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(20/09/1915) 221. Zweites Blatt
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Zweites Blatt

Ur. 211 Erscheint taglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kressblatt sur den Areis Sietzen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschastlichen zeit g eee monatlich zweimal.

165. Jahrg gan

Gießener inzeiger

General⸗ Amenge für Oberhessen

Montag, 20. September 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: 51, Schrift-

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Benteng ter für Krie gsteilnehmer und Malegerhinterpllebene

Dee lh 9 1. deutschen Volkes f wi n * N besteht darin, ir rere tapferen Krie⸗

ihre Hinterbliebenen in der umfassendsten Weise zu

e e l e ig e en an

und sorgenfrei. zu 1 ist jetzt 8 Pflicht für

alle, die dazu berufen und in der Lage sind

8 Senthn un der wi ten Aufgaben dieser Fürsorge ist die

chung aller jener Kriegsteilnehmer und ihrer

Heerllieberen, die den Wunsch 5 das Bestreben haben,

liche Stell begründen. 1 sen Steilnehmern eee eee en e wieder eine ondere ichtigung,* durch die

ftsversorgungs⸗ und Militär⸗ setzen zufließenden N und Renten 7 durch die in Preußen enguts⸗ 8 eine. Seschustnachumg in wesentlichem mfange erlei Im Rentengut besthe en wir eine der wichtigsten Siede⸗ ungsformen für die innere Kolonisation auf Grund der Gesetze über Rentengüter vom 27. Juni 1890 und 7. Juli 1891. Während diese die Seßhaftmachung von Landwirten auf mittleren und kleineren Rentengütern vor⸗ sehen, bes. kt der Ministerialerlaß vom 8. Januar 1907 die geringste Größe der Rentenstelle auf einen halben preußi⸗ schem Morgen, 1250 Quadratmeter. Mit diesem für das Kleinsiedelungswesen bedeutendsten Ministerialerlaß be⸗ ginnt die Seßhaftmachung des deutschen Arbeiters auf eigener Schelle mit Hilfe des Rentenbankkredites. In den acht seit diesem Erlaß sind viele tausende solcher kleinsten Rentenstellen fütr ländliche und industrielle Arbeiter auf e Boden begründet worden. Sie haben dem deutschen Arbeiter ein eigenes Heim auf ei Scholle ge und ihm all die Vorteile 5 e gebracht, die mit solch einem sicher begründeten Besitz 9 verknüpft sind. Jetzt n 4 Hessische Siedelungsgesellschaft m. b. H. in Kassel, Kur⸗ fürstenstraße 12, diese Vorteile des eigenen Besitzes, die auf der kleinsten Rentenstelle beruhen, auch in unserer Gegend, der leider bisher das Rentengut noch ziemlich unbekannt war, vor allem den Kriegsteilnehmern und Kriegerwitwen zugänglich zu machen. Erreichung dieses wertvollen und im se und Krie eee so

Aicha iedelungsv der 0 8 ee 9 zur Verfügung, die bei

0 8 8 lverhält isse die Na einer Groß⸗ 557 5 1515 8 der Hessischen 1 i daß Tel ee der gep Fee

iedelungen i ber 8 palin...

abeitsfreubi, Nachbarn gel emacht r sollen, damit 1 585 lsamen Einfluß in der 0 und erfo⸗ lichen Weise auf jene geltend machen können. Aus 5. beben Grunde sind. aller in 0 kommender Berufs⸗

kreise erwünscht, damit zugleich das für eine solche An Kleinsiedel eder Port gebotene soziale Mischungsver⸗ 1 8 775 verschieden olksklassen hier ebenfalls erreicht

8 von der Siedelurgs Wese aus bed eee in 705 Wade ne bon 55 einem halben Morgen sie können auf Wunsch des Be- werbers auch größer sein bieten dem zukünftigen Besitzer

will, so werden die Häusche

alle jenen wirtschaftlichen V

der gründlichen a land verbunden sind. Sie ermöglichen es 2 Kartoffeln, Gemüse und Obst für seine Familie selbst zu ziehen und Mehrerträge durch Verkauf leicht zu verwerten. Sie ge⸗ statten ihm ferner, sich Gef. gel, Schweine, Ziegen und

Kaninchen zu halten.

Das freie hende Einfam ereus gewährt dem Besitzer alle Vorzüge in gesundhe sozicler und gemütlicher Hinsicht, die das Wohnen benbeim, umgeben vom Garten, vor allem für das beste Gedeihen der Kinder, mit sich bringt. Ein s solches Ein fam tilienhaus enthält im Unter⸗ geschoß eine geräumige Wohnküche mit gutem Herd, daneben die Spül küche mit der Bad ei richtung und außerdem noch eine Wohnstube. Im Obergeschoß befinden sich je nach Be⸗ darf zwei oder drei Schlafzimmer. Wasserspülklosett ist ebenfalls vorhanden. Da Haus ist unterkellert und hat einen geräumigen Boden, in dem die Räucherkammer ein⸗ gebaut wird, wenn eine solche erwünscht ist. Mit dem Haus steht ein Stall für Kleinviehhaltung in solcher Verbindung, daß keine unangenehme Beeinträchtigung der Wohnräume durch ihn stattfinden kann Da man diese kleinsten Renten⸗ stellen in Kassel und sei nächsten Umgebung errichten gen Wasser, Gas und elektrischen 'on den beiden letzteren, zugeführt olchen Gartenrentenstelle etet somit alle Annehmlichkeiten des Lebens auf de. Lande und entbehrt dennoch nicht die Bequemlichkeiten und Vo tei e, die das Wohnen in der Stadt mit sich bringt und an die sich unsere Arbeiterschaft 8 mählich so gewöhnt hat, daß sie diese Vorzüge nicht ge entbehren möchte. Die wirt ichen, u und gemütlichen Vorteile des Besitzes einer solchen Garten⸗ rentenstelle für einen g eig eten Bewerber liegen auf der Hand. Und geeignet sind alle, die Liebe zur vaterländischen Scholle haben, sie ger und mit Verständnis bearbeiten wollen, ein angemessenes Einkommen besitzen und sich in geordneten Lebensverhältnissen befinden.

Diese kleinsten Gart nrentenstellen in Größe von 1250 Quadratmetern wer 3 einem Häuschen von 60 bis 70 Quadratmeter bewohnbarer Nutzfläche, Stall, Garten⸗ einfriedigung und de gen Wegebau ungefähr 7500 Mk. losten. Zu ihrem Erw ind mindestens 10 Prozent, also 750 Mark, erforderlic 0 der Anwärter mehr, vielleicht 1000 bis 1500 Mark anzuzahlen, so liegt das nur in seinem Vorteil. Die Bestrebiden Kriegsbeschädigten und Krie⸗ gerwitwen die Anzahlung durch Kapitalisierung eines Teiles ihrer Renten zu ermög lichen, sind noch zu keinem Abschluß gelangt. Besser noch dürfte es in allen Fällen sein, die Rente ungeschmälert zu lassen und von ihr alljährlich eine be⸗ stimmte, augemessene Summe einzusparen, bis die erforder⸗ liche Anzahlung gedeckt ist. Solange könnte durch eine ent⸗ spr mietweise le kel fung 1 Rentenstelle Rat ge⸗ . Der 1 einer Gartenrentenstelle

örteile und Vorzüge, die mit es halben Morgens Garten⸗

in

Strom, mindestens eines 5 erhalten. Der Besitz einer in schöner freier Gegend

Einsamtiltenhaus nebst Stall fiir Kleinvieh einem ten von ungefähr 1200 Quadratmeter 3 in einer

. schönen und gesunden Hessische Sate ergeele in Kassel, Kur⸗ freu raße 12, deren Arbeitsgebiet sich guf die Provinz

Hessen⸗Nassau, das Kurfürstentum Waldeck, das 8 tum Hessen und den Kreis Heiligenstadt erstreckt, gibt jedem der⸗ernstlichen Bewerber um eine solche Gartenrentenstelle, der den Axbeiter⸗, Handwerker⸗ oder Kleinhändlerkreisen an⸗ gehört und 1 ist, die Stelle allein oder mit seinen

gehörigen zweckmäßig und verständnisvoll zu bewirt⸗ schaften, deere 8 Auskunft. Die Gesellschaft für e in Kassel, Wolfschlucht 13, ist ebenfalls bereit,

Kriegsteilnehm ern und Krieg erhinterbliebenen 5 Erwerb einer Gartenrentenstelle mit und Tat zur Seite zu stehen. Sollte sich eine ge Zahl von ernstlichen und geeig⸗

neten Bewerbern A so besteht die Absicht, unverzüg⸗ lich mit der Ausgabe solcher Gartenrentenstellen für die ge⸗

nannten Kreise zu beginnen. Es handelt sich hier um eines der wertvollsten Unternehmen auf dem wichtigen Gebiete der inneren Kolonisation, der Seßhaftmachung strebsamer und für die Gesamtheit wertvoller Arbeitskräfte, dem die Unterstützung und das Wohlwollen aller sozialgesinnten Volksschichten sicher ist.

Aus Bessen.

Der Kriegsausschuß der Zweiten Kammer. setzte am Freitag votmittag seine Beratungen fort. Bei der Besprechung der Anfrage des Abg. Henrich und Genossen, betreffend die Unterstützung notleidender Staatsbeamter, Gewerbetreibender und Staatsarbeiter, führten die Erörte 5 zur Zusammenfassung der verschiedenen Vorschläge und Anregungen in einem Antrage, welcher vom Gesamt⸗ ausschuß dem Plenum zur Beratung vorgelegt wird und folgenden Wortlaut hat:

Wir beantragen, die Regierung zu ersuchen, bedürftigen Beamten und in Staatsbetrieben beschäftigten Arbeitern und Staatsbienstamvärtern sowie Pensionären und. von Staatsbeamten im Falle des Nachweises der Bedürftigkeit auch über das Maß der seither gewährten Beihilfen hinaus aus den zur Verfügung stehenden Dispositionsfonds Zuschüsse oder während des Krieges unverzinsliche, nach dem Krieg in Raten zurückzuzahlende Darlehen zu gewähren und die Regierung zu ermächtigen, falls diese Mittel nicht ausreichen sollten, über den Rahmen dieser Mittel hinaus die im Budget bewilligten Kredite zu überschreiten.

Der darauf zur Beratung stehende Antrag der Abg. Calman, Schott und Stöpler, betreffend Zuschüsse zur Invaliden- und Angehörigenrente, ist zum Teil durch die mittlerweile geschaffenen reichsgesetzlichen Maßnahmen erledigt. Der Antrag wurde nach ausführlicher Begründung durch den Antragsteller und eingehender Aeußerung der Großh. Regierung für spätere Verhandlungen zurückgestellt. Zur Anfrage der Abg. Dr. Osann und Bach, betreffend Reife⸗ und Abgangsprüfung der Kriegs⸗ primane und Lehrerseminaristen, machten die beiden Antragsteller längere Ausführungen, in gvelchen sie für die am Kriege teilnehmenden Primaner und Lehrersemi⸗ naristen das Reifezeugnis ohne Ablegung einer besonderen Prüfung verlangten. Der Regierungsvertreter, Geheimerat Dr. Nodnagel, erkannte die Pflicht weitgehenden Ent⸗ gegenkommens für die Regierung rückhaltlos an, wies aber auf die großen Schwierigkeiten hin, die sich bei der prak- tischen Lösung der Frage ergeben, um so mehr, da Hessen nicht für sich allein entscheiden könne, sondern auch Rücksicht auf die Stellungnahme der anderen Bundesstaaten nehmen müsse, jedenfalls werde es die Großh. Regierung an Ent⸗ gegenkommen nicht fehlen lassen, jedoch könnten heute schon bestimmte Entschließungen noch nicht getroffen werden. Eine nochmalige Verweisung der Feldzugsteilnehmer auf die Schulbank sei jedenfalls nicht in Aussicht genommen. Zum Schlusse wurde der Antrag der Abg. v. Brentano, Dr. Schmitt und Genossen, betreffend 1. freie Eisenbahnfahrt für beurlaubte Offiziere und Mannschaften, 2. Beurlaubung

nnn; 3. Selbstverköstigung von Mann⸗ n Mainz, für erledigt erklärt, weil die

füllt worden sind.

Vermischtes. ö

Bremen, 18. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Der Nord⸗ deutsche Lloyd wird dem auf der Schichauwerst in Danzig im Bau befindlichen 2 Passagierdampfer, ein Schwesterschiff desKolumbus, mit Einwilligung des Generalseldmarschalls v. Hindenburg den NamenHindenburg beilegen.

EinPour le mérite für Unkeroffizlere. Der OrdenPour le mérite wird für ganz besondere Fälle verliehen, wo gewissermaßen das Eiserne Kreuz gicht 3zulangt, an Generäle und hobe Offiziere, die sich ganz besonders hervorgetan haben. Im Deutsch⸗Französischen Kriege 187% gab es aber eine Auszeichnung auch für Unteroffiziere, die dem, Pour le mérite gleichkam. Ein Patriot hatte nämlich dem Kaiser eine Anzahl silberner Uhren zur Verfügung gestellt, die mit dem Bildnis des Monarchen geschmückt waren. Und dieser hatte bestimmt, daß die Uhren an Unteroffiziere verliehen werden sollten in Fällen,

Erinnerungen.

von den deutschen Truppen besetzt ist, hat 7 für die baltischen Provinzen, diesegrößte deutsche Stn, ihr Volkstum und ihre Geschichte ganz außerordentlich 1 und so dürfen denn auch die Alt⸗Dorpater Erinne⸗ eines N Professors gerade in diesem Augen⸗

lic auf gün Teilnahme rechnen. Es sind die Erinnerun die der aus Nee gebürtige, 1908 verstorbene Philo ge Ludwig Schwabe uberDorpat vor 50 Jahren dieser Tage ber S. Hirzel in Leipzig erscheinen läßt, Schwabe wurde im Jahre 1863 nach Dorpat berufen und blieb dort bis zum Jahre 1872, wo er an die Univpersität Tübi⸗ übersiedelte. Als er in Dorpat weilte, wurde dort zum ersten 5 80 eine Volkszählung nach west⸗ europäischem Muster vorgenommen. Sie ergab 21313 Einwohner (1897 hatte sich diese Zahl verdoppelt), von denen 43 v. H. sich als Deutsche, 46 v. H. als Esten und 9 v. H. als Russen hatten eintragen lassen. Der verschwindende Rest fiel auf Letten und andere, darunter auch die 15 wenigen Juden. In der guten alten Zeit bestand in Dorpat die Einrichtung, daß kein Jude in der Stadt übernachten durfte! Die aus demAusland kommenden Deutschen wurden mit besonderem Entgegenkommen, mit beson⸗

derer Zärtlichkeit in Dorpat aufgenommen, gleichsam als schätzbare] 20

Exemplaren von Originaldeutschen. Das erleichterte das Einleben in außergewöhnlichem Maße. Merkwürdig genug war dieses gute alte Dorpat. weiter man sich von der Mitte der Stadt, dem ansehnlichen und seiner Umgebung, entfernte, um so un⸗ scheinbarer waren die Häuser, alle von Holz, meist einstöckig, was einen dörflichen Eindruck machte Trat man aber in ein solches Haus ein, so war man üÜberrascht über den Komfort, den es bot; K e hohe wohleingerichtete Zimmer. Da ganze Leben sich dem Hause abspielte, und das Klima den Menschen mehr als

geen e e 1 ein ganze im Winter geheizt, alle 9. 13 2 stets geöffnet. Jene Holz⸗

ineinander gehen, waren aus wagerecht ineinandergelassenen Balten, deren Fugen . ee lee ee, e

Winterhüllen und erschien in den Salon eintretend wieder zum sommerlichen Schmetterling entpuppt.

Das Leben in Dorpat spielte sich, abgesehen vom Berufsleben, im Hause ab. Ein Wirtshausleben gab es nicht. Schwabe wollte, da er seine Familie noch zurückgelassen hatte, im Gasthofe essen. Als er diese Absicht äußerte, hieß es unter Achselzucken:Oh, das wird nicht gehen! Und es ging auch nicht; er wurde alsbald aufgefordert, an einem Mittagstische teilzunehmen, den sich Linige jüngere Akademiker in einem Privpathause, auch bei einem Jung⸗ gesellen, auf gemeinsame Kosten eingerichtet hatten. Da ging es prächtig gemttlich zu; doch hatte dieser Mittagstisch einen Fehler; er setzte ntags aus. Und warum? Weil man ja doch dann zu befreundeten Familien zu Tische gehe! Das Familienleben trat im alten Dorpat für das Wirtshausleben ein und eine ebenso herzliche wie bescheidene Gastlichkeit wurde allgemein geübt. Das galt nicht nur für die Stadt, es galt auch für das N Als Schwabe von dem 1 Wössu aus, wo er die Sommerszeit verlebte, auf Palms bei dem Freiherrn von Pahlen Besuch machte, lud dieser zum Abschiede die ganze Wössuer Sommergesellschaft, alle, auch die Kinder, auf nächsten Sonntag zu sich zum Mittag ein. Besorgt dachte Schwabe daran, daß in Wössu doch immerhin einige Sommergäste weilten, aber sein Freund Kügelgen meinte auf dies Bedenken nur, es würden wohl Sonntag noch viel mehr Gäste nach Palms kommen, und zwar unangemeldete. Und so geschah es wirklich; über 44 Köpfe bildeten schließlich die so sachte zusammen⸗ 1 Gesellschaft und allen bereitete das Haus die gastfreieste

Man hat mancherlei über das harte Herrentum des deutsch⸗ beltischen Adels gesagt und geschrieben. Für seine Zeit bezeugt Schwabe, daß das Verhältnis zwischen Gulsherrn und Bauern im allgemeinen gut war. Der Bauer hatte Vertrauen zum Herrn] und durfte es haben. Obwohl die russische Regierung gerade damals anfing, die Bauern gegen die Herren systematisch aufzuhetzen und ihr gegenseitiges Verhältnis zu trüben, so blieben doch die alten Beziehungen in den bei weitem meisten Fällen bestehen, weil sie auf dem 5 beruhten und durch die gegenseitige persönliche Stellung der Beteiligten gefestigt waren. Der Herr war noch das Orakel für den Bauern, wohin er sich wendete, wenn 140. der 3 drückte, und der Herr* nicht. : wie viele

Gerade in der Zelt, wo Schwabe in Dorpat wirkte, setzten die Russifizierungsbestrebungen zum ersten Male mit Ernst ein. Der ausgezeichnete Universitätskurator Alexander Graf Keyserling mußte seine Stellung einemTschinownik, einer Beamtenseele räumen, der es nur ums Karrieremachen ging. Der Mann fühlte sich denn auch in Dorpat so unbehaglich, daß er seinen Amtssitz bald nach Riga verlegte. Schwabes eigene Wirksamkeit ist durch diese neueinsetzende Strömung noch nicht getrübt worden. Sie war erfreulich und hat ihm dauernd Freunde geworben, und unter den Männern, die damals bei ihm Jhilologische Vorlesungen hörten, ist so mancher, der heut selbst zu den Leuchten der Wissenschaft zählt, wie der berühmte Berliner Kirchenhistoriker Adolf v. Harnack und Prof. Th. Schiemann, der als einer der besten Kenner osteuropäischer Geschichte und Kultur anerkannt ist.

Max Reinhardts skandinavische Fahrten und Pläne. Das Stockholmer Gastspiel, zu dem Direktor Max Reinhardt mit demDeutschen Theater sich rüstet, erweckt in Skandinavien das allergrößte Interesse. Ende September wird Reinhardt auf Einladung einer Reihe hervorragender Persönlich⸗ beiten des schwedischen Geistes⸗ und Kunstlebens seine Vorstellungen in der Kgl. Oper zu Stockholm beginnen und nicht nur die schwedische, sondern auch die norwegische Presse ist ganz voll von diesem Ereignisse. In norwegischen Blättern lesen wir, daß Rein⸗ hardt an diplomatischer Stelle Schritte unternommen habe, um sich Moissi für seine Schwedenfahrt zu sichern. Myissi soll be⸗ kanntlich in französische Gefangenschaft geraten sein, und die skandi⸗ navische Presse weiß zu berichten, daß die französische Regierung sich bereit erklärt hat, Mvissi gegen einen kriegsgefangenen fran⸗ hiichen General auszutauschen. Mehr kann ja doch selbst der Ehrgeiz eines Künstlers kaum verlangen. Inzwischen hat das Interesse, das das Reinhardt⸗Gastspiel im Norden erregt, auch die dänische Kunstwelt ergriffen, seitdem bekannt geworden ist, daß energische Versuche gemacht werden, um Reinhardt und seine Künstler auf der Heimreise von Stockholm zu einem Gastspiele in Kopenhagen zu bewegen. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen, aber dem Abschlusse nahe. Als Stätte des Gastspiels ist das Neue Theater in Kopenhagen in Aussicht genommen, das über eine Drehbühne verfügt: zur Aufführung würden die Räuber, der erste Teil Faust, der Sommernachtstraum und eine abend⸗ füllende Reihe von Strindbergstüden gelangen. InPolitiken wird Reinhardt dergroße Erneuerer genannt und doller Be- wunderung erklärt, man müsse bis auf die Großzeit der Comsdie Franqaise zurückgehen, um ein Ensemble von der Güte und dem Werte des Reinhardtschen aur funde.

0 a in diesem Antrage niedergelegten Wünsche mittlerweile er⸗