Ausgabe 
(7.7.1915) 157. Zweites Blatt
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zweites Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSlehener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Ureis Sießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen öeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

neues vom Seldmarschal Hindenburg

Aus dem Großen Hauptquartier wird uns eschrieben: Nördlich des Niemen haben Truppen, die zum Besehlsbereich des schalls v. Hindenburg gehören, ein großes Stück des ö fest in der Hand. Ueber 100 Kilometer kann man von der ostpreußischen Grenze gen Nordosten fahren, bis man auf die deutschen Tüiameeiestellum gen stößt, die sich in einer Breite von rund 250 Kilometern zum Niemen⸗Strom hinunter und Ostseestrande jenseits Libau hinaufziehen. Noch sind die berattonen dort nicht abgeschlossen und die Russen werden sic noch manchmal darüber die Köpfe zerbrechen, was ihnen dort 190 n batte sich der Feind, wie wir von gefangenen Offi⸗ ieren wissen, über die Bedeutung des deutschen Einbruchs in Varlend rundlich getäuscht. Er glaubte nur ein auf Verblüffung Reiterunternehmen por sich zu haben, dem vielleicht 2 auf Kraftwagen mitgeführte Infanterieteile als Rückhalt dienten. Erst der kraftvolle Widerstand unserer Truppen gegen die russischen Verstärkungen und die wohlge⸗

genstöße zeigten den wahren Sachverhalt. um der Russen war erklärlich. Denn verblüffend Schnelligkeit des Vormarsches eine Glanz⸗ deutschen Truppen und ihrer Führer. Binnem ge hatte der mit der Leitung des Unternehmens be⸗ Generalleutnant v. Lauenstein die Vorbereitungen getrof⸗ denen auch eine Verabredung mit den in der Ostsee ope⸗

2 7 chenn der Einmarsch aus den 1 ma aus Kolonne ging bei 3 ö zu, eine andere 125 Kilometer davon entfernt brach aus dem ost⸗ K meter in der Kavallerie 6 7 0 17 5

ciany au iderstand un! mußte den Uebergang über den Minia⸗Abschnitt unter dem Feuer russischer Artillerie erzwingen, kam aber ebenfalls ein ck vorwärts Eine dritte Kolonne rückte in der Mitte langsamer vor. Die Kühnheit dieses so weit ausgreifenden Unter⸗ nehmens wird noch klarer, wenn man bedenkt, daß die Nachrichten über Art und Stärke des Feindes recht unsicher lauteten und daß sich Ende April das Land noch in einem Aggregatzustande befand, der ein Fortbewegen vielfach nur auf den Straßen zuließ. Morgen des zweiten Tages stellte es sich heraus, daß der an der großen Straße TilsitMitau bei Skaudwile stehende Gegner sich eiligst der drohenden Umfassung seiner linken Flanke entzogen Sg abgezogen war. Sofort wurde die 1Sie nahm noch am Abend Kielmy, war also in zwei Tagen 75 Kilometer vorwärts gekommen. Die N schwierigen, meist morastigen Ge⸗ 5 ße Anstrengungen zu überwinden, weshalb die Mittelkolonne sie durch einen Halblinksvormarsch unterstützte, er⸗ reichte aber mit Kavallerie doch schon Worny an der Seenlinie westlich von Kielmy. Der dritte Tag führte die rechte Kolonne bereits über den vom verteidigten Windawski⸗Kanal, die linke nach Worny und Telsze, ihre Kavallerie nach Trischki nord⸗ westlich von Szawle. Fast 100 Kilometer sind nach vorwärts ge⸗ 9 3 in Kurland wohl nur Kavallerie und eichs en, Verstärkungen heran und laden sie zwischen Szawle und Szadow aus. Aber die deutsche Truppenführung läßt sich dadurch nicht beirren; die Kavallerie erhält den Befehl, die Bahnen zu zer⸗ stören und um Szawle herumzugreifen; und es geht weiter vor⸗

Am Nachmittag des 30. April, des vierten Tages, zieht die rechte Kolonne in Szawle ein, das die Russen angesteckt haben, und verfolgt noch ein Stück darüber hinaus. Die Kavallerie erbeutet auf der Straße nach JanischkiMitau Maschinengewehre, Mu- wagen und Bagagen. Sie zerstört die Bahnen südwestlich

und nordwestlich von Szawle. Der nächste Tag bringt Nachrichten, wonach der Feind von 0 her Truppen schickt, um unsere rechte 2 bedrohen. Die Infant. wird daher angehalten und nach rechts verschoben mit der Weisung, die Dubissa⸗Linie zu hal⸗ ten! die Kavallerie jedoch greift immer weiter vor. Sie besetzt

N Gefechten Janischki und Shagory, die nur noch sechs Meilen

0

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entfernt liegen, und nimmt Gefangene, Maschinen⸗

gewehre und 1 des in voller Auflösung nach Mien flüch⸗ tenden Feindes. Am 2. Mai kreist sie die im Zwischenraum noch stehengebliebenen Russen bei Skaisgiry ein und macht 1000 Ge⸗ sangene. Umfangreiche Bahnzerstörungen an allen erreichbaren gelingen nach Wunsch. Dann wird die Kavallerie der rechten Kwlonne zurückgenommen, um den Gegenstoß an der Dubissa zu unterstu n f obwohl schon das Eintreffen in Mitau gemeldet wird, über Grünhof Russen gefangen und steht am 3. Mai

ziehen nun schleunigst mit der Bahn L

105. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

mittwoch, 7. Juli 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brü hl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schristleitung, Geschästsstelle u. Druckerei: Schul straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: 51, Schrist⸗ leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. *

Kavallerie sind um so höher zu bewerten, als die Wege in denk⸗ bar schlechstem Zustande, die Flußübergänge vielfach zerstört und die Russen keineswegs überall ohne Kampfkraft waren. Nun stellte die Abwehr des russischen Vorstoßes gogen unsere rechte Flanke neue hohe Anforderungen an die Ausdauer der Truppen. Eine um⸗ fassende Gegenoffensive an der Dubissa bewies dem Feinde, wie sehr er die Stärke der deutschen Truppen unterschätzt hatte. Erst allmählich erholte er sich von der Ueberraschung und schaffte neue Infanterie-, Kavallerie- und Artilleriemassen heran. Zu gleicher Zeit aber erlebten die Russen noch eine besondere Ueberraschung, auf die sie allem Anschein nach gar nicht gefaßt waren: den Zug auf Libau. Während unsere Hauptkolonnen in Eilmärschen auf die obere Dubissa zustrebten, ging eine Nebenkolonne von Memel her nordwärts etwas langsamer vor. Eine Abteilung derselben mar⸗ schierte über Schkudy, eine andere nahe am Strande von Süden her auf Libau vor. Vom Feinde war nicht viel zu merken. Die Marine hatte ihn schon am 29. April durch die Beschießung von Libau eingeschüchtert. Am 6. Mai sprengte er selbst die Ostforts, dann brachten unsere Kriegsschiffe auch die Strandbattersen zum Schweigen. Die Landtruppen, die an eine so schwache Verteidigung des großen Hafens nicht glauben wollten und immer auf einen Hinterhalt gefaßt waren, nahmen die Südforts nach kurzem Ge⸗ fecht und griffen von der Landseite an. Aber die Russen waren tatsächlich auf diesen Schlag nicht vorbereitet gewesen. Sie konnten nur noch in Mitau stärkere Truppen ausladen und in füdwest⸗ licher Richtung vorschicken, vermochten jedoch unsere langsam nach⸗ gebende Linie nicht A1 durchbrechen. Am 8. Mai, 6 Uhr morgens, zogen die deutschen Soldaten in Libau ein. Etwa 1500 Gefangene, 12 Geschütze und eine Anzahl Maschinengewehre bildeten die Beute. Der frische Wagemut fand schönen Lohn. Schnell wurden Ab⸗ teilungen zur Sicherung des Platzes um etwa 50 Kilometer über Prekuln, über Hasenpot und am Strande vorgeschoben. Sie haben bisher alle Stöße des allmählich sich sammelnden Gegners ab⸗ gewehrt und werden das auch ferner tun. WN

Der Wert des ganzen Einbruchs in Kurland sowie die Ent⸗ wickelung der weiteren Kämpfe am Dubissa⸗Abschnitt sind noch besonders zu erörtern.

Ein Gespräch mit Aronprinz Rupprecht.

Der Berichterstatter derNew York Times im Hauptquartier des Kronprinzen Rupprecht veröffentlicht einen ausführlichen Be⸗ richt über ein Gesprüch, das er mit dem bayerischen Heerführer gehabt hat. Kronprinz Rupprecht sprach davon, daß er den Wunsch hätte, im Osten zu sein und seinen bayerischen Kameraden zu helfen, die Russen niederzuschmettern.Die im Osten sind der Hammer, sagte er.Hier bin ich nur der Amboß. Meine Auf⸗ gabe ist es gewesen, auszuhalten. Im weiteren Verlauf des Ge⸗ spräches äußerte sich der Kronprinz über den verschwenderischen Gebrauch der Munition bei den Franzosen.Ich möchte sagen, daß die Franzosen 3 bis 4 Millionen Granaten bei der Offensibe gegen meine Armee verbraucht haben. In sechs Wochen feuerte die französische Artillerie im Durchschnitt nahezu 100 000 Granaten täglich. Unsere Beobachtungen zeigen, daß der französische offizielle Bericht richtig war, in dem festgestellt wurde, daß die Artilleristen an einem Tage 300 000 Granaten abgefeuert hätten was der höchste Stand der Artillerieleistung an dieser Stelle gewesen ist. Weiter sprach er von Joffres letzter Offensive, die mit einem furcht⸗ baren Artilleriefeuer am 9. Mai einsetzte und seitdem stän aufrecht erhalten wurde, mit einer Folge von verzweifelten I blutigen Angriffen, um seinen Durchbruch durch die deutschen inien zu versuchen.Die einzige Hoffnung auf Erfolg würde 1 5 sein, auf einer breiten Front von nicht weniger als

0 Kilometer durclgzubrechen, aber es ist ihnen nicht einmal auf einer kleinen Front gelungen. Meine Linie ist nicht an einem ein⸗ zigen Punkt durchbrochen worden. Das ganze Ergebnis der Offen⸗ sive war die ückdrängung eines kleinen Abschnittes unserer Linie, Ich schätze ihre Verkuste auf 60 000. Wir ziehen es immer vor, den Feind nicht zu unterschätzen; es ist weiser, nicht allzu A zu sein, außer in dem einen dem eisernen Willen zu siegen.

Kronprinz Rupprecht zollte den Franzosen Achtung, indem er erklärte, daß sie tapfer gekämpft hätten, selbst wenn ihre Lage offensichtlich hoffnungslos war. Er glaubte, daß Joffres Offen⸗ sive diesmal zu Ende wäre, aber es wäre wohl möglich, daß die Franzosen mit größeren Truppenmassen und mehr schwerer Ar⸗ tillerie zu einem neuen Versuch zurückkehren. Der bayerische Heer⸗ führer erwähnte auch den glänzenden Kampf seiner Leute bei Neuve Chapelle, wo drei deutsche Bataillone beim! Beginn der britischen Offensive 48 englischen Bataillonen standgehalten haben, bis die Verstärkungen eintrafen. Nach seiner Meinung waren die englischen Verluste schwerer als es zugegeben wurde, wahrscheinlich 35000. Als die Frage aufgeworfen wurde:Wo ist Kitcheners Armee?, bemerkte der Berichterstatter, daß der Kronprinz und sein Stab darüber Genaueres zu erfahren wünschten. Alle stimmten überein, daß sie noch nicht mit ihr zusammenge⸗ troffen wären und daß die neue Armec noch keine Offensive ver⸗ sucht hätte, wenn auch der Kronprinz erklärte, daß er einige von Kitcheners neuen Truppen gesehen hätte, die augenscheinlich zur Auffüllung der Verluste in den Linien dienten.Wir haben jetzt

blich auf das Unterhaltungs⸗ zugeschnittenen Spielplan. Nur

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wieder kommt eine neue Wendung oder ein neuer, unerwarteter Trick, an dem man seine Freude haben kann. Und was das Beste an der Sache bleibt, diese Freude ist, trotz aller kleinen Bosheiten, harmlos Die Aufführung, die das Publikum allein schon durch den Blick in die geheimnisvolle Welt hinter den Kulissen brennend interessierte, hatte in Fritz Friedmann⸗Frederich den Regisseur, der wirklich aus einer Sache etwas zu machen versteht. Der vielgewandte Ferry Sikla spielte gleich drei Rollen, und alle drei unglaublich echt und überzeugend. Berthold Reisig, eine junge, aber vielversprechende Kraft, Adolf Suchanek, sonst Schwerenöter, diesmal ein deutsch⸗radebrechender amerikanischer Generalkonsul, und Max Ruhbeck waren trefflich, und von den Damen verdient vor allen Agnes Straub, ein temperament⸗ voller neuer Stern am Bühnen himmel, lobende Erwähnung. Und der Dichter? Auf dem Zettel nennt er sich Harry Voßberg: ein unbekannter Name. Und den Beweis, daß es wirklich ein un⸗ bekannter Autor war, lieferte sein Erscheinen auf der Bühne. Es ging das Gerücht, Voßberg habe bisher nur ernste Dramen geschrieben; vielleicht hat er sich bei dem Bewerb um die Auf⸗ führung eines Kindes seiner tragischen Muse die Erfahrungen er in seiner Burleskg mit so glänzendem Erfolg verwertet hat? Auch dann bleibt sein Stückchen eine starle Talentprobe. Ein erfolgreicher Schwank. Man schreibt uns aus Hannover: In der Schauburg gab es eine sehr erfolgreiche Uraufführung. Der neue Schwank in drei Akten von Eduard Eugen Ritter und Toni Impekoven:Die Diener lassen bitten ging unter anhaltenden Lachstürmen und rau⸗ schendem Beifall in Szene. Eine sehf vergnügliche Idee.. daß nämlich die Diener einer adligen Ritlerschaft in Verkehrung der bekannten Berliner Ballidee einen Herrschaftsball veranstalten und daß zu diesem Balle ein Kommerzienrat, der gern in die Ritter⸗ schaft aufgenommen werden möchte, eingeladen, und für seinen eigenen Diener gehalten und danach behandelt wird, ist mit wirk⸗ samster Steigerung der Handlung bis zum besonders wirkungs⸗ vollen dritten Akte, mit frischem, ungezwungenen Dialog, mit tüch⸗ 75 1 die sonst so 8 24 Ueber⸗ treibungen durchgeführt. Es ist Schwung und Witz in ganzen, und dabei ist vom Anfang bis zum Ende die vollste Anständigkeit

nicht viele englische Gefangene gemacht, sagte er, weil die Eng⸗ länder in letzter Zeit nicht viel unternommen haben. Es war vier Tage her, seit die Engländer ihren letzten Angriff gemacht batten. Ein anderer Grund läge darin, daß die Verwundeten, die dicht bei den deutschen Linien niederfielen, den ganzen Tag sich tot stellten und in der Nacht zu ihren Linien zurückzukriechen suchten. Einige, die gefangen wurden, sagten aus, daß sie befürchteten, den Bayern in die Hände zu fallen, weil berichtet wäre, daß diese alle Gefangenen töteten. Kronprinz Rupprecht erzählte, daß er Aehnliches auch in englischen Zeitungen gelesen hätte und erklärte es für Unsinn.Im Gegenteil wollen wir alle englischen Ge⸗ fangenen, die wir bekommen können, haben. Lebende Englander sind wertvoller als tote Leute, weil die Toten nichts mehr aus⸗ sagen können.

Zurückhaltender wurde der Kronprinz, als er gefragt wurde, . i e

en Ansicht wäre wie sein Gener Gra 5 daß der Krieg zu Ende wäre, wenn die Verbündeten nicht die amerikanische Munition erhielten. Er sagte, daß sie sehr viele amerikanische Munition festgestellt hätten. Diese wäre der Grund, weshalb die französische Artillerie so verblüffende Mengen ver⸗ schießen könnte: er schätze, daß 50 Prozent der Granten, die von den Franzosen verfeuert werden, amerikanischen Ursprunges wävert. Die letzte französische Offensiwe würde ohne amerikanische Gra⸗ naten nicht möglich gewesen sein. Amerikanische Munition ver⸗ längert den Krieg unzweifelhaft um viele Monate.

1 0(WTB. Nichtamtlich.) Staats⸗ minister Graf Hertling hat sich gestern abend auf einige

Eingesandt. Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Vom Autofahren.

Auto darf heute nur fahren, wer dasselbe dringend im Beruf nötig hat. Mäntel und Schläuche sind nicht mehr zu haben. Deshalb müssen sie auf jede Art geschont werden. Es sollten des halb die Straßenwärter angewiesen werden, die Straßen von Steinen freizuhalten. Auch wird dringend gebeten, im Herbst die geflickten Straßen zu walzen oder für dieses Jahr vom Flick⸗ system ganz abzusehen. en-

Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch. und Brotpreise am 5. Juli 1915.

Schlachtviehpreise im Fee a. M.

(Für Form und übernimmt die

Ileischpreise in Gießen

Ochsen 9 5 r e ½ Kg. 120124 Pfg. . Mt.

Kälber% Kg. Schlachtgw. 93.120 0.0/ 110114,

Schweine/ 2 1 455, A 156000

1 8 Getreidepreise m Mann he im Brotpreise in Gießen:

Weizen 100 Kg. 29.55 Mk. Weißbrot 2 Kg. Pfg., Roggen 100 Kg. 25.55 Mt. Schwarzbrot 2 Kg. 71 Pfg.

Märkte.

le. Frankfurt a. M. Schweinemarktbericht vom 7. Juli. Ausgetrieben waren 370 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 118.00 122.50 Mk., Schlachtgewicht 140.00 145.00 M., vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 115.00118.00 Mk., Schlachtgewicht 135.00 140.00 Mk. vollfleischige Schweine von 100120 kg Lebendgewicht 118.00122.00 Mk., Schlachtgewicht 140.0014 Mk.: vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 118.00 122.00 Mk., Schlachtgewicht 140.00 145.00 Mk. Geschäft ziemlich rege.

e, Frankfurt a. M., 6. Juli. Heu- und Strohmarkt. Auf dem heutigen Markt war infolge der starken Aufkäuse der ver schiedenen Proviantämter nichts angefahren.

ch. Nieder⸗Jugelheim, 6. Juli. Kirschen 2040 Mk., Stachel⸗ beeren 1823 Mk., Johannisbeeren 1822 Mk., Pfirsische 70 bis 110 Mk., Aprikosen 5070 Mk., Nüsse 10 Mk. der Zentner.

oh. Heidesheim, 6. Juli. Buschbohnen 2528 Mk., Süß- kirschen 2028 Mk., Sauerkirschen 2230 Mk., Johannisbeeren 1822 Mk., Stachelbeeren 1822 Mk., Himbeeren 4050 Mk., Frühbirnen 1418 Mk., Aprikosen 4050 Mk. der Zentner.

ch. Bühl(Baden), 6. Juli. Kirschen 1624 Mk., Johannis- beeren 1718 Mk., Heidelbeeren 2022 Mk., Stachelbeeren 22 bis 24 Mk., Birnen 25 Mk, gelbe Frühpflaumen(Spillinge) 35 Mk. der Zentner.

und Harmlosigkeit gewahrt. Man freut sich ehrlich und aufrichtig, daß es auch so geht. Die Darstellung war vorzüglich; die Haupt⸗ rolle des Kommerzienrates spielte Fritz Odemar mit köstlicher Laune und feiner Vertiefung. Auch den anderen Mit⸗ wirkenden gebührt volle Anerkennung, insbesondere der gewandten und flotten Regie von Ewald Schindler. Das lustige Stück wird zweifellos seinen Weg über alle Bühnen nehmen, denn der Vorrat an solchen Arbeiten, die wirklich gut und auf ihrem Gebiete wertvoll sind, ist nicht groß.

Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.

Stoffarben. Wissen Sie, was mauve bedeutet? Sie wissen es nicht? Es ist schrecklich, wenn man so etwas nicht weiß, und ärgerlich, wenn man erst ein Wörterbuch aufschlagen muß, um zu erfahren, daß mauve eine Farbe bedeutet. Aber das ist ja nicht das einzige französische Eigenschaftswort, das die guten Deutschen zur Bezeichnung von Stoffarben benutzen. Muß das so sein? Das mittelhochdeutsche Wörterbuch von Müller und Zarncke zeigt, daß unsere Sprache vor 700 Jahren neben den Grundfarben etwa 100 gutdeutsche Farbbezeichnungen hatte, und das Verzeichnis der Zwickauer Tuchmachermeister, das sich über mehr als 370 Jahre erstreckt, gibt bei jedem Meisterstück an, wie der Stoff gefärbt war. Er hatte Fürstenfarbe, Federfarbe, Haar⸗ farbe, Lederfarbe, Kranichfarbe, Zimtfarbe. Aber schon im An⸗ fang des 18. Jahrhunderts Fremdwörter für Farben auf. Darunter erschien Couleurfarbe und verdrängte das Wort manecvar oder missevar( bunt, fahl), wie es in mhd. Zeit hieß. Was will jedoch dieser einzelne Eindringling im Vergleich zu dem Gewimmel von Fremdwörtern in den heutigen Mode⸗ zeitungen bedeuten? Und wie leicht lassen sie sich ersetzen! Couleur ist buntfarbig, bordeaux weinrot, chamois reh oder gemsfarbig, cerise kirschrot, erème elfenbein- oder sahnefarbig, Ecru bastfarbig, fraise erdbeerfarbig, taupe maulwurfsgrau und mauve malven⸗ farbig. Sagen wir doch für beige naturfarbig, für, changeant schillernd, für uni einfarbig. Unsere Sprache ist so reich, daß wir nicht ins Ausland auf Wortbettel zu gehen brauchen.

M. Rau(Zwickau).