Ausgabe 
(11.9.1915) 214. Drittes Blatt
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Surfer Sigtsmund gewohnt haben

sttegenden Granat enund das Platzen der Schrapnells wird das g Ohr nicht eher gewahr, sodaß ich mich fast wundere, wie ein Soldat 8 an die Brust faßt und seitwärts gegen eine Wand stürzt und ein

Zivilist den Arm sinken läßt und zu schreien anfängt. Die Trag⸗ bahre wird gebracht.

Die lagernden Truppen, die die Mitte des Platzes vor dem Gebäude halten, ziehen sich in eine Seitenstraße.

Ich gehe durch den Palast, der voll ist von Kunstwerken, schönen, geschmackvollen Möbeln, Bildern, Tischchen, eingelegten Schränken. Ein paar lichte Zimmer, die ganz englisch anmuten, gehören sichtlich der Hausfrau. In dem großen Empfangssaal, dessen Parkett spiegelnde Reflexe wirft, steht ein riesiger, aus⸗ gestopfter Auerstier aus dem Walde von Bielowesk. Tas Licht dringt von zwei Seiten in den Staatsraum. Dicht beim Fenster liegen zwei Rurssen. Sie liegen, als ob die Kugel sie eben ge⸗ troffen hätte, der eine hält noch das Gewehr, der andere ist vornüber wie im Sprung zum Fenster auf das Hesicht gefallen. Ein roter Streifen zieht sich auf dem Sternenmuster des Bodens.

Inzwischen sammeln sich die Truppen zum konzentrischen Vormarsch. Singend marschieren sie durch den besetzten Stadtteil. Ich gehe in das Hotel, schnell meine bestellten Bissen zu essen,

finde einen andern Tisch noch von ein paar Offizieren besetzt, und unter dem fortwährenden Dröhnen der Geschüttze wird am weißgedeckten Tischserviert. Das russische Feuer auf die Stadt hört währenddem allmählich gänzlich auf, unsere Batterien, die

jetzt am Niemen stehen, haben allein das Wort. 5

Gewehrseuer haltt herltber. Kurze Detonationen folgen in immer kürzeren Zwischenräumen. Man hört den Einschlag der

Granaten. Der Bahnhof wird gestürmt. Von den Kasernen muß

Haus bei Haus mit dem Bajonett genommen werden. Eine Helden⸗ lleistung der stürmenden Landwehrtruppen, die auf den heißen

Tag von Grodno stolz sein dürfen! a Es wird wieder dunkler, der zweite Abend in Grodno be⸗

iWas soll werden? Niemand weiß, wie weit wir sind. 1 Die Reserven stehen und warten. Geduldig, still. Auf dem Parade⸗ platz treffe ich bei dem Hin und Her, bei der Spannung, die keine Ruhe zum Sitzen oder Stehen läßt, auf den Regimentskomman⸗ deur eines ostpreußischen Regimentes. Ich hatte den Oberstleut⸗ nant in den dreckigsten Tagen vor Gumbinnen gesehen, dann beim Vormarsch, während der Winterschlacht.Ich hatte schon weimal recht, wie? ruft er mir zu.Kommste übern Hund,

mmste übern Schwanz. Im übrigen haben wir den Bahnhof und die Kasernen, unsere Truppen sind bis zum Waldrand durch.

Auf dem Wege höre ich, daß das Gouvernementsgebäude brennt. Ich mu ßdoch vorbei. Ein dünner Wasserstrahl plütschert auf einen Flügel, der leicht glimmt, viel Gefahr scheint nicht u seln.

7 Die Straße am Bahnhof entlang liegen die russischen Toten. Von den Kasernen her flammt immer neuer 2 auf. Es riecht nach Brand und Blut. Man kann in dem Wirrwarr von Eisenteilen, Drähten, Uniformen, Gewehren nicht mehr weiter, zumal die Dunkelheit bald alle Umrisse verschluckt. Durch die dunklen, menschenleeren Straßen stolpere ich in die Stadt zurück, die wir nun fest und ganz besitzen. Ein Offizier sagt mir, daß Fort V und VII seit zwei Stunden gefallen sind. i Aber die Stadt scheint zu brennen. Aus der Mitte steigt roter Qualm hoch. Das Gouvernementsgebäude brennt jetzt in hellen lammen. Funkengarben fliegen prasselnd zum Himmel, der größte

1 des Schlosses ist ein Flammenmeer Ein paar Soldaten stehen a und sehen in das Funkenspiel. An einem der kleinen Häuser auf g der andern Seite des Platzes sitzt ein Landwehrmann auf der Schwelle. Er spielt unbekümmert um alles, was um ihn vorgeht, Mundharmonika.

Ach, wie ist's möglich dann,

Daß ich dich lassen kann,

Hab' dich von Fe zen gern,

Das glaube mir Sein bärtiges Gesicht, vom roten Schein überleuchtet, ist ganz verklärt und verfunken, und nach dem wüsten und harten Tag klingt mir der Abend in dem weichen Ton des Volksliedes aus.

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soll. Das Heulen der über⸗J Noch im Halbschlaf sehe ich das gute tüchtige deutsche Geficht,

das die Welt vergißt und die Schwere und die Not in Gedanken an zu Hause. Für die ward Grodno erobert, für die gehts weiter, immer weiter, und Heimweh und Siegesfreude mischen sich zu zitterndem Ton. In den ersten Halbschlaf aber dröhnen schon wieder die harten taktsesten Schritte der vorbeimarschierenden Regimenter, die kein Ende nehmen wollen.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

wandern und Reisen, Bäder und Sommerfrischen.

In Jugenheim an der Bergstraße bietet das Pensionat Waldhaus in herrlicher Waldlage, geschützt, nach Süden offen gelegen, Herbsterholungsgästen einen angenehmen Aufenthalt. Die wunderbare Laubfärbung und der sich zum Schlafen vorbereitende Wald wird auf empfindsame Nerven, welche durch das Kriegsgetüm⸗ mel erregt sind und der friedlichen Eindrücke bedürfen, einen heilen⸗ den Einfluß ausüben. Im Vordergrunde stehen noch die herrlichen Früchte des Weines zur Traubenkur neben der bekannt guten Ver⸗ Hlegung.

Nirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde. Sonntag, den 12. September, 15. nach Trinitatis.

Gottesdienst. a In der Stadtkirche. ö Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Mahr.* Zugleich Christenlehre für dieNeukonfirmierten aus der Matthäusgemeinde. Vormittags Uhr: Pfarrer Schwabe. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Mittwoch, den 15. September, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde.

Pfarrer Schwabe. Am künftigen Sonntag, den 19. September, findet Beichte und

heiliges Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam statt. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. 1 In der Johanneskirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukas gemeinde. 8

Vormittags Uhr: Pfarrer Aus feld.

Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und Johannes⸗ gemeinde. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Vo.

ttags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Aus feld

wartburg, evangelischer Junglings⸗ und Männer⸗bereln. (Diezstraße 15.) Sonntag, den 12. September: Vortrag. Dienstag, den 14. September, abends Uhr: Bibelstunde. Donnerstag, den 16. September, abends 85 Uhr: Leseabend. Samstag, den 18. Sept., abends 8 ¼ Uhr: Aeltere Abteilung. Gäste stets willkommen. Bibelkränzchen für Schüler höherer Lehranstalten. Für die jüngere Abteilung jeden Mittwoch von 67 Uhr, für die ältere Abteilung jeden Samstag von 67 Uhr im Johannessaal. Bibelkränzchen für Mädchen aus der Johannesge meinde. Jeden Dienstag von 67 Uhr im Johannessaal.

Cvangelischer Gottesdlenst.

Sonntag, den 12. September, vormittags 10 Uhr. Vormittags 11 Uhr: Christenlehre für die männ⸗ liche Jugend.

Lollar: Sonntag, den 12. September, nachmittags Uhr. Daubringen: Mittwoch, den 15. September, abends Uhr: Kriegsbetstunde. Dekan Guß mann.

Kirchberg:

vom 11. Februar 1888, fordere ich

der Anmeldung sind die Aus musterungsscheine

.

e e Katholische Gemeinde. 77 5 Gottesdienst. 8 5

Samstag, den 11. September: 8 Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr Gelegenheit

zur heil. Beichte.

Sonntag, den 12. Sept, 16. Sonntag nach Pfingsten⸗

Jest Mariae Geburt.

Vormittags Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.

um 7 Uhr: Heil. Messe.

um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion

um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.

um 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt. darauf Muttergottes-

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Nachmittags um 2 Uhr: Christenlehre; Andacht mit Segen. Dienstag und Freitag abend um 8 Uhr ist Kriegsbittandacht.

Diaspora⸗Gottesdienst. a Sonntag, den 12. September: 5 Grünberg um Uhr. n Hungen um 9˙½ Uhr. In Lich um 8 Uhr.

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung. Betr.: Aufruf der im Frieden alsdauernd untauglich! Aus⸗ gemusterten.

Auf Grund des Gesetzes zur Abänderung des Rei ilitär⸗ gesetzes sowie des Gesetzes, betreffend Aenderungen der licht 8 hiermit alle in der Zeit vom 8. September 1870 bis 31. Dezember 1895 geborenen, als dauernd untauglich ausgemuster⸗ ten Personen auf, sich in der Zeit vom 16. bis zum 18. September 1915 bei der Bürgermeisterei ihres Wohn ortes zur Aufnahme in die Landsturmrolle Bei

(gelben Scheine vorzulegen. 5 85 Nichtanmeldung hat Bestrafung nach den Militärgesetzen zur Folge.. Gießen, den 10. September 1915. Der Zivil vorsitzende der Ersatz⸗Kommission des Kreises Gießen. 5 J. V.: Hemmerde.

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Betr.: Wie oben. An den Oberbürgermeister der Stadt Gießen und an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Obige Bekanntmachung wollen Sie sofort in üblicher Weise mehrmals bekannt geben lassen und die Anmeldenden in sturmrollen aufnehmen. Das Formular zu letzteren kann von der C. F. Winterschen Buchdruckerei in Darmstadt bezogen werden. Die Landsturmrollen sind jahrgangsweise also für jeden Jahr⸗ 1. besondere Liste und möglichst in alphabetischer Reihen⸗ ge anzulegen. Die Listen müssen am 19. September hier eintreffen. Gießen, den 10. Sept 1915, 0 Der e Ersdtz⸗Kommission des Kreises Gießen.

V.: Hemmerde.

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Aus Anlaß der Auflegung der dritten Kriegsanleihe findet

Dienstag, den 14. Sept. 1915, abends 8

. g in der neuen Aula (Eingang von der Ludwigstraße oder Goethestraße)

Oeffentliche bersammlung ie neue Kriegsanleihe.

1. Vortrag des Herrn Professor Dr. Skalweit: 1 1

Warum zeichnen wir die Kriegsanleih f 2. Schlußwort: Herr Oberbürgermeister Keller.

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