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1 F. Sießener Anzelger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; eimal wöchentl. Kreis- für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung112 Verlag, Geschäftsstelled l Adresse für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. zahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.
Blatt
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Jahrgang
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Seger
Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7.
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Mittwoch, 14. Juli 1015
Bezugsoreis: monatl. 75 Pf., viertel⸗
jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. 6 Beck, sämtlich in Gießen.
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r.) Großes Hauptauartier,
Amtlich.) a 5 Westlicher Kriegsschauplatz.
Ein französischer Handgranaten-Angriff bei der Zucker⸗ fabrik von Souchez wurde abgewiesen. Im Anschluß an den Sturm auf den Kirchhof wurde darüber hinaus unsere Stellung in einer Breite von 600 Metern vorgescho⸗ ven und auch das an der Straße nach Arras gelegene Cabaret Rouge genommen. Die Zahl der Gefangenen hat sich auf drei Offiziere, 215 Mann erhöht. Verschiedene Ansätze zu feindlichen Gegenangrifsen wurden unter Feuer genommen; ihre Durchführung wurde dadurch verhindert.
Zwischen Maas und Mosel entwickelte der Feind lebhafte Artillerietätigkeit. Viermal griff er im Laufe des Abends und der Nacht unsere Stellungen im Priester⸗ walde an. Die Angriffe brachen unter großen Verlusten vor unseren Linien im Feuer zusammen.
Oestlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die Lage ist unverändert. 25
5 Oberste Heeresleitung.
a 2 3 Wie ist die deutsche Lusitania-Antwortnote in Amerika 1 nommen worden? Es ist kein leichtes Stück, dies klar fund irrtumsfrei darzustellen. Der direkte Verkehr der Ver⸗ einigten Staaten mit unserer öffentlichen Meinung ist auf ehr wenige, sehr umständliche Wege beschränkt und diese Beschränkung wurde ganz neuerdings durch die Beschlag— 1 e der Funkenstation Sayville noch mehr verschärft. Alles, was bis jetzt an Aeußerungen der amerikanischen Presse über die deutsche Antwortnote herübergemeldet wor⸗ den ist, hatte den Weg über das englische Kabel zu nehmen, mußte die englische Zensur passieren und war mit Sorgfalt aus dem unter britischem Einfluß arbeitenden Teil der amerikanischen Presse ausgesucht worden. Es ist zwar außer allem Zweifel, daß ein starker Teil der amerikanischen Presse und des amerikanischen Volkes die deutschen Vor⸗ schläge durchaus nicht„unerträglich beleidigend, zynisch, llos und durchweg enttäuschend“ findet, sondern an dem Mun sche festhält, Ruhe zu bewahren und einen freundschaft⸗ lichen Ausgleich zu suchen, wozu eben die neue deutsche Note Handhaben genug bietet. Aber solche Aeußerungen der Verständigung und Einigung haben uns eben auf dem Wege über London nicht erreicht. Umgekehrt ist dafür gesorgt worden, daß gewisse Aeußerungen, wonach man in Deutschland der Möglichkeit eines Krieges mit Amerika gleichgültig gegenüberstehe, prompt und breit in den Spalten der amerikanischen Zeitungen erschienen. In Amerika hat man außerhalb der Redaktionen feine Ahnung, daß die ersten Stellungen in den Lon- doner Korrespondenzbureaus der großen amerikanischen Zeitungen nicht mit Amerikanern, sondern ausschließlich mit Engländern besetzt sind. Durch jahrelanges Ränkespin⸗ nen und allerhand Manöver ist es gewissen einflußreichen Leuten in England gelungen, für den amerikanischen Tisch eine rein englische Küche einzurichten. So wird das Lon- doner Bureau des„New Pork Herald“ von Mr. P. Cham⸗ pion geleitet, der ein Stockengländer ist. W. Orton Tewson, ebenfalls Engländer, steht an der Spitze des riesigen, weitverzweiten Bureaus der Hearst Presse(N. W. American usw.) in 69 Fleet St. Fred Grundey leitet die europäische Politik der„New York Sun“. Er ist Engländer und hat Amerika nie gesehen. Seil Bruder Frank Grundey ist Ver⸗ treter desselben Blattes in Paris. Ernest Marshall, ein Eng⸗ länder, schürt von London aus den Haß der„New York Times“ gegen alles Deutsche. Fred Pitney, der noch dazu eine Französin zur Frau hat, tut dasselbe für die„New Jork Tribune“. Dieses Blatt ist Eigentum der Whitelaw Reids(bis zu seinem Tode Botschafter in London), deren Tochter mit dem Honorable John Ward verheiratet ist, dessen Bruder, der Earl Dudley, Stallmeister des Königs ist? G. N. Tuchy, ein englisch gefärbter Irländer, dessen Söhne gegen die Deutschen als Offiziere im Felde stehen, macht die europäische Politik der„New York World“ von London aus. Diese werten Herren haben noch vor Eintreffen der deutschen Antwortnote mit allen nur erdenk— lichen Mitteln der journalistischen Beeinflussung den Ameri— kanern die Ueberzeugung beizubringen versucht, Deutschland strebe danach, Amerika in den Weltkrieg hineinzuziehen, da davon einerseits ein neuer Kriegsschauplatz nicht zu befürchten sei, andererseits die„leidigen“ Munitionslieferungen Ame— rikas nicht mehr schaden könnten als bisher. Die ehrenwerten Giftmischer in London haben auch versucht, den Amerikanern den irrigen Glauben beizubringen, daß Deutschland durch den kürzlich zurückgekehrten ehemaligen Staatssekretär Dern⸗ burg und durch andere Persönlichkeiten daran gearbeitet habe, amerikanische Bürger gegen ihre eigene Regierung auf⸗ zustacheln. Damit war die Forderung des Verbotes der Aus⸗ fuhr von Kriegsmaterialien gemeint. Die Haltung der Deutschamerikaner in dieser Angelegenheit war nicht nur von rührender patriotischer Treue für das alte frühere Vaterland, sie war auch innerpolitisch völlig korrekt und bewegte sich treng im verfassungsmäßigen Rahmen der freien Meinungs⸗ äußerung. Aber von jeder Verleumdung bleibt vielleicht etwas hängen, so dachten die Londoner Lügenköche, und ihr Plan war, durch solche Anschwärzungen die moralische Unter⸗ dützung zu schwächen, die auch die neue deutsche Note bei dem Deutschamerikanertum finden würde, und der Wilsonschen Regierung den Argwohn einzuträufeln, daß an der deutsch— amerikanischen Bewegung nicht alles echt und auf amerikani⸗ schem Boden gewachsen sei. Gegen solch unterirdische und heimtückische Minierarbeit kämpft die ehrliche, ritterliche Lusi—
13. Juli.
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geholt haben möchte. So ist die Kette des Annunziaten—
Die Aufnahme der deutschen Note in Amerika. b
tania-Note der deutschen Regierung bei ihrer Aufnahme in Amerika. Hoffen wir, daß die Wahrheit und Gradheit end— lich über die Lüge und Verleumdung Siegerin bleibt!
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Der König Viktor Emanuel hat dem Präsidenten Poin⸗ caré die Halskette des Annunziatenordens überreichen lassen; diese freundschaftliche Handlung läßt aber noch immer die Frage dunkel, ob italienische Hilfstruppen nach Frankreich gesandt werden sollen. An den Dardanellen scheinen sich die Italiener nicht die Finger verbrennen zu wollen, und es heißt, daß General Cadorna alle darauf bezüglichen Winke und Forderungen mit der Androhung seines Rück— trittes beantwortet hat. Neuerdings scheint man in Italien an der Erkenntnis zu brüten, daß Rumänien die auf es gesetzten Hoffnungen nicht erfüllen wird, und ein Bukarester Mitarbeiter des„Secolo“ verrät uns bei der Feststellung eines Sieges der deutschen Diplomatie zugleich, daß Italien bereits einen vollen Monat vor seinem Ein— tritt in den Krieg in Bukarest den Abschluß seines Vertrages mit dem Dreiverbande mitgeteilt habe! Rumänien will nicht das Schicksal der russischen Heere teilen, und Italien ist das Feuen zu heiß, aus dem Frankreich die Kastanien
ordens als eine Entschädigung zu betrachten für gewisse Enttäuschungen, die Herrn Poincaré bereitet worden sind.
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Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 13. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 13. Juli 1915 mittags. g Russischer Kriegsschauplatz. Die allgemeine Lage ist un verändert. Italienischer Kriegsschauplatz. An der küstenländischen Front fanden gestern stellenweise heftige Artilleriekämpfe statt. Ein An⸗
griff mehrerer italienischer Infanterie-Regimenter bei Re⸗ dipuglia wurde abgewie.
Die Lage im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet
ist unverändert.** 11 Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
Wien, 13. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem k. k. Kriegspressequartier wird gemeldet:
Die offiziellen Mitteilungen des italienischen General- stabes erzählen immer wieder von abgewiesenen Angrif⸗ fen unserer Truppen. Die ganze Welt weiß, daß wir im Süd⸗ westen vorläufig in der Verteidigung sind. Jene gemeldeten Angriffe durch österreichisch-ungarische Streitkräfte sind erfunden, es wäre denn, daß der Feind die Aufklärungstätigkeit vor der Front für. hält. Ebenso falsch ist selbstverständlich die gegen unsere Truppen im Krngebiete erhobene Beschuldigung, daß wir Explosivgeschosse verwenden. Dem Gegner scheint nicht be— kannt zu sein, daß Geschosse beim Aufschlagen auf steinigen oder felsigen ihre Form verändern und splittern.
Auszeichnungen für die Führer der deutschen Südarmee.
Breslau, 13. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Schles. Ztg.“ meldet: Dem Oberbefehlshaber der Südarmee ist am 7. Juli folgende Allerhöchste Kabinettsorder zugegangen: „An den General der Infanterie v. Linsingen, Ober- befehlshaber der Südarmee. In dankbarer Anerkennung für die ununterbrochenen Erfolge der Südarmee, welche im schweren Kampfe dem hartnäckigen Gegner Stellung um Stellung entriß, verleihe ich Ihnen das Eichenlaub zum Orden Pour le mérite, den Generalen Grafen von Bothmer, v. Gerok, v. Stolzmann den Orden Pour le mérite, meinem General à la suite Freiherrn v. Mar- schall die Schwerter zum Komturkreuz des Hausordens vn Hohenzollern. gez. Wilhelm R.“
Gleichzeitig erhielt Exzellenz v. Linsingen folgende Mitteilung des Chefs des Generalstabes des Feldheeres: „Bei dem Vortrag über den glänzenden Feldzug der Südarmee seit Anfang Mai uftragte mich der Kaiser, Euer Exzellenz sowie den Ihnen unterstellten Führern und den Truppen den Ausdruck seiner wärmsten Anerkennung zu übermitteln. Weder die Ueberzahl des Feindes, noch die Schwierigkeiten des Geländes haben den Drang nach vorwärts in der Armee auch nur zeitweise zu lähmen vermocht. So geführte, so kämpfende Truppen wer⸗ den, dessen ist Seine Majestät sicher, der heiligen Sache des Vaterlandes den endlichen Sieg über alle Gegner bringen. gez. v. Falkenhayn.“
Der Oberbefehlshaber gab die Anerkennung des Kaisers in einem Armeebefehl mit folgendem Inhalt bekannt: „Voll stolzer Freude, mit Dank an alle Führer und Truppen der Südarmee, bringe ich die gnädige Anerkennung Seiner Majestät unseres Allerhöchsten Kriegsherrn zur Kenntnis. Sie ist allen Mannschaften unverzüglich vorzulesen. gez. v. Linsingen.“
Der Kaiser von Oesterreich verlieh dem General v. Linsingen das Militärverdienstkreuz 1. Klasse mit der Kriegsdekoration.
Der russische Bericht.
Petersburg, 13. Juli.(WTB. Nichtamtlich) Der Ge⸗ neralstab des Generalissimus meldet: Auf einigen Abschnitten der Bobr⸗ und Narew⸗ Front fanden lebhafte Zusammenstöße statt. Bei Ossowice gegenseitige Beschießung. In der Gegend von Jedwabno brachten wir erfolgreich einen deutschen Minenstollen zur Erxplosion. Zwischen Pissa und Rescza wurde eine deutsche Offensive zurückgeschlagen. Von dem Dorfe Eduwoicz bis Praszuysz heftiges Artillerieseuer und Vorhutgefechte. Auf dem linken Ufer der Weichsel herrscht Ruhe. In der Gegend von Lub⸗ lin sind die Kämpfe gleichfalls unterbrochen. Nachdem unsere Truppen ihre am 5. Juli begonnene Gegenoffensive beendigt und
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dabei wichtige Erfolge errungen haben, halten sie sich zurzeit in den ihnen vorgeschriebenen Stellungen auf den Höhen des rechten Ufers des Flusses Urzendowetz. In der Gegend von Chol m bei dem Dorfe Grabowetz versuchte der Feind erfolglos sich unseren Befestigungen zu nähern: Am oberen Bug bei der Stadt Bus k unternahm der Feind am Abend des 10. Juli einen Angriff mit mehreren Bataillonen. Wir ließen den Feind bis auf eine Ent⸗ fernung von 200 Schritten herankommen und zerstreuten ihn dann durch unser Feuer. Der Feind ließ dort viele Tote und Verwundete liegen. An der Zlota-Lipa schlugen wir am 11. Juli An⸗ griffe in der Gegend des Dorfes Harkow sowie am Dujestr in der Gegend des Torfes Koropez zurück. Unsere Patrouillen unter⸗ nahmen am oberen Bug und an der Zlota-Lipa eine Reihe erfolg⸗ reicher Erkundungen.„
Berlin, 14. Juli. Laut„Berliner Tageblatt“ warnt man nach Meldungen der„Times“ aus Petersburg in russischen Militärkreisen vor einer Ueberschätzung der russischen Teil⸗ offensive bei Krasnik-Lublin. Tatsache ist, sagt das Blatt, daß der Feind auf einer Front von 1500 Kilometern auf die rus⸗ sische Linie drückt, und dagegen kann ein russischer Teilerfolg auf einem Abschnitt von 60 Kilometern sehr wenig besagen.
Ein neuer Ratgeber des Zaren. „Berlin, 14. Juli. In Petersburger politischen Kreisen bildet das Tagesgespräch, wie der„Vossischen Zeitung“ berichtet wird, die angeblich bevorstehende Ernennung Samarins zum Pro— kurator des heiligen Synod. Bei seiner Energie und einen ganz intimen Beziehungen zu den allerhöchsten und den Hof- kreisen wird sich Samarin nicht damit begnügen, Ressortminister für Kultus zu sein, sondern die gesamte russische Politik beeinflussen. Die„Birshewija Wjedomosti“ sagt, Samarin sei fanatisch dem Absolutismus ergeben und Gegner der Verfassung und des Parlamentarismus nach europäischer Art. Wenn er zur Macht gelangt, wird er ein Rußland nach seiner Art schaffen unter der Fahne der Selbstherrlichkeit.
Die Haltung Rumäniens.
Berlin, 14. Juli. Ein Bukarester Brief Magrinis, des Korrespondenten des„Secolo“, stellt laut verschiedenen Morgen⸗ blättern sest, daß in Rumänien anstelle der anfänglichen En⸗ tentebegeisterung jetzt allgemein Gleichgültigkeit getreten sei. Magrini erkennt an, daß die deutsche Diplomatie in Verbin⸗ dung mit dem deutschen Heere auf der ganzen Linie gesiegt habe und daß an einen Eintritt Rumäniens in den Weltkonflikt nicht zu denken sei, wenn die militärische Lage in Galizien sich nicht von Grund aus ändere. ö
Der Zaunkönig und der Bär.
Berlin, 14. Juli. Wie der„Deutschen Tageszeitung“ aus Sofia berichtet wird, hätte der Zar den General Kaulbars in wichtiger Mission zum König Nikolaus von Montenegro ent- sandt. Wahrscheinlich bestehe diese darin, daß der Zar dem König Nikolaus nahelegen wird, Skutari zu räumen, da Italien gegen die Besetzung dieser Stadt bei den Mächten des Dreiverbandes Einspruch erhoben hat.
Die Furcht vor dem deutschen Einmarsch in Kurland. 10
Kopenhagen, 13. Juli.(Ctr. Pad Nach der„No⸗ woje Wremja“ werden in ganz Kurland Viehrequi⸗ sitionen vorgenommen. Jede Gutsbesitzersfamilie darf eine Kuh behalten, die bei der Annäherung des Feindes wegzuschaffen ist. Massen von Messingzeug, Kupfergegen⸗ ständen, auch Kirchenglocken, werden zu militärischen Zwek⸗ len weggenommen. Abteilungen werden gebildet, mit dem besonderen Auftrag, bei Annäherung des Feindes die Ernte zu vernichten. In den letzten Tagen verließen die Einwohner massenweise Südkurland, die Züge nach Windau sind überfüllt.(Frkf. Ztg.)
Ein österreichisch⸗ungarisches Rotbuch. 93
Wien, 13. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Der Minister des Auswärtigen veröffentlicht ein umfangreiches Rotbuch. Das diplomatische Aktenstück betrifft die Beziehungen Oester— reich⸗Ungarns zu Italien in der Zeit vom 20. Juli 1914 bis zum 23. Mai 1.915. Die darin enthaltenen Aktenstücke bestehen zum allergrößten Teil aus Mitteilungen und Erlassen des Ministers des Auswärtigen an den Bot⸗ schafter in Rom und aus dessen Berichten nach Wien.
Getreidepreise in Oesterreich. 8
Wien, 13. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Eine in der „Wiener Zeitung“ erscheinende sofort in Kraft tretende Verordnung setzt die Preise bis zur Ernte 1916 für Wei⸗ zen oder Spelz auf 34, für Roggen und Brau- gerste auf 28, für Futtergerste und Hafer auf 26 Kronen fest. Bei Abnahme von Weizen vor dem 16. Sep⸗ tember und Roggen vor dem 16. August und bei Hafer vor dem 1. Oktober 1915 werden noch feststehende Zuschläge be⸗ rechnet. Die Mehlpreissätze werden später veröffent⸗ licht werden. Die für die Brotherstellung benutzten Sorten werden eine erhebliche Preisermäßigung erfahren. Es steht fest, daß in einigen Wochen nur mehr unvermischtes Edel⸗ mehl in den Verkehr gesetzt wird.
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Aus dem Argonnerwalde.
Berlin, 14. Juli. Im Argonnerwald fand am ver⸗ gangenen Freitag ein Dankgottesdienst zur Feier des jüngsten deutschen Sieges in den Westargonnen statt. Wie verschiedene Berliner Morgenblätter nach dem„Kölner Stadtanzeiger“ be⸗
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