordischen] aus unserer Gemeinde gefordert; es sind dies die Musketiere Heinr. Knoten, an den die Herrschaft über Asien geknüpft sein sollte, mit Menz und Heinr. Loth; für letzteren wurde am vergangenen den Sehwert durch. Der mazedonische Knoten erfährt heute das⸗ Sonntag eine Gedächtnisseier gehalten.— Die Sammlung für
lindern. mr Saasen, 26. Okt. Wiederum hat der Krieg zwei Opfer
die deutschen Kriegsgefangenen in Rußland ergab hier 184,50 Mk. Trais⸗Horloff, 25. Okt. Ein trauriger Unglücks ⸗
Aus Stadt und Cand. Gießen, 27. Oktober 1915. wurde von einer Maschine überfahren und verstarb nach Auf dem Felde der Ehre gefallen.
(Aus Hessen und den Nachbargebieten.) i Landsturmm. Karl Roth, Inf,⸗Regt. 149, aus Wohnfeld. Komp.⸗Führer Tobias Seipp von hier im Res.-Inf.⸗Regt. 59
fall ereignete sich heute auf der Grube„Friedrich“. Der im 18. Lebensjahre stehende Bremser Wilhelm Stauf von Utphe
einigen Stunden im Krankenhaus zu Hungen. Der Verstorbene war die einzige Stütze seiner Eltern; der Vater ist Juvalide. * Ober⸗Hörgern, 26. Okt. Dem Leutnant d. L. und
Karl Heinr. Lincker, Inf ⸗Regt. 144, aus Breungeshain Wehrm. Wilh. Müller, Res.⸗Inf.⸗Regt. 88, aus Ober⸗Mock⸗ stadt.— Erfs.⸗Res. Heinr. nickel aus Alt⸗Wiedermus.— Musk.
2 Eisenbahn⸗Regt., aus Düdelsheim.— Gefr. Martin Reuß aus
stegt. 88, aus Stumpertenrod.— Wehrm. Karl Voltz, Res.⸗ egt. 204, aus Offenbach.— Gefr.(Lehrer) Hermann ler aus Herborn.— Landsturmm. Wilh. Stein, Landst.⸗
— Ers.⸗Res. Adolf Emmerich, Inf.⸗Regt. 70, aus Edelsberg. — Res. Otto Schaaf, Inf.⸗Regt. 116, aus Heimertshausen.— Landwehrm. Friedr. Eckhardt, Inf.⸗Regt. 87, aus Wetzlar. — Res. Val. Schlitt aus Rimbach.— Musk. Friedrich
Heinr. Schweitzer, Inf.⸗Regt. 88, aus Hochelheim— Wehrm. Jak. Hardt, Inf.⸗Regt. 224, aus Oberbiel.— Res. Ludwig Bill II., Inf⸗Regt. 167, aus Naunheim.— Wehrm. Wilh. Hahn, Res.⸗Inf.⸗Regt. 81, aus Dutenhofen.— Grenadier
W
§Herchenhain, 26. Okt.
Musk. Alb. Müller, Res.⸗Inf.⸗Regt. 221, aus Ulfa.— Musk. wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen.
Kreis Alsfeld.
5 1 e 1 5 8 5 Kaufmann ist 2 0 118 3— ein Verfahren wegen Wuchers eingeleitet, weil er für Weiß⸗ Karl Schmück aus Büdingen. Landwehrm. Karl Adam, rübensamen, von dem das Pfund 1 Mark kostete, 1 Mark 1105 hat zahlen lassen. Im Anschluß an diesen Fall ersucht das Kreis⸗
Friedberg.— Leutn. d. Res. Gerichtsreferendar Paul Heep, 29 i n eis Nes⸗Higer⸗Batl. 29, aus Wetzlar.— Musk Wilh. Günther, eee eee
Kreis Lauterbach.
E. Stockhausen, 25. Okt. Die Sammlung für die kriegs⸗ Friedberg, aus Selters.— Res. Wilh. Stürtz aus Lorbach. gefangenen deutschen Soldaten in Rußland ergab — Fahrer Heinr. Weitzel, 60. Fuhrpark⸗Kolonne, aus Gettenau. hier die Summe von 74,80 Mark.
Kreis Schotten.
Reservist Ernst Linker beim Insanterie⸗Regiment Nr. 116, welcher im Juli die Hessische 0 1 0 Tapferkeitsmedatlle erhielt, wurde vor kurzem zum Ge⸗ Arabin, Inf.⸗Regt. 253, aus Ulm bei Wetzlar.— Landsturmm. 8705 befördert. Er stebt noch von Anfang des Krieges im elde.
n Laubach, 26. Okt. erzielte im Rechnungsjahre 1914 5196,14 Mark.
Die hiesige Bezirkssparkasse einen Reingewinn von
Friedr. Sch
verliehen.
9
50 er, Kaiser⸗Franz⸗Garde⸗Regiment, aus Wetzlar.
— Unteroff. Hermann Oppelt, Res.⸗Inf.⸗Regt 81, aus Wetzlar, einen Kopsschuß der Landsturmmann Karl Roth vom Infanterie-
— Grenadier Fritz Bellersheim, Res.⸗Inf.⸗Regt. 261, aus] Regiment 149 von hier im 23. Lebensjahre.
Ehringshausen(Dill).— Leutn. Paul Möbus, Füs.⸗Regt. 122, aus Oberscheld.— Musk. Wilh. Becker aus Herborn.—
Karl Günther, Landw.⸗Inf. Regt. 118, aus Merlau.
medaille verliehen.— Dem Reservist Mohrmann von der 1. Komp. Infanterie⸗Regiment 116 wurde das Eiserne Kreuz Müller im Reserve⸗Insanterie-Regiment 221.
5 8 e uf die nachstehenden allgemeinverständlichensab sind die Höchstpreise im Kreise Marburg für Süß Vorlesungen wird zu Beginn des Semesters besonders eee eee 240 Mk. 5 für alle hingewiesen: Krüger, Das Papsttum; Gmelin, Ver⸗ andere Butter auf 1.90 Mk. festgesetzt. Beim Verkauf an fassungsgeschichte der wichtigsten Staaten Europas seit 1815, Händler ist für Süßrahmbutter 2.10 Mk. und für andere und Grundlagen des Arbeiterversicherungsrechts: Garten, Butter 1.75 Mk. zu berechnen. Der An⸗ und Verkauf von Einführung in die Physiologie; Siebeck, Einleitung in die Ge enständen des Wochenmarktverkehrs, die von außerhalb Philosophie; Messer, Grundzüge einer Welt⸗ und Lebens⸗ nach Marburg eingeführt werden, wird an den Wochentagen anschauung; Kinkel, Kants Leben und Werke; Meyer, auch außerhalb des Marktplatzes bis 12 Uhr mittags ver⸗ Entwicklungsgeschichte der fossilen Tierwelt, Sievers, boten. Ausgenommen sind nur fest bestellte Lie ingen.— Geschichte der großen Entdeckungen; Rauch(oder Vertreter), Der amtlichen Preisprüfungsstelle für Lebensmittel Die Kunst der Gotik in Frankreich und Deutschland; Be⸗ gehören 16 Herren aus Stadt und 9 Jahrhundert; Univ.⸗Kurator Geh. Ober⸗Reg.⸗Rat Hassenpflug.— Hundert; Trautmann, Entwicklung der e 155 1 e ee 5 wñß2:! Deutschland bis zur Gegenwart. fe e e
87 Trauerfeier für Wilhelm Metzler. Am Sonntag sand in Marburg, wie schon kurz gemeldet, die fen, abeltanten Wilhelm Mepler feat. Als durch 1 Hessen, Fabrikanten Wilhelm Metzler, statt. Als I.
solger Fr. Helms hatte er diesen Posten leider nur un⸗ 5 oft geschildert worden und wohl allgemein geläufig sind gesähr! Jahre inne, aber was er während dieser Zeit als ist es wenig bekannt, daß schon Jahrhunderte zuvor Kaiser Friebrich chtiger, unermüdlicher Vorsitzender getan hat, wird ihn] Barbarossa einen Feldzug in Serbien zu führen gehabt hat. Das en Turnern des Gaues Hessen unvergeßlich machen. Als war, als er im Jahre 1189 zum heiligen Lande zog. Am Abend andsturmmann zog Metzler ins Feld, und in Belgien ist] des 28 Juni setzte er an fast genau derselben Stelle, an der er im besten Mannesalter stehende Mann innerhalb einiger Mackensens Feldgraue die Save überschritten haben, über die age einer Lungenentzündung erlegen. Die Gauvereine serbische Grenze und zog in Belgrad ein, wo er am folgen⸗ waren mit 28 Vereinsfahnen und unzähligen Vertretern er⸗[ den Tage, von einer glänzenden Schar geistlicher und weltlicher
* Vorlesungen an
haghel, Die deutsche Literatur Collin, Geschichte der deutschen Lyrik im 18.
Beerdigung des Gauvertreters
n Wohnfeld, 26. Okt. Bei einem Sturmangriff fiel durch
n Breungeshain, 26. Okt. Der Musketier Karl Hch. hrm.[Lincker vom 144. Jufanterie-Regiment fand den Tod fürs Vaterland.
b Ulrichstein, 26. Okt. Der Veterinär Meisk erhielt
Auszeichnungen. Dem Obermatrosen Leo Kann von das Eiserne Kreuz. Gießen, der bereits im November v. Is mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichmet wurde, wurde die Hessische Tapferkeits 3 Landwehrmann Eifert im Insanterie⸗Regiment 87.
a Götzen, 26. Okt. Das Eiserne Kreuz erhielt der . Ul fa, 26. Okt. Den Heldentod starb der Musketier
Hessen⸗Nassau. J Marburg, 26. Okt. Mit Wirkung vom 30. Oktober
and an. Vorsitzender ist
seinen 70. Geburtstag.
1 Friedrich Parbarossa in Serbien. ährend Kämpfe, die deutsche[daten in den 1 der Tür erkempfe auf serbischem Boden geführt
Fürsten ben, das Apostelfest feierte und eine große Heerschau
schienen, um ihre Anhänglichkeit und Verehrung dem lieben z ines Str 5 105 0 0 Vorsitzenden und treuen Turnbruder auch im Tode noch 2 0 Fre die e Srl bete d. Sh da
zu bezeugen. Bei der Trauerfeier und am offenen Grab] zu Pferde die dichten Wä sangen die vereinigten Sänger Marburgs je ein Lied. Nach⸗ 3 li id oder Bran
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end, am
1 drei Meilen von der Donau abwärts am rechten Uf Mlawa zu sehen sind. Es gehörte damals den Bysantinern,
mit Barbarossa offiziell verbündet waren, ihm aber im geheimen Abbruch zu tun suchten, wo sie nur konnten. Das Kreuzheer fühlte
sich denn auch in Branitschewo keineswegs sicher, und schon am
15. Juli brach der Kaiser auf, nachdem er vom König Bela von Ungarn Wagen und Lebensmittel erhalten und durch Zuzug des Erzbischofs von Tarantaise verstärkt worden war Die Kämpfe, die nun ihren Anfang nahmen, sind von den Chronisten des dritten
doch hat deutsches Heldentum nirgends heller geleuchtet als in
auf Anstiften des byzantinischen Statthalters in Branitschewo gegen die Kreuzfahrer entfesselte. Jede Sicherheit, jedes Vertrauen wurde da erschüttert, die einheimischen Führer lockten die schwer gewaffneten Ritter in den Hinterhalt und brachten ihnen furchtbare Verluste bei, Serben und Wallachen schossen aus feigem Versteck vergiftete Pfeile auf die Gottesstreiter ab, und um die Mißlich⸗ leit der Lage voll zu machen, erschien, als der Kaiser in Ravan an der oberen Mlava kurze Rast hielt, ein Abgesandter des byzan⸗ tinischen Kanzlers, der den schlechten Empfang des Kreuzheeres dadurch zu entschuldigen suchte, daß Friedrich den oströmischen Kaiser von seinem Erscheinen auf byzantinischem Gebiete nicht benachrichtigt habe— eine üble Finte; wußte doch der byzantinische Kanzler am besten, daß Barbarossa Boten nach Konstantinopel gesandt hatte, da er sie selber in der Nähe der Hauptstadt sest⸗ halten ließ! Unter beständigen Kämpfen gelangte das Heer endlich nach Nisch, wo Barbarossa erneut Rast hielt. 7 N 5
Hund sein
machen, das ganze Land von Nisch bis Sofig hin aus seinen Händen zu Lehen zu nehmen. Der Kaiser durchschaute jedoch die Falle; er erkannte, daß ihn ein Eingehen auf Nemanjas Ansennen dauernd mit dem byzantinischen Kaiser entzweien würde, und wies ihn daher ab. Die Anwesenheit der beiden Fürsten mit ihrem Gefolge vermehrte nichtsdestoweniger den Glanz der kaiserlichen Hofhaltung; Barbarossa schien nur die Hand ausstrecken zu brauchen, um das Land dauernd am das deutsche Reich anzuglie⸗ dern und seine Kolonisation vor bedeutsame Aufgaben von welt⸗ geschichtlicher Größe zu stellen. Barbarossa drängte aber vorwärts, und so brach er nach viertägigem Aufenthalt in Nisch von neuem auf und setzte durch die endlosen Wälder und Schluchten des heutigen serbisch-bulgarischen Grenzgebietes seinen Marsch fort. Sein Zug folgte der Nischa wa, die sich durch immer schroffer ansteigende Felswände, durch immer dichter werdendes Dickicht hindurchwindet; der Kleinkrieg lebte von neuem auf und führte zu den entschiedensten Abwehrmaßregeln. Als der Herzog Berthold von Dalmatien, nur von zwölf Rittern begleitet, eines Abends von ungefähr 100 Mann angegriffen wurde, sprengte er die Ueber⸗ macht auseinander und band je zwei Gefangene wie Wölfe mit den Köpfen an den Schweifen seiner Pferde fest. Der Vogt Frie⸗ drich von Berg sah einen Freischärler auf einem Baum sitzen, der fortwährend die Vorüberziehenden beschoß; er schoß ihn herunter und hing ihn an demselben Baum auf; ähnlich erging es noch sechs anderen. Ein perwundeter Ritter, der getragen n mußte, sprang von seinem Lager auf, als sich bewaffnete Banden in seiner Nähe zeigten; er schlug einzn Angreifer zu Boden, verjagte dre an⸗ deren und legte sich dan wieder nieder, als wäre nichts ge⸗ schehen. Am 13. August endlich langte das Kreuzheer in Sofia an, am 20. wurde die Trajanspforte erstürmt und die blühende Maritzaebene erreicht, in der Barbarossa Winterquartiere bezog.
Wöchentl. Uebersicht der Todesfälle i. d. Stadt Gießen. 42. Woche. Vom 10. bis 16. Oktober 1915. Einwohnerzahl: angenommen zu 32900(inkl. 1600 Mann Militäx).
—
Sterblichkeitsziffer: 14,22%.. Nach Abzug von 4 Ortsfremden:„90%% 125 N r Kinder. Es starben an us. 1. Lebens⸗. bis 0 Zus. wachsene n„ Eileiter-Schwangerschaft 1 0) 1(1)—— Diphtherie 10)—— 10 Lungentuberkulose 1 1—— Herztod 1(0) 1— Gehirnschlag 1 1—— Verschluß der Gallenwege 1 1— 2 Krebs 1(˖) 10)—— Verunglückung durch die g Straßenbahn 2—— 2 Summa: 9(4) 6(3)— 8(1)
Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
5 Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 28. Oktober 1915: Meist heiter, trocken, Nachtfrost. 8 1
i Ein serbischer Separatfriede?
Genf, 27. Okt. Nach Privatmeldungen aus Saloniki werden dort mehrere serbische Notabeln erwartet, um dem griechi⸗ schen Thronfolger die furchtbare Lage Serbiens vorzustellen. Auf Pariser Redaktionen traf gestern die Meldung ein, daß bei Griechen⸗
land vertraulich angefragt worden sei, ob es den Frieden zwischen Serbien und den Zentralmächten vermitteln wolle.
Abtransport der Dardanellenarmee nach Saloniki?
Budapest, 27. Okt.„Magiar Orzasg“ meldet aus Lugano, daß Nachrichten aus Neapel zufolge der Vierverband 80 große Dampfer von Gallipoli nach Saloniki abgehen lasse, um vorwiegend australische und kanadische Soldaten zu befördern.
Hamilton vor 1 Kriegsgericht gestellt?
Köln, 27. Okt. Nachsder„Kölnischen Zeitung“ wird Schwei⸗ zer Blättern aus London berichtet, General Hamilton werde wegen der mangelhaften Organisation des Angriffes in der Suvla⸗ bay, der einen schweren Fehl chlag der ganzen Dardanellenexpedition bedeute, vor einen Kriegsrat gestellt werden.(2)
Sturz des Ministeriums Asquith?
Haag, 27. Okt. In den Wandelgängen von Westminster gilt der Sturz des Ministeritums Asquit h als beschlossene Sache, ebenso die Bildung eines rein konservativen Ministeriums durch Balfour. Man denkt auch daran, dann die Kammer aufzulösen.
Gegen die Dienstpflicht in England. 5
Kopenhagen, 27. Okt. Der„Labour Leader“ richtet an die l englischen Arbeiterorganisationen die Auf⸗ forderung, gegen den Militarismus lung zu nehmen. 1 Mitglieder des Kabinetts Asquith hätten mit ihrem Rücktri gedroht, weil Asquith sich ihren Anschauungen widersetze. Sie nahmen im letzten Augenblick ihr Rücktrittsgesuch zurück, jedoch unter Bedingungen, die in Wirklichkeit einen Sieg ihrer eigenen Anschauung bedeuten. Die Regierung bereite gegenwärtig angeb⸗ lich einen Gesetzentwurf vor, der sofort nach Beendigung der Re⸗ krutierungscampagne dem Unterhause vorgelegt werden soll. Er bedeutet die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht aller Män⸗ ner wehrpflichtigen Alters mit Ausnahme der Bergleute und Trans portarbeiter, darunter der Eisenbahnbediensteten sowie der Arbeiter in der Stahl- und Maschinenindustrie. 8 5
Eine neue englische Staatsanleihe in Amerika.
Haag, 27. Okt. Unter dem Deckmantel einer Bankanleihe versucht 1 ee sich abermals eine Anleihe von mehreren 1000 Pfund in Amerika zu verschaffen. Es handelt sich diesmal um eine Bae entern, Yorke onsortium. Die en w aus⸗ schließlich durch die Londoner Union and Smith Bank geführt werden. Daß es sich aber um eine regelrechte englische Staats⸗ anleihe handelt, erscheint ganz zweifellos. s — 8——————— dei bre e e Kreise
setr.: Au der Maul- und Klauenseuche im Krei i 0
In der Gemeinde Nieder⸗Mörlen ist die Wal Klauenseuche ausgebrochen. 5„
Gießen, den 25. Oktober 1915. 5
Kreuzzuges in den schwärzesten Farben geschildert worden; und
dem grausigen Freischärlerkriege, den die tückische Bevölkerung


