Ausgabe 
(27.9.1915) 227. Zweites Blatt
Seite
159
 
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Ur. 227

Zweites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSleßener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Feit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

Aus dem Reiche.

Erweiterte Befugnisse zur Regelung des Lebensmittelmarktes.

Berlin, 25. Sept.(W. Amtlich) Die heute vom Bundesrat erlassene Verordnung weckt, Gemeinden, Kommumalverbänden und ä behörden erwei⸗ terte 5 zur Regelung der Preishöhe von

notwendigen Lebensbedarfes und zur Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln in die Hand zu geben. Zur Schaffung von Unterlagen für die Preis⸗ regelung und die Unterstützung der zuständigen Stellen bei der U. des Lebensmittelverkehrs sind die Gemeinden mit mehr als 10000 Einwohnern verpflichtet und andere Gemeinden und Kommunal- verbände berechtigt, Preisprüfungsstellen zu errichten. Die Mitglieder dieser Stellen sind zur einen Hälfte aus dem Kreise der nerzeuger, Großhändler und Kleinhändler, zur anderen Hälfte aus unbeteiligten Sa sbändig Verbrau vom Gemeindevorstand zu fen. Bestehende Einrichtungen dieser Art können bei entsprechender Ausgestaltung die Aufgaben der Preisprü⸗ fungsstellen üb Um auf der Grundlage der Er⸗ zeugungs⸗, Verarbei und sonstigen Gestehungskosten die den örtlichen Verhältnissen angemessenen Preise zu er⸗ mitteln, ist weitgehende Auskunftspflicht und ins⸗ besondere auch die Möglichkeit der l eidlichen Verneh⸗ schassen 3 8 und. ge⸗ Die i von eisprüfungsstellen für ößere Bezirke bleibt den Landeszentralbehörden über⸗ assen. Für das N wird die Preisprüfungs⸗ stelle Berlin errichtet, insbesondere die Aufgabe obliegt, den Reichskanzler in allen die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln den Fragen zu beraten. Die Reichsprüfungsstelle für Lebensmittelpreise besteht aus dem Vorstand und einem Beirat. Es ist beabsichtigt, in den Beirat Sachverständige, Bundesrats bevollmächtigte Reichstag dnete sowie Vertreter aus den Kreisen der 8Groß- und Kleinhändler und Verbraucher zu berufen

Zur Durchführung der Versorgung ihrer Bevölkerun mit bestimmten Gegenständen des notwendigen Lebens- bedarfs zu angemessenen Preisen können die Gemeinden mit Zustimmung der Landeszentralbehörden für die Handel⸗ und Gewerbetreibenden ihres Bezirks Vorschriften hin⸗ sichtlich des Betriebs, insbesondere Erwerbs, Absatzes, der Preise und Buchführung erlassen, die Versorgung unter und dusfchlteßl 3 selbst übernehmen

dusschließlich die orgung gemeinnützigen Einri⸗ tungen oder bestimmten. bes- tragen. Die Landeszentralbehörden können Kom⸗ munalverbände, Gemeinden und Gutsbezirbe für die Zwecke der Verf 1 vereinigen und ihnen ent⸗ Lene, Abertragen. Sie können aber auch die

der Bevöllerung felbst regeln. Graupen⸗ und Grießversorgung.

Berlin, 26. GGens. Bln.) Zwecks gleichmäßiger des mit u Grieß i Delschen welche m Einverne mit den 3

165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Montag, 27. September 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: e 51, Schrist⸗

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

eine Grießzentrale G. m. b. H. mit dem Sitz in Char⸗ lottenburg, Schillerstraße 5, errichtet worden.

Die Postsendungen nach den östlichen Kriegsschauplätzen. Berlin, 25. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Die ungün⸗ stigen Beförderungsverhältnisse führten eine starke An⸗ häufung der Postsachen auf den östlichen Kriegsschau⸗

plätzen herbei. Die Mahnung durch die Zeitungen vom 4. September hatte eine Beschränkung der Auflieferung

leider nicht in dem erforderlichen Maße zur Folge. Bei dem Vorrücken der Truppen und den infolgedessen immer größer werdenden Entfernungen von den wenigen Herbal nend punkten häufen sich die Schwierigkeiten bei Abfuhr der Post⸗ sachen ständig. Da auch die Heeresverwaltung ihre Besörde⸗ rungsmittel augenblicklich nur in beschränktem Maße zur Verfügung stellen kann, wird behufs Wiederherstellung einer geordneten Abbeförderung im Einvernehmen mit der Hee⸗ resverwaltung die Annahme und Beförderung privater Feldpostbriefe über 50 Gramm(Päckchen) an die Truppen⸗ angehörigen der Ostarmeen für die Zeit vom 26. bis einschließlich 30. September eingestellt. Hier⸗ nach unzulässige Sendungen werden den Absendern zurück⸗ gegeben. Nach Mitteilung der Heeresverwaltung sind auch bei der Beförderung von Privatpaketen für die Truppen im Osten aus dene Gründen zurzeit erhebliche Verzöge⸗ rungen nicht zu vermeiden. Es empfiehlt sich daher, auch von der Auflieferung von Privatpaketen in dieser Zeit ab⸗

zusehen. Der Staatssekretär der Reichspostverwaltung: Hraetke.

*

Berlin, 25. Sept.(WTB. Amtlich.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme: Der Entwurf einer Bekanntmachung über zuckerhaltige Futtermittel, der Entwurf einer Bekanntmachung be⸗ treffend die Preise für zuckerhaltige Futtermittel, der Ent⸗ wurf einer Bekanntmachung über den Kleinhandel mit Ker⸗ zen, der Entwurf einer Verordnung über die Errichtung von Prüfungsstellen und. lung, sowie die Vorlage betreffend Aenderung der Ver⸗

terer Arbeit genommen war. Jetzt haben sich die Verhältnisse stark geändert und geklärt, es ist nicht mehr zu befürchten, daß der Feind ins L kommt. Die Erörterungen über die Wohnungs⸗ frage haben wied er stark begonnen. Was den Ausblick in die Zukunft anbelangt, so ist mit Gewißheit anzunehmen, daß auch nach dem Kriege sich in Hessen große Erschütterungen auf dem Wohnungsmarkte nicht einstellen werden. Der Bericht berührte weiter die Frage der sich etwa nach dem Kriege einstellenden Bodenspekulation und die dagegen von berufener Seite, so u. a. vom Deutschen Verein für Wohnungsresorm, in Vorschlag ge⸗ brachten Maßnahmen. Ueber die Tutigfeit der hessischen Bauvereine äußerte sich der Bericht wie folgt:

Noch in keinem Jahre war die Bautätigkeit der Bauwereint so stark wie 1914; sie hat nach Kriegsausbruch nicht geruht, be⸗ schränkte sich aber noch auf die Fertigstellung angefangener Bauten. Die Landes⸗Versicherungs⸗Anstalt Hessen hat 1914 an Darlehen für Arbeiterwohnungen zusammen 966 270 Mk. ausgegeben, da⸗ von entfielen auf Baugenossenschaften 62 900 Mark. Seitdem hat die Bautätigkeit nicht nur der Baupereine, sondern auch des pri⸗ vaten Gewerbes seit Kriegsausbruch sehr stark nachgelassen, zum größten Teil ganz geruht. Einige Bauvereine konnten aller⸗ dings mit Bauen fortfahren; es sind dies die Baugenossenschaften in Grünberg, Großsteinheim, Gustavsburg und der Bauverein in Darmstadt. Eine von der Verbandsleitung aus ergangene Rund⸗ frage, inwieweit der Krieg Einfluß auf die geschüftlichen Verhält⸗ nisse der Genossenschaften gehabt hat, wurde in günstigem Sinne beantwortet. Fast überall sind Mieter und Hauskäufer ihren Ver⸗ pflichtungen nachgekommen. In mehreren Fällen hat es Rückstände gegeben und zwar sind es fast nur solche Fälle, wo der Vater im Felde steht. Mehrere Genossenschaften haben Unterstützungen ge⸗ leistet, andere konnten dies nicht, weil die Mittel hierzu fehlten. Es wurde z. B. ein Teil der Miete erlassen oder es wurden Miets⸗ zuschüsse gegeben. Eine Genossenschaft schreibt, sie habe keine Unterstützung zu zahlen brauchen infolge der privaten Kriegs⸗ fürsorge, in welcher Vertreter der Genossenschaft mitarbeiten. Die für Unterstützungen dieser Art bisher gezahlten Beträge sind im allgemeinen nicht hoch. Ber der Landes⸗Versicherungs⸗Anstalt Hessen sind die Rückstände an Zinsen und Tilgung nicht höher als sonst auch. Daß es den Bauvereinen bisher möglich war, ohne große Schwierigkeiten durchzuhalten, ist ein Beweis ihrer

guten Geschäftsführung; zum Teil hat die Landes⸗Versicherungs⸗

Anstalt Hessen durch ihr entgegenkommendes Verhalten wesentlich hierzu beigetragen, indem sie die Tilgungsbeträge gestundet hat. Austrittserklärungen erfolgten infolge des Krieges nicht. Leer⸗

gütungssätze für die Naturalverpflegung während stehende Wohnungen gab es nur bei einer Genossenschaft. Die

der Kriegsdauer.

Cagung der gemeinnützigen Bauvereine im Großherzogtum hessen.

XGroß-Steinheim, 26. Sept. Von vormittags 11 Uhr Bautätigkeit in durchaus notwendiger

günstige finanzielle Lage der Bauvereine ist nach allem durch den Krieg also nicht erschüttert worden. Der baugenossenschaft⸗

liche Gedanke hat sich auch im Kriege als durchaus gesund erwiesen.

Wie sich die Tätigkeit der Bauvereine in Zukunft gestalten wird, läßt sich vorläufig noch nicht sagen. Daß sie die private

ab fand heute im Hofbrauhause der Verbandstag der ge⸗ Vergangenheit bewiesen; daß diese Tätigkeit in der Zukunft nicht

meinnützigen e 1 0. statt, der, obwohl der Krieg auch in diese 25 hat, immerhin erfreulicherweise zahlreichen

hatte. Der die Verhandlungen leitende Ver

uch aufzuweisen] daß vorsitzende, Landes⸗ herrsche.

Bauvereine im Großherzogtum Hessenf nur gering, sondern sehr wahrscheinlich stärker werden muß, wurde Lücken gerissen] schon angedeutet. Eine Anzahl Bauvereine weisen darauf hin,

in ihren Gemeinden starker Wohnungs mangel

Es ist anzunehmen, daß nach dem Kriege die pripate

e Gretzschel(Darmstadt), war in der Lage, Bautätigkeit nicht alsbald in ausrrichendem Maße zum Wohnungs⸗

bei der Kreisrat Gen u(Offen bach Geh. Rat Dr. Dietz Darmstabh, begrüßen zu können, die für 2 bereitete herzliche Willkommen daukten. Nach dem

erstattete der Vorsitzende, Herr

röffnung der Versammlung werte Gäste, nämlich Herrn bau ü

anderen Begrüßungsakte ctigkeit werden Gretzschel(Darmsindt). den do wachsen. Si hierbei aber auf verständnisvolle För⸗

3 e lich 2 5 ö L i i en ren na fehlen wir i wahrscheinli 32 a Nieten

Bericht über das letzte Geschäftsjahr. Zunächst einen allgemeinen derung durch die öffentlichen Gewalten rechnen können, namentlich

Ueberblick erstattend, betonte er, daß die B. besserung der Wohnungsverhältnisse und die Erörterungen über die Wohnungsfrage in der ersten gänzlich ins

tocken geraten seien.

Bestrebun Ver⸗ bei der Frage g 2 Frage der Schaffung eines genügenden allgemeinen Wohmungs⸗

Zeit nach dem Kriege sast] angebots treten aber noch einige andere den N

Das galt zunächst] grund, die der Krieg ins Rollen gebracht hat. Da ist einmal die

der Geld⸗ und Grundstücksbeschaffung. Neben der Fragen in den Vorder⸗

Graupenzentrale G. m. b. H. und] von den Zielen unserer Bauvereine, denen die Möglichkeit zu wei⸗] Frage der x.. k.k....ññf.F ͥ

Eine Völker und Ruhmeshalle in Oesterreich.

Man schreibt uns aus Wien: Für die Neinsager ist jetzt eine böse, böse Zeit. Und das ist gut so, denn es zwingt sie zunächst und fördert bei allem, was geschieht, das Be⸗ jahende zu fuchen und dem Nein voranzustellen Nun hat der Ge⸗ meinderat der K K. Haupt⸗Reichs⸗ und Residenzstadt Wien an die Künstler Deutsch⸗Oesterreichs einen Wettbewer⸗ bungsaufruf zur S ffung einer österreichischen Völker⸗ und Ruhmeshalle ergehen lassen, die ein Erinnerungsmal für diese Zeit und ein Sinnbild für den Zusammenhalt der Völker in Cis⸗ leithanien sein soll. Das ist ein vortrefflicher Gedanke, der freu⸗ dig begrüßt werden muß, denn einmal gibt er den Künstlern, die mehr als jeder andere Stand an diesem Krieg zu tragen haben, Gelegenheit zum Schaffen und Verdienen, und zweitens will er uns ein Denkmal für diese Tage in alle Ewigkeit erstehen lassen. Es 151 an der Zeit, daß auch Oesterreich ein monumentales Sinnbild des Einheitsgedankens erhalten wird, wie man es im Norden bei unseren deutschen eee und im Süden bei unseren italienischen Feinden in den ia-Standbildern, in den Er⸗ innerungsobelisken an die Gefallenen von 1870, in den Garibaldi⸗ und Viltor⸗Emanuel⸗Denkmälern und den Straßen, dieventi settembri heißen, überall antrifft. ilich, in großen Dingen ist es denn doch nicht genug, bloß gewollt zu haben! Und die Entwürfe zu diesem Denkmal, an der Zahl, die nun im Wiener Rat⸗ haus zu sehen waren, kamen allesamt über Ansätze, Möglichkeiten und ehrliches Ringen nicht hinaus.

Einfach ist ja die Se nicht: als Denkmalsplatz war der

9 zur gekrönt wurden.

ist? Die fünf Preisgekrönten aber haben auch nicht den Vogel ab⸗ chossen. Wiener Landschaft! Und sie bringen ein Rotundentempel⸗ mit dorischem Säulenumgang, auf. Zugangs postamenten 1 ien aufgestellt werden könnten. Wiener en ein tonnenförmiges Baumotiv vom

r

Grabmal des Caecilia Metalla(auf der Via Appia in Rom)

oder eine s ment aus gutem Herzen unterzeichnet, der Kaiser von Oesterreich

Anregung vom Hadriansbau(dito in Rom). Vom Kuppelbau mit ohne eigentlich zu wissen warum, Ludwig der XVIII. mit einem

Säulenumgang kommt kaum einer los. Nur einer; es ist Quixtn

er, Lächeln. Man geht nicht irre mit der

Behauptung, daß der damals

der allerdings sehr stark vom Leipziger Völkerschlachtdenkmal be⸗ stark zum Mystizismus neigende Alexander J. nicht zum wenigsten

einflußt ist. Er bringt einen Rundbau, der nach oben

Kaiserkrone gekrönt ist, getragen von 16 karyatidenhaften, rings liana von Krüdener,

von der durch seine Freundin, die in Riga geborene Baronin Barbara Ju⸗

die außerodenrtlich pietistisch veranlagt war, zu

in die Wand gemauerten Halbplastiken, den Symbolgestalten der dem seltsamen Schritt getrieben wurde. Wenn der Heiligen Allianz

16 Kronländer. Auch die Sage hat er für sich: denn als einstens späterhin so viel der Graf von Habsburg in seine neue Feste zog, da fehlten die] seinen Grund N da war nicht ihr zukam, sondern den Abmachungen des am 1. März 1814 in welchem Oester⸗

Stützmauern. Wie er aber durchs Fenster blickte, siehe!

die Burg von seinen Getreuen gestützt. Gewiß: schön, aber in der in Chaumont geschlossenen Allianz⸗Vertrages, Nachbarschaft von Kloster Neuburg, Leopoldsberg, Grinzing, Hei⸗ reich, Großbritannien, Preußen ligenstadt gefiele uns auch dies nicht sonderlich. Und so wird dem Schritte zur Erzwingung eines en

Bedeutung zugeschrieben wurde, so hat dies darin, daß man ihr eine Wirkung zusprach, die

und Rußland ihre einheitlichen dgültigen Friedens mit Frankreich

ersten ein zweites Ausschreiben folgen müssen, denn diese Völker⸗ festgelegt. Die Heilige Allianz selbst hat ihrem Namen im Grunde

und Ruhmeshalle wollen und müssen wir haben als erstes, sicht⸗ bares, künstlerisch geformtes Zeichen von Oesterreichs Einheit!

1 Dr. H. W. Die Heilige Allianz. g um 26. September.) 3

Die gegenwärtige politische Lage Europas läßt die Erinnerung an die berühmte Heilige Allianz, deren Abschluß sich zum hun⸗ dertsten Male jährt, besonders interessant erscheinen. Denn der Vertrag, der auf den Lehren reinster Christen⸗ und Nächstenliebe aufgebaut war, von dem Zaren Alexander I., dem Beherrscher desselben russi⸗ schen Reiches, das sich 100

wi. hat. Auch damals standen die Großmäck Wasen unter dem Drucke Napoleons,

Jahre später als den Forderungen sames der Moral und christlichen Sittlichkeit so wenig gehorsam er⸗fseit die

wenig Ehre gemacht, denn sie vermochte selbst in der ersten Zeit ihres Bestehens nicht, das diplomatische Ränkespiel zu unterbinden. Der gegenwärtige Weltkrieg, der in fühlbarster Weise den Beweis dafür erbringty

der Politik auch nicht die geringste Bedeutung haben können, wird nur durch weniger mystische, dafür aber um so mehr praktisch⸗ politische Bestimmungen von stählerner Festigkeit seinen Abschluß finden können.

*

Die erste Eisen bahn.(27. September 1825.) Die

stammte seiner ganzen Idee und Anlage nach] Technik, die im Verlaufe dieses Krieges eine ganz besonders her⸗

vorragende Rolle spielt, feiert am 27. Septemter ein beédeut⸗ Jubiläum: an diesem Tage sind 90 Jahre vergangen,

erste, von einer Dampflokomotive gezogene Eisenbahn ihre

ächte Europas in] Probefahrt unternahm. Die Verwendung von eisernen Spur⸗ und die Heilige straßen, aus denen sich bald aus Walzeisen verfertigte Schlenen⸗

Allianz, die jener Zeit der Wirrnisse einen pathetischen Abschluß] stränge entwickelten, reicht noch weit vor dieses Datum zurück.

gab, wurde auch späterhin vielsach als für die Sicherung des Friedens äußerst bedeutungsvoll bezeichnet. Wirklichkeit aber war das ohne reale 1 Alexander I. eigenhändig entworfen und den Mächten zur Unter⸗ zeichnung vorgelegt. Der Vorschlag fand anfangs nur wenig An-

klang, schließlich aber fand die Unterzeichnung durch den Kaiser besserung des 0 att. Der auch in Deutschland gebaut; Akt, der je die Unterschriften einer Hüttenispektor Krigar in der Gruppe von Herrschern trug. Jedenfalls ähnelte er nichts gebaute Maschine,

von Oesterreich und den König von Preusßsen in Paris statt. Vertrag war wohl der originellste ganzen

Begründung und Auf diesen zur Beförderung schwerer Lasten angelegten Schienen⸗ In wegen wurden anfangs Pferde oder andere Zugtiere als bewegende Bündnis vollkommen unpolitisch und Kraft verwandt. Im Bedeutung. Der Grundriß der Erklärung wurde von vethik den Versuch,

Jahre 1804 unternahm dann Richard Tre⸗ eine auf Rädern laufende und durch Dampf betriebene Maschine als Zugmittel zu verwenden. Die Versuche fanden im Kohlengebiet von Südwales statt und dienten zur Ver⸗ Kohlentransportes. Aehnliche Maschinen wurden die interessanteste war die von dem Berliner Königlichen Eisengießerei die 1818 vollendet wurde. Die erste für den

weniger als einem politischen Dokument. Sein Inhalt war mehr regelmäßigen Verkehr gebrauchsfähige Lokomotive aber wurde 1814

romantisch als tatsächlich, und die Abfassung selbst hielt sich bei Vermeidung festgesetzter Paragraphen im R

allgemeinen, politisch inhaltlosen Wortschwalls. betrachteten sich ihren Untertanen und Armeen gegenüber als Fa⸗ milienväter, indem sie erklärten, sie* seien nur durch die Vor⸗ sehung bestimmt, die ihnen unterstellten Zweige der großen christ⸗ lichen Familie zu lenken.

lichkeit umgesetzt werden. Pariser Abschluß, am 9. November 1815, dem Akt bei, lich schlossen sich alle lebenden christlichen Fürstlichkeiten, mit nahme des Herrschers Englands, an; Letzterer wies seinen Bei⸗ tritt mit der Begründung zurück, daß es sich um einen Akt handle, der derart unpolitisch sei, daß er dem Londoner

Auf diese Weise sollten Hader und vervollkommnet und Streit beseitigt und die edlen Vorschriften der Religion in Wirk⸗ men worden, wie die Eisenbahn. Frankreich trat erst 15 Tage nach dem] dungen uns

von Georg Stephenson erbaut. Und am 27. September 1825

meines ziemlichs wurde der erste von einer Stephenson⸗Maschine gezogene Personen⸗ e Unterzeichner zug auf der StocktonDarlington⸗Bahn abgelassen.

Die Ma⸗ 2 die anfangs nur mit einer Höchstgeschwindigkeit von 6 eng⸗ ischen Meilen(10. Klm.) in der Stunde lief, wurde in rascher Folge verbessert. Und wohl selten ist eine technische Erfindung so und in den Betrieb sämtlicher Länder übernom⸗ Heute, da die Bahnverbin⸗

als eine Selbstverständlichkeit erscheinen, ohne welche

und schließ⸗ kein Zweig des modernen Weltverkehrs denkbar wäre, klingt es fast Aus- märchenhaft, daß die Entwicklung der Bahn innerhalb einer vers

hältnismäßig so kurzen Zeit zu den modernen Höchstleistungen emporgetrieben werden konnte. Von besonderem Interesse ist dis

Parlament in Erinnerung an die erste Eisenbahn gerade im Hinblick auf den

keiner Form vorgelegt werden könne. Der damalige österreichische Weltkrieg, und ganz besonders für uns Deutsche, da der restlosen

Staatskanzler, Fürst Metternich, äußerte sich stets nur spöttelnd Ausnützung unseres über den sonderbaren Vertrag, und der französische Historiker] land, ein nicht

Alfred Nicolas Rambaud schrieb, der Preußenkönig hab

Bahnnezes, vor allem im Kampf gegen Ruß⸗

Weise ergänzen, hat die

daß derartige nebelhafte Abmachungen eim Rahmen 8 8

zu unterschätzender gewaltiger Anteil an un⸗ e das Doku- seren Erfolgen zuzuschreiben ist.

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