Ausgabe 
(10.8.1915) 186. Zweites Blatt
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Blatt

DieGießener Famllienblätter werden dem *Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Ureis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

165. Jahtgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Gberhessen

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dienstag, 10. August 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrist

leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Eisenbahner im Felde.

Die gewaltig angelegte November-Offensive der Russen war 5 25 Stehen gekommen. Zerschellt war die Brandung an der ehernen Mauer unserer] Truppen. Bereits machten sich an der russischen Front Schwierigkeiten in der Versorgung mit Munition und Ver⸗ pflegung bemerkbar, nicht eben zum kleinsten Teil veranlaßt durch f 15 von den ee Gründlichkeit vorgenommenen Zerstörungen der russischen Bahnkörper. Es war hier ein Vernichtungswerk geschehen, wie es in solcher Ausdehnung noch niemals vorgenommen wurde, Das beste Zeugnis für die Güte der geleisteten Zerstörungsarbeit waren die Berichte des russi⸗ schen Generalstabes selbst, die die Vernichtung der Eisenbahnen als Grund für das Mißlingen der russischen Offensive

5 en. Im Augenblick des Stillstandes der russischen Vorwärtsbewe⸗ gung setzte auf deutscher Seite eine Umfassungsbewegung ein, die e des Feindes gerichtet war und ihn zum Weichen zwang. Unaufhaltsam drängten unsere Truppen dem an Zahl immer noch gewaltig überlegenen Feinde nach. Nur schwer aber vermochten die deutschen Munitions- und Proviantkolonnen 5 1 den immer schlechter werdenden Wegen den Heeressäulen zu

Ben a

Hier konnten nur Eisenbahner helfen. Die Bahnkörper aber waren noch von uns so gründlich zerstört worden, daß die Russen, abgesehen von einigen schwachen Notbauten, es nicht fertig gebracht hatten, sie wieder herzustellen. Nun erhielten unsere Eisenbahn⸗ baukompagnien den Befehl, die eben erst von ihnen auf Monate binaus zerstörten Linien in wenigen Wochen eiliger aber doch gründlicher Arbeit wiederherzustellen. Bei dem geregelten Material⸗ nachschub aus Deutschland ging die Arbeit anfangs glatt von statten Bald aber sperrte auf einer der wichtigsten Linien eine große Brücke, bei der Träger, Ufer⸗ und Pfeilexauflager gesprengt waren, nachhaltig jede Eisenbahnverbindung. Wenn auch damals starke Mannschaftsbestände an Eisenbahntruppen im Felde waren, wurden sie doch überall gebraucht, so daß zunächst nur 2255 Kompagnie für diesen Brückenbau zur Verfügung stand. In rastloser Arbeit, bis zu 16 Stunden täglich, bei schlechten Witte⸗

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rungsverhältnissen, begannen sie das umfangreiche Werk, unter⸗ 50

6 91 durch geübte deutsche Zivilarbeiter. Wenn auch alle Mittel er Technik angewendet wurden, wie beispielsweise elektrisch an⸗ getriebene Gatter⸗ und Kreissägen, Schraubenschneide⸗ und andere Werkzeugmaschinen, elektrische Beleuchtung der Baustelle, so ergab sich dennoch bald die Notwendigkeit, eine zweite Kompagnie heran⸗ zuziehen. Diese übernahm die Nachtarbeitsschichten, so daß die füberaustrengte Kompagnie ihre Tagesschichten verkürzen konnte. Jetzt stieg die Arbeitsleistung bedeutend. Aber die Nachtarbeit war schwer, eine Woche lang sahen die Leute die Sonne nicht, Regen, Schnee, Glatteis im Verein mit der Dunkelheit erschwerten ihnen ihre Tätigkeit. Da wurde manch stille Heldentat vollbracht! Jeder Fehltritt auf dem unfertigen Bauwerk hatte den Sturz in die Tiefe zur Folge, auf den hartgefrorenen Boden oder in die schwarze Flut, die unten dahinrauschte. Aber in dem Bewußtsein, daß das deutsche Heer warte, wurden alle Fährlichkeiten der Arbeit, die Unannehmlichkeiten der mangelhaften Unterbringung und kargen Verpflegung gern und freudig getragen. Es währte nicht allzu lauge, und die Züge rollten über den Fluß und machten eine große Anzahl von Fuhrparklolonnen für die weitere Ver⸗ sorgung des Heeres frei. Noch bevor die Strecke vor der Brücke fahrbar war, mußte die eine Kompagnie aufbrechen, um den regelmäßigen Bahnverkehr im Vorgelände vorzubereiten. Sie durfte die Fertigstellung des Bauwerks nicht abwarten. Anstrengende Marschtage für die Truppe, die das 1 derart gewöhnt war, wie die Infanterie, und das Mitführen von Werkzeug sehr behindert war, folgten. Auch waren nur wenige Tage am neuen Wirkungsort Zeit 5 um Strecke, Bahnhof und Brücken wieder herzustellen. Da hieß es schnell schaffen, zumal das Weihnachtsfest nahte,, an dem die Züge den Truppen die Weihnachtssendungen zuführen sollten.

Leider war kein Weihnachtswetter, Regen und arger Schmutz Herschwerten die Arbeit und den Marsch zu den Baustellen. Vor dem eigentlichen Beginn der Tätigkeit waren umfangreiche Aufräu⸗

ungsarbeiten erforderlich, da die Russen ihre Notbrücken zerstört hatten. Letztere waren allereinfachster Art gewesen. Aus Neben- gleisen entnommene Schwellen hatte man zu großen Stapeln aufgebaut und darüber Bündel von Eisenbahuschienen gelegt, um ie Zwischenräume zu überbrücken. Beim Rückmarsch hatten die Russen die Schwellen angezündet, wodurch ein Trümmerhaufen 5 standen war. Ein förmliches Gespinst von krummgebogenen Eisenbahnschienen bedeckte die verkohlten Holzreste, so daß die * Aufräumung des Bauplatzes arg erschwert war. Durch die Schutt⸗ haufen hatten sich auch knietiefe Anstauungen der in Rußland sandesüblichen Schlammströme gebildet, so daß man zunächst nicht 1 sehen konnte, wohin die Fundamente der Bauwerke zu egen waren. Doch schritten Aufräumungs- und Bauarbeiten rasch fort. Der heranrückende Heilige Abend gebot erneute Eile. Die Die Rokitno⸗Sümpfe. a

Immer näher rückt der Gang der Ereignisse den Kriegs⸗

i im Südosten an jenes ausgedehnte und merk⸗

würdige Gebiet heran, das bei uns unter dem Namen

der Rokitno⸗Sümpfe bekannt ist. In Wolhynien, wo die verbündeten Truppen auf dem östlichen Bugufer Fuß gesaßt

5 drängen sie die Russen langsam dem großen Sumpf⸗ lande entgegen. Es erstreckt sich dessen Zone auch über den

Bug hinaus westlich, so daß auch die von Cholm und

bartow zurückweichenden russischen Heere mit dem Ein

te in ein Sumpfgelände rechnen müssen, das eigentliche sammenhängende Sumpfgebiet der Rokitno- Sümpfe

das die Russen mit dem Namen des Waldlandes,

je, zu bezeichnen pflegen, liegt jenseits des Bugs. beiläufig die Form eines Dreiecks, das durch die BrestLitowsk, Kiew und Mohilew gebildet wird; größte Stadt im engeren Sumpfgebiete selbst ist Pinsk, wonach das Sumpfland in der russischen Literatur wohl auch als dieSümpfe von Pinsk bezeichnet wird. Wer mit einer der wenigen Eisenbahnen, die durch dieses Sumpf⸗ biet führen, es durchschneidet, dem bietet sich ein eigen⸗ tümlicher Anblick, der bei aller Eintönigkeit einer gewissen

5 en nicht entbehrt. Kilometer nach Filometer läuft der Zug durch Sumpfurwald, wo nur hier und da einmal

eine Baueruhütte auf menschliche Bewohner hindeutet, wäh⸗ rend sonst das Gebiet völlig unbewohnt und verlassen er⸗

scheint. An den Bäumen bemerkt man in größerer Zahl

Bienenkörbe, deren Pflege der Bauernschaft obliegt. Die 1 5 Regierung hat etwa seit dem Jahre 1873 diesem

riesigen Gebiete ihre Aufmerksamteit zugewandt. Es ist

zuerst 9 ftlich aufgenommen und untersucht worden, und im A usse wurden Entwässerungsarbeiten g men, die sehr erhebliche Ergebnisse gezeitigt ha⸗ Poleßje hat nach der wissenschaftlichen Aufnahme

en die einer flachen Schütssel mit gehobenen

en südlichen Rand bildet jene podolische Platte,

Kompagnie konnte am Christabend selbst um 4 Uhr zu einer kleinen Feier abrücken. 5 5

Diese Weihnachtsfeier im Feindesland war eindrucksvoll genug. Bei Fackelschein versammelten wir uns im Hofe einer verlassenen Fabrik. Vergessen waren Schmutz und Regen, Krieg und Feindesland. Der Kompagnieführer leitete in einer An⸗ sprache, die er hielt, unsere Gedanken in die Heimat. Dann wur⸗ den Weihnachtslieder im Chor gesungen und draußen stand die polnische Bevölkerung und lauschte. ö

Ein glücklicher Zufall brachte es mit sich, daß gerade zu dieser Zeit der erste Zug auf der neuen Strecke einlief und die Post für die Kompagnie mitbrachte. Fast jeder erhielt sein Päckchen aus der Heimat, und deutsche Gutmütigkeit gab natürlich auch der armen Bevölkerung, besonders den Kindern, beinahe zu reichlich ab. Am nächsten Morgen wurden die angefangenen Bauten rasch vollendet, der Weihnachtsgottesdienst des deutschen Militärpfarrers besucht. Der Heimkehrenden wartete ein neuer Bauauftrag. In Eile wurde das Werkzeug verpackt, die Mannschaften zusammen⸗ gezogen und alles für den Abmaxsch vorbereitet. Das Wetter hatte sich inzwischen weiterhin verschlechtert, es regnete die ganze Nacht hnidurch, es regnete auch am Morgen beim Abmarsch. Alle Slraßen waren mit tiefer Schlammschicht überzogen. Schwer⸗ fällig setzten sich die Gerätewagen in Marsch; sie waren diesmal besonders stark belastet, da alles zum Bau Erforderliche mit⸗ genommen werden mußte. Ein Heranführen mit der Bahn war ausgeschlossen, da die Fortsetzung der Strecke noch nicht fertig war. Immer schlimmer wurde das Wetter, immer grundloser der Weg, und dort, wo Seitengräben fehlten, stand der Schlamm bis an die Wagenachsen. Man kann sich in Teutschland schwer von solchen Wegen eine Vorstellung machen. Zum Regen war noch Schnee getreten, den ein scharser Wind der Truppe ins Gesicht blies. Mehrfach mußte entgegenkommenden Kolonnen ausgewichen wer⸗ den. Die Felder neben den Wegen waren durchweicht und setzten ihren zähen Lehm an den Stiefeln sest. Dann führte der Weg über das Schlachtfeld; er war stellenweise von Granaten aufgerissen. Die Kolonne blieb hoffnungslos stecken, wohl oder übel mußten. wir die Wagen erleichtern und eine Wache bei dem zurückbleibenden Gerät hinterlassen, das in einem abgebrannten Gehöft unter⸗ ebracht wurde. Die Russen hatten den ganzen Ort, der von deut⸗ schen Ansiedlern bewohnt war, Haus für Haus angezündet. Ein Deutscher, der mit Frau und Kindern in einem leeren Kartoffel⸗ keller hauste, erzählte, daß die Russen alle Vorräte wegschleppten, und sich dann entfernten, nachdem sie den Leuten befohlen hatten, zu Bett zu gehen. In der Nacht kamen sie zurück und zündeten lautlos alles an, so daß die Bewohner, die nicht verbrannten, nur das nackte Leben retteten. Doch weiter ging es vorwärts, um an dem Bestimmungsort noch bei Tage anzukommen; zum Abkochen und Essen war keine Zeit. Mit Einbruch der Dunkelheit wurde der Bahnübergang erreicht, an dem ein Posten stehen sollte, um die Truppe in die Quartiere zu führen. Der Posten aber war nicht da, der schlechte Weg hatte die Quartiermacher aufgehalten. Die Truppe machte Halt, und im Dunkeln mußte der Führer an der teilweise zerstörten Bahnstrecke entlang reiten, um die Quartiermacher zu suchen; ein gefährlicher Weg, bei dem noch dazu Eile geboten war mit Rücksicht uf die wartenden, frierenden und hungernden Leute. Zum Glück gelang es, die Quartiermacher aufzufinden, die ermüdeten Mannschaften konnten die Quartiere beziehen. In der Nacht noch wurden die Bagage⸗ und Ger itewigen zusammenge⸗ zogen. Am nächsten Morgen wurde das Werk der Wiederher⸗ stellung der zerstörten Gleisanlagen in Angriff genommen. Russen hatten beim Abzug eine große Zahl der Konstruktions⸗ teile vergraben, da es ihnen an Sprengmunition gefehlt hatte. Der Findigkeit der Eisenbahner gelang es, die verscharrten Teile an allen möglichen Orten ans Licht zu fördern und diesem, Umstande war es zu danken, daß der Bahnhof nach ganz kurzer Zeit fahrbar wurde. Bald konnte es deshalb weiter gehen bis an den letzten Bahnhof vor der feindlichen Linie. Es war wieder ein böser Marsch, jedoch glich er an Schwierigkeit nicht dem eben beschriebenen. Der Endbahnhof wurde nun in Winterzeit, da Eisenbahnbauten nur schwer möglich sind, mit ganz beson derer Sorgfalt wieder hergestellt und die bestehenden Gleis lagen bedeutend erweitert: Die Versorgung der nun still⸗ liegenden Truppen mit allen Winterbedürfnissen erforderte ein große Zahl an Zügen und Aufstellungsgleisen. Nach allen Rich⸗ tungen wurden Kommandos entsandt, um Verbesserungen und Wiederherstellungen der Bahnanlagen und Brücken vorzunehmen und um ein neues Vorgehen im Frühjahr vorzubereiten. Auch die Quartiere wurden ausgebaut, die technisch gut vorgebildeten Eisenbahner stellten Wasserstationen, Lichtanlagen, sowie Des infektions- und Badeanstalten her, um den Gesundheits der Truppen auf der Höhe zu halten. Solche Friedens lähmte aber den Geist der Truppen durchaus nicht; als die Frühjahrsoffensive einsetzte, stürmten mit unserer Infanterie auch die Eisenbahner voran, immer den marschierenden Truppen auf den Fersen, oft genug bis in den Bereich des feindlichen Feuers hinein. Bei allen neuen Strapazen und Mühen aber blieb die

eine Art Vorland des Karpathengebirges bezeichnet werden kann. Von dieser Höhe herab läuft eine Anzahl von Flüssen dem Pripet zu, dem bekannten Nebenflusse des Dnjepr, der den Hauptwasserlauf der Rolitno-Sümpfe bildet. In ihrem Oberlaufe sind die Flüsse, die von der podolischen Ebene dem Pripet zuströmen, Gebirgsflüsse mit starkem Gefälle; sobald sie aber die Ebene erreichen, stockt das Ge fälle und der Lauf ihrer Wässer. Der Pripet selbst hat in dem Sumpflande seinen Ursprung. Nur eine kleine Schwel lung trennt sein Quellgebiet vom Bug, während wiederum das Quellgebiet seiner linksseitigen Nebeuflüsse so eng mit dem des Njemens verquickt ist, daß in der nassen Jahres- zeit die beiden Quellgebiete ineinander übergehen. Schließ⸗ lich gehört auch noch der Unterlauf des weltgeschichtlich belannt gewordenen Beresina zum Sumpfgebiete der Po⸗ leßje, die somit ein dichtes Netz langsamer Wasserläufe aufweist.

Was nun die Oberflächengestaltung des Sumpflandes betrifft, so wechseln höher gelegene, sandige, und tiefer ge legene, sumpfige Strecken miteinander ab. Die geologische Untersuchung hat erwiesen, daß nach einer Reihe von mannigfaltigen Schichten schließlich eine für das Wasser un⸗ durchlässige Schicht folgt, die natürlich eine Schwierigkeit für die Wasserabfuhr bildet. Liga kommt nun, daß, wie gesagt, die Zuflüsse des Pripet, sobald sie in die Niederung eintreten, ihr Gefälle verlieren und insolgedessen Ueber schwemmungen bilden. Die Schneeschmelze in Wolhynien tritt gewöhnlich im Februar und März ein, also in einer Jahreszeit, wo die Sümpfe der Poleßje noch fest zugefroren sind. Da wird das Eis nun wie ein Rückstau und verwandelt weite Gebiete in einen einzigen großen See. 1

Auf Grund der angestellten Erhebungen wurde im Jahre 1874 mit den Entwässerungsarbeiten be⸗

onnen. Ursprünglich betrug der Umfang des gesamten umpfgebietes 8720000 Hektar, wovon nur knapp ein Viertel als anbaufähiges und bewohnbaxes Gebiet diente. Wirklicher Sumpf waren damals 6540 000 Hektar und hier⸗

nein fortsetzt, und die als

von wieder war etwa die Hälfte Sumpfurwald. In welchem

Erinnerung an jene schweren Wintertage wach, die an Kraft und Hingebung das Letzte von den Truppen verlangt, sie aber auch geschult hatten, kommenden Anforderungen mit Gleichmut ent⸗ gegenzusehen. 0

Aus dem Reiche.

Berlin, 9. Aug. Von beteiligter Seite wird uns mitgeteilt: Sowohl die Interessen der Lan d w irt⸗ schaft als auch die Erfahrungen, die in verschiedenen Genefungsheimen gemacht wurden, ließen es seit einiger Zeit wünschenswert erscheinen, in Erwägung zu ziehen, o nicht genesende Soldaten in größerer Zahl zur Erntehilfe, namentlich auch zur Obsternte herangezogen werden könnten. Die darüber angestellten Untersuchungen haben zu günstigen Ergebnissen geführt. Das Kriegsministerium hat die dorthin gelangten Anregungen weiter verfolgt und im Verlaufe der Angelegenheit vor kurzem die stellvertretenden Generalkommandos darauf hin⸗ gewiesen, daß gegen eine Beurlaubung genesender Soldaten aus den Lazarekten zur Erntehilfe, insbesondere bei der Obsternte, unter bestimmten selbstverständlichen Bedingun⸗ gen nichts einzuwenden sei. Im Zusammenhang damit soll auch gestattet werden, daß für solche Zwecke Mannschaften beurlaubt werden, die als nur arbeitsverwendungs fähig zu den Ersatztruppenteilen entlassen sind. Natürlich wir! für die Auswahl derartiger Soldaten die ärztliche Entschei⸗ dung maßgebend sein. Auf der anderen Seite sprechen inter⸗ essierte Kreise die Hoffnung aus, daß die Durchführun 1 dieser Beurlaubungen im Benehmen der Militärbehörden mit den öffentlichen Arbeitsnachweisen und Landwirtschafts 3 kammern so sehr beschleunigt werden, um noch vollen Nutzen 3 für unsere Ernte daraus zu ziehen. 1

Berlin, 10. Aug. Zu dem heutigen 85. Geburtstage des Fürsten Henckel von Donnersmarck heißt es in derVoss. Itg.: Wenn der Fürst auch, von der vor übergehenden Betätigung während des deutsch⸗französi⸗ schen Krieges abgesehen, keine amtliche Stellung bekleid 5 so ist doch sein Einfluß ein außerordentlicher gewes Im deutschen Wirtschaftsleben hat sich der oberschlesisch Großgrundbesitzer in umfassender Weise betätigt. An zah reichen industriellen Werken ist er hervorragend beteiligt. Daneben hat er auch im politischen Leben eine Rolle g spielt. Mit dem ersten Kanzler war er befreundet. Seit 1886 gehört er dem Herrenhause an und ist auch Mitglied des Staatsrates. 5

Aus Bessen. N

rb. Darmstadt, 9. Aug. Die Erste Kammer de Landstände hielt heute vormittag in Gegenwart mehrer Regierungsvertreter unter dem Vorsitz des ersten Vize⸗ präsidenten Fürsten Leiningen eine vertrauliche Be⸗ sprechung ab, die sich bis 23 Uhr nachmittags ausdehnte. Den Gegenstand der Besprechung bildeten die jüngst auch von der Zweiten Kammer näher erörterten Fragen all⸗ gemein finanz- und W Art. Insbes dere wurde über den zu bildenden Kriegsausschuß handelt. Man sprach sich in längerer Verhandlung im allgemeinen dahin aus, daß es angezeigt sei, in ein solchen von der Regierung einberufenen Kriegsausschuß auch die Erste Kammer durch Mitglieder vertreten sehen. Am Nachmittag fand noch eine bis gegen 6 Uhr dauernde Sitzung des Finanzausschusses statt, in der man sich dem Ersuchen der Zweiten Kammer an die Regierung auf Vorlegung eines förmlichen Staats voranschlags für das Etatsjahr 1916 anschloß. Ausschuß erklärte auch sein Einverständnis damit, daß Kredit von acht Millionen, der der Regierung behufs Un stützung von durch den Krieg notleidend geword Städten und Kommunalverbänden eingeräumt wurde, zum Zusammentreten der Landstände dem Bedürfnis sprechend überschritten werden darf.

0 f Das Beste zur Zahnpflege

Odol

Maße die Kanalisierung nun das Sumpfgebiet umgesta und verbessert hat, das ergibt sich aus der Tatsache de dadurch über 2½½ Millionen Hektar Landes trocken ge und anbaufähig gemacht wurden. Von dem verbleibe b Sumpfgebiete wurde ein erheblicher Teil noch in Wiesen verwandelt, und so hat sich schließlich der Umfang d 5 Poleßje-Sumpfes auf 2644000 Hektar verringert, wodurch auch der Wirtschaftswert des Sumpfgebietes sich um etwa das Sechsfache gesteigert hat. Trotz dieser großen E wässerung bleibt die Poleßje noch immer das gewaltig Sumpfgebiet, das Europa kennt und noch immer sind nur wenige Wege, die durch das Sumpfland führen zu deren Seiten vielfache Gefahren lauern. a *

Die Not des englischen Musikalien bank In derDaily Mail fand sich kürzlich eine Zuschret. die Notlage Klage geführt wurde, in der sich der englische lalienhandel gegenwärtig befindet. Sie ist die Folge der Gefangen setzung vieler erfahrener Notenstecher, unter denen sich 1 Deutsche befinden. Gerade in diesem Geschästszweige wurden von Alters die Deutschen in weitent Maße in London beschäftt

ters die n aße in London beschäftigt. Der Briefschreiber erlaubte sich nun die bescheidene Frage, warum man eigentlich diesen deutschen Arbeitern nicht erlauben sollle, ihren Beruf auch in den Gefangenenlagern auszultben wodurch sie Geld für ihren und ihrer Familie Unterhalk verdienen gu⸗ gleich aber auch den englischen Verlegern und Tonsetzern helfen j würden, ihre Werke zu veröffentlichen. Als Antwort auf dieso Juschrift erschien in demselben Blatte wenige Tage später ein Brief von einem Herrn Churchill Sibley, der sich als Doktor der Musik bezeichnet(sollte er ihn am Ende in Deutschland ge⸗ macht haben 9). Darin hieß es, daß der Vorschlag, daß den ver brechenhesuldelten, verächtlichen Hunnen je wieder erlaubt werden soll, sich in britische Unternehmungen mnsikalischer oder anderer Natur einzumischen, sicher als verruchte Narrheik anzusehen seit werde.Die Hunnen können den HerrnMus. Doc nur bitten, sich fortab aller und jeder Einmischung in mufftalisch gelegen⸗ heiten Deutschlands und aller Beschäftigung mit deutsche Hu musik zu enthalten sie müßten eine solche von seiner Seit eine verruchte Narrheit ansehen.