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ur. 8 ghettes Blatt 165. Jahrgang donnerstag, 10. Septentber lots
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
2 2 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sschen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. Die„Sleßener Famillenblätter“ werden dem R. Lange, Gießen. „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das istleitung, G häftsstelle Drilckerzt. urelsblatt für den kreis Gießen“ zweimal SSchrüileltund Heschalkastele u. Druckeret e
425 äftsstelle u. Verlag: 51, Schrift; wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag ch
fragen“ erscheinen monatlich zweimal. General⸗Anzeiger für Oberhessen. eee,
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Mannheim, 15. Sept.(Priv.⸗Tel.) Wie der„Mann⸗ heimer General⸗Anzeiger“ erfährt, hat die Firma Heinrich Lanz ihre Zeichnung auf die dritte Kriegsanleihe von drei auf fünf Millionen Mark erhöht.
bewegt, was nach den bestehenden Vorschriften für die Ver⸗ köstigung kriegsgefangener Offiziere oder Soldaten auf gewen⸗ det werden muß. Für die spartanische Erziehung unserer Feinde haben wir nicht zu sorgen. Deutschland hat sich aus Ge⸗ rechtigkeitsgründen von dem ersten Augenblick an streng an die Bestimmungen der Haager Konvention gehalten. Diese bestimmt genau, wie die Kriegsgefangenen behandelt werden sollen und wieviel für ihre Verpflegung aufgewendet werden muß. Was die kriegsgefangenen Soldaten anbetrifft, so ist der Satz für die tägliche Verpflegung jedes einzelnen 65 Pfg. Dieser Satz ent⸗ spricht dem auf der Haager Konferenz von 1908 zwischen den Staaten vereinbarten Abkommen. Offiziere haben Anspruch auf bessere Unterkunft und reichlichere Kost. Die Heeres verwaltung hat es den Lagerkommandanten zur Pflicht gemacht, den für den einzelnen Mann festgestellten Satz streng innezuhalten, d. h. ihn weder zu überschreiten, noch zu verringern. Abgesehen hiervon liegt es aber auch in unserem Interesse, unfere Kriegsgefangenen ausreichend zu ernähren und gesund zu erhalten, sowohl aus all⸗ gemein menschlichen Gründen als auch, um leistungs fähige Arbeiter für Landwirtschaft und Industrie zur Verfügung zu haben. Erfahrungsgemäß neigen ausreichend verpflegte Kriegs⸗
Aus Bessen.
Der Kriegsausschuß der Zweiten Kammer
trat 1175 Mittwoch vormittag zu seiner 9. Sitzung zusammen, der auch die drei Minister und mehrere andere Regierungsvertreter bei⸗ wohnten Es kam zunächst der Antrag Hen rich und Genossen, betreffend die Unterstützung notleidender Staatsbeamten, Gewerbe⸗ treibender und Staatsarbeiter zur Besprechung. Die Großh. Re⸗ terung gab, gestützt auf statistische Erhebungen, einen Ueberblick Aber die Fanz belle Tragweite des Antrags und legte ihre Stellung⸗ nahme dazu dar, worauf die Weiterbesprechung auf morgen ver⸗ tagt wurde. A8 5
lleber die mißliche Lage der Hausbesiczer berichtete Dr. Osann. Er faßte seine Ausführungen und Anregungen in folgendem Antrage zusammen:
Die Kammer wolle beschließen: 5
J. Großh. Regierung zu ersuchen, daß noch während des Krieges vorbereitende Maßnahmen zur Erleichterung des städtischen Realkredits getroffen werden, entweder durch einen Ausbau der Landes⸗Hypothekenbank oder durch öffentlich rechtliche Kreditanstalten(Pfandbriefanstalten für den städtischen Grundbesitz) oder durch Förderung der Garantie der Ge⸗ meinden für zweite Hypotheken.
2. Großh. Regierung zu ersuchen, die Herabsetzung des Im— mobilien⸗ und Hypothekenstempels anläßlich der durch den 82 geschaffenen Verhältnisse erneut in Erwägung zu ziehen. g
3. Daß Großh. Regierung beim Bundesrat dafür eintrete,
daß die Zahlungsfrist bei Hypotheken und Grundschulden laut der Bekanntmachung des Bundesrats vom 22. Dezem⸗ ber 1914 bis auf ein Jahr erstreckt werden kann, wenn die Lage des Schuldners dies rechtfertigt und dem Gläubi⸗ er kein unverhältnismäßiger Nachteil entsteht...
Großh. Regierung zu ersuchen, zu erwägen, ob nicht in besonderen Fällen ein Erlaß von Grundsteuern an notleidende Hausbesitzer einzutreten hat.
5. Großh. Regierung zu ersuchen, zu erwägen, ob zur Ver⸗ tretung der Interessen des Hausbesitzes eine Haus be⸗ sitzerkammer errichtet werden soll. nlichen
Da Großh. Regierung sich ihre Stellungnahme zu diesem Kriegsgefangenen bekannte.
Antrag Nr mußte die Besprechung des Antrags ebenfalls Leängst sind ja auch im Auslande zahlreiche Briefe von Ge⸗ guf die nächste Sitzung vertagt werden. Bei Besprechung des fangenen über die Art der Behandlung und der Unterkunft, die Antrags Dr. Schmitt und Genossen betr. die Mindestunter⸗ ihnen in Deutschland zuteil wird, bekannt geworden. Manche stützungen der Familien von Kriegsteilnehmern wies die] Lagerbehörde erhielt Briefe von Familienangehörigen der Kriegs⸗ Regierung darauf hin, daß die Erhöhung der vom Reiche ge⸗ gefangenen, die ihren Dank zum Ausdruck bringen. 0 währten Familienunterstützungen bereits Gegenstand von Erwä⸗ Besonders merkt man immer wieder, daß das Verhalten gungen der Reichsregierung sei und daß die hessische Regierung[der deutschen Bevölkeru ug auf die fremden Kriegsgefan⸗ bereit sei, im Bundesrate im Sinne des Antrags Schmitt zu] genen einen tiefen Eindruck macht. Sie reden manchmal in ihren wirken. Der Antrag wird hierauf für erledigt erklärt. Heimatbriefen von Erlebnissen auf dem Transport, bei der An⸗
Eine längere lussprache knüpfte sich an den Antrag Ulrich kunft oder bei einem gelegentlichen Marsch durch die Straßen
und Raab, in welchem die Antragsteller verlangen, daß in den deutscher Städte und Dörfer. Ueberall fanden sie das Benehmen Londgemetnden, in welchen bisher weder durch den Kreis noch der Bevölkerung würdig und frei von Gehässigkeit. durch die Gemeinde Zuschusse zu den reichsgesetzlichen Kriegs⸗ Es ist begreiflich daß auch unsere Bevölkerung zuweilen beim unterstütungen gewährt worden sind für die Zukunft hinreichende Anblick der Kriegsgefangenen eine gewisse Bitterkeit aufsteigt Kriegsbeihilsen geleistet werden. Die Regierung erklärte, daß über die feindlichen Völker, die den schweren und opferreichen zviederholt an die Großh. Kreisämter Verfü e Krieg über unser Vaterland gebracht haben. Aber man hat es daß Gesuche um Gewährung der Kriegsun tungen möglichst] die wehrlosen 112 nicht entgelten zu lassen.
5 g Und so soll es bleiben. Wenn bei uns auch unliebsame Zwischen⸗ fälle, wie sie aus Frankreich leider so häufig berichtet werden, nicht zu befürchten sind, so zeigen manche Kreise doch zuweilen auf andere Weise einen bedauerlichen Mangel an Kenntnis der Grundsätze, die von Seiten der Militärbehörde bei der Behandlung von Kriegsgefangenen zur Anwendung gelangen müssen. Tak⸗ sächlich halten es zuweilen Leute, die anscheinend ihre freie Zeit nicht unterzubringen wissen, für richtig,„Beschwerden“ und „Vorschläge“ an einzelne Behörden vom Stapel zu lassen, die eine schlechtere Behandlung der Kriegsgefangenen fordern. Da beklagt sich einer, die Gefangenen lebten in ihrem Lager
wie„Gott in Frankreich“, sie hätten es besser, als unsere eigenen] bis 150 kg Lebendgewicht 150.00— 155.00 Mt., Schlachtgewich/ Soldaten. Ein anderer beklagt sich darüber, daß die kriegs⸗
185.00—192.00 Mk. Geschäft ziemlich lebhaft. gefangenen Offiziere besser verpflegt werden wie einheimische
öl 5 rtanische Er⸗ 1 Perkin, 18, Set Für die deitte deutsche Kriegs- ziehung ltsercr Fein.. as nenne men sparkrmische Das Beste anleihe zeichnete der Rheinische Provinzialaus⸗ 5 0 zur Zahnpflege g
Fur Behandlung der Uriegsgefangenen.
Im allgemeinen scheint sich die französische Regierung an ihre Anfang Juni dem amerikanischen Botschafter in Paris ge⸗ gebene Erklärung gehalten zu haben, daß sie den in Frankreich gefangenen Offizieren genau die gleiche Behandlung angedeihen. lassen werde, welcher die in Deutschland gefangenen französischen Offiziere unterworfen sind. Das wird viele Angehörige von Kriegs⸗ gefangenen über das Schicksal der Ihrigen beruhigen. Eine der⸗ artige Sachlage ist natürlich auch geeignet, auf das Schicksal der in Deutschland untergebrachten französischen Kriegsgefangenen günstig zurückzuwirken, da es nur hierdurch den deutschen Be⸗ hörden ermöglicht wird, die französischen kriegsgefangenen Offi⸗ ziere auch fernerhin so zu behandeln wie bisher. Ein gleiches gilt für die englischen Offiziere, während bezüglich der russischen Offiziere die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind. Da aber die russischen Offiziere in den gleichen Lagern untergebracht sind wie die französischen und englischen Offiziere, so genießen sie auch die gleichen Vorteile.
In einzelnen Lagern sind unter den Kriegsgefangenen Künst⸗ ler, Gelehrte, Rechtsanwälte, kurzum Gebildete aus allen Berufen. Der Ton, das tägliche Leben unter den Gefangenen, ihre Disziplin und ihr Einvernehmen mit den aufsichtführenden Behörden ent⸗ sprechen daher auch, von vereinzelten Ausnahmen abgesehen, ihrer Vorbildung. Das meist von französischen, belgischen, englischen Kriegsgefangenen belegte Lager in Göttingen hat z. B. eine Lese⸗ halle, bei deren Einweihung Gefangene verschiedener Nationen Musikvorträge, Gedichte und Ansprachen zu Gehör brachten. Als das gedruckte Programm dieset Veranstaltung mit dem Wort⸗ laut der Reden nach Frankreich kam, schrieb alsbald durch neutrale Vermittlung ein französischer Lagerkommandant an den Kom⸗ mandanten des Göttinger Lagers einen Brief, in dem er sich zu ähnlichen Grundsätzen der Behandlung der ihm anvertrauten
tige Kriegsgefangene sind aber eine nicht zu unterschätzende Ge⸗ fahr für die allgemeine Sicherheit. Denjenigen, die eine Verschär⸗ fung in der Behandlung unserer Kriegsgefangenen fordern, muß schließlich erwidert werden, ob sie eine schlechtere Be⸗ handlung unserer deutschen Brüder im Feindeslande wünschen? Unsere Regierung sorgt mit allem Nachdruck dafür, daß in den feindlichen Staaten deutsche Kriegsgefangene nicht wie Strafgefangene behandelt werden. Man verwechfle also auch die in Deutschland befindlichen kriegsgefangenen Franzosen, Rus⸗ sen usw. nicht mit Strafgefangenen. Die Lagerkommandanten haben sich bisher noch immer auf der Höhe ihrer keineswegs leichten Aufgabe gezeigt, den Kriegsgefangenen, ohne Ansehen der Person, aber in menschenwürdiger Weise das zu geben, worauf sie einen bestimmungsgemäßen Anspruch haben. Nicht mehr und nicht weniger. Diese Aufgabe erfordert ein sehr genaues Rechnen, viel Umsicht und peinliche Pflichterfüllung. Sie muß ihnen von der Bevölkerung erleichtert, nicht erschwert werden. Der Einzeln⸗ der seine Mitbürger dauernd nur auf die vermeintlichen Schäden der am Ort befindlichen Kriegsgefangenenlager aufmerksam macht und hierdurch nur Verstimmung erweckt, versündigt sich nicht nur an der Allgemeinheit in der eigenen Heimat, sondern auch an unseren eigenen Kriegsgefangenen in Feindesland. ————.———— 5 Märkte.
ch. Bingen, 15. Sept. Marktpreise. Kartoffeln das Pfund 5 Pfg., Bohnen das Pfund 25 Pfg., Buschsalat das Stück 8 Pfg., Endivien d. Stück 15 Pfg., Einmachgurken 100 Stück 2.00 Mk., Kleine Gurken 100 Stück 1.50 Mk., Salatgurken das Stück 15 Pfg., Rot- kraut 35 Pfg., Weißkraut 30 Pfg., Wirsing 30 Pfg., Blumenkohl 40 Pfg., Kohlrabi 3 Pfg., Gelbe Rüben das Pfund 10 Pfg., Lauch das Stück 8 Pfg., Sellerie 10 Pfg., Zwiebeln das Pfund 15—00 Pfg., Tomaten 15 Pfg., Birnen 15 Pfg., Aepfel 10 Pfg., Zwetschen 18 Pfg., Pfirsiche 20 Pig., Trauben 35 Pfg., Butter 1,85 Mk., Käse, weich 25 Pig., Handkäse das Stück 15 Pfg., Eier 16 Pfg.
FC. Wiesbaden. Vieh hof- Marktbericht vom 15. Sept. Am heutigen Viehmarkt standen zum Verkauf: 132 Rinder(darunter 31 Ochsen, 27 Bullen und 174 Kühe), 255 Kälber, 39 Schafe, 143 Schweine. Bei regem Handel und Anziehen der Preise bei allen Biehgattungen wurde das Angebot baldigst abgesetzt.
le. Frankfurt a. M. Schweinemarkt bericht vom 15. Sept. Aufsgetrieben waren 406 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 148.00— 152.50 Mk., Schlachtgewicht 185.00 190.00 Mk., vollfleischige Schweine unter 80 1. Lebendgewicht 140.00—150.00 Mk. Schlachtgewicht 170.00— 180.00 Mt. vollfleischige Schweine von 100-120 kg Lebendgewicht 150.00— 155.00 Mk., Schlachtgewicht 185.00—192 Mk.; vollfleischige Schweine von 120
Aus dem Reiche.
Berlin, 15. Sept.(WTB. Amtlich.) Der Heeres verwaltung gehen fortlaufend Angebote auf Waren zu, die in Kriegs⸗ gefangenlagern Verwendung finden sollen. Die Preis⸗ angebote sind vielfach fo ho„daß sie an Wucher grenzen. Die Heeresverwaltung wird künftig derartige Verkäufer von allen 1 an die Heeres verwaltung ausschließen und die Ver⸗
„anlassung ihrer Bestrafung nach dem Paragraph 5 der Bekannt- machung vom 20180 1915 in Erwägung ziehen.
schuß 330 Millionen Mark Alle diese Klagen übersehen, daß das, was den Kriegsgefan⸗
genen gewährt wird, sich vollständig in dem Rahmen dessen 8 2— .„Rotkäppchen“,„Aschenbrödel“
der Anfang dieser Spielzeit die sichere Aussicht, daß ste eine I.,„Kohlenmeiler im bayrischen Ge. Darmstädter Theaterbrief. F der Oper irg.„In der Menagertel, Afßentheater⸗„ Die Pierpan. wird nach der prächtig straffen und spielfreudigen Aufführung digerin im Käfig“ usw. Von seinen Bildnissen, die ebenfalls des„Sommernachtstraums“ das Schauspiel sicher nicht nachstehen. den feinen Beobachter verraten, sind die bekanntesten die int Auch hier sind zwei neue Kräfte lobend zu erwähnen: Rudolf Museum zu Danzig befindlichen: Daniel Chodowieck und sein Weisker der von Basel kam, besitzt das Geheimnis der feinen Vater. Komik im Verein mit vorzüglicher Charakteristik, das in weiser Zurückhaltung immer das Beste gibt. Und sein neuer Kollege, Robert Kleinert von Brenken, verfügt über die schwere Kunst des Komikers in gleich vortrefflichem Maße. Im übrigen erfreute sich das in den ersten Vorstellungen das Haus stark n. füllende Publikum„ Mizzi Marx als Elisabeth to Semper als Wolfram im b ei Tannhäuser, die Herren Baumetister Harprecht, Schnet⸗ seelisc Gestalt. der, Ehrle, Heinz, Jürgas, Petersen und besonders der Damen Schneider⸗Go tha, Alice Hacker und Charl. Pils.
Unter Hofrat O fr. h. das Werk mit f
„Judith bei Reinhardt. Aus Berlin wird uns geschrieben: Die Montag dem literarischen und künstlerischen Berlin gebotene Neuinszenierung von Hebbels„Judith“ im Deut⸗ schen Theater führte aus den verschiedentlichen Einleitungs⸗ klängen der zweiten Kriegsspielzeit mit einem nachhaltigen, reichen
Besser, kräftiger und reiner hätte keine Bühne den rechten Ton an⸗ zuschlagen vermocht. Wir brauchen in dieser wirren, von Anforde⸗ rungen ernstester Art nervös gesteigerten Zeit Werke von solcher Schönheit und ehernen Klarheit und Aufführungen von so edel guellendene künstlerischem Ernst. Die Darstellung des Hebbeldramas hat unzweideutig bewiesen, daß das deutsche Theater durch den Krieg nicht geschwächt oder beengt werden konnte. Reinhard“ hat sich auch diesmal so reich erwiesen wie nur je zuvor. Er spendet aus dem Ueberfluß, der niemals und nirgends die Arbeit verrät. Das mar kein Theater— es war reinste Empfindung, vollendeter Verstand und heißes Erleben. Es war keine mit„Mitteln“ ar⸗ beitende Nachschaffung des Hebbeldramas, sondern Hebbel selbst, der von der Bühne herab sprach. Die unendlich vielgestaltige Regie⸗ kunst Reinhardts erschien, im Sinne des Dichters, gebändigt, von untadeligem Rhythmus, ohne den leisesten Zwischenklang. In Farben, Linien und Tönen eine bewegte, flutende, ebbende, bis ins Letzte geformte Innerlichkeit. Die Aufführung, die mit lautem, einmütigem Dank begrüßt wurde, stand im Zeichen eines neuen Sternes: Maria Fein als Judith. Die junge Künstlerin, die bisher an der Dresdener Hofbühne tätig war, hatte mit den ersten, aus dem Herzen steigenden Sätzen ihre Stellung bestimmt. Sie ist Judith von der seinsten, zartesten Regung des Innern, bis in die Biegung des geschmeidigen Körpers, in das Zittern der Finger- spitzen Ganz sonderbar ist die Ausdrucksfähigkeit dieses Gesichts, jeder Winkel, jeder Zug wirkt und gestaltet. Der Mund formt sich in der Klangfarbe des Tones, als ob Stimme und Minenspiel Aus⸗ lösungen desselben physischen Organs seien. Diese Fähigkeiet, all⸗ Ausdrucksformen des Schauspielerischen in einen berauschenden Strom zu bannen, ist nur den ganz Großen gegeben. Wegener war Holofernes: mächtig, ehern, mit„Armen voll Blut“, ein Elementarbild der Kraft, Eroberer, Tyrann und Mensch zugleich. Seine Darstellungskraft, die sich früher manchmal mit Willen ins Brutale zu steigern schien, ist neuerdings durch eine geradezu llassische Beherrschtheit veredelt worden. Das Aeußerliche ist nur noch letztes Auswirken eines tief⸗innerlichen Feuers Schild ⸗ kraut als Daniel ein erschtterndes Bild restlos bloßgelegten Menschentums. Es war einer jener Abende, die in Herz und Kopf haften bleiben. 5 A. B.
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paul menerheim.
Professor Paul Meyerheim, der berühmte Berliner Tier⸗ und Genremaler, ist 5 Alter 8 1 9—— f 705 eines Schlaganfalls gestorben. 2 e an der mischen Aplorahut, zirr Hochdramakischen hinüber⸗— 5 die biwenden Künste— ein Ant, das er im vorigen 5. und Braunschweig nach erfolgreichem] Jahre niederlegte— übte er auch lange Zeit auf die Jugend e Frühsahr nach Darmstadt kam. Verbunden m Einfluß aus. Man kann von Meyerheim sagen, daß er zu den Organ, das edelster Tongebung und Charafteristir fähig ist, vielseitigsten deutschen Malern gehörte. Gab es doch kaum einen rtie der„Venus“ eine Tat, Zweig dikser Kunst, in dem er sich nicht betätigt hätte; seine Kunstlerin eine Krast ge.] Szenen aus dem Tierleben zeugen ebenso von guter Beobachtungs⸗ eine ganz hervorragende gabe und reichem foloristischen Können wie seine Genre⸗ und zur idee Gesangs kultur. Kinderbilder, und selbst im großformatigen Bild hat er sich e ended een lad besonder wiederholt versucht. N„Frauenchara re erkennen.„ besonders u Berlin als Sohn des geschätzten Genremalers Eduard verspricht Vera Schel pers„Kundry. in der Darmstädter Erst⸗ Wen bein am 13. Juli 1842 geboren, war Paul Meyerheim aufführung des„Parsifal“ am Sonntag, den 19. September] zuerst Schüler seines Vaters und besuchte dann die Berliner Aka⸗ Genen euere der und abgesehen von dem Eteignis diefer ente, bis ihm ein unwiderstehlicher Drang, das Leben mit seinen Erstaufführung für Darmstadt an sich. vielen und wechselreichen Eindrücken kennen zu lernen, hinaus⸗ Die zweite neue Kraft für die Darmstädter Oper ist der Helden⸗ trieb in die Welt. Nachdem er Belgien und Holland bereist hatte, tenor Josef Mann, der aus Wien kommt, als Ersatz für den ging er auf ein Jahr nach Paris, um dort den Grund zu der modern nach Bremen verpflichteten Georg Becher. Steht man ab von der realistischen Auffassungsweise zu legen, die seine späteren Bilder Modifizierung, die die neue Besetzung dieses Faches insofern er⸗ beherrschen sollte. Nach Berlin zurückgekehrt, malte er seine ersten fährt, als Josef Manns Organ stark zur lyrischer Färbung hin⸗ größeren Tierbilder, besonders aus dem Leben der Löwen und igt, so muß auch seine Erwerbung als eine recht glückliche be⸗ Affen. Bold folgten Genrebilder aus dem Volksleben, humoristische i werden, da Mann ein Künstler von eminentem technischen Szenen, Porträte, Stilleben, Dekorationen für Fest⸗ und Speise⸗ Können ist, ein Stimmgewaltiger, dem es besonders in klassischen säle, Fächer, Adressen usw., wobei sich Meyerheim sowohl der und 23 Partien gelingen wird, sich die Gunst des Darm⸗ Oel“ als auch der Aquarelltechnik bediente. Von seinen Wand⸗ städter Publikums zu erringen. Dies erwies sich auch heute] gemälden sind außer denen in der Villa Borsig in Moabit, die (Mittwoch) schon in der Aufführung des„Troubadour“, in der er] die Geschichte der Lokomotive behandeln(auf Kupfer gemalt), s„Manrico“ die Vielseitigkeit seiner stimmlichen Mittel glänzend noch die in der Nationalgalerie befindlichen, in Caseinmalerei bewährte. Gerade bei der„Stretta“ kam der pastose Glanz seines ausgeführten:„Vier Jahreszeiten im Leben der Vögel“ zu nennen, ans prächtig zur Entfaltung und der spontan einsetzende] die wegen ihrer reizenden Farbenstimmungen und humorvollen des. itums nötigte ihm eine Wiederholung ab. Frau Tarstellungsweise bel Kunstkennern und Laien viel Lob ernteten. allen en sang hier in gewohnter vortrefflicher Weise Unter seinen übrigen Bildern ragen besonders hervor:„Amster⸗
0 Kolo der„Eleonore. Jedenfalls bietet schau bamer Antiquar“,„Tierbude“(beide in urlerer Nationalaalexiel,
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gefangene im allgemeinen nicht zu Fluchtversuchen. Flüch⸗
Akkord in die Mitte voll entfalteten künstlerischen Geschehens.
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