Ausgabe 
(14.7.1915) 163. Erstes Blatt
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Anzeige nicht in der gesetzten Frist erstattet, oder unvollständige oder unrichtige Angaben macht. Auch beschlagnahmefrei gewordenes Brotgetreide ist durch die Vero über das füttern von Brotgetreide, Mehl und Brot vom 28. Juni 1915 und deren Strafvorschrift gegen Verfütterung geschützt. Es empfiehlt sich hiernach für die Eigentümer von Brotge⸗ treide aus der neuen Ernte ihr Getreide alsbald dem Kommu⸗ nalverband zum Zweck des freihändigen Ankaufs ur Verfügung llen, da gegebenenfalls auf Anordnung des samts die Enteignung der Vorräte verfügt werden kann und in solchen Fällen für die zu überlassenden Vorräte ein angemes⸗ 3 Preis bezahlt wird, der von dem Provinzialausschuß festzu⸗ setzen ist. Der Besitzer hat nach§ 35 die Vorräte, die er frei⸗ händig übereignet hat oder die bei ihm enteignet sind, zu ver⸗ wahresl und pfleglich zu behandeln, bis der Erwerber) sie in seinen Gewahrsam übernimmt. Er hat hierfür eine von dem Provinzialausschuß endgültig festzusetzende angemessene Vergeü⸗ 8 zu beanspruchen. Zuwiderhandlungen gegen die Verpflichtung

Besti mit Gef; isstrafe bis zu 1500 Mart bedroht fend g Wir hoffen mit Vorstehendem dazu beizutragen, die Bevöl⸗ kerung vor Schädigungen, insbesondere vor schweren gericht⸗ lichen Strafen zu bewahren, die im Falle von Zuwiderhand⸗ lungen gegen die erlassenen Bestimmungen zweifellos eintreten

5* 5 L. U. Probe⸗Vorlesung. Herr Dr. Ernst Gün⸗ ther, der sich für das Fach der Nationalökonomie an unserer Universität zu habilitieren wünscht, hält am Mitt⸗ woch, den 14. Juli, um 5% Uhr, in der kleinen Aula eine öffentliche n über das Thema:Die volkswirtschaftliche Bilanz des Krieges. r Heyer⸗Denkmal. Wie in der Stadtverordneten beng vom 24. Juni mitgeteilt wurde, haben die Erben es vor Jahren in München verstorbenen. 5 Heyer, der lange Zeit an der Landeshochschule gewirkt der Stadt Gießen den Gedenkstein zum Geschenk ge⸗ ma t, der dem Verstorbenen in München von seinen Ver⸗ Hehrern und Schülern gesetzt worden war. Dieses Denkmal ist nunmehr seiner neuen Bestimmung zugeführt worden. Es wurde an der Straßenseite der Mauer des alten Fried hofs an der Licher Straße angebracht. Das Monument trägt auf einem einfach gegliederten Sockel die lebensgroße Porträtbüste Heyers, die von einem Giebelaufbau überragt * wird. Von dem Grün der Bäume und dem dunklen Hinter⸗ grund der Mauer hebt sich der weiße Marmor des Monu⸗ ments an dem glücklich gewählten Platze wirkungsvoll ab und bildet einen weiteren Schmuck der schönen Anlagen am alten Friedhof. 1 Amtliche Personal nachrichten. Am 8. Juli d. Is. wurde dem Großh. Stenerausseher Georg Roth zu Wimpfen vom 1. August d. Js. an eine Steuerausseherstelle an der Zuckerfabrik zu Friedberg und vom gleichen Tage an dem Großh. Steueragusseher Peter Schweitzer zu Babenhausen eine Steuerausseherstelle bei Großh. Salzsteueramt Wimpsen übertragen. ** Deutsches Obst für England. Vom Rhein wird uns geschrieben: Während in Deutschland trotz einer recht guten Obsternte augenblicklich unverhältnismäßig hohe Preise für das reife Obst bezahlt werden, muß man es er⸗ leben, daß im Kriegsjahr 1915 noch große Mengen Obst ausgeführt werden, und zwar ausgerechnet nach Eng- land, wobei Holland der Vermittler ist. Gegenwärtig werden die Obstbaugebiete des Rheins, der Bergstraße und Badens von Händlern bereist, die die ganzen Ernten auf⸗ kaufen und auf dem Rhein nach Holland verschiffen lassen oder mit der Bahn nach dort versenden. Da Holland bei weitem nicht diese Mengen verbraucht, liegt der drin gende Verdacht nahe, daß England der freundliche Abnehmer ist. In Deutschland eine gute Obsternte und teures Obst, in Mechelg. keine Ernte, aber billiges Obst, und das auf Kosten Michels.

* Leichenüber führungen aus dem Ope⸗ rations⸗ und Etappen⸗Gebiet. Die Oberste Heeres⸗ leitung hat jegliche Leichenausgrabung und Ueberführung aus dem gesamten Operations- und Etappen-Gebiet für die Monate Juli, August und September aus hygienischen Grün

0 den verboten und die bereits erteilten Genehmigungen zurückgezogen.

** Der durchweichende Landregen, der in den letzten Wochen in allen Wetterbetrachtungen eine so heiß ersehnte Rolle 1 ist nunmehr niedergegangen, und es scheint, als ob das Regenwetter noch einige Zeit an halten wollte. Namentlich in den beiden Nächten ist viel Wasser niedergegangen, so daß die Befürchtungen, die die Trockenheit erweckte, nun wohl großenteils beseitigt sind.

In erster Linie ist der Regen dem zweiten Grasschnitt und dem Klee, auf die man stellenweise nicht mehr zu hoffen wagte, zugute gekommen, und überall zeigt sich draußen auf den Wiesen zwischen den dürren Grasbüscheln, die auf Rechnung der Dürre zu setzen sind, wieder kräftig treibendes Grün. Das Gespenst wachsenden Futtermangels scheint somit vorläufig gebannt zu sein. Der Regen ist von einer recht

empfindlichen Kühle begleitet; das rmometer zeigt nur

wenig mehr als 10 Grad über Null. ö f Kreis Schotten. 1

g ulfsa, 12. Juli. Der Landwirt Bast von hier, dessen beide

Söhne im Felde stehen, verlor auf traurige Weise sein Leben.

Kurz vor dem Torse ging ihm das Userd mit dem leeren Wagen dur Vast kam unter die Trümmer des Wagens zu liegen und drei Rippen brachen und drangen ihm in die Lunge, so daß der Bedauerns werte nach zwei Stunden an einer Verblutung starb. Der Verunglückte war wegen seines biederen, redlichen Wesens eine überall hochgeachtete Persönlichteit.

1 darum so lediglich Wirtschastspolitik territoriale Exweite. rungen im Gegensatz zu dem selbstsüchtigen England ab- lehne. Der Verluft der christlichen Balkanländer stelle für die Türkei eher einen Gewinn dar, da sie sich nunmehr völlig ihren Kernprovinzen widmen könne. Redner schilderte die Gewaltherrschast Englands in Indien und Aegypten, und glaubt, daß ähnlich wie im Jahre 1857 die allmählich durch sickernde Kunde der englischen Niederlage das Land in Ausstand versetzen werde. Von der Vollendung der Bagdadbahn mit ihrer Erschließung Mesopotamiens verspricht sich Redner gewaltige wirtschastliche Vorteile, desgleichen von der im Werk befindlichen Bodenresorm. Zreilich gehöre dazu die Erzwingung eines un gehinderten Durchganges der Erzeugnisse der asiatischen Türkei durch Serbien. Frankreichs Beispiel der Gründung zahlreicher Schulen im Orient sollte auch sür uns vorbildlich werden. Frieden wollten wir alle, aber nur einen solchen, der auf Sieg beruhe unnd uns dauernde Ruhe gewährleiste. Dann werden Adler und Halb- mond, im innigen Bunde vereinigt, Großes leisten.

Hessen⸗Nassau.

Marburg, 13. Juli. Im großen Saale des Gast hauses Seebode hielten heute nachmittag die Raiff⸗ eisen⸗Vereine des Kreises Marburg ihren diesjähri⸗ gen Unterverbandstag ab. Der Unterverbandsdirek tor, Pfarrer Dörr aus Michelbach, teilte in seinem Jahres bericht mit, daß der Unterverband Marburg auch im Kriegs jahre gute Erfolge hatte. Er vereinigt in 24 Vereinen rund 2443 Mitglieder. Der Geldumsatz betrug im letzten Jahre 5117000 Mk., der Reingewinn über 12000 Mk. und das Gesamtvermögen der Vereine stellt sich auf rund 103 000 Mk. Die Gesamtspareinlagen betragen 3 184000 Mk., die Bezüge sind im Kriegsjahre etwas zurückgegangen. Der Vorsitzende des Hauptvereins, Landesökonomierat Rexerodt aus Kassel, erstattete einen eingehenden Bericht über die Lage des Verbandes, die er als erfreulich bezeichnete. Hieran schloß sich eine eingehende Aussprache über die vielen gerade in der jetzigen Zeit die Landwirtschaft interessierenden Fra gen. Ueber die Getreidebeschlagnahme usw. gab besonders Landgerichtsrat Klingenbiel, als Vorstand der Kriegs⸗

etreidekommission, erschöpfende Auskunft. Ein Vortrag des . Pfarrer Dippel⸗Immenhausen beschloß die Tagung.

h Frankfurt a. M., 13. Juli. Eine interessante Entscheidung fällte dus hiesige Schöffengericht. Ein von seiner Frau ge- schie dener Versicherungsbeamter hatte sich bei einer polizeilichen Anmeldung als ledig bezeichnet. Für diese 7 Angabe erhielt er einen Strafzettel uͤber 4 Mark. Seine bei dem Schöffen- gericht gegen die Polizeistrafe eingelegte Berusung wurde unter der Begründung verworsen, daß wer einmal geschieden ist, nicht wieder ledig sein kann. teilnehmer aus Frauksurt beträgt nach einer amtlichen Fest- stellung 514. Hiervon fielen bisher 21; gefangen sind 7, ver- wundet 55, vermißt werden 4. An Auszeichnungen erhielten 57 das Eiserne Kreuz und 4 andere Ehrenzeichen. Von den Ein gezogenen waren 25 Leutnants, 14 Offizier-Stellvertreter, 44 Vize⸗ 7 103 Unteroffiziere, 44 Gefreite, 271 Gemeine, 6 Lazarelt- inspektoren.

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Gießener Strafkammer.

5 Gießen, 14. Juli. Zu dem in der Montag⸗Nummer des Gießener Anzeigers befindlichen Strafkammerbericht unter der MarkeSpionen⸗Riecherei, bittet man uns nm fol⸗

es festzustellen:Es könnte durch den Bericht vielleicht der

indrud erweckt werben, als hätte der Beklagte über das Werk und seinen klagenden Direktor falsche Behauptungen aufgestellt und zurückgenommen. Lediglich mit Rücksicht auf die Kriegszeit hat der Beklagte auf Anregung des Gerichts sich schließlich ver⸗ lichen. Er hat im Vergleich lediglich erklärt, daß er die in die Prozesse gebrachten Behauptungen weder aufgestellt habe, noch aufstellen wolle, und die Beweisaufnahmen haben Gegenteiliges auch nicht ergeben. Der Privatkläger hat erklärt, daß er durch irrige Mitteilungen zur Klage veranlaßt worden sei. Er trägt außer den auf seiner Seite erwachsenen Kosten die gesamten Gerichts⸗ kosten, während der Beklagte nur die auf seiner Seite erwachsenen,

Kosten übernommen hat.

e Märtte.

je. Frankfurt a. M. Schweinemarktbericht vom 14 Juli. Ausgetrieben waren 334 Schweine, Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 5 Lebendgewicht 118.00123.00 Mk., Schlachtgewicht 145.00 15C.00 Mk., vollfletschige Schweine unter 80 1 116.00 120.00 Mk., Schlachtgewicht 140.00 145.00 Mt. vollfleischige Schweine von 100120 kg Lebendgewicht 118.00 123.00 Mk., Schlachtgewicht 148.00147 Mk.: vollfleischige Schweine von 720 bis 150 Lebendgewicht 118.00 123.00 Mk., Schlachtgewicht 14.500147.00 Mk. Geschäft ziemlich lebhaft. de. Frankfurt a. M., 14. Jult.(Orkg.⸗Telegr. desGieß Anz.) Fruchtmarkt. Die bevorstehende neue Ernte macht sich bereits in der Stimmung am Fruchtmarlt geltend. Die Haltung ist abwartend. Die vorhandenen Vorräte werden zu Höchstpreisen gehandelt. Trotz der guten Ernte neuen Heues sind Futtermittel gefragt und sest.

Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Giehen.

Die nördliche Depression ist weiter nordostwärls abgezogen. Ueber Deutschland zieht ein Teiltief hinweg, das uns seit gestern abend verbreitete Niederschläge gebracht hat. Auf der Rückseite dieses Tiefs fängt der Lustdruck wieder an, so daß wir für morgen mit Nachlassen der Niederschläge zu rechnen haben.

Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 15. Juli 1915: Wolkig, meist trocken, nordwestliche Winde.

KLeette nachrichten.

Aeußerungen eines Russen.

Kristiania, 14. Juli. Der Vertreter derVossischen Zei⸗ tung hatte eine Unterredung mit einem auf der Durchreise von Petersburg nach England hier weilenden bekannten russi⸗ schen re er auf die Frage nach den inneren Zuständen und der Stimmung in Rußland folgendes

9 . 7 8 a a 1 N Belt Zu einer Revolution wird es nicht kommen. Man sei im

Die Gesamtzahl der Lehrer⸗Kriegs⸗ di

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überzeugt, daß Rußland diesen Krieg nicht gewinnen und Deutschland nicht besiegen könne. Das wüßten auch die russischen Offiziere sehr wohl. Man meint, daß Rußland zwar keinen Sonderfrieden mit Deutschland schließen, wohl aber bald seinen jetzigen Verbündeten erklären wird, weiter kämpfen ist zwecklos, wir müssen mit Friedensverhandlungen beginnen. Die Aeuße⸗ rung Björnsons, der sagte, die ersten drei Reihen Russen hätten 0 Gewehre, aber die darauffolgenden 56 Reihen seien unbewaffnet, 4 bestätigt der Gewährsmann. Die Russen seien wirklich Helder: ohne Waffen zu nennen. Man müsse sich endlich auch in England klar machen, daß zwischen Rußland und Deutschland nach dem Kriege nicht eine weitere Entfremdung, sondern eine Annäherung erfolgen werde. Politisch und auch handelspolitisch würden sich beide Staaten viel enger als vorher verbinden müssen. Den Russen sei mehr als je daran gelegen, mit der deutschen In⸗ dustrie zusammenarbeiten zu können. Wenn man in neutralen und der Sprecher meinte offenbar auch in den gegenwärtig Ruß⸗ land verbündeten! Ländern glaubt, daß die deutsche Industrie künftig vom russischen Markte ausgeschlossen sein werde, so gibt man sich einer heillosen Täuschung hin.

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Auf die Frage nach der russischen Waffenzufuhr sagte 1 der Russe: Ueber Archangelsk kommt sehr wenig. Japan 8 habe dagegen einige schwere Geschütze mit zwei Mann pro Ge⸗ 725 schütz zur Bedienung gesandt, aber das sei gänzlich unzureichend. 10 Dem Munitionsmangel sei auch Japan nicht gewachsen. Alles in 2 allem dürfte man bald auf Ueberraschungen friedlicher Natur ge⸗.

faßt sein. Mit dem deutschen Heere könnte das russische auch in Zukunft nicht Schritt halten, denn der russische Bauer müsse dem aufgeklärten Deutschen auch zukünftig unterlegen sein, da zukünf⸗ tige Kriege in noch viel höherem Grade als der gegenwärtige In⸗ dustriekriege sein würden.

Der Gewährsmamm ist schließlich fest davon überzeugt, daß in Rußland wohl oder übel eine Revolution von oben nach Friedens⸗ schluß kommen muß, d. h., eine liberale Regierung, denn das würde das russische Voll als Siegespreis für diesen nach außen hin ver⸗ J lorenen Krieg sonst mit Gewalt verlangen. Ueber Rußlands zu⸗ künftiges Verhältnis zu seinen augenblicklichen Verbündeten wollte a er sich nicht äußern. Er schloß: Ich muß jetzt nach England und kaufen, was wir sonst schnell und billig und zumindest nicht 5 schlechter, also besser, in Teutschland bekommen haben und es von 8 Deutschland auch bald wieder beziehen werden.

Eine italienische Denkschrift.* Lugano, 14. Juli. Zwei Abgeordnete haben als Vertreter der offiziellen Sozialisten dem Justizminister Orlando eme Denkschrift überreicht wit der Bitte, die Krankenkassen in be⸗ 2 setzten Gebieten in Tätigkeit zu erhalten. Dem Untersekretär Eelesio überreichten sie gleichfalls eine Denkschrift, in der die baldige Vergebung öffentlicher Arbeiten zur Abhilfe gegen die Arbeitslosigkeit verlangt wird, ferner die Errichtung von Arbeitsvermittlungsämtern, dann Sicherheit für die Getreide⸗ versorgung des Landes, Feststellung der Vorräte und Einführung von Höchstpreisen. Der Untersekretär versprach, dem Minister⸗ präsidenten Bericht zu erstatten.

Der Mordanschlag im Kasino. Lugano, 14. Juli. DerSecolo erinnert daran, daß gleich zu Beginn der Voruntersuchung im Attentatsprozeß von Soft e Verhaftung Genadiews gemeldet, aber von der bul garischen Gesandtschaft in Rom sofort dementiert wurde. Diesmal hülle sich die Gesandtschaft auf Anfragen in Schweigen. Das Blatt berichtet weiter, der Hauptangeklagte Vinkenti habe gestanden, daß noch eine Reihe von Attentaten geplant war, so besonders ein Bombenattentat auf König Ferdinand. DerSecolo sagt weiter, die Attentate Vinkentis hätten zu einer Diktatur Genadiews führen sollen. Während Genadiew früher offen für Oesterreich eintrat, sei er jetzt ein Anhänger des Dreiverbandes geworden.

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Betr.: Sicherstellung des Haferbedarfs für bee Heeres verwaltung; hier: Ablieferung des noch m Kreise vorhandenen überschüssigen Hafervorrats an die

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Proviantämter.

An den Oberbürgermeister der Stadt Gießen und an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Durch Ausschreiben der Zentralstelle zur Beschaffung der Heeresverpflegung vom 10. Juli l. Is. wird dem Kommunal⸗ verband aufgegeben, sämtlichen im Kreise noch vor⸗ handenen überschüssigen Hafer(Futter⸗ und Saathafer, auch Mengkorn aus Hafer und Gerste) genau festzustellen und an das nächste Proviant⸗ amt abzuliefern. Diese neuerliche Anordnung stützt sichh auf die en eingangs erwähnten Behörde, wonach sich 10 in N N kreisen gezeigt hat, daß einzelne Pferdebesitzer sich offenbar mit ihrem Futterhafer noch über das gesetzlich vor geschriebene Maß hinaus eingeschränkt haben und daß nicht aller zur Frühjahrsbestellung angekaufter Hafer für Saatzwecke Ver⸗ 5 wendung gefunden hat. Hiernach sind noch beträchtliches Mengen an Hafer verfügbar. Diese müssen, um die weiteren dringenden Anforderungen der Heeresverwaltung zu befrie⸗ digen, im Interesse der Landesverteidigung unbedingt für die Zwecke der Heeresverwaltung gesichert werden.

Wir werden Ihnen deshalb in Kürze erneut ein Formular für einen e zugehen lassen, in den alle in der Gemeinde, über die bis jetzt schon sichergestellten Hafermengen hinaus, noch vorhandenen Vorräte an Futter- und Saathafer, sowie auch an Mengkorn aus Hafer und Gerste, bis zum kleinsten Quantum, getrennt nach den obenbezeichneten Arten, aufzu nehmen sind. 7

Von der Aufnahme in den Verteilungsplan sind aus zu⸗ nehmen, die bis zum 1. September l. Js. nicht bis 15. Aug. l. Is., für Pferde gesetzlich zulässigen Futter⸗ mengen. g

Sollten nach Ablieferung der im Kreise sonach vollständig abgerufenen Hafermengen, mit Beginn der Verwendung der neuen Ernteerträge, sich noch zurückgehaltene alte Vorräte auffinden lassen so 1 5 unnachsichtlich gegen die betreffenden personen vorgegang werden. 5 9

Weigert sich jemand, seinen beschlagnahmten Restvorrat ab⸗ zuliefern, so erwarten wir Ihren sofortigen Bericht. Wir g werden hierauf die Enteignung, mit den allseitig bekannten Folgen, vornehmen. 5

Die Großh. Bürgermeister werden für die sofortige und genaue Durchführung der vorstehend getroffenen Anordnungen persön⸗ f lich verantwortlich gemacht.

Gießen, den 13. Juli 1915.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. 3 Hechler.

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