Ausgabe 
(3.8.1915) 180. Zweites Blatt
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Sweites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. 5

DieGießener Familienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

ü 105. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Dienstag, 3. August 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S 51, Schrist⸗

leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Die Argonnenkämpfe vom 20. Juni bis 2. Juli.

III, Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben:

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In den Tagen vom 21. bis 29. Juni machten die Franzosen fast käglich Versuche zur Wiedereroberung ihrer Stellungen. Sie überschütteten die deutschen Truppen in den neu eroberten Gräben Dag und Nacht mit einem Hagel von Granaten und Minen, setzten ihre Infanterie immer wieder zum Gegenangriff an, übergossen am 28. und 29. Juni mehrere unserer Gräben mit einer brennen⸗ den, ätzenden Flüssigkeit, alles vergebens, die am 20. Juni ge⸗ wonnen Stellungen blieben fest in der Hand der Deutschen.

So kommt der in der Geschichte der Argonnenkämpfe denk⸗ würdige 30. Juni heran: Die Erstürmung der französischen Haupt⸗ stellung von Labordere bis zur Eselnase.

Am Abend des 29. Juni sind die letzten Vorbereitungen beendet.

In gleicher Weise wie am 30. Juni beginnt bei Tagesgrauen das Feuer der Artillerie. Diesmal sind die Verhältnisse günstiger fütr das Sturmreifmachen der feindlichen Stellungen: die Werke Central, Eimetisre, Bagatelle und die Stützpunkte auf der Esels⸗ nmase, dem Storchennest und der Rheinbabenhöhe liegen offen da: der Wald ist in dieser ganzen Gegend unter dem monatelangen. Feuer⸗ und Bleihagel fast völlig verschwunden. Dementsprechend kann das vereinigte Feuer der Batterien und aller Arten von Minenwerfern planmäßig eine Anlage nach der anderen zerstören und eine Verwüstung anrichten, die sich gar nicht beschreiben läßt. Noch am späten Abend und nächsten Tage machen die Gefangenen, die stundenlang in dieser Hölle haben aushalten müssen, einen ganz gebrochenen und geistesabwesenden Eindruck. Alte Unteroffiziere und Offiziere versichern, dieses Artillerie⸗ und Minenfeuer in den

frühen Morgenstunden des 30. Juni sei das furchtbarste Erlebnis des ganzen Feldzuges gewesen. Ein großer Teil der französischen Gräben wird vollständig eingeebnet, Unterstände und Blockhäuser liegen voll von Toten, mehrere Handgranaten⸗ und Minenlager fliegen in die Luft, Minenstollen und unterirdische Unterkunfts⸗ räume werden verschüttet und begraben ihre Insassen unter den Trümmern. Trotz dieser schwierigen Lage halten die Besatzungen der vordersten französischen Gräben stand; wer nicht fällt, bleibt auf seinem Platz am Maschinengewehr oder an der Schießscharte bis zum allerletzten Augenblick, bis die Deutschen im Graben sind und nur noch die Wahl zwischen dem Tode oder der Gefangennahme bleibt. Jeder deutsche Soldat, der da vorne mitgemacht hat, erkennt es mit ehrlicher Hochachtung an: Die Franzosen haben sich brav geschlagen!

Nach der letzten äußersten Feuersteigerung beginnt um 8 Uhr 45 Minuten vormittags der Sturm. Nicht wie zu Hause auf dem Exerzierplatz mit vorgehaltenem Bajonett stürzten die Sturm⸗ kolonnen vor, sondern zum größten Teil mit umgehängtem Gewehr, in der Rechten einige Handgranaten, in der Linken wie die alten Germanen den Schutzschild(allerdings nicht aus Bärenhäuten, son⸗ dern aus Stahl), vor Mund und Nase eine Maske zum Schutz

sen das giftige Gas der französischen Stinkbomben. Der Sturm

ingt gut: In kaum einer halben Stunde ist das ganze Central⸗

und Cimetisre⸗Werk genommen. Eine Kompagnie des Infanterie⸗ Regiments Nr. 124 stürmt noch weiter über die zweite Linie hinaus und folgt den weichenden Franzosen bis hinab auf den in das Biesme⸗Tal abfallenden Berghang. Als der tapfere Kompagnie⸗ führer, Oberleutnant Bertsch fällt, übernimmt Offizierstellvertreter Jaeckle das Kommando. Kur seiner Umsicht ist es zu verdanken, daß die Kompagnie nicht abgeschnitten wird und sich noch recht⸗ zeitig auf die neue ung des Regiments zurückziehen kann. Ebenso schnell ist die 1. und 2. Linie des Bagatelle⸗Werks der sogenannte schwarze und rote Graben, das Storchennest und die Stellung am Osthang der Eselsnase in deutschem Besitz. Der Hang, der aus dem Charme⸗Bachtal nach Westen zur Eselsnase hinansteigt, ist so steil wie der rote Berg bei Spichern. Das, was

Sturm über den Charme⸗Bach auf diese Höhe unter dem flankierenden Maschinengewehrfeuer vom St. Hubert⸗Rücken her die unvergleichlich tapferen Bataillone des Königs⸗Infanterie-Regi⸗ ments 145 geleistet haben, wird für alle Zeiten ein Denkstein für deutsche Angriffskunst und Todesverachtung bleiben.

Hinter dem Bagatelle-Werk machen die stürndenden Truppen vor einer neuen starken Stellung des Feindes, demgrünen Graben, vorläufig Halt. Hier wird der Wald wieder dichter. Auf der ganzen Front wird die vorübergehende Gefechtspause zum eiligsten Ausbau der neugewonnenen Linien und zum Nachführen von Maschinengewehren und Munition benutzt. Zu dieser Zeit greifen nun auch die auf der Rheinbabenhöhe und weiter südlich

auf dem St. Hubert-Rücken liegenden deutschen Truppen zum Teil aus freiem Entschluß den Feind an. Dasselbe geschieht nachmittags auf dem rechten Flügel der Angriffsgruppe: Hier er⸗ stürmen unter Führung des Leutnants Schwenninger württem⸗ bergische Freiwillige den Teil des Labordère-Werks, der am 20. Juni noch in Händen der Franzosen geblieben war. Die Franzosen setzten sich mit Zähigkeit und Widerstandskraft zur Wehr. Besonders heftig enbrennt der Kampf am Südwesthang der Rhein⸗ babenhöhe guf dem St. Hubert-Rücken. Hier gehen am späten Nach⸗ mittag die Franzosen mehrmals zum Gegenangriff über. Ganz besonders zeichnen sich bei diesem heißen Ringen die Vizefeldwebel Schäfer und Reinartz der 4. Kompagnie Infanterie-Regiments Nr. 30 aus, die zusammen mit wenigen Leuten im Madame-Bach⸗ Tal die starke Besatzung eines französsschen Blockhauses im wütenden Handgranatenkampf vernichten. Es ist unmöglich, alle Heldentaten dieser blutigen Kämpfe aufzuzählen, da eigentlich jeder Einzelne, der beteiligt war, ein Held ist. Ebenso wie stets früher, tun sich auch diesmal wieder ganz besonders die Pioniere durch glänzenden Schneid und Gewandtheit hervor. So enkdeckte z. B. der Unter⸗ offizier Hauff der 4. Kompagnie Pionier-Regiments Nr. 29 beim Sturm in einem Blockhaus ein flankierend feuerndes Maschinen⸗ gewehr. Er stürzte tollkühn auf das Blockhaus zu und stopfte un⸗ geachtet der höchsten Lebensgefahr durch die Schießscharte eine Hand⸗ granate, die in den nächsten Sekunden der gesamten Bedienungs- mannschaft des Maschinengewehrs den Garaus macht.

So wird es Abend und langsam kommt der heiße Kampf zum Abschluß. Nur am St. Hubert⸗Rücken dauert das Gefecht bis in die Dunkelheit. Auf den übrigen Teilen der Front tritt bald völlige Ruhe ein. Die Franzosen sammeln die Trümmer ihrer völlig zer⸗ rissenen und durcheinander gewirbelten Verbände, in fieberhafter Eile graben sie sich mit der ihnen eigenen Gewandtheit und tech⸗ nischen Geschicklichkeit während der Nacht ein, wo sie liegen. Sie richten mit allen Mitteln den schon vorher stark. befetigtengrünen Graben zum äußersten Widerstand her.

In der Nacht gelingt es den deutschen Patrouillen, alle Einzel⸗ heiten der neuen feindlichen Stellung und der Hindernisse, die am Tage im dichten Wald nicht zu sehen waren, zu erkunden. Der grüne Graben ist mit einem 10 Meter breiten Drahthindernisse und einer großen Anzahl Blockhäuser versehen.

In der Erkenntnis, daß dergrüne Graben ohne nachhaltige Feuervorbereitung noch nicht sturmreif ist, wird der für den 1. Juli geplante Angriff auf den 2. Juli verschoben. Am 1. Juli kommt es auf der ganzen Front nur zu kleineren Einzelkämpfen, die zu, keinem neuen Ergebnis führten. Im übrigen wird der Tag mit dem Ausbau der neuen Stellung, dem Bergen der Leichen und dem Heranschaffen von Wasser und Lebensmitteln hingebracht.

Am Vormittag des 2. Juli wiederholt sich gegen dengrünen Graben und die französischen Stellungen ein ähnliches Massen⸗ feuer der deutschen Artillerie und Minenwerfer, wie am 30. Juni. Um 5 Uhr nachmittags brechen dann Teile der Infanterie-Regi⸗ menter 30 und 173 zum Sturm gegen die feindlichen Stützpunkte am Hang der Rheinbabenhöhe und auf dem St. Hubert⸗Rücken los und werfen den Feind auf der ganzen Linie aus seiner vordersten Stellung. Bis 7 Uhr 30 Minuten abends ist kein Franzose mehr auf der Rheinbabenhöhe. Der Kampf dauert auf diesem Teil des Gefechtsfeldes bis spät in die Nacht. Wie schon am 30. Juni, halten sich hier die französischen Truppen, die der 42. Division angehören, mit besonderer Zähigkeit und Tapferkeit.

Um den. üchtigtengrünen von rückwärts an⸗ greifen und dort einen beträchtlichen Teil der feindlichen Kräfte abschneiden und einkesseln zu können, durchbricht um 5 Uhr 30 Min. nachmittags Major Frhr. von Lupin mit seiner Kampfgruppe die feindlichen Stellungen in Richtung auf das Wegekreuz nördlich von Harazée. Unter Führung des Hauptmanns Hausser und des Hauptmanns Frhr. v. Perfall dringen die württembergischen Gre⸗ nadiere bis mitten in die französischen Lager an der Harazse⸗ Schneise und darüber hinaus vor. Inzwischen schwenken hinter den Grenadieren zwei weitere Bataillone nach Osten ein, fassen dengrünen Graben im Rücken und rollen ihn auf. Alles, was sich von den Franzosen noch in den Lagern am Wegkreuz be⸗ fand, stürzt jetzt in planloser Verwirrung nach vorne in den grünen Graben, in den gerade in diesem Augenblick von Nord⸗ osten und Osten her die 67er und 145er eindringen. Von allen Seiten völlig eingeschlossen und in unmittelbarer Nähe von den deutschen Bajonetten bedroht, gibt sich der größte Teil der Be⸗ satzung gefangen. Nur noch ein kleiner Rest kämpft in wilder Ver⸗ zweiflung gegen die ringsum anstürmenden Deutschen. Mitten unter diesen Braven der Kommandeur des J. Bataillons des franzö⸗ sischen Infanterie⸗Regiments Nr. 151, Major Remy, der sich trotz mehrfacher mündlicher Aufforderung nicht ergeben will, und schließ⸗ lich in dem erbitterten Handgemenge den Heldentod stirbt.

Langsam wird es Abend. Auf der ganzen Front im Bois 5 de la Grurie ist der große Sturm glänzend geglückt. Nachdem mit dem grünen Graben auch das letzte Bollwerk gefallen ist, schiehen f sich die deutschen Truppen ohne weiteren Widerstand vor. Mit Einbruch der Dunkelheit tritt vollkommene Ruhe ein. In der neuen Linie wird eifrig am Ausbau der Gräben gearbeitet, damit der Morgen des nächsten Tages die Deutschen wieder in fester, sicherer Kampfstellung findet, die allen Gegenangriffen des Feindes einen eisernen Riegel vorschieben kann. Toch weder in dieser Nacht, nock am nächsten oder den nächsten Tagen wagen die Franzosen einen Versuch, den Deutschen ihre Beute wieder zu entreißen. Mehrerk Tage kein Artillerie- und Minenfeuer, keine Handgranaten, keine Stinkbomben, keine Minensprengung, das ist für die alten Ar⸗ gonnenkämpfer ein Zustand, den sie seit Monaten nicht kannten

Aus Hessen. l Die Mindestunterstützungen der Familien von Kriegs⸗ teilnehmern.. 5 Abg. Dr. Schmitt und Genossen haben in der Zweiten Kammer folgenden Antrag gestellt: 55 Die Unterzeichneten beantragen, die Kammer wolle beschließen, die Großh. Regierung zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die den bedürftigen Familien der Kriegsteilnehmer von Reichs wegen zustehenden Mindestunterstützungen möglichst rasch der Verteuerung der ganzen Lebenshaltung entsprechend erhöht werden. Märkte. le. Frankfurt a. M. Viehhofmarktbericht vom 2. Aug. Auftrieb: Rinder 2268(Ochsen 286, Bullen 66, Kühe und Färser 1916), Kälber 320, Schafe 44, Schweine 914. Tendenz: Bei sehr regem Handel ausverkauft. guten Ochsen genügte nicht der Nachfrage.

Der Antrieb an Preise für 100 Pfd. Lebend⸗ Schlacht⸗

Ochsen. gew icht Vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlacht- Ml. Mk. wertes, 47 Jahre alt lll; Junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere 5 dusgemäs tete 66 11! Mäßig genährte junge 8 gut genährte ältere 55-60 102-110 ul len. Vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtw. 6265 108112 Vollfleischige, jüngere n 98105 Färsen, Kühe. Vollfleischige ausgem. Färsen höchst. Schlachtw. 6267 115-125 Vollfleischige ausgem. Kühe höchsten Schlacht- wertes bis zu 7 Jahren 60. Wenig gut entwickelte Fär feen. 50-56 100-112 Aeltere ausgemästete Kühe 1 4855 9611⁰ Mäßig genährte Kühe und Färseen.. 3742 7484 Gering genährte Kühe und Färsen... 27-35 6180 Kälber. Jeisiste Mastkalbe r d 9 Mittlere Mast- und beste Saugkälber. 62-66 103-110 Geringere Mast- und gute Saugkälber.. 56-61 95108 Schafe. Weidemastschafe: Maftlämmer und Masthammel 5960 128130 Schweine. e Vollfleischige Schweine von 80 bis e 9 100 kg Lebendgewicht.. 130.00-133.00 158.00 160.00 Bollfleischige Schweine unter 80 kg 5 Lebengewicht... 125.00 130.00 150 155.00

Vollfleischige Schweine von 100 bis 120 kg Lebendgewicht... 130.00-133.00 158.00 160.00 Vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht... 130.00-133.00 158.00 160.00 fe. Fraukfurt a. M., 2. Aug. Fruchtmarkt. Die Stimmung ist fest, das Angebot klein und findet schlanke Auf⸗ nahme. Mais gute Ware 6263,00 Mk., Gerste, ausländische, 71 73,00 Mk. Futtermittel knapp und sest. Kokoskuchen 65 bis 68,00 Mk., Kleie 52 53 Mk. fe. Frankfurt a. M., 2. Aug. Kartoffelmarkt. Das Angebot in neuen Kartoffeln ist nicht so groß. Die Landwirte sind noch in der Getreideernte begriffen und machen daher noch keine Kartoffeln in größerem Umfange aus. Die Preise sind deshalb noch hoch. Man notierte: 1616,25 Mk. ab Wetterau für 100 Kilo. Alte Kartoffeln sind geräumt. i

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Kunst an die Gftfront!

Während unsere Feldgrauen auf dem westlichen Kriegsschau⸗ platz schon durch mancherlei künstlerische Genüsse erfreut und erfrischt worden sind, während es dort Konzerte, Vorträge und Theateraufführungen, sogar auf Freilichtbühnen, gibt, war der Osten bisher in dieser Beziehung stiefmütterlich behandelt worden. Und dabei brauchen die Truppen in Polen und Galizien, geistige Anxegung noch viel nötiger als die Soldaten, die in Frankreich und Belgien auf altem Kulturboden inmitten einer reichen Kunstwelt stehen. Deshalb ist eine Anregung aufs dankbarste zu begrüßen, die von dem Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen, Herrn von Batocki, ausgeht und ihrer baldigen Ausführung entgegen⸗ reift. Auf einer Vortragsreise an der Ostfront sollen die freundlichen Töne des deutschen Liedes und Gedichtes in den Kanonendonner hineinhallen und den wackeren Streitern einen erhebenden Gruß aus der Heimat bringen. Zur Durchführung dieses Planes, so wird uns aus Königsberg geschrieben, hat sich der bekannte Königsberger sauspieler und Vortragsmeister P. du Bois⸗Reymond mit dem mmersänger R. Herold und dem Berliner Schriftsteller Julius Bab, die beide bei einem Landsturmbataillon in der Pregelstadt stehen, zusammengetan. Ein geladenes Publikum, unter dem sich die Spitzen der Königs⸗ berger Militär- und Zivilbehörden befanden, erhielt dieser Tage durch eine Probevorführung den ersten Eindruck von dieser eigen⸗ artigen Veranstaltung, die nicht nur um ihres eigentlichen Zweckes willen, sondern auch durch ihre ganze Anlage und Ausgestaltung Die Deutschen und der

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die volkstümlich lustige Poesie von 1870(König Wilhelm saß ganz heiter) und die Lyrik Liliencrons zu den Schöpfungen unserer Gegenwart geführt, und aus Gedichten Dehmels, Hey manns, Albrecht Schaeffers u. a., aus den schwermütigen Tönen desöstexreichischen Reiterliedes konnte man ahnen, daß auch aus der Sintflut der neuesten Kriegskunst sich manch unvergäng⸗ liche Insel der Schönheit emvorheben wird. Das fein aufgebaute und angeordnete, so außerordentlich farben- und tönereiche Pro⸗ gramm, das in seinem deklamatorischen Teil von du Bois-Reymond und in seinem musikalischen von Herold mit bestem Gelingen wiedergegeben wurde, packte das Publikum stark und wird auch auf unsere jetzt im Osten von Sieg zu Sieg schreitenden Soldaten seine Wirkung nicht verfehlen, wenn sie in einer Kampfpause sich zu dieser friedlichen Erholung versammeln. *

1 gedenkblätter. Ueber eine Reihe wertvoller künstlerischer Kriegsgedenkblätter gibt Dr. Julius Zeitler in dem bei E. A. Seemann in Leipzig erscheinendenKunstgewerbeblatt Bericht. An die Spitze zu stellen ist das Blatt, das der Kaiser den fürs Vaterland gefallenen Kriegern widmet. Es ist von Professor Emil Doepler d. J. in Berlin geschaffen und stellt einen trauernden Genius dar, der sich über einen zu Tode getroffenen Krieger neigt und ihn zu sich emporzieht. Neben diese schöne Arbeit it das sehr wertvolle radierte Gedenkblatt zu stellen, das Ma x Klinger im Auftrage der Leipziger Kreishauptmannschaft voll⸗ endet hat. Der Künstler wählte für seine Darstellung den Augen⸗ blick eines Sturmangriffes. Mit jubelnder Begeisterung stürzen sich die Truppen nach vorn, dem Feinde entgegen, im Mittelgrunde eilt eine ausgeschwärmte Schützenlinie in der ganzen Bewegtheit ihrer Kette vorwärts, unterbrochen von Taumelnden, Stürzenden; eine Gruppe zur Linken zeigt die ganze Begeisterung des Vor⸗ dringens; besonders zieht hier die großgesehene Figur eines mar⸗ kigen Trommlers auf sich; ganz im Vordergrunde liegt ein Ge⸗ fallener hingestreckt, Ausrüstungsstücke bedecken sorgfältig sein Ant⸗ litz, wohl von dem daneben kauernden Sanitätssoldaten darüber gebreitet. Eine hinreißende Wucht liegt über dem Blatte. Max ze siger, der Leiter der Leipziger Akademie für graphische Künste, hat seinem Blatte den Wahlspruch gegebenSei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben und zeigt einen Friedensengel, der über einer Gruppe dahingestreckter Krieger die Krone des Friedens segnend hält. Der Gegensatz zwischen der dunklen Gruppe der Gefallenen und der lichten Engelserscheinung it schön herausgearbeitet. Von Bruno HéEroux stammt das BlattDer Tod ist verschlungen in den Sieg, auf dem sich die Gestalt eines sterbenden Kriegers aufrichtet, dem in strahlender Glorie erscheinenden Engel entgegen, mit der Rechten drückt er den Lorbeer ans Herz, mit der Linken greift er nach den Händen

des Engels. Ein malerisch sehr eindrucksvolles Blatt hat Erich

Gruner geschaffen, indem er auf Grund eigenen Erlebens einen Sturmangriff auf den Ebenen von Flandern mit starker drama tischer Bewegung schildert. Gewisse Symbole kehren in den Kriegs⸗ gedenkblättern mit besonderer Vorliebe wieder: so der heilige Michael, der auf einem kräftig volkstümlichen Blatte von Willy Münch dem Drachen zu Leibe geht, während auf dem Gedenk⸗ blatte von Georg Trautmann der deutsche Krieger im Ver⸗ eine mit dem Blutsbruder sein Schwert gegen eine vielköpfige Schlange schwingt, und Hugo Steiner in Prag die englische Schlange zeigt, die die ganze Weltkugellumringt und der der deutsche Michael schwertgerüstet entgegentritt. Man sieht, daß eine Fülle guter künstlerischer Erfindungen auf die Kriegsgedenkblätter ver⸗ wandt worden ist, die sich durchweg auch durch gediegene graphische Ausführung auszeichnen.

Die Windmühle als Retter aus der Petro⸗ leumnot. Wie anderwärts, so leiden auch an der Nordseeküste die abseits der größeren Städte gelegenen Landgemeinden, sofern sie sich nicht der Segnungen der Ueberlandzentrale zu erfreuen. haben, empfindlich unter dem herrschenden Petroleummangel, eine Not, die jetzt den Müller zu Uttum, einem kleinen Dörfchen bei Emden, erfinderisch gemacht hat. Als Mittel zum Zweck be⸗ dient er sich der Windmühle, die bekanntlich der friesischen und holländischen Landschaft ein so charakteristisches Gepräge ver⸗ leiht. Es gelang ihm nämlich, durch eine besondere Vorrichtung die Mühlentreibkraft, die bisher infolge der verschiedenen Wind⸗ stärken bedeutenden Schwankungen unterworfen war, derart zu regeln, daß sie sich jetzt in vollkommener Gleichmäßigkeit äußert und, also in Fesseln geschlagen, zur Inbetriebsetzung einer strom⸗ erzeugenden Dynamomaschine geeignet erscheint, mit deren Hilfe es möglich wird, auf einfache Weise eine elektrische Lichtquelle zu schaffen, die unter Umständen eine ganze Dorfgemeinde versorgen kann. Es liegt auf der Hand, daß die ohne große Kosten und sonstige Schwierigkeiten an jeder Mühle anzubringende Einrichtung, in ländlichen Kreisen auf lebhaftes Interesse stößt. Und so wird denn die gute alte Windmühle neben ihrer hergebrachten Mission des Kornmahlens in Zukunft noch eine zweite als Lichtspenderin zu erfüllen haben. Wer hätte das gedacht?

EinEiserner Hindenburg in Berlin. In Berlin wird als Kriegs⸗ Wahrzeichen einEiserner Hindenburg errichtet werden. Die Ausführung der 12 Meter hohen Kolossalfigur, die Feldmarschall Hindenburg zur Darstellung haben wird, ist dem Bildhauer und Maler Georg Marschall über⸗ tragen worden. Die Enthüllung soll am 28. August, dem Jahres⸗ tage der Schlacht bei Tannenberg, stattfinden. Die Einkünfte aus der Nagelung sind für die Nationalstiftung, die Stadt Berlin und 5 den Luftfahrerdank bestimmt. 1

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