g Zweites Blatt Erscheint taglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Sletener Famillendlätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Selt⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
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165. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
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Rotationsdruck und Berlag der Brühl'schen Universuäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: e 51, Schrift ·
leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten. 1 Anzeiger Gießen.
die deutsche Offensive gegen Serbien.
Vom nördlichen Donauufer nahm deuts. Artillerie den Kampf gegen serbische Stellungen südlich des Stromes bei Semendria auf. Der Feind wurde vertrieben und sein Geschützfeuer zum Schweigen gebracht. Diese Mitteilung aus dem deutschen Generalstabsbericht vom 20. d. M. erhellt blitzartig die Lage. Die deutschen Kanonenschüsse bedeuten die Ouverture zu den Vorgängen, die sich auf dem Balkan abspielen und die aus naheliegenden Gründen lange Zeit vom Schleier des diplomatischen Geheimnisses umgeben waren. Die Aufnahme der deutschen Offensive gegen Serbien
und die Rüstungen Bulgariens, die sich gegen denselben G richten, haben das diplomatische Saisbild ent⸗
schleiert, und ein Blick auf die Karte vom Balkan zeigt, wohin die Reise geht. Die Bulgaren haben seit längerer
Zeit kein Hehl daraus gemacht, daß ihr Interesse das gleiche ist wie das Deutschlands und der Donaumonarchie,
0** 1 8 55 veichen. Der W Donauriegel ist ni zu lang. Die Besetzung eines en Stückes des südlichen ers an der Nordostecke 25 biens gewährt die freie Passage von Ungarn na von Deutschland über die Donaumonarchie un nach der Türkei..
Bei Semendria wird geschossen, und Bulgarien macht klar zum Gefecht. Wenn die Sofioter Regierung jetzt die Jahresklasse 1916 und zugleich die mazedonischen Bulgaren unter die Fahnen ruft, wenn auch von Sofia aus zugegeben wird, daß die türkisch⸗bulgarische Vereinbarung über die Gebietsabtretung und die anderen Dinge, die man bisher nicht nennen durfte, bereits am 3. September unterzeichnet worden ist, wenn bei den Kundgebungen zur Feier des dreißigsten Jahrestages der Vereinigung Ostrumeliens mit Bulgarien betont wurde, daß der Augenblick gekommen sei, die treulosen Verbündeten von ehemals zu züchtigen und das bulgarische Volk zu einigen, so ist das eine Sprache, die selbst von der e Diplomatie des Vierver⸗ bandes nicht mißverstanden werden kann.*
In der unlängst von der bulgarischen Regierung ver⸗ öffentlichten, in allen Gemeinden des Landes verbreiteten Broschüre war klipp und klar gesagt worden, Bulgarien müsse seine Neutralität aufgeben, um Mazedonien zu be⸗ freien und sich den Donauweg 57 sichern. Der weitblickende König Ferdinand und sein ger Berater Radoslawow haben die Gewinnung niens und des Donauweges durch umfassende Maßnahmen vorbereitet, zu denen die Kanonenschüsse von Semendria die wirkungsvolle Begleit- musik liefern. Bulgarien hat mit Umsicht und Sorgsamkeit
erüstet. Die Stärke der Truppen, die es zunächst ins Feld ellen kann, wird auf 240 000 Mann Infanterie, 240 Ma⸗
.„8000 Mann Kuvallerie, 720 Feldkanonen, geschl. beziffert. Aber hierzu kommen die Ersatzstreitkräfte U
Bulgarien, Bulgarien
itzen und eine entsprechende Anzahl Gebirgs⸗
mit 20 000 Mann, die unserem Landsturm entsprechende Volkswehr, die über 50 000 Mann umfaßt, und Andlich die Freiwilligen, die sich in 124 wie aus Mazedonien in Massen gestellt haben, so daß man gut und gern die — samtstreitkräfte auf eine halbe Million be⸗ messen kann. 8 0
Zweifellos hätte Serbien, wenn es beraten war, besser daran getan, den Bulgaren nien freiwilli abzutreten und zugleich dem deutsch⸗österreichischen Vorsto keinen iderst entge usetzen mit der Begründung, daß es vom Dreiverband im Stich gelassen ei. Man weiß auch, daß der kluge Venizelos, der heute in e gewi⸗ i rlich no igun„Griechen⸗ lands i an das Serbiens zu knüpfen, seinem Kol⸗ legen Paschitsch nach dieser Richtung hin gut zugeredet hat. Denn Griechenland und Serbien können heute weit bessere Geschäfte in Albanien machen auf Kosten Italiens. a e e en e e e micht entge assen, ien steht unter russisch⸗ Fuchtel; 5 Bien muß. 1
Die Nachricht von einem serbisch⸗griechischen Bündnis gabel Bulgarien aber ist aus Sofia scherlich mit Recht als Fabel bezeichnet worden, und die Vierverbandsdiplomatie hat offenbar auch in Bukarest mit Mißerfolg gearbeitet. Der König von Rumänien weiß, daß der Siegeslauf der deutschen Waffen, der schon über Wilna hinausgeführt hat, dem ru⸗ mänischen Volke nicht mehr die Freiheit der Wahl läßt, daß Rumänien seine Selbständigteit heute nur noch durch das Jesthalten an der Neutralitätspolitik sichern kann, und daß es hierbei besser fährt, als wenn es sich as russischer Vasall zur höheren Ehre des Vierverbandes verblutet. Diesem aber sind die Balkanfelle sortgeschwommen, und die betrübten Lohgerber sehen da⸗ mit die letzten Hoffnungen auf ein Gelingen der Darda⸗ nellenaktion, die sie aus eigener Kraft nicht erzwingen können, endgültig gescheitert. Nicht nur in Sofia, sondern auch in Athen 1 Bukarest wird man jetzt auf die Erklärung des deutschen Reichskanzlers hören, daß die Siege der Ver⸗ bündeten im Osten volle Freiheit für die Balkanländer mit sich bringen, wird man darauf die neue Balkanpolitit einstellen müssen, die durch die Kanonenschüsse von Se⸗ mendria verheißungsvoll eingeleitet wurde.
Budapest, 20. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Aus Bukarest wird dem„Az Est“ gemeldet: Der serbische Gesandte in Rumänien, Ristitsch, ist in besonderer Misston in Bukarest eingetroffen. Ihm wird die Aufgabe zuteil, über die Hal⸗ tung Rumäniens gegenüber Serbien Aufklärung zu verschaffen. Ristitsch scheint hier besonders berufen, da er aus der Zeit seines vieljährigen Bukarester Aufenthaltes als Gesandter über große Verbindungen verfügt.
Berlin, 21. Sept. Zum Beginne einer deutschen Offen⸗ sive gegen Serbien heißt es im„Berliner Tageblatt“ Die ersten Schüsse der deutschen Artillerie am Donauufer werden auf dem Balkan vernehmbar weiterhallen und die Ententemächte werden die laute Ankündigung nicht überhören können. Die Festung Semendria, bei welcher die deutsche Artillerie die serbischen Stellungen angriff, liegt etwa 40 Kilometer südöstlich Belgrad auf dem südlichen Donauufer. Es ist anzunehmen, daß die ersten Schüsse der deutschen Artillerie an der serbischen Grenze besonders in der Türkei, bei den uns verbündeten Türken, freudige Auf⸗ merksamkeit erregen. Sie sind für das türkische Volk und für das tapfere türkische Heer ein Gruß.
In der„Vossischen Zeitung“ schreibt Hauptmann Bartlau: Das Eingreifen Oesterreich⸗Ungarns in den Krieg nötigte seinerzeit Oesterreich⸗Ungarn, seine Hauptkräfte nicht gegen Serbien zu sen⸗ den, sondern sie mit Deutschland geeint gegen den Hauptgegner ein⸗ usetzen. Serbien wurde zum Nebenkriegsschauplatz. Jetzt sind die 1 des Zaren soweit niedergerungen, daß wir, um mit dem Reichskanzler zu sprechen, Armeen zu neuen Schlägen bereit haben. Auch über die gemeldete Offensive deutscher und österreichisch-unga⸗ rischer Truppen wird sich Serbien nicht wundern können, das im August vorigen Jahres, noch im Vorgefühl festen Vertrauens auf den großen russischen Bruder, die diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reiche abbrach. Die jetzt begonnene Offensive in Serbien ersolgt wohl hauptsächlich durch die notwendig gewordene engere Verbindung zwischen den Zentralmächten und ihrem türkischen Bundesgenossen.
Aus Stadt und Cand. Gießen, 21. September 1915.
Auf dem Felde der Ehre gefallen.
Aus Hessen und den Nachbargebieten.)
Schütze Friedrich Hagner, Inf.-Rgt. 136, aus Oberbiel.— Landwehrm. Wilh. Kleberger, Inf.⸗Agt 118, aus Melbach.— Landsturmmann Hermann Lotz, Res.-Ins.-Rgt. 118, aus Echzell. — Musk. Hetvrich Kern, Res.-Inf.-Rgt. 118, aus Nieder-Florstadt. — Landsturmmann Peter Grundel, Res.-Ins.⸗Rgt. 118, aus Heusenstamm.— Oberleutn. Karl Zimmermann, Landsturm⸗ Inf.-Ers.-Bat. 1 Worms, aus Bensheim.— Musk. Fritz Schäfer aus Lauterbach.
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* Entlastung der Bahnstrecke Gießen Köln. Die Eröffnung der neuen Bahnstrecke Weidenau Siegen— Dillenburg soll, wie bereits gemeldet, am 1. November stattfinden. Da aber die Erweiterung der Strecke Haiger— Dillenburg noch erheblich längere Zeit be⸗ anspruchen wird als bis 1. November, so werden bis zur Fertigstellung des dritten und vierten Geleises auf diesem
Teil der Bahn die Züge nur bis Haiger geführt; eine Ausnahme machen die Schnellzüge.
* Kreiskomitee für Rotes Kreuz und Kriegs⸗ hilfe. Nach Mitteilung des Kreiskomitees sind in der Zeit vom 12. Juni bis 10. August 1915 aus folgenden Gemeinden usw. die beistehenden Beträge an den Kreiskasserechner Kauß abgeliefert und von diesem an den Landesverein vom Roten Kreuz in Darmstadt überwiesen worden: I. Kirchen: Annerod 61 Mark, Lauter 34,71 Mk., Queckborn 75,07 Mk.; 2. Gemein⸗ den: Annerod 30 Mk., Hungen 607 Mk., Inheiden 80 Mk., Nonnenroth 60,45 Mk., Reiskirchen 54 Mk., Rödgen 22 Mk, Rüddingshausen(Kriegerverein) 50 Mk., Ruttershausen 200 Mk.,
dienstag, 2. September 1015
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul ⸗ 7
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Trais⸗Horloff 75 Mk., Villingen 46,10 Mk. Der Gesamtbetrag der vorstehend aufgeführten Gaben beläuft sich auf 1395,33 Mr.
Unter Einrechnung der bisher bereits abgelieserten Gelder ist hier⸗ nach bis jetzt aus den Landgemeinden des Kreises Gießen der Betrag von 45 589,54 Mk. an den Landesverein abgeführt worden. Weiter sind seit dem 12. Juni 1915 abgeliefert worden: an die Reichsbank in Gießen für die Notleidenden in Ost⸗ preußen von der Kirchengemeinde Lauter 14,46 Mk., von der Kirchengemeinde Queckborn 33,90 Mk., aus der Gemeinde Großen⸗ Linden 10 Mk., insgesamt 58,36 Mk.; an die Großh. Bürger⸗ meisterei Gießen für Sanitätshunde von der Kirchengemeinde Queckborn 26 Mk.: an Pfarrer Zöckler in Gallmienkirchen
(Ober⸗Oesterreich) für ev. Deutsche Galiziens von der Kirchen⸗
gemeinde Lauter 17,95 Mk., von der Kirchengemeinde Queckborn
35,65 Mk., insgesamt 53,66 Mk. An die Mitteldeutsche Kredit!⸗
bank Filiale Gießen für erblindete Krieger zur Weitergabe an die zuständige Stelle von der Kirchengemeinde Lauter 36,90 Mk., von der Kirchengemeinde Queckborn 16,95 Ml., aus der Gemeinde 5 Hungen 15 Mk., Inheiden 50 Mk., Steinheim 8 Mk., Treis
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a. d. Lda. 23 Mk., Ükphe 20 Mk., insgesamt 169,85 Mk., auf das 1
Konto des Kreiskdmitees von der Bezirkssparkasse Gießen 500 Mk,
aus der Gemeinde Allendorf a. Lahn 150 Mk., Großen⸗Linden
2 Mk., Hausen 50 Mk., Hungen 25 Mk., Langd 450 Mk., Langs⸗ dorf 337,23 Mk., Leihgestern 105,34 Mk., Steinheim 50 Mk, Utphe 80 Mk., Wieseck 300 Mk., insgesamt 2049,57 Mk. 1 Der Ehrenfriedhof für die verstorbenen Krieger ist vor nunmehr ca. einem Jahre eröffnet worden. Auf ihn haben bisher 161 Soldaten, die fürs Vaterland starben, ihre letzte Ruhestätte gefunden und zwar 51 Krieger der deutschen Armee und 110 Angehörige der feindlichen Heere. Außerdem sind noch 4 deutsche Krieger auf dem Friedhof am Rodberg in Erbbegräbnissen beigesetzt. Vier Leichen feindlicher Krieger werden später im Frieden aus⸗ gegraben werden, um in die Heimat befördert und dort der Erde übergeben zu werden. Es geschieht dies auf An
der Eltern der Toten, welche die nicht unerheblichen Kosten
dafür sicherzustellen sich bereit erklärt haben. 3 * Die, Wiesenverpachtung der Stadt Gießen hat sich heuer gelohnt. Es wurden für die Heu⸗ und Grummeternte im ganzen 34 204 Mk. im Vorjahre gelöst. Allerdings wird der Mehrerlös aus den städtischen Wiesen in diesem Jahre wieder ausge⸗ glichen durch den Mindererlös, den die Holzver⸗ steigerungen gegenüber dem Vorjahr eingebracht haben. * Immer noch nichts
wieder einmal ein mit Feldpost für das Ostheer beladener Eisen⸗
bahngüterwagen auf der Strecke Berlin— Thorn in Brand ge⸗
raten. Als der Brand auf einer Station bemerkt wurde, hatte er bereits so weit um sich gegriffen, daß fast die Hälfte der La⸗ dung, etwa 200 Briefbeutel mit rund 22 000 Feld postpäckchen, den Flammen zum Opfer gefallen waren. Ferner ist am 10. 3 in einem gleichfalls mit Feldpost für das Ostheer beladener Eisen⸗ bahngüterwagen auf der Strecke Dresden— Breslau Feuer ausge⸗ brochen. Da das Feuer bald entdeckt und gelöscht wurde, konnte
die von der Postsammelstelle in Hannover abgesandte, aus etwa 500 Briefbeuteln bestehende Ladung bis auf 5 Beutel mit etwa
500 Feldpostpäckchen, die vernichtet sind, geborgen werden. Ein Teil der geborgenen Ladung, 54 Beutel, ist angebrannt. Nach dem Befunde ist in beiden Fällen Selbstentzündung von Streich⸗ hölzern oder Benzin als Ursache der Brände anzusehen. Au das Verbot der Versendung feuergefährlicher Gegenstände durch die
Feldpost, wie Streichhölzer, Benzin, Aether, ist aus Anlaß früherer
Brände wiederholt hingewiesen worden. Das Publikum wird von der Reichspostverwaltung erneut auf das Dringendste ersucht, inn Interesse der Allgemeinheit und insbesondere unserer helden⸗ mütigen Kämpfer im Felde die Versendung solcher Gegenstände durch die Post unbedingt zu unterlassen. Jede zur Kenntnis der Postbehörden gelangende Zuwiderhandlung gegen dieses Verbot, die nach 8 367 unter 5 St. G. B. strafbar ist,
f arsisal am Darmstädter Hoftheater.
Die ädter Hofbühne ist dem gro Wettlauf, der sich 9— nach 21— 8— 1 entspann, verhältnismäßig spät ge 4 r man vielleicht früher über die Verzögerung seiner Aufführung hier und da etwas verstimmt, so wird man es jetzt gewiß nur billigen können, daß das Werk, unverbraucht und noch nicht der Schablone und Nach⸗ ——— S in der— 1 einer 2
ächtigen Schar Begeisterter un als eine neue
schei und Ereignis. Schon um der Zeit willen, der schweren Tage, die uns neben erhabenster Wirklichkeit draußen, solche Er⸗ hebung zu erleben gestatten, wäre diese Erstaufführung ein Er⸗ eignis zu nennen. e ist es aber auch ihrer ganzen Wirkung nach. Sämtliche Kräfte noch frisch— vor acht Tagen begann die Winter⸗ spielzeit— war die mit⸗der Erstaufführung dargebotene Leistung vom ersten bis zum letzten Mann von anerkennenswerter Hingabe erfüllt und die Kräfte der Einzelnen in zielsicherer, ihrer eminenten
Aufgabe sich bewußter Leitung zusammengerafft. Die musikalische war durch Hofrat Been, die szenische durch Ober⸗ regisseur Nowack vertreten.
Der Erstere unterstrich besonders das dramatische Moment und brachte namentlich im zweiten Akt und in den Zwischenspielen prächtig die dynamische Kraft der Par⸗ titur zur Geltung, während die orchestrale Unterlage zu den sakralen Partien und das Vorspiel nicht der Dehnung verfielen, womit ein einheitlich geführter Gesamtcharakter der Auffassung das Werk glücklich be Die schwierigen, delikaten Szenen⸗ bilder und in erster Linie die beiden Graltempelszenen boten der Regie Gelegenheit, diese„Probestücke“ für die Leistungsfähigkeit einer Bühne schönstes Zeugnis ablegen zu lassen. Und Herr Nowack kann im Verein mit Hoftheatermaler Kempin, der feine ab⸗ gestimmte Farben in Lila und Blaugrau mit Gold für den Kuppel⸗ bau gewählt hatte, eine tief eindrucksvolle Feierlichkeit zu erzielen. gewutß, die im Erglühen des Grales durch geschickte Beleuchtungs⸗ wirkung wunderhar eindringlich war. Daneben verdient besonders die Blumenmädchenszene Erwähnung. Der geschickten Verwertung von seinen nuancierten Farben, wie wir sie selten sahen, und die in der abgestimmten Bewegung ein allerliebstes Bild gaben. Etwas nüchtern erschien dagegen die„Flumige Au“, die aber eine sehr vornehme Haltung der Taufgruppe bot. Damit sind wir bei den Solisten angelangt; die Leistungen der einheimischen Kräfte traten aber nicht mehr als üblich aus dem Rahmen eines guten gesang⸗ und darstellerischen Durchschnitts den neuen Heldentenor Jos.
h nicht 4 wurde von
ann als„Parsifal“ zu
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vor. Die allgemeine Moissi
0 Globerger, der zu einem emper und der„Gurnemanz“ von] Absicht geäußert
Alfred Stephani mit anerkennenswerter Hingabe gesungen. Auch die zweite vielversprechende neue Opernkraft, Frau Berta Schelper(früher am Frankfurten Opernhaus), trat wegen Indis⸗ position ni auf. An ihrer Stelle erschien im letzten Augen⸗ blick als,„ Frl. Hel. Wildbrunn vom Stuttgarter Hoftheater, die eine Individualität zu sein scheint und gesanglich ihrer Aufgabe im vollen Maße gerecht wurde. Voll eindrucksvollem
ament gestaltete sie die Verführungsszene, in der sie ein ungewöhnlich fesselndes ausdrucksvolles Spiel entwickelte. Da man weiß, welche Rolle die Chöre im„Parsifal“ spielen, muß eingestan⸗ den werden, daß sie, durch zahlreiche sangeskundige Kräfte verstärkt, ihre Aufgabe mit Geschick erfüllten. Im übrigen zeichnet sich die Erstaufführung vorzugsweise durch die überaus glänzende und vor⸗ nehme Dekoration und szenentechnische Ausstattung aus, und die allgemeine mit. großen Aufwand durchgeführte Leistung ist eine solche, auf die das Darmstädter Hoftheater mit Recht stolz sein darf. 4 g h.
— Zur Gefangennahme Moissis. Alexander Moissi, der bekannte Berliner Schaufpieler, hat in einem an seine Gattin ge⸗ richteten Brief seine Gefangennahme wie folgt geschildert:
„Daß ich in Gefangenschaft geraten bin, macht mich natür⸗ lich tief traurig. Es ist niederdrückend, apathisch und tatenlos das Ende des Feldzuges abwarten zu müssen. Wie ich in Gefangen⸗ schaft geraten bin? Ich stieg am 6. morgens mit meinem Führer,
ffizierstellvertreter P., auf, um einen Orientierungsflug vorzu⸗
nehmen und hatten die Absicht, in Ostende zu landen, um einige Ausrüstungsgegenstände zu besorgen. Es war ein schöner, klarer Tag. Wir flogen über Lille in nördlicher Richtung. Wir stiegen immer höher und höher. Als wir auf 3300 Meter gestiegen waren, kamen uns große, dichte Wolken entgegen und zugleich war die Erde unseren Blicken entschwunden. Nun hieß es nach dem Kompaß fliegen, aber offenbar war dieser nicht richtig gestellt, denn als die schweren Wolken vorüber waren, sahen wir das Meer und am Ufer einen befestigten Platz. Kanal und andere Merkmale ließen Zeebrügge vermuten, und da ich mich ganz und gar auf den verräterischen Kompaß verlassen hatte, flogen wir getrost in westlicher Richtung weiter und landeten schließlich bei Calais, wo wir beide in Gesangenschaft genommen wurden.“
Vor Eintreffen dieses Brieses ihres Gatten hatte Frau Moissi ein Schreiben des Hauptmanns von der Fliegerabteilung, der 9 war, erhalten. Darin schreibt der Hauptmann
unterm M.:„Gestern vormittag startete Ihr Herr Gemahl sfluge. Wie ich nachträglich hörte, soll ex die „ nach Ostende zu fliegen. diesem Fluge
ist er nicht zurückgekehrt. Eine Landung auf von deutschen Truppen besetztem Gebiet erscheint fast ausgeschlossen. Es hat vielmehr die allergrößte Wahrscheinlichkeit, daß er die Orientierung verloren bat, und derjenige ist, von dem in der Nacht vom 6. zum 7. Sep⸗ tember der französische Tagesbericht meldet:„Ein deutsches Flug⸗ zeug sah sich bei Calais zur Landung gezwungen. Die Insassen wurden gefangen genommen.“ Es kann somit als fast sicher an⸗ genommen werden, daß Ihr Herr Gemahl sich in englischer Ge⸗ fangenschaft befindet. Der französische Bericht läßt ferner den zu⸗ versichtlichen Schluß zu, daß er unverletzt dem Feinde in die Hände
siel. Dieses 12 bedauerliche Ende seiner Kriegstätigkeit, der er mit Leib und Seele oblag, wird Ihnen dadurch zum Trost, daß Ihr Herr Gemahl Ihnen dadurch am Leben erhalten blieb.“ 1
— Der Winterspielplan der Comsdie Fran⸗ caise. Die Comédie 88 hat ihre Pforten wieder eröffnet, und die Pariser freuen sich, beim Vergleiche mit dem Vorjahre fest⸗ stellen zu können, daß geworden ist. Von Neuheiten hat der Direktor der Bühne, Herr Carré, bisher noch nicht eine einzige aufgeführt oder angekündigt; erscheint vielmehr entschlossen, den Spielplan der Comsdie Fran⸗ gaise im Rahmen des„Guten, Alten“ zu halten. So spielen die klassischen Werke von Moliére, Corneille, Racine und Marivaur, die besonders unter der Direktion Claretie auffällig in den
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Hintergrund getreten waren, jetzt wieder die ihnen gebührende
en 21 108 Mk. 1
elernt. Am 5. September ist
der Besuch des Theaters wieder lebhaften
Rolle, und daneben wird eine Reihe von älteren Konversations!
stücken hervorgezogen, die zu ihrer Zeit große Erfolge waren, und an deren etwas verblichenen Reizen das Publikum sich jetzt wieder behaglich erfreut. So stehen auf dem Spielplane der Comédie Franc aise u. a. von Werken des das Fräulein von Belle⸗Isle, und die Abenteuererin, von seinem Sohne die Prinzessin Georges, von Pailleron die bekannte„Welt, in der man sich langweilt“ usw. Auf ähnlicher Grundlage ist auch das Progamm der 16„Nachmittags vorstellungen aufgebaut worden, die für den Winter in Aussicht genommen sind. Diese Vorstellungen, die bei dem Bürgerpublikum don Paris so beliebt sind und die der männlichen und weiblichen Jugend der Stadt die ersten theatralischen Genüsse zu vermitteln pflegen, sollem gleichfalls eine Reihe von Stücken des 19. Jahrhunderts,
von Casimir Delavigne bis zu Henry Becque, bringen. Bei der
Eintönigkeit, in die der Spielplan der Comédie Francaise schließ⸗
lich verfallen war, kann sich das Publikum der Bühne zu diesem Programme, so wenig originell es auch an sich sein mag, nurn beglückwünschen; es sieht auf diese Weise auf den Brettern seinen Lieblingsbühne Stücke wieder, die zum Teil dort seit Jahrzehnten nicht mehr erschienen sind. 0 1
älteren Dumas 1
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