Ausgabe 
(19.10.1915) 246. Zweites Blatt
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nr. 246

Zweites Blatt

. N 5 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags..

DieSiehener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Üreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zwetmal.

Gene

Was geschieht für die Angehörigen und die Hinterbliebenen unserer tapferen Krieger?

was bisher seitens

Kinder aller Unteroffiziere und Gemeinen

besoldungsvorschrift Vorsorge

In letzter Zeit ist in der Oeffentlichleit wiederholt die Frage aufgetaucht, ob bei der längeren Dauer des Krieges und der wachsenden Zahl der Kriegsteilnehmer auch in ent⸗ sprechender Weise für deren Familien und Hinterbliebenen gesorgt wird. Es verlohnt daher, sich einmal klar zu machen,

s des Staates in dieser Beziehung ge⸗ schehen ist.

Nach reichsgesetzlicher Vorschrift werden die Frauen und der Reserve, Landwehr und des Landsturms, die anläßlich der Mobil⸗ machung in den Dienst getreten sind, im Falle der Bedürf⸗ tigkeit unterstützt. Diese Unterstützungen sind im Laufe des Krieges auch auf die Familien der Mannschaften des aktiven Dienstes ausgedehnt worden, wenn gleich für diese in ge⸗ wissem Maße bereits durch die Bestimmungen der Kriegs⸗ getroffen war. Auch wurden die unehelichen Kinder den ehelichen Kindern unter be⸗ stimmten Voraussetzungen gleichgestellt und selbst die berück⸗ sichtigt, die erst nach dem Tode der in den Heeresdienst ein⸗ getretenen unehelichen Väter geboren werden. Noch in an⸗ derer Weise erfuhr der im Gesetz vom 28. Februar 1888 und 4. August 1914 aufgeführte Personenkreis eine Erwei⸗ terung. Die schuldlos geschiedene Ehefrau, erwerbsunfähige Eltern und Großeltern, diese auch dann, wenn der einzige Ernährer seiner aktiven Dienstpflicht genügt, Stiefeltern, Stiefgeschwister und Stiefkinder können jetzt gleichfalls Un⸗ terstützungen erhalten. Jeder Familie eines Kriegsteilnehmers soll nach der Absicht der Regierung das zur Befriedigung der notwendigen Lebensbedürfnisse Erforderliche gewährt werden. In Ministerialerlassen ist deshalb wiederholt dar⸗ auf hingewiesen worden, daß bei Prüfung der Bedürftig⸗ keitsfrage jede Engherzigleit zu vermeiden sei. Die in dem Reichsgesetz aufgestellten Unterstützungssätze stellen sich nur als Mindestbeträge dar, durch die die Lieferungsverbände weiterer Verpflichtungen nicht enthoben werden. Durch die von den Kreisen und Städten darüber hinaus gewährten Zuschußunterstützungen ist die Reichsunterstützung tatsäch⸗ lich vielfach verdoppelt worden, so daß die Familien von ernsterer Not unbedingt bewahrt sind. Soweit sich bei der praktischen Durchführung des Familienunterstützungsgesetzes

Mißstände ergeben, sind die den betreffenden Stellen über⸗

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geordneten Behörden bemüht, etwaige Härten im einzel⸗ nen Falle auszugleichen. In Preußen ist für die 1 9 dung derartiger Beschwerden in letzter Instanz nicht das Kriegsministerium, sondern allein das Ministerium des In⸗ nern e 1 0 5 5 tut seß ie auf Grund des Familienunterstützung, es in der geschilderten Weise versorgten Frauen der Nees teil nehmer erhalten, wenn sie während Krieges niederkom⸗ 25 Apr 915 Wochenhilse Bet den 23. April 19 3 i einen Betrag zu Kosten der Entbindung und ein Wochengeld Kehrt der Kriegsteilnehmer nicht zu seiner Familie zu⸗ rück, so waren bisher die leichsgesehlschen Unterstützungen 9 solange weiter zu zahlen, bis den Hinterbliebenen ie militärischen Versorgungsgebührnisse gewährt wurden. Der Reichstag hat jedoch eine Aenderung des Familienunter⸗ stützungsgesetzes dahin beschlossen, daß die Familienunter⸗ stützung noch während dreier Monate über den Zeitpunkt 15 5 5 weiter gewährt wird, von dem an die den Hinter⸗ liebenen auf Grund des Militär⸗Hinterbliebenen⸗Gesetzes zu zahkenden Bezüge zuständig sind. Dieses bedeutet für die Kriegshinterbliebenen insofern eine Besserstellung, als in Zukunft eine dreimonatige Doppelzahlung von Familien⸗ Anterstützung und Hinterbliebenenversorgung stattfindet. Die Höhe der Militär⸗Hinterbliebenenversorgung aug von dem militärischen Dienstgrad des Verstorbenen ab. Die Witwe eines Gemeinen erhält jährlich im allgemeinen 400 Mark, die eines Unteroffiziers 500 Mark, die eines Feldwebels 600 Mark. Die Waisengelder betragen für das vaterlose Kind ein Fünftel, für das elternlose ein Drittel dieser Witwenversorgung. Die unter gewissen Voraus⸗ setzungen bei größerer Kinderzahl nach dem Militärhinter⸗ bliebenengesetz eintretenden Kürzungen werden im Unter⸗ stützungswege ausgeglichen. Den Eltern eines Kriegsteil⸗ nehmers kann für die Dauer der Bedürftigkeit ein soge⸗

Grund der Bundes vatsverordnung vom fei

165. Jahrgang

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ral⸗Anzeiger für Oberh

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Dienstag, 10. Oktober 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: 51, Schrift⸗

leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.

nanntes Kriegselterngeld bis zur Höhe von 250 Mark ge⸗ zahlt werden, wenn der Verstorbene ihren Lebensunterhalt ganz oder überwiegend bestritten hat. Ueber diese vom Ge⸗ setz geregelte Versorgung hinaus darf jedoch, wenn der im Kriege Gebliebene zwar nicht der Ernährer war, aber zum Lebensunterhalt der Eltern wesentlich beigetragen hat, eine einmalige Unterstützung gewährt werden. Außerdem zahlt die Militärverwaltung unter gewissen Voraussetzungen auch unehelichen Kindern und schuldlos geschiedenen Ehefrauen Unterstützungen. Stiefkinder, Adoptivkinder und Pflege⸗ kinder bleiben gleichfalls nicht unberücksichtigt, wenn der Verstorbene für diese bis zum Eintritt in das Heer oder bis zu seinem Tode wie ein Vater gesorgt hat.

Um die Witwen und Waisen in die Lage zu versetzen, sich nach Möglichkeit auf gesunder wirtschaftlicher Grund⸗ lage eine neus selbständige Existenz zu gründen, erfolgen für den Fall eines Bedürfnisses neuerdings auch noch be⸗ sondere Zuwendungen an Hinterbliebene, bei denen das bisherige Arbeitseinkommen des verstorbenen Kriegsteil⸗ nehmers zugrunde gelegt wird. Nähere Auskunft darüber, unter welchen Voraussetzungen solche Zuwendungen gewährt werden können, erteilen ergangener Anweisungen zufolge die Ortsbehörden des Wohnsitzes der Hinterbliebenen sowie die Zahlstellen der Königlichen Regierungen, von denen die Arb ieb ere die Versorgungsgebührnisse erhalten.

Soweit die staatlichen Maßnahmen. Wo diese zur Be⸗ seitigung jeder Not nicht ausreichen, bietet sich der privaten Fürsorge ein dankbares Feld der Tätigkeit. Sie wird nötigenfalls durch die Mittel derNationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen instand gesetzt, wirksam einzugreifen.

Zum Schluß darf noch erwähnt werden was nicht allgemein bekannt zu sein scheint daß die Hinterbliebenen neben der Versorgung aus Militärmitteln in zahlreichen Fällen einen gesetzlichen Anspruch auf die Witwen⸗ und Waisenrenten nach der Reichsversicherungsordnung haben. War neben dem Verstorbenen auch die Ehefrau ihrerseits für den Fall des Alters und der Invalidität sowie zugunsten der Hinterbliebenen versichert, so erhält die Witwe außer den Renten auch noch ein einmaliges Witwengeld und bei Vollendung des 15. Lebensjahres der Kinder für diese eine Waisenhaussteuer.

Uriegsbriefe aus dem Westen. Von unserm Kriegsberichterstatter. künberechtigter Nachdruck, auch aus zugsweise, verbotrn⸗)

Die Nacht eines Munitionsfahrers.

Gr. Hauptquartier, 13. Oktober.

Von dem Kraftfahrer L. müssen Sie sich seine Erlebnisse in

der Nacht des großen englischen Angriffes vom 25.26. Sep⸗

tember erzählen lassen. Der hat etwas geleistet, was ihm so leicht

keiner nachmacht, sagte mir ein schwäbischer Pionierofftzrer, den

ich früher an der Arrasfrönt in einem Pionierpark hatte kennen

lernen. Der Kraftfahrer L., sonst ein bekannter Maler, fetzt ein⸗

facher, kriegsfreiwilliger Soldat, ließ sich nicht lange bitten, son⸗ dern berichtete:

Ich war den ganzen Tag unterwegs gewesen, da ich wegen des englischen Angriffs, den wir erwarteten, sehr viel Munitions⸗ trans porte hatte. Hundemüde kam ich in mein Quartier und wollte eben schlafen gehen, als der telephonische Befehl kam, sofort 2200 Handgranaten an das Regiment.. in. abzuliefern. Ich fluchte, was natürlich nichts half, zog mich wieder an, beteiligte mich, da jede Hand gebraucht wurde, selbst noch beim Aufladen und fuhr in stockdunkler Nacht ohne Licht los. Die Wege kannte ich ganz genau, da ich sie seit Monaten bei Nacht gefahren bin. Inzwischen hatte aber der englische Angriff begonnen. Die gewohnte Straße konnte ich nicht fahren, weil es da Grgnaten und Schrapnells ein⸗ fach regnete. Ich mußte also einen Umweg machen und eine Straße wählen, die ich weniger gut kannte, um von hinten in das Dorf hineinzukommen. Auch das war ungemütlich genug. Alle Augen⸗ blicke wurde der Wagen von nahen Granateinschlägen beleuchtet, und die Engländer lagen nur noch 400 Meter von der Straße ab, die sie mit Maschinengewehren abkämmten. Als eine Granate dicht über meinen Kühler strich und 1 8 den Acker schlug, hatte ich mein Testament gemacht und dachte: Nur vorwärts. Zurück kommst du ganz sicher nicht lebendig. Ich gelangte aber zu dem Dorfe, in dem ich jedes Haus kannte und fand den Unterstand des einen Bataillonsstabes, bei dem ich 1000 Handgranaten abzu⸗ liefern hatte. Während sie abgeladen wurden, schlug eine Granate unweit des Wagens ein, und ein paar Leute von der Ablademannschaft fielen wie die Fliegen; wie sich dann herausstellte, war keiner tot,

Wissenschastlicher Pazisismus.

Kelime in sorglicher Pflege wieder heranzuzüchten alle

1 mechanischen Sinne der ich, soweit ich sehe, unter⸗

eiche soziale Funktionen, gleiche Rechte und heit der Fähigkeiten, das hat keinen

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irgend etwas passiert sein, und nachdem ich noch eine Weile auf

aber die meisten ziemlich schwer verwundet. In dem Dorfe, welches 5 der Feind planmäßig in Trümmer schoß, war von dem Krachen dern Granaten und dem Einsturz der Mauern. und Dächer ein Lärm, daß man sich gegenseitig in das Ohr schreien mußte, um sich verständlichh zu machen. Inzwischen wurde regelrechtes Trommelfeuer auf die Ortschaft gelegt. Da schon viele Häuser in Trümmerhaufen ver⸗ wandelt waren, hatten die Kellerunterstände zum Teil geräumt und gewechselt werden müssen. Wo der des zweiten Bataillons war, bei welchem ich die übrigen 1200 anden abliefern sollte, konnte

mir niemand sagen. Ich fuhr mit meinem Wagen in Deckung vor ein zweistöckiges Haus, und es gelang mir, mich bis zum Regimentsstab durchzufragen. Ich trat in einen engen Unterstand und hatte einen unvergeßlichen Anblick. Der Oberst saß mit seinem Stabe um einen Tisch auf dem ein Talglichtstumpf brannte und in aller Ruhe ein Stück Brot mit Leberwurst, während rings die Erde von den Granakeinschlägen zitterte und bebte.Ja, die Handgranaten, sagte er, das ist ja sehr brav, daß Sie die hierher gebracht haben. Aber ich kann jetzt niemanden zum Abladen. kommandieren. Er zog seine Uhr heraus.Es ist jetzt412. Um 12 Uhr stürme ich, um die Engländer, die schon in den Rand des Dorfes eingedrungen ind, wieder hinauszuschmeißen. In diesem Augenblick trat ein Soldat in den Unterstand und meldete dem SbperfteEs liegt ein 1 fremder Lastkraftwagen auf der D rfstraße und sperrt den Durch gang.Was, rief ich erschretkt,mein Wagen liegt auf der Dorfstraße.Nein, verbesserte sich der Soldat, er steht, aber ein Haus liegt auf ihm Darauf entschied der Oberst, daß ich versuchen solle, mit meiner Explosionskiste so schnell wie möglich aus dem Dorfe zu kommen, um mich zu weiterer Verfügung nach der Brigade zurückzubegeben. Ich kam zu meinem Wagen und ent⸗ deckte, daß der Soldat richtig berichtet hatte. Das zweistöckige Haus war verschwunden, und mein Wagen stand mitten in dem Trüm⸗ merhaufen, mit Balken, Steinbrocken und Dachziegeln bedeckt. Ich mußte meinen Begleitmann suchen, der einen Unterstand entdeckt 9 hatte und mit seiner Hilse den Wagen abräumen. Dann dauerte es 8 noch gute zehn Minuten, ehe wir ihn in dem Trümmerhaufen auf der engen Straße wenden konnten. Glücklicherweise war der Motor nicht verletzt und sprang gleich an. Ich fuhr, wieder auf einem Umweg zur Brigade zurück, auf einer Straße, die nun noch unter viel tollerem Geschoßhagel lag, denn nach dem Stocken ihres An⸗ griffes hatten die Engländer ihr Feuer nach hinten verlegt, um das Herankommen von Verstärkungen zu verhindern. Es ging durch 5 Granattrichter, und einmal sperrte ein von einer Granate gefällter Baum den Weg, aber wir kamen hart am Straßenrand vorbei über seine Aeste Bei der Brigade erwartete mich die Mitteilung, daß nach den nicht angekommenen Handgranaten große Nachfrage 5 gewesen sei. Ich sollte sofort auf demselben Wege Ae e 300 Meter vor dem Dorfe bestmögliche Deckung su hen und durch einen Radfahrer, den man mir mitgab, Fühlung mit dem Bataillon zu gewinnen versuchen. Also noch einmal zurück auf der feuerspeienden 5 Straße, durch Granatlöcher und über geknickte Bäume. 300 1 J I 3

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te, vor dem Dorfe stand ein. Posten, der schlecht schimpfte, daß ich mich mit meinen tausend Oandgranaten gerade vor ihm aufstellte. Mir machte es mehr

Sorge, daß mein Radfahrer nicht nachgekommen war. Dem mußbe

ihn gewartet hatte, entschloß ich mich, selbst in das Dorf zu gehen. Den Unterstand des Feldwebels, wo ich Mannschaften zum Ab⸗ laden bekommen sollte, fand ich zwischen allen den Trümmer⸗ haufen nicht mehr, es blieb mir also nichts übrig, als noch emmal nach dem Regimentsunterstaunde vorzuschleichen. Dort wurde i mit Freude begrüßt. Das sei ein glücklicher Zufall, daß ich einmal komme. Das Telephon war nämlich durchgeschossen worden. Wissen Sie noch, mein lieber Major, wie 1 damals in fünf Tage ohne Verbindung mit der Division saßen. So schlimm wird es diesmal nicht werden, sagte der Oberst zu einem der Offiziere. Dann befahl er mir, bei dem Unterstande des Feldwebels. zu dem er mir einen Mann mitschickte, meine Handgranaten abzu⸗ laden und dann so schnell wie möglich eine Meldung an die Division zu überbringen. Denn inzwischen hatte der Sturm stattgefunden, und die Engländer waren. zurückgemorfen. Ich meldete mich bei dem Feldwerbel, aber der erklärte es für un⸗ möglich, die Handgranaten abladen zu lassen. Die fünf Mann. 3 die er zur Verfügung habe, seien so erschöpft, sie hätten den ganzer Tag so Uebermenschliches geleistet und müßten morgen wieder auf dem Posten sein, daß er sie jetzt unbedingt schlafen lassen müsse. Da war nichts zu machen. Ich fuhr also, abermals mitten durch den tosenden Kessel des Sperrfeuers, zur Division, gab meine Meldung ab und beschloß dann, nach Hause zu fahren und meine Hand⸗ granaten abzuliefern. 5 5 8 3 Unterwegs schon hörte ich eine Ueberraschung. Im Verlaufe des Angriffes hatten die Engländer auch auf unser Dorf das Feuer gelenkt. Ich war neugierig, wie mein Quartier aussehen würde. Ich hatte ein hübsches Dachzimmer, das. freien Stunden als Werkstatt zum Zeichnen und Malen diinte. Ja, wie sah das aus! Das Dach abgedeckt, so daß der Nachthimmel auf meine Studienblätter sah, die zum Glück unversehrt geblieben waren. Ich mußte gleich mit dem Umzug beginnen, wenn ich noch ein Auge voll Schlaf nehmen wollte. Doch dazu kam es nicht. Wäh⸗ rend ich mir noch das Packen überlegte, kam schon die telephonische Anfrage:Ist der Kraftfahrer L. mit den tausend überschüssigen

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Sinn. In den Beziehungen von Volk zu Volk aber wird das wirkliche, innere Unrecht des gleichen äußerenRechtes aller noch viel schreiender als innerhalb eines Volkes, weil die Verschieden⸗ heiten sehr viel innerlicher, das Bedürfnis und die Voraussetzungen gegenseitigen Verstehens und Achtens sehr viel schwächer sind, der fremde Befehl, die Vergewaltigung durch die nichts verstehende Mehrheit also weit drückender empfunden werden muß. 5

Man wird einwenden: wenn ein Mehrheitsbeschluß freilich für absolute Gerechtigkeit keine Gewähr bietet, das vermeinte Gottesurteil des Krieges bietet sie erst recht nicht. Aber wenig⸗ stens wird das wahre Kräfteverhältnis dadurch festgestellt. Und gewissermaßen ist es auchrecht, daß der größeren Kraft der Sieg verbleibt. Also gilt einfach das Recht des Stärkeren? Ja und nein. Unleugbar und unabänderlich bestimmt die stärkere Gewalt, was positiv in dieser Welt alsRecht gilt. Aber wahrlich ist darum Wissenschaft und Sittlichkeit nicht ohne Einfluß darauf, sondern man darf vertrauen, daß die höhere geistige und sittliche Energie eines Volkes ihm schließlich das Uebergewicht über die rohe Massengewalt geben wird. Das eben ist der verhängnisvolle Fehler desdemokratischen Internationalismus, daß er die Macht⸗ verteilung unter den Völkern nach roher Statistik regeln will. Nach solcherDemokratie hätte von Rechts wegen das kleine Volk der Griechen der gewaltigen Macht des Perserreichs erliegen müssen. In solcher, nur noch unvergleichlich schwererer Lage befindet sich heute Deutschland. Also müssen wir den Mut haben wir haben ihn Gott sei Dank unser Daseinsrecht behaupten zu wollen, und wäre es gegen die ganze Welt. Woraufhin? Weil wir empfinden, daß, unsere Volksart wahren, nicht bloß unser Recht, sondern unsere heilige Pflicht ist, nicht bloß um unserer selbst, sondern um der Menschheit willen.

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Berliner Theaterbrief:Meine rechte Hand. Nach den vielen anstrengenden Abenden, die das neue Spieljahr bereits gebracht hat, wirkt das dreiaktige Lustspiel Meine rechte Hand des Norwegers Kristian Elster, das Sonnabend im Berliner Komödienhaus feine Urauf⸗ führung erlebte, wie ein angenehmes laues Bad. Das sehr kurze und äußerst harmlose Stückchen plätschert lustig und anspruchslos dahin. Man freut lich an dem hellen, hei

iteren Szenengefüge, mau!

sieht einen sonnigen Villengarten mit Ausblick auf blaues Meer, man steht an einem Wasserfall, über den eine richtige schwankende Liebesbrücke führt, und im letzten Akt vermag man lächelnd, ohne durch Probleme ergriffen oder durch Lachstürme ermattet zi sein, zwei mit einem gewissen Maß von Sicherheit erwarteten und eben darum durchaus sympathischen Verlobungen beizuwohnen. Das Stück spielt in der Familie des großen Unternehmers Wil⸗ borg so eine Art 5 Alleskönner, gemildert durch Possenkonrik und moralische Anwandlungen. Da gibt es eine Tochter Helene, die mit ihren einundzwanzig Jahren sich naß einemErlebnis sehnt, vor der Ehe natürlich. Eine zweite Tochter, ein Backfischlein, das in die Schule geht und frühreif von Aspasia und Perikles schwatzt. Einen Ingenieur des Hauses Wil⸗ 55 borg, der tüchtig und treuherzig ist, und einen anderen Ingenieur, 1 der weniger tüchtig, hafter erscheint. Frau Wilborg, die gute alte Bühnendame, die unendlich viel schwatzt, einen whiskyliebenden jungen Dichter, und i endlich das Schreibmaschinenfräulein Pettersen dierechte Hand, die alles leimt, was im Sinne von Autor und Publikum

zu befriedigendem Abschluß geleimt werden soll. Lauter gute alte Bekannte, die da herumpoltern, kreuz und quer laufen, sich miß⸗ verstehen und schließlich dennoch am erwarteten rechten Punkte sehen, da Fräulein Pettersen die Zügel in die Hand nimmt. Sie bewahrt Direktor Wilborg vor einem schiefen Geschäft, ier bringt den vortrefflichen Herren zurück und macht aus ihm und Helene ein glückliches Paar. Und damit die Befriedigung all⸗ 85 seitig sei, erhält auch sie selbst einen Mann den whiskyliebenden 285 Dichter und eine Gehaltszulage. Das harmlose Lustspielchen

fand am Komödienhaus eine recht hübsche Darstellung. deren flottes Spiel nur durch allzulange Pausen beeinträchtigt wurde. Vorzüglich war Rudolf Lettinger als Wilborg, seine beiden Mitarbeiter, von Eugen Burg und Walther Steinbeck le⸗ bendig und humorvoll gespielt, standen ihm gleichwertig zur Seite. Die Helene des Fräulein Agda Nils son anmutig und flüssig im Dialog, nur ein wenig zu schwerblütig für den losen Spielrahmen. Reizend und unterhaltend Eroika Glässner, 1 die als das alles ordnende Fräulein Petterson eine Uberraschende humoristische Begabung zeigte. Das Publikum erwies sich dank⸗ bar für die sorglose Unterhaltung. 5 ͤ

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dafür aber umso geschwätziger und geckenn?n!

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