Sweltes Blatt
Erschetut täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Sießener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zwernal.
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65. Jahrgang
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General-Anzeiger für Oberhessen
Montag, 25. Oktober 1915
Rotationsdruck und Verlag der Brühleschen Universitäts- Buch- und Steindruckerel, R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗
straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S851, Schrift ⸗
leitung: 12. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Aus dem Reiche.
Die Hohenzollernfeier. Berlin, 24. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Im Dom wurde heute vormittag ein Vb ottesdienst zur 500 Jahrfeier der Herrschaft des feiban fes
der Brauereien Berlins und Umgegend mit den Vertretun⸗ gen der Gastwirtsverbände der Preis für das Liter Faßbier um 5 Pfg., für das Liter Flaschenbier um 6 Pfg. erhöht. Gleichzeitig tritt auch eine entsprechende Erhöhung aller Verkaufs- und Ausschantpreise in Berlin ein.
Aus Stadt und Cand. Gießen, 25. Oktober 1915.
Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.)
Oberjäger Ernst Dreyling, Jägerbat. 8 aus Grünberg.— Musk. Friedrich Grün, Juf.⸗Regt. 118 aus Rüdingshausen.— Musk. Karl Meier, Inft.⸗Regt. 221 aus Eudorf.— Musk. Karl Fenner, Inf.⸗Regt. 13 aus Alsfeld.— Musk, Heinr. Fiedler Inf.⸗Regt. 140 aus Rainrod— Musk. Konr Kröll, 1 88 aus Rainrod.— Musk. Karl Schrempf, Inf.⸗Regt. 222 aus Burkhards.— Ersatz⸗Res. Karl Heß, Inf.⸗ Regt. 254 aus Offenbach a M.— Ers.⸗Res. Mich. Dürr, Res.⸗Inf.⸗Regt. 81 aus Offenbach a. M.— Musk. Aug. Rössel, Inf.⸗Regt. 118 aus Butzbach.— Jäger Rich. Ed. Körner, Jäger⸗Regt. z. Pferde Nr. 8 aus Offenbach a. M.— Füs. Ludwig Andretzky, Füs.⸗Regt. 35 aus Offenbach a. M.— Kriegs⸗ freiw. Otto Weigel, Art.⸗Regt. 111 faus Offenbach a M.— Ers.⸗Res. Heinr. Geisel, Res.⸗Inf.⸗Regt. 116 aus Wahlen.— Kriegsfreiw. Wilh. Küster, Jäger⸗Batl. 11 aus Ehringshausen (Dill).— Landst.⸗Rekr. Phil. Wall, Inf.⸗Regt 118 aus Holz⸗ hausen.— Landsturmm. Ernst Schumann, aus Herborn.— Musk. Willy Blicker, Res.⸗Inf.⸗Regt. 81 aus Manderbach. — Füs. Gustav Stoll, Kaiser⸗Alexander⸗Garde⸗Regt. aus Tringenstein.— Gefr. Sally Mainz, Res.⸗Inf.⸗Regt. 80, aus Friedberg.— Ers.⸗Res. Heinr. Gayer aus Büdingen.— Wehr⸗ mann Karl König IV. aus Bergheim.— Musketier Konrad Muskas, Inf.⸗Regt. 88, aus Aßlar.— Ers.⸗Res. Heinr. Will, Inf.⸗Regt. 116, aus Aßlar.— Gefr. Wilh. Metzler, Landsturmbatl. Marburg, aus Marburg.— Einj.⸗Kriegsfreiw. Karl Rindt, Garde⸗Fuß⸗Art.⸗Regt., aus Kirchhain.— Ers.⸗Res. Louis Gemmer, Inf.⸗Regt. 176, aus Zell.— Ers.⸗Res. Wilh. Kalbfleisch, Res.⸗Inf.⸗Regt. 81, aus Heidelbach.— Land⸗ sturmmann Seb. Helfenbein aus Frischborn.— Gustav Otto Wetter, Hus.⸗Regt. 14, aus Biedenkopf.— Wehrmann Wilh. Esmmel, Landsturmmann Wilh. Stremmel, aus Dillen⸗ burg.— Landwehrmann Franz Schleich aus Herborn. Ers.⸗Res. Wilh. Eißner I., Res.⸗Regt. 353, aus Haubenmühle.
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! Die Gaben für unsere Landsleute in Rußland. Im Erkerfenster der Firma Käß Nachfolger Wilhelm Horn ist der Inhalt eines der nach Rußland ab⸗ gehenden Pakete für kriegsgefangene Deutsche aus⸗ gestellt. Jeder ben erhält ein solches Paket. Aus dem Deutschen Reiche gehen 100 000 Pakete ab. Die Versendung 1 5 in Eisenbahnwagen nach Schweden. Von dort wird jeder einzelne Wagen von zwei Herren des schwedischen Roten Krellzes direkt in die russischen Ge⸗ fangenenlager gebracht und sein Inhalt an die deutschen Gesangenen verteilt.— Von Gießen aus sind 300 Pakete abgeschickt worden, die einzelnen Gegenstände sind hier ge⸗ kauft und aus dem Ergebnis des Opfertags bezahlt worden.
** Vom Gießener Soldatenheim. Die ver⸗ gangenen schönen Herbsttage haben es den in unseren Laza⸗ retten verpflegten Verwundeten und Kranken ermöglicht, auf Spaziergängen und durch Sitzen in der warmen Herbst⸗ sonne ihre Erholung in erfreulicher Weise zu fördern. Nach⸗ dem nun das kühlere Wetter längeren Aufenthalt im Freien erschwert, wird das Soldatenheim im Kaffee Ebel (Burggraben 9, Eingang von der Marktstraße aus) wieder seine stärkere Anziehung auf die Verwundeten ausüben. Das Soldatenheim will den Verwundeten und Erholungsurlau⸗ bern, aber auch den Soldaten der Garnison, besonders den Landsturmleuten, eine behagliche Heimstätte bereiten, wo sie mit Kameraden, Verwandten und Freunden ungestört und ohne Trinkzwang sich zusammenfinden können. Zei⸗
in Brandenburg⸗Preußen abgehalten. Der Kaiser und die Kaiserin, begleitet von der Herzogin von Braunschweig, trafen vom Neuen Palais im Automobil in Berlin ein und begaben sich zum Schloß. Gegen 10 Uhr schritten die Maje⸗ stäten mit Gefolge zum Dom hinüber, vom Publikum mit Hurrarufen begrüßt. Der Kaiser dankte ernst und freundlich. Das Gotteshaus war dicht gefüllt. Mit der Gemeinde waren Abteilungen der Berliner Jungmannschaften und viele ver⸗ wundete Krieger und Veteranen erschienen. Zugegen waren der Reichskanzler, die Spitzen der Behörden, die Diplomatie, besonders die Vertreter unserer Verbündeten und die Hof⸗ gesellschaft. In der großen Hofloge nahmen mit dem Kaiser und der Kaiserin die Kronprinzessin, Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold, Prinzessin Eitel Friedrich, die Herzogin von Braunschweig und andere Fürstlichkeiten Platz. Nach der Liturgie hielt Oberhofprediger Dr. Dryander die Predigt über J. Könige 8 Vers 57. Nach der Predigt sangen die Ver⸗ sammelten stehend„Nun danket alle Gott“. Das nieder⸗ ländische Dankgebet schloß die Feier. Die Fürstlichkeiten begaben sich mit Automobilen nach dem Neuen Palais zurück, e tausendköpfigen Menge mit stürmischen Hochrufen geleitet. Die Regelung des Lebensmittelmarktes. 55
Berlin, 2. Okt.(WTB. Amtlich.) Der Ausschuß 15 Hartoffeln, Gemüse und Obst, eine Beiratstelle
Reichsprüfungsstelle für Lebensmittelpreise, ist heute unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Hau tz zu einer ersten Sitzung zusammengetreten. Es fand eine eingehende Be⸗ sprechung über die Kartoffelversorgung der Bevölkerung statt, in der Wünsche auf Herabsetzung der Preise für Kar⸗ toffelerzeugnisse, auf eine schnelle Gestellung der Eisen⸗ ba gen, auf Ausdehnung der Beschlagnahme auch auf die Vorräte der Händler und Heranziehung kleinerer Be⸗ triebe zur Sicherung des notwendigen Bedarfes geäußert wurden. Sodann fand eine Erörterung über die sprung⸗ 1 1 1 Preissteigerungen bei Gemüse, besonders bei Weiß⸗ kohl und dem daraus hergestellten Sauerkraut und Zwiebeln statt. Ueber die Wirkung des Gewichtsverkaufes bei Gemüse auf die Preise waren die Ansichten geteilt. Zum Schluß wurde festgestellt, daß die Obsternte sehr günstig ist und daß die Marmeladenbereitung in sehr großem Umfange eingeleitet ist. Den Mißständen über eine zu hohe Preis⸗ bildung soll ungesäumt begegnet werden.
Berlin, 23. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Reichs⸗ anzeiger“ veröffentlicht Bekanntmachungen betr. Aenderung der Verordnung vom 26. August 1915 über den Verkehr mit Hülsenfrüchten, betreffend Ergänzung der Ver⸗ ordnung über den Verkehr mit Gerste aus dem Erntejahr 1915, vom 28. Juni 1915 über das Verbot des Vorverkaufs von Stroh aus der Ernte 1915, über Aenderung der Ver⸗ ordnung vom 8. Juli 1915 über Höchstpreise für Pe⸗ troleum und Verteilung der Petroleumbestände, über Er⸗ weiterung der Bekanntmachung über Vorratserhebungen vom 2. Februar 1915 und betreffend Veräußerung von Kauffahrteischiffen an Nichtreichsangehörige.
Berlin, 23. Okt. Der„Berl. Lokalanz.“ meldet aus . Frau Friedrich Alfred Krupp hat für den a eier Kriegslazarettdienst abermals 500 000 Mark gestiftet.
Berlin, 2. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Mit Wirkung vom 25. Oktober wird gemäß einem Abkommen des Vereins Künstlerabend der Gießener Freilichtbühne.
Auch die Freilichtbühne hat in ihrer zweiten Kriegsspielzeit das Fähnlein der Kunst unentwegt hochgehalten und es nicht nur 1175 en im 1 5 fesche 91 3 Ster e e sondern es auch in frisch⸗fröhli⸗ uvers au un 5 in sieben Jahren erworbene Ar hünglichbelt der Bürgerschaft
wiederholt hinunter in die Stadt getragen. Auch damit hatte sie Erfolg: In manchem Lazarett waren die Bühnenmitglieder mit ihren gro und kleinen Gaben gern gesehene Gäste, und ganz besonders hat man es ihnen gedankt, daß sie sich vor ein paar Monaten im Stadttheater der Gießener Lokalposse annahmen und dem Bimbächer mit viel Andacht ein lustiges Tauffest veranstalteten. Das Wohlwollen, das sich die Bühne unter der Führung von Prof. Dr. Bernhbeck erworben hat, war ihr auch am Samstag treu geblieben, als sie zu einem Künstlerabend in der Neuen Aula eingeladen hatte. Wie die ganze Tätigkeit der Frei⸗ lichtbühne, stand auch dieser Abend in enger Beziehung zur Kriegs⸗ fürsorge; man will Angehörigen unseres Regimentes, deren um die Weihnachtszeit sonst niemand gedenkt, zum Christfest eine Gabe der Heimat bieten. Zu der Veranstaltung war mit viel Sorgfalt ein geschmackvolles und interessantes Programm zusammengestellt worden, in dessen Vielseitigkeit jeder etwas ihm besonders zu⸗ sagendes finden mochte. 1 5 Alfred Bock hatte die Idee des Abends in einen lebensvollen, warmen Vorspruch gefaßt, den Frl. Gretel Leist zu hübscher und sinnfälliger Wirkung brachte. Die Vortragsfolge brachte dann in bunter Reihe Gesang, Rezitation und Musik. Namentlich letz⸗ tere trug nicht wenig zum guten Gelingen bei. Frau Anm ny Flohn⸗ Burckhard aus Frankfurt a. M. nennt eine wohl⸗ flingende Stimme ihr eigen und verfügt über eine deutliche Aus⸗ sprache, doch ging ein Teil der gewählten Lieder über die Lei⸗ stungsfähigkeit der sonst sehr sympathischen Stimme hinaus. Am besten lagen und gelangen die beiden Zugaben: C. Bohm's„Zu⸗ schaun“ und Brahms' Wiegenlied. Frau Flohn⸗Burckhard wird guttun, ihre wirklich hübschen Stimmittel, die dessen durchaus wert sind, der Führung und Schulung durch einen erfahr Gesangspädagogen auch noch weiterhin anzuvertrauen. Die A Shörer dankten 115 Sängerin lebhaft und ehrlich.— Frau Ne⸗ belung⸗Knapp begleitete die Lieder und die Freischütz⸗Arie se diskret auf dem Bechsteinflügel; ganz besonders schön und duftig war die Begleitung zu R. Strauß“ Ständchen. Eine höchsterfreuliche Leistung war die zum Schlusse des Abends dargebotene Symphonie von Haydn. Jeder Musikfreund kennt und liebt dieses frische, wahrhaft entzückende Werk des Altmeisters. Wie das fließt und quillt und sprudelt, überschäumt in llebermut und doch gleich wieder abschwillt und dahingleitet in glücklichem, ungestörten Frohsinn! Freude und Fröhlichkeit sind bis zur himmlischen Heiterkeit die Themen dieses zmeisters deutscher Musik. Das Schülerorchester des Großh. r— die Zeiten der Schultyrannei, „von einem Schülerorchester ganz zu schweigen, gern gedulderes„ Allotria“ war, sind Gottsei⸗
tungen, Zeitschriften, Kriegskarten, eine von dem Krieger⸗ verein zur Verfügung gestellte Bücherei bieten geistige An⸗ regung. Neben einer reichen Auswahl von Gesellschafts⸗ spielen steht ein gutes Klavier sowie mehrere Schreibtische mit Briefpapier zur Verfügung der Besucher. Auf Wunsch werden auch gerne einfache Erfrischungen zum Selbstkosten⸗ preise 8 Im Laufe des Winters sollen auch wieder kleine Konzerte und sonstige Unterhaltungen ver⸗ anstaltet werden, wofür die Mitwirkung der Feldgrauen besonders willkommen geheißen wird. Die Räume des Sol⸗ datenheims sind täglich von 10 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends geöffnet. Auch der Verwundeten⸗Unter⸗ richt wird im Soldatenheim wieder fortgesetzt werden.—
reiwillige Beiträge zur Förderung der Zwecke des Soldatenheims werden von der Ge⸗ schäftsstelle des„Gießener Anzeigers“ entgegengenommen.
L. U. Türkische Sprachkurse. Die Vorlesung zur Einführung in das Türkische findet am Montag und Donnerstag, abends von 7—8 Uhr, im Hörsaal 33 der Uni⸗ versität statt und beginnt am Donnerstag, den 28. Oktober, mit einer Vorbesprechung. Die Teilnahme ist auch Nicht⸗ studenten gestattet.
** Stadttheater. Auf die morgige Wiederholung der Eröffnungsvorstellung, „Elr en st, Herzog von Schwaben“, Stelle hingewiesen.
** Stäͤädtische Gemüse⸗ und Obstdarre. In der von der Stadt eingerichteten Dar re sind bisher gedörrt worden 40 Zentner Aepfel, 15 Zentner Birnen, 3 Zentner Zwetschen, 4 Zentner Bohnen und 5 Zentner Gemüse. Es find meistens Hausfrauen des Mittelstandes, welche von der Einrichtung Gebrauch gemacht haben.
** Hrieg und Gießener Volksschulen. Vor dem Kriege bestanden in Gießen 64 Schulklassen mit im Durchschnitt je 50 Kindern. Wegen Raummangels und Aus⸗ falls von Lehrkräften hat man die Klassen auf 52 mit je 65 Schülern zusammengelegt. Im Frieden standen für den Unterricht 65 Lehrkräfte zur Verfügung, augenblicklich sind es nur 44 Lehrer und Lehrerinnen außer 7 Lehrkräften für weiblichen Handarbeits⸗ und Kochunterricht. Seit dem Kriegsausbruch sind von unseren Volksschullehrern 19 ins
Heer eingetreten. Landkreis Gießen.
s Lich, 23. Okt. Nachdem für beide Abteilungen der hie⸗ sigen landw. Winterschule schon mehr als die erforderliche Mindestzahl von Anmeldungen erfolgt und damit die Durch⸗ führung des Schulbetriebes gesichert ist, ergeht an alle Beteiligten die Einladung zu weiteren Anmeldungen. Es wird dabei von dem Grundsatze ausgegangen, daß die Ausbildung unserer landwirtschaftlichen Jugend durch den Krieg nicht aufgehalten oder gar gehindert werden darf.
Lich, 23. Okt. Am Donnerstag, den 21. d. Mts.“ abends, fand in Steins Saalbau hier für die drei Jugendkom⸗ pagnien, vertreten durch die Vertrauenspersonen, ein Vortrag statt. Die Feier wurde mit einer Begrüßungsansprache des Herrn Gendarm Weber eingeleitet. Leutnant d. R. Häuser⸗Lich hielt einen Vortrag über die jetzige Kriegsführung sowie über die Marschordnung unserer Truppen, die verschiedenen Schützengräben und Unterstände. Herr Ober⸗Veterinärarzt Wal⸗ ter⸗ Lich schilderte seine eigenen Kriegserlebnisse. Beide Vortrüge wurden mit großer Begeisterung aufgenommen. Mit einem Hurra auf S. Majestät den Kaiser und dem Liede„Heil dir im Sieger⸗ kranz“ wurde die Feier geschlossen.
Kreis Büdingen. 4 Selters, 24. Okt. Von einer herabfallenden Felswand erlitt in den Vogesen der Landsturmmann Stein vom Landsturm⸗
sei auch an dieser
batl. e eine schwere Schädel verletzung, an deren J hen
er st arb. 1 Blofeld, 24. Okt. Die Hessische Tapferkeits⸗ medaille erhielt Unteroffizier Fischer im Res.⸗Inf.⸗Regt. 46.
* Gettenau, 24. Okt. Durch eine Fliegerbombe tödlich
verletzt starb in Rußland der Landsturmmann Weitzel.
dank vorüber!— widmete sich, vortrefflich unterstützt durch Mitglie⸗ der der Kapelle des Ers.⸗Battaillons unseres hiesigen Regiments und Fvau Nebelung⸗Knapp am Flügel, mit freudigem Eifer der gestell⸗ ten Aufgabe und mit bestem Gelingen; besonders die Celli kamen schön zur Geltung. Daß solche Aufführungen mit so gutem Ge⸗ lingen möglich sind, ist auch ein gutes Zeichen der Gediegenheit und Stärke wahrhaft deutscher Kultur! Herr Reallehrer Mulch nahm die Tempi flott und energisch, ohne jede Weichlichkeit; straff hatte er alle Kräfte in der Hand, die jedem serner Winke gehorchten. Ihm vor allem gebührt der Dank für diese hübsche, wohlgelungene Aufführung dieser Symphonie. 5 Ferdinand Stein hofer hatte Wildenbruchs„Hexenlied“,
das heiße, leidenschaftliche Meisterwerk der Vortragsdichtung, ge⸗ wählt und malte das erschütternde Bild einer wahnbefangenen Zeit mit ihren flammenden und düsteren Kontrasten mit fort⸗ reißenden Schwung. Er fand regungslose Zuhörer, die aber ebenso gern zum Lachen bereit waren, als der Künstler das köstliche falsche Pathos von Münchhausens Lederhosensage brachte, und die stürmisch nach einer Zugabe verlangten, der Steinhofer mit dem feingestimmten Sang eines ritterlichen Abenteurers— eben⸗ falls von Börries von Münchhausen— Rechnung trug. Ein sinniger Hinweis auf Lienhard, an den wir uns in diesen Tagen voll Dankbarkeit des deutschesten Dichters entsannen, als er seinen 50. Geburtstag beging, waren die drei Gedichte aus seinem Schaf⸗ fen, die Frl. Martha Schild las.„Auf stiller Vorwacht“, wohl eins der schönsten Liebeslieder unserer Literatur, das„Winter⸗ bild“ mit dem ganz eigenen Ton und Klang des singhaft leichten Wesens von Lienhards Naturlyrik, die herbe, dämonische Ballade von der schönen Bärbel erglühten unter dem Vortrag in der tiefen Innigkeit und unbegrenzten Gestaltungskraft des Dichters. Mit seinem kleinen, feinen Abendbildchen des Dichter⸗Pfarrers Lud⸗ wig Nübdling leitete Frl. Schild über zu zwei Zeitgedichten.„Einer deutschen Braut Kriegsgebet“ vom selben Dichter und„Frauen⸗ los“ von Sophie Nebel von Türkheim, beides Verse von einfachster Linie und echter Empfindung hinterließen starken Eindruck. Vor einer größeren Hörerschaft Lyrik von zartestem persönlichem Klang zu bringen, setzt nicht nur die äußere Beherrschung, sondern vor allem innere Wahrhaftigkeit voraus. Nur wenn beide sich die Hand reichen, läßt sich der Sinn von gesprochener Lyrik so gefangen nehmen, wie es die Künstlerin zuwege brachte.
Im ganzen stand der Abend unter einem glücklichen Stern; der gutbesetzte Saal nahm alle Darbietungen mit rückhaltloser An⸗ erkennung auf. ao.
* Gießener Stadttheater. Filmzauber.
Posse von Rudolf Bernauer und Rudolf Schanzer.
Nunmehr doch zunächst etwas Grundsätzliches: Alle Tage Schlagsahne verdirbt den Magen. Nach den Schöpfungen leich⸗ testen Geblütes, mit denen wir seit dem ersten dieswinterlichen Theaterabend befaßt und— teilweise— auch erfreut worden sind,
sei es nunmehr erlaubt, den Wunsch nach einem solideren Gericht! der
auszusprechen. Kassenmagneten müssen sein, namentlich an Sonn⸗ tagabenden. Und ein Gegengewicht gegen die tausenderlei Lasterr des Kriegsalltags suchen wir auch im Theater; aber langsam würde unbeschadet dieser primitiv⸗praktischen Erwägungen der Ernst auf der Bühne wie ein Schluck Quellwassers nach erhitzenden Getränken wirken. Die Position im Daseinskampfe ist leider für die Theater immer noch umso günstiger, je mehr sich vor Lachen die Balken biegen und Begriffe und Menschen kunter⸗ bunt durcheinandergewirbelt werden. Trotzdem oder gerade darum sei ebe schon einmal angedeutet, daß die Umwertung unseres Kun tlebens vor der Provinzbühne nicht Halt zu machen braucht. Wir sind überzeugt, daß einem solchen Haltmachen bei uns auch kein Vorschub geleistet werden soll; aber die Beweise dafür erwarten wir in dem besagten Wasserschluck.
Was es mit dem Filmzauber auf sich hat, ist geläufig. Ein Ding, in dem sich die wenigen guten und die vielen fc Seiten ebenso reichlich mischen, wie leider sonst in der Welt, aber trotzdem in einer unterhaltenden Herrichtung; das Unwahrschein⸗ lichste muß eben als möglich genommen werden. Eine ziemliche Fülle drolliger Situationen kleben locker an dem Handlungsfaden, allerlei sonderbare Kostgänger beleben die Bühne, mimische Scherze, Verkleidungsszenen usw. geben ausgiebig Gelegenheit zu allerhand darstellerischen Künsten und namentlich auch zum Schwingen des Tanzbeines. Bis einem plötzlich mitten beim Wackeltanz einfällt, 1 im Jahre 1915 leben. Und der bitterböse Beigeschmack i 5 g
„Damit wäre der ganze Zauber füglich erledigt, wenn nicht zwei neue Bühnenmitglieder sich das Recht auf eine freundliche Begrüßung erspielt hätten, nämlich Hertha Zondervan und Artur Eugens. Frl. Zondervan benutzte ihre Fränze Papen⸗ dieck zu einer hübschen Talentprobe und erwies, daß sie aus einer guten Schule kommt. Das kokette, mondäne Dämchen, das dem Liebsten gar in Hosen nachsteigt, lag ihrer Grazie und ihrer Stimme, einem seidigen, vechten Operettenmaterial, das recht zuversichtlich klingt, ausgezeichnet. Herr Eugens überraschte mit einer Bühnen⸗ gewandtheit, die vermuten läßt, daß er seine bisherigen Rollen nicht als künstlerische Spezialfälle betrachtet hat; sein Kinodichter war von bemerkenswerter Frische und Spielfreudigkeit und im rechten Augenblick auch von komischem Temperament. Die Tänze wirkten allerliebst und hätten fast im Operettentheater bestehen können; wenn nur der erwähnte Beigeschmack nicht gewesen wäre. Jedenfalls war das Pärchen Zondervan⸗Eugens von werbender Eindringlichkeit. Damit konnten die meisten übrigen Mitwirkenden nicht gleichen Schritt halten; namentlich Rudolf Goll, dessen Spielleitung recht nett und sorgsam war, ging gestern abend bis⸗ weilen auffällig der Atem aus. Viel Humor verwendeten Albert Stettner und Else Jüngling auf ihre Aufgaben. Im Or⸗ chester, das allerdings ziemlich dünn klang, wurde unter Hermann Wellers Leitung wacker geblasen und gefiedelt. Der Beifall des gutbesetzten Hauses klang bisweilen enthusiastisch. Weiter darüber 3 dem einen 1 anderen das Sonntagsvergnügen der⸗ *
Ludwig Uhlands dramatische Dichtung
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