ur. 458 zweites Blatt
Erscheint taglich mit Ausnahme des Sonntags. 2 4 Die„Sietzener Familtenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Rreisblatt für den Kreis Gleßen“ zweimal
General⸗Anzeiger für Gberhessen
wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Seit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
165. Jahrgang
Donnerstag, 8. Juli 1015
Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schristleitung, Geschästsstelle u. Druckerei: Schul
straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrist⸗
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Bulgarien am Vorabend der Entscheidung.
„In Bulgarien wird die Ansicht immer ie 5 7 glatt an der Seite der Zentralmächte stehe“, so schreibt das in Sofia erscheinende Blatt„Mir“. Es ist das kein Jubelruf, sondern ein Stoßseufzer. Denn der gute„Mir“ ist stramm vierverbändlich gesinnt. Um so * ist die Ueberzeugung, die sich seiner Betrachtung er 45 unfreiwillig 1* Die Entente hat in Sofia verspielt. Die englischen un französischen Agenten ver⸗ lassen das sinkende Schiff. Die Journalisten des Vierver⸗ bands haben ihre Abreise beschlossen. Was Rußland be- trifft, so soll der Gesandte des Zaren, Sawinsky, in den letzten Wochen abermals eine Million Franks verteilt
en, um die Stimmung für Rußland zu retten. Aber diese etzte Bestechung hatte lediglich den Erfolg, daß die russen⸗ freundlichen Blätter zahlreiche Telegramme an die russische Gesandtschaft aus der Provinz veröffentlichten, in denen, Dankgottesdienste für die russischen„Siege“ und Bitt⸗ gottesdienste für den Sieg des„Slawentums“ über dessen teutonische Feinde berichtet werden. Eine andere Wirkung ließ sich nicht erzielen. Das bulgarische Volk billigt nack wie vor die Politik des Kabinetts, und Ministerpräsident Radoslawow bewährt sich als ein allererster Meister der diplomatischen Kunst. Er hat mit dem liebenswürdigsten 5 von der Welt den Ententemächten Ohrfeigen aus⸗ geteilt, ohne daß diese so recht zum Bewußtsein der beschä⸗ menden Abfuhr kamen. Der Sinn der ersten bulgarischen Note war doch kein anderer als: die Entente verkeilt das Fell eines Bären, den sie nicht erlegt hat und nie wird erl. können. Wenn wir Bulgaren das uns gnädigst zu⸗ 3 Neuland erst erobern müßten, so können wir
as ja auf eigene Faust tun, ohne uns dritten gegenüber u verpflichten. Und im übrigen legen wir auf eine Ge⸗ ietsvergrößerung nach Osten hin gar keinen Wert, weil wir das, was wir brauchen, von der Türkei auch auf fried⸗ lichem Wege erhalten... Damit hatte Radoslawow ange- deutet, was jetzt im Gange ist: Freundschaftliche Verhand⸗
lungen Bulgariens in Konstantinopel. Die Vierverbändler
hatten sich wieder einmal gründlich verrechnet, als sie annahmen, daß zwischen Byzanz und Sosia noch grimme Feindschaft herrsche. Das Gegenteil ist der Fall. Seitdem
bulgarische Volksteile nicht mehr oder doch nur in ver— schwindend geringer Zahl unter türkischer Herrschaft leben, haben sich gut freundnachbarliche Beziehungen zwischen Bulgarien und der Türkei eingestellt. Die beiden Staaten sind politisch und wirtschaftlich aufeinander angewiesen. Die Ausschaltung des nationalen Kampfobjekts hat sie zu Freunden gemacht. Und auf der Grundlage dieser neuen, durchaus gesunden Freundschaft bewegen sich die jetzigen Verhandlungen. Die Entente weiß, daß nun um die letzten Trümpfe gespielt wird. Am gestrigen Mittwoch dürfte die„allerneueste“ Note des Vierverbandes in Sofia über⸗ reicht worden sein. Werden auch diese allerletzten und äußer⸗ sten Vorschläge abgelehnt, so werde sich die Entente, wie es heißt,„demonstrativ von Bulgarien abwenden“. Radoslawow der das Spiel so glänzend wie kein anderer beherrscht, ist auch diesem letzten Schachzug bereits begegnet, indem er nochmals„Gegenfragen“ i- Paris, London und Petersburg einreichen ließ. In dieser Note fragt nämlich Bulgarien an, welchen Ersatz die Mächte Serbien für Mazedonien geboten hätten, das an Bulgarien fallen solle, welchen Umfang das Gebiet habe, das Bulgarien zug t sei, welche Garan⸗ tien Serbien bieten werde für Erfüllung seines Versprechens,
welche Teile der Dobrutscha Bulgarien von Rumänien er-
halte, welche tung Cavallas an
jechenland für die Abtre⸗
1 G chen seien und wie groß
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Das Jubiläum eines verbotenen Nönigsgartens. Zweihundert Jahre gerade sind vergangen, seit
te, sgarten schuf, den er, 7 Außenwelt historischen Erinnerungen umwo ten besonders interessteren. Der
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Ge⸗
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vielleicht Grotte von Capri und fleißige Chronist der Potsdamer Hohen⸗ zollern⸗„weil sein Vater sich seine Meierei Frederickdaal mach dem l von Marly bei Versailles hatte bauen lassen. Für die Damen des Hofes waren die vom König beliebten sommer⸗ lichen Nachmittagspartien nach diesem Marly, wie die Markgräfin Sophie Wilhelmine von Bayreuth eo ein Greuel; die manch⸗ mal etwas boshafte Schwester des großen Friedrich nannte das „in der Kühle des Herzogs von Vendome rösten“ ö wieder soll hier in dem, usthause“ auch das Tabakskollegium bei Kalbsbraten, Ducksteiner Bier, Hofnarrenpossen und zwanglosem
wie August Kovisch, der Dichter⸗Entdecker der Blauen
Politisieren stattgefunden haben, das sonst im Westflügel des Pots⸗[f
damer Stadtschlosses sein„Honoratiorenzimmer“ hatte, nie aber, wie zu Nutz und Frommen aller Besucher der Havelrestdenz nebenbei
Hin und
das Hinterland von Cavalla sein werde. Schließlich wird angefragt, nach welchen Grundsätzen die Mächte bei der Aufteilung der in diesem Kriege eroberten Gebiete vorgehen würden. Es wäre töricht, Herrn Radoslawow dieses lange, immer noch liebenswürdige Verhandeln mit unseren Geg⸗ nern übel zu nehmen. Man muß sich diese völlig isolierte Lage Bulgariens immer vor Augen führen, wenn man die Haltung des Landes im gegenwärtigen Kriege beurteilt. Wie ganz anders könnte Bulgarien auftreten, wenn es mit seinem nordwestlichen Zipfel unmittelbar an die österreichisch⸗ ungarische Monarchie grenzte, und wie ganz anders wird. es in Zukunft um das gesamte Balkanproblem stehen, wenn, wie zu hoffen ist, eine solche Angrenzung herbeigeführt wird, sei es im Kriege selbst oder im Friedensvertrage! Bul⸗ gariens Politik strebt nach dieser Abgrenzung! Die bul⸗ garische Armee steht schlagfertig da, genau so schlagfertig wie damals am Vorabend von Kirkilisse. Aber das Ziel ist ein anderes, und es wird eine von den vielen Ueberraschun⸗ gen dieses Weltkrieges geben, wenn Radoslawow seinen nächsten Schachzug tut.
Sofia, 7. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Agence Bul⸗
ch gare“ ertlärt: Griechische Blätter melden angebliche Verfügungen
der bulgarischen Regierung, nach denen von nun an nur bul⸗ garische Staatsangehörige in Dedeagatsch landen dürfen. Die Meldung beruht auf reiner Erfindung.
Petersburg, 7. Juli.(WTB Nichtamtlich.) Der„Rietsch“ behauptet, die verantwortlichen russischen Diplomaten erwarteten für die nächste Zeit keine Veränderung der Politik der Balkanstaaten. Die Verhandlungen des Dreiverbandes mit Bulgarien und Rumänien gingen nicht vorwärts. In Griechenland würden gegenwärtig keine Verhandlungen eführt, weil man die Einberufung des Parlaments erwarte. Die Besetzung von Skutari durch montenegrinische Truppen habe nach Ansicht diplomatischer Kreise keine entscheidende Bedeutung. Das Schicksal von Skutari werde im künftigen Friedenskongreß entschieden werden, ohne Rücksicht, wer zufällig das Gebiet besetzt halte. Bis dahin gelte noch der Beschluß der Londoner Konferenz über Albanien. Die Besetzung eines Teiles von Albanien durch die Griechen und die Besetzung von Valona durch die Italiener geschah mit Billigung der Großmächte. Zur Besetzung von Skutari durch— Montenegriner gaben die Großmächte ihre Genehmi⸗ gung nicht.
In den Ruinen von Arras.
Ein französischer Berichterstatter schildert im„Temps“ die Eindrücke einer Reise, die ihn in den Mittelpunkt der hei ßum⸗ strittenen Kampfzone von Arras führte:„Auf dem Wege nach Arras mußten wir wegen der vielen Privat- und Militärwagen unseren Schritt verlangsamen. Bald haben wir aber die gesperrte Zone hinter uns, und es ist uns nun vergönnt, ein seltenes Schau⸗ spiel mitanzusehen. Wix wohnen einem Luftkampf bei: eine Taube verfolgt einen französischen Flieger, der, in weiße Schrapnell⸗ wolken gehüllt, einen eigenartigen Anblick gewährt. Die Bäue⸗ rinnen buddeln währenddessen in größter Seelenruhe weiter ihre Rüben aus. In einiger Entfernung erblickt man die Türme von Mont⸗Saint⸗Eloi, die durch lange Risse zerfetzt und durchlöchert sind, aber noch aufrecht stehen. Nicht weit davon sieht man die schlanke Silhouette des Dorfkirchturms. Man hört ganz deutlich den Kanonendonner und das Kleingewehrfeuer. Schwarzer Rauch steigt über Neuville-Saint⸗Vaast, Ecurie, Thelus, Chanteclair, wo der Brand tobt, auf. Der Angriff und der Gegenstoß sind bet diesem Artilleriekampf, der unaufhörlich seit acht Monaten anhält, gleich lebhaft, aber noch nie zuvor war er so heftig. Wir überschreiten das Tor Randon, ganz erfüllt von dem schmerzlichen Gedanken an die Ruinen, die sich nun unseren Augen darbieten werden. Die Ruinen haben sich denn auch durch die andauernde Beschießung von Tag zu Tag vermehrt. Da sind die Ueberbleibsel des Rathauses, das einzig in seiner Art mit seinem alten Wartturm auf alle Bewohner von Arras seine Anziehungskraft ausübt. Es ist nur noch ein Drittel davon vorhanden, das dank seiner festen Sand⸗ steinschicht der Wirkung der Granaten großen oder mittleren Ka-
libers trotzt. Es steht mitten in den Ruinen eines ganzen Stadt⸗ viertels, in dem Hunderte von Häusern wie vom Erdboden ver⸗ schwunden sind. Moos beginnt auf dem unteren Teil der form⸗ losen Steine zu grünen. Wie durch eine bittere Ironie ist ein kleiner Pavillon, die Küche eines zerstörten Hauses, das von einem Greise bewohnt wurde, stehen geblieben, es ist die letzte Spur dieser mehr oder minder prächtiger Häuser von Arras. Nur dieser kleine Pavillon erinnert noch an das Leben in diesem einst so belebten Stadtteil, in dem das regste geschäftliche Leben herrschte. Außer in einigen bevorzugten Vierteln sieht man überall die durch Feuer beschädigten Häuser, die eingestürzten Dächer, die aufgerissenen Fassaden, die durchlöcherten oder gespaltenen Mauern. Die öffent⸗ lichen Gebäude haben ganz besonders gelitten: Präfektur, Kran⸗ kenhäuser, Schulen, der Dom und andere Kirchen, Bahnhof und Kasernen bieten das Bild vollständigster Verwüstung. Die öffent⸗ lichen Gärten mit ihren hundertjährigen Bäumen sind für Ver⸗ teidigungszwecke hergerichtet worden und bieten einen seltsamen Anblick. Während eines Spazieganges werde ich öfter durch ein grausiges, wohlbekanntes Pfeifen angehalten, das mich natürlich veranlaßt, die üblichen Vorsichtsmaßregeln zu brauchen. Im Vorübergehen wechsele ich einige Worte mit den wenigen Bürgern, die hier zurückgeblieben sind, und die froh sind, etwas vort der Außenwelt zu hören. Der Nachrichtendienst vollzieht sich hier nämlich allein durch einen Kolonialwarenhändler, der den Vor⸗ — hat, Zeitungen aus Paris oder Boulogne-sur⸗Mer zu er⸗ halten.“
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„Jack“ Morgan.
Morgan der Jüngere, auf den dieser Tage ein Anschlag verübt worden ist, kann mit einigem Rechte der Bankier der Entente genannt werden, und es gibt Amerikaner, die die naive Vorstellung haben, daß der Weltkrieg im letzten Grunde eigentlich zwischen Morgan, dem Geldherrn, und„The Kaiser“ dem„War Lord“ geführt werde. Morgan der Jüngere ist der einzige Sohn seines in der Welt den Millionen so bekannt gewordenen Vaters aus dessen zweiter Ehe mit Miß Frances L. Tracy, der Tochter eines be⸗ kannten amerilanischen Juristen. Geboren im Jahre 1867 erhielt der jüngere Morgan seine Erziehung auf der Har— vard⸗Universität und wurde dann methodisch für das Bank⸗ gewerbe herangebildet. Lange Jahre leitete er die Zweig⸗ niederlassung des New Yorker Bankhauses in London, wo er als„Jack Morgan“ in Bankkreisen eine sehr bekannte
[Gestalt wurde. Speziell die Bankgeschäfte mit dem Aus-
lande fielen in seinen Geschäftskreis und schon bei Lebzeiten des Vaters machte er sich bei verschiedenen größeren Unter- nehmungen als geschickter Geschäftsmann bemerklich. Als der ältere Morgan starb, war es zunächst einigermaßen fraglich, wer als der Hauptleiter des Bankhauses sein Nach⸗ folger werden sollte. Außer ihm hatten damals noch eine ganze Reihe von Geschäftsleuten Anteil an dem Hause, unter denen besonders die Herren Porter und Davidson aner⸗ kannte Geschäftsleute von selbständiger Bedeutung waren. Es ist jedoch dem jungen Morgan offenbar gelungen, die Führung an sich zu ziehen, und somit der Erbe nicht nur des Vermögens, sondern auch der Finanzmacht seines Vaters zu werden. Morgan junior weist in seiner äußeren Erschei⸗ nung viel Aehnlichkeit mit seinem verstorbenen Vater auf, während er sich im Charakter von ihm nicht unwesentlich unterscheidet. Der alte Morgan war scharf, schnell und oft geradezu schroff, während sein Sohn viel verbindlicher in seinen Formen ist und seine Entschlüsse mit großem Be⸗ dachte und eher langsam zu fassen pflegt. Darin aber stimmt er wieder mit seinem Vater überein, daß er ein ganz schlich⸗ tes und zurückgezogenes Leben liebt; die Kunstinteressen des älteren Morgan, über deren Echtheit und Ursprüng⸗ lichkeit man eigentlich nie ganz ins Klare kommen konnte, teilt sein Sohn und Nachfolger jedenfalls nicht; vielmehr hat er, wie bekannt, schon im vorigen Jahre mit dem Ver⸗
angemerkt sei, in dem sog. Tabakshäuschen auf dem Bassin platz Nach dem Tode des„Soldatenkönigs“ verfiel sein geliebtes Marly. Der Küchengarten blieb bestehen, aber an den leichten Fachwerk⸗ bauten nagte unermüdlich der bekannte Shakespearesche„Zahn der Zeit“, und heute erinnern nur der erwähnte Kugelfang und die Türmchen vom Schießhause an Marlys„Gründerjahre“... 130 Sommer später schuf dann hier, als gartenarchitektonischen Abschluß der Friedenskirche und„für den König reserviertes“ Idyll edacht, der große Lenns das neue Marly. Mancher am Hofe Friedrich Wilhelms IV. hatte ein Gefühl von dem, was wir heute Heimatschutz nennen, und machte aus der Pietät geborene Bedenken 1 aber der König entschied:„Der Name Marly soll ihm leiben, machen wir den Garten schöner, so tun wir kein Unrecht“. In diesem Falle hatte der„Romantiker auf dem Thron“ recht, ebenso wie sein Vater, als er Lenne bei der Umgestaltung des verwilderten Sanssouci freie Hand ließ, die von dem friederizia⸗ nischen* 9 mit seinen holländischen Blumenbeeten, Bosketts und vergoldeten Bleifiguren eigentlich nur die Terrassen⸗ anlage schonte. Den Hauptpunkt des neuen Marly bildet seitdem der Teeplatz mit den Blumenaxabesken und eine Miniaturalpen⸗ landschaft, in der die stille Königin Elisabeth ihre Primeln, Enziane, Alpenrosen, Saxifragen. Bergnelken und andere kleine Gebirgsblüher pflegte, die sie an Tegernsee und die bayrische Berg⸗ heimat erinnerten, sie, die den herben landschaftlichen Reizen der Mark ebenso fremd blieb wie einst Goethe. Hier schuf sie sich ein Buen Retino in abgeschiedener Einsamleit, die nur manchmal ein Besuch des Königs mit dem vielgeschäftigen Alexander von Humboldt unterbrach; hier erinnern allerhand kleine Idylle an die kurze Glückszeit dieses Herrscherpaares; die marmorne Früh⸗ lingsgöttin auf dem Blumenhügel; der Goldfischteich mit dem kleinen Angler und Wichmauns„Wasserschöpferin“ im Erlen⸗ ebüsch: der Knabe mit dem Vogelnest in den Hügelschluchten, wo die Heimatlbumen der Königin blühten, die Bacchanten mit der Schale und der anmutige Teeplatz, wo man nicht nur ästhetisierte, sondern auch bessere Tafelfreuden kannte als einst die arme Prin⸗ zessin Wilhelmine, die hier über das„frugale Abendbrot“ ihres eee Vaters wenig erbaut war... Einst hatte man von
arly reizvolle Fernsichten über Sanssouci, den Bornstedter Weg, die Weinberge. Aber längst ist heute der schöne stille Garten, im dem sich seltsam die Erinnerungen an den ungefügen Vater des Fuer Friedrich mit seinen massiven Liebhabereien und die feinste
lturblüte des Biedermeiertums begegnen, jedem fremden Be⸗ sucher verschlossen.
— Deutsches„Teufelswerk“ vor 500 Jahren. Die„barbarische“ Kriegführung der Deutschen ist durchaus kein origineller Vorwurf unserer gegenwärtigen Feinde. Sofort nach der Erfindung des Schießpulvers war er aufgetaucht und er hat ich immer wiederholt, wenn sich deutsche Kriegführung durch strategische Leistungen oder technische Mittel überlegen zeigte. So wie heute die Engländer gegen die„Pest der Unterseeboote“ wüten,
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weil sie dieser schneidigen Waffe ohnmächtig gegenüberstehen, so wütete bereits um die Mitte des 14. Jahrhunderts Petrarca gegen die neue deutsche Pest der Donnerbüchsen und Kanonen, wie wir einem interessanten Werke von H. Diels über antike Technik ent⸗ nehmen. Derselben Quelle entstammt auch ein Hinweis auf die Klage Ariosts über das Teufelswerk der Feuerrohre, die mit der Romantik des alten Ritterwesens aufgeräumt hatten. Nach dem Siege Rolands über den Friesenkönig Cimosko, der, allerdings vergebens, sein zwei Ellen langes Feuerrohr ins Feld geführt hatte, wirft Roland seine Beute in die tiefe See,„daß das verfluchte Rohr hinfürder kein Unheil mehr anstiften und Rittertugend zu Schanden könne.“ Die Maschine steigt trotzdem wieder in die Höhe und Ariost klagt beweglich:
„Gib, armer Krieger, alle Deine Waffen
Der Schmiede hin bis auf Dein gutes Schwert!
Du mußt Dich an die Büchse jetzt gewöhnen
Denn sonst wird wahrlich niemand mehr Dich löhnen!
Wie fandest Du nur Eingang bei den Toren O Du verruchte dumme Teufelskunst? Durch Dich ging jeder Waffenruhm verloren, Die Ritterehre ward zum eitlen Dunst!“ Die Betroffenen lassen auch heute wieder ihrer Empörung und ihrer gut gespielten Entrüstung freien Lauf, wenn sie den Stolz ihrer A a ee sehen. Für ihr ohnmächtiges Grollen haben
herausgefordert, all unser Können aufzubieten, um der Macht der Massen im Interesse des bedrohten Volkstumes Herr zu werden.
— Invalide Bühnenkünstler. In einer Zeit, in der so viele kräftige Männer aus den verschiedensten Berufen den Verlust wertvoller Organe zu beklagen haben, mag die Erinnerung an zwei Bühnenkünstler erweckt werden, die in solcher Lage waren, ohne doch ihrem Beruf F müssen. Der Schauspieler Weilenbeck, der bei den Meiningern wirkte und auf deren Reisegastspielen„Bewunderung erregte, war blind. Trotzdem waren dem Künstler große künstlerische Aufgaben anvertraut. So spielte er den Shylock, Papst Sixtus, den eingebildeten Kranken usw. Trotz völliger Blindheit bewegte er sich auf der Bühne so, daß der Zuschauer dieses nicht wahrzunehmen brauchte. Freilich wurde bei den Proben genau die Zahl der Schritte ausgerechnet und festgelegt, die er jedesmal auf der Bühne zu machen hatte.— Der durch seine Gastspiele auch in Deutschland bekannt gewordene französische Tenorist Gustave Roger(1815 bis 1879) hatte, nachdem er bereits ein berühmter Sänger war, im Jahre 1859 das Unglück, durch einen Unfall auf der Jagd den rechten Arm zu verlieren. Durch einen meisterhaft gefertigten künstlichen Arm wurde das fehlende Glied ersetzt, und nun hatte Roger erst recht ße Erfolge, denn nun wollte jeder nicht nur Roger hören, sondern auch sein Spiel mit dem linken und nach mehr sein Hantieren mit dem rochten Arm sehen, und die Roger⸗ Bewunderung galt nun nicht mehr bloß der herrlichen Stimme.
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wir aber nur ein abweisendes Achselzucken. Sie haben uns x


